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Auch Benni Raich sagt dem aktiven Skirennsport Lebewohl

© Gerwig Löffelholz / Benjamin Raich

© Gerwig Löffelholz / Benjamin Raich

Wien/Leins im Pitztal – Die österreichische Skiwelt ist um eine Persönlichkeit ärmer, da auch der Pitztaler Benni Raich die Skier mit sofortiger Wirkung an den berühmten Nagel hängt. Der 37-jährige Tiroler, der in seiner langen und erfolgreichen Laufbahn 36 Weltcupsiege und nach Hermann Maier der zweierfolgreichste ÖSV-Skirennläufer ist, machte das erste Mal 1991 auf sich aufmerksam. Damals fuhr er noch nicht im Weltcup, triumphierte aber beim Trofeo Topolino.

Im Juniorenbereich wusste er bei den Weltmeisterschaften 1996, 1997 und 1998 zu überzeugen. Dabei staubte der Tiroler gleich fünf Goldmedaillen ab. Im fernen März 1996 bestritt Raich mit dem Slalom im norwegischen Kvitfjell sein Weltcupdebüt. Ein Jahr später holte er beim Riesentorlauf im US-amerikanischen Vail seine ersten Punkte in der großen Rennserie. Im darauffolgenden Winter konnte er im Europacup überzeugen und holte sich die Gesamtwertung sowie die Slalom- und Riesentorlaufwertung.

Im Januar 1999, Raich war noch nicht einmal 21 Jahre jung, katapultierte sich der Pitztaler beim Schladminger Nachtslalom mit einem Schlag furioser Art in die Weltspitze. Nach dem ersten Durchgang lag er noch auf Platz 23, ehe sein legendärer und fehlerfreier Husarenritt im Finallauf bis auf Position eins nach vorne spülte.

Zu Beginn seiner langen Laufbahn fuhr Raich lediglich in den technischen Disziplinen, doch im Laufe der Zeit konnte der Tiroler auch in den schnellen Disziplinen sein Talent zeigen und vorne mitfahren. Der Pitztaler holte vor heimischer Kulisse bei der Ski-WM 2001 in St. Anton am Arlberg im Torlauf hinter seinem Landsmann Mario Matt die Silbermedaille. 2002, die olympischen Winterspiele gastierten in Salt Lake City, freute sich der langjährige Freund und jetzige Ehemann von Marlies Schild über die Bronzemedaille, die er sowohl in der Kombination als auch im Slalom gewann. Letztere bekam er erst später, da der auf Platz drei gereihte Alain Baxter aus Großbritannien wegen Doping die Auszeichnung verlor.

2003 verpasste Benni Raich, der stets durch seinen bescheidenen Charakter auffiel, bei der Ski-WM im eidgenössischen St. Moritz knapp eine Medaille. Im Torlauf reichte es lediglich für „Blech“. Wesentlich besser lief es zwei Jahre später, als die Skiwelt in Bormio gastierte. Sowohl im Torlauf als auch in der Kombination stand der Tiroler auf dem höchsten Treppchen. Dazu gesellten sich zwei Silbermedaillen im Riesenslalom und im Mannschaftsbewerb. Zum Drüberstreuen freute sich Raich über den dritten Platz und der daraus resultierenden Bronzemedaille im Super-G.

2006, bei den olympischen Winterspielen in Turin, holte er in den technischen Disziplinen jeweils die Goldmedaille. Eine dritte verpasste er, nachdem er in der Kombination in Führung liegend ausschied. 2007, die Ski-WM wurde im schwedischen Åre ausgetragen, gab es für den Tiroler in der Super-Kombination Silber und Gold im Teambewerb. Im Torlauf schrammte Raich um winzige 0,03 Sekunden am Podest vorbei. Auch bei der Ski-WM 2009 holte der routinierte und verlässliche Athlet mit Silber im Riesentorlauf eine Medaille. Nur bei den olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver blieb er ohne Podestplatzierung, konnte jedoch mit drei Top-6-Rängen überzeugen.

Bei der WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen verletzte sich der Tiroler, doch seine Teamkollegen retteten für ihn Silber im Teambewerb und sicherten dem am Kreuzband und Meniskus schwer verletzten Freund ein Medaille. Bei der Heim-WM in Schladming 2013 reichte es nur für die Ränge 13 (Slalom) bzw. neun (Riesentorlauf). 2015 schied er in Vail im Riesentorlauf nach bester Zwischenzeit aus.

Raich sammelte in seiner langen Karriere über 14.000 Weltcupzähler. Zwischen den Saisonen 1999/2000 und 2012/13 landete er immer unter den besten Zwölf. Im Ski-Winter 2004/05 wurde er Dritter, in den Saisonen 2005/06. 2007/08, 2008/09, 2009/10 (mit nur zwei Punkten Rückstand auf Aksel Lund Svindal) und 2010/11 Zweiter. Im Winter 2006/07 stand er ganz oben. In den Jahren 2001, 2005 und 2007 freute sich Raich über die kleine Kugel im Slalomweltcup. 2005 und 2006 gab es die gleiche Auszeichnung im Riesentorlauf. Und auch drei Siege in der Kombi-Wertung gehen auf das Konto des Pitztalers.

Außerdem wurde der Tiroler 2006 zum Österreichischen Sportler des Jahres gekürt und nahm freudestrahlend im gleichen Jahr den Skieur d’Or, gewählt von der Internationalen Vereinigung der Ski-Journalisten, an. Abgerundet wird sein mehr als aussagekräftiges Profil mit dem Sieg bei den Österreichischen Meisterschaften im Riesentorlauf 2000, einem Erfolg im Nor-Am-Cup, sechs Triumphen bei FIS-Rennen und dem Erhalt des Silbernen (2001) bzw. Großen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich.

Nach Niki Hosp, Mario Matt und Regina Sterz ist Raich nun der vierte Skisportler Tirols, der in diesem Jahre seine Karriere beendet. Auch wenn die Lücke, die er im ÖSV-Herrenteam hinterlässt, groß ist, werden die rot-weiß-roten Männer um Marcel Hirscher alles daran setzen, sie zu schließen. Das wäre auch im Interesse von Benni Raich, der sich nun anderen – familiären – Dingen widmen wird. Denn im Windelwechseln wird keine Bestzeit verlangt, und das Präparieren der Skier wird höchstens dann der Fall sein, wenn der bald auf die Welt kommende Nachwuchs von Marlies Schild und Benjamin Raich in die Fußstapfen seiner erfolgreichen Eltern treten wird.

Wir von skiweltcup.tv wollen uns mit dieser kleinen Laudatio und dem kleinen Rückblick auf die große Karriere bei Benni für die schönen Ergebnisse und Erlebnisse bedanken und wünschen seiner Marlies und ihm alles erdenklich Gute für den neuen Lebensabschnitt, in dem es vordergründig keineswegs um Hundertstelsekunden, Materialschlachten und interne Qualifikationen gehen wird.

Bericht für skiweltcup.tv: Andreas Raffeiner

 

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