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Aufstrebende Talente im Interview: Ryan Cochran-Siegle

© alpine.usskiteam.com / Ryan Cochran Siegle

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Unsere Partnerseite www.FISAlpine.com hat ihre beliebte Serie fortgesetzt. Dieses Mal stand der US-Jungspund Ryan Cochran-Siegle Rede und Antwort. Dass er Rennblut in seinen Adern hat, beweist ein Blick in seine Ahnentafel. So gewann seine Mutter Barbara Ann Cochran im japanischen Sapporo die Goldmedaille im olympischen Torlauf. Seine Tante Marilyn Cochran gewann 1969 die Gesamtwertung im Riesentorlauf. Schließlich verlief das Hahnenkammwochenende vier Jahre später  für seinen Onkel Bobby Cochran mehr als erfolgreich, siegte er ja in der Kombination. Und auch wenn Ryan erst 20 Jahre alt ist, ist er sehr erfolgreich. In allen Disziplinen stieg er im Nor-Am-Cup aufs Podest. Bei 13 Plätzen auf dem Siegertreppchen stand er acht Mal auf dem höchsten. In fünf Weltcupeinsätzen kam er zwei Mal in die Punkteränge und außerdem siegte er bei der Jugendweltmeisterschaft im italienischen Roccaraso sowohl in Abfahrt als auch in der Kombination. Fürwahr ein Talent mit glänzenden Karriereaussichten.

Ryan, lass uns ein wenig über deine Familie plaudern. Wer ist der beste Rennfahrer in deiner Familie, sei es in der Vergangenheit oder in der Gegenwart?

Das ist schwer zu sagen. Ich respektiere alles, was meine Familienangehörigen im Laufe ihrer sportlichen Karriere erreicht haben. In meiner subjektiven Meinung sage ich, dass wahrscheinlich meine Mutter die Beste war.

Und wie sieht es mit deinen anderen Familienangehörigen aus?

Obwohl meine Mutter die Goldmedaille gewonnen hatte, hatte meine Tante Marilyn das größte Talent. Abgesehen von ihrem Erfolg war sie erfolgsbesessen. Sie dachte immer, dass sie als Erste durchs Ziel fahren musste. Sie ärgerte sich wie verrückt, wenn sie es nicht tat.

Wie alt warst du, als du realisiertest, dass du einer richtig guten Skifamilie stammst?

Ich wusste immer, dass sie gut waren. Aber es dauerte ein bisschen, um zu verstehen, wie gut sie waren. Meine Mutter zeigte mir in meinen frühen Jahren gelegentlich ihre olympische Medaille. Aber ich habe nie verstanden, wie besonders es ist, eine Mutter zu haben, die ein Rennen bei den Olympischen Spielen gewonnen hatte.

Nun eine schwierigere Frage: Wer  war denn der untalentierteste Skifahrer innerhalb deiner Familie?

Mit solchen hochkarätigen Skifahrern innerhalb meiner Familie wäre es unhöflich, einzelne davon zu nennen.

Wenn wir die Familie deines Vaters betrachten. Gab es hier auch Talente, die es bis in die Elite des Skisports geschafft haben?

Niemand auf der Seite meines Vaters hat versucht, Skirennen zu fahren. Er und seine Brüder waren dennoch gute Skifahrer. Dennoch nahm mein Vater meine Schwester und mich in den Wald, um schwierigere Gelände, Lichtungen und Buckelpisten zu finden, um die Entwicklung als jungen Rennfahrer zu unterstützen.

Was ist das Geheimnis deiner erfolgreichen Skifamilie? Ist es die Natur oder die Erziehung? Wie viel Fahrkönnen liegt in deinen Genen oder ist all das das Ergebnis der Umgebung, in der du aufgewachsen bist?

Sicher die Umwelt. Es begann alles vor Jahren, als meinen Großvater einen kurzen Lift hinter dem Haus aufbaute, mit dem meine Mutter und ihre Familie aufwuchsen. So wurden Skirennen ein großer Teil ihres Lebens. Sie gaben es an meine Generation weiter. Dennoch entstand von meinen Eltern nie ein Druck, den Sport auszuüben. Wir Kinder wuchsen damit auf und wir liebten den Skisport. Ich glaube, dass jedes Kind, das in unserer Situation aufgewachsen wäre, die gleiche Richtung eingeschlagen hätte.

Was  hätte deine Familie gesagt, wenn du gesagt hättest, dass der Skisport nichts für dich wäre und du dich beispielshalber für Hockey oder eine andere Sportart entschieden hättest?

Jeder in der Familie erfährt Unterstützung durch den Anderen. Solange wir Spaß daran haben, spielt es keine Rolle, was wir tun. Wir alle waren in der Oberschule auch in anderen Sportarten aktiv.

Gibt es Snowboarder in der Familie? Wenn ja, werden sie akzeptiert oder sind werden sie als Außenseiter geächtet?

Meine Schwester versuchte es für ein Jahr, aber ich denke, sie vermisste dann das Skifahren mit dem Rest von uns, ehe sie es aufgab.

Hast du dich je im Snowboarden getestet?

Ich versuchte es an einem Nachmittag, aber es war wenig aufregend für mich.

Als eines der jüngeren Mitglieder einer Skifamilie… erinnerst du dich noch an deine erste Skiausrüstung?

Als Jüngster in meiner Familie hatte ich meine Vorteile. Die Ausrüstung wurde, sobald sie zu klein wurde, von den anderen in der Familie weitergegeben. Einmal bekam ich zu meinem Geburtstag neue Rossignol-Skier, so dass ich sehr aufgeregt war, mit einem neuen Paar Skifahren zu können.

Nun schauen wir auf deine Karriere. War der Gewinn der Goldmedaille bei der Junioren-WM im italienischen Roccaraso im März – sowohl in der Abfahrt als auch in der Kombination – die aufregendste Errungenschaft deiner bisherigen Laufbahn?

Ich denke schon. Ich hatte einige gute Ergebnisse bei den Nor-Am-Cup-Rennen und ein paar Starts bei Weltcuprennen vorzuweisen. Aber bei der Junioren-WM hat man pro Disziplin nur ein Rennen, um sich zu beweisen. Es ist eine andere Art der Vorbereitung, um bei diesen Rennen erfolgreich zu sein. Dier Ergebnisse sind nichtsdestotrotz etwas Besonderes für mich.

War die ganze Familie in Roccaraso vor Ort?

Meine Mutter wagte die Reise „über den großen Teich“, was für uns beide super war. Sie schaut sich nicht so viele Rennen von mir an, vor allem wenn sie außerhalb Amerikas stattfinden. So war es ein netter Augenblick, ja ein schöner Moment, diesen mit ihr zu teilen.

Gab es eine größere Feier nach dem Gewinn der beiden Goldenen?

Nicht wirklich. Ich musste nach jedem Rennen in die Staaten zurück. So gab es nie viel Zeit für eine Feier. Nachdem ich dann wirklich wieder in Amerika war, hatte ich bis Anfang April immer wieder ein anderes Rennen.

Was geben dir die Medaillen in Bezug auf das Vertrauen und im Hinblick auf deine zukünftigen Rennen?

Mit dem Gewinn dieser Medaillen mache ich mir mehr Hoffnung für meine Zukunft. So weiß ich jetzt, dass ich auf einer großen Bühne erfolgreich sein kann. Und was die nächsten großen Rennen betrifft, habe ich mehr Vertrauen.

Du bist ein sehr erfahrener Rennfahrer in allen Disziplinen. Besonders in den Speeddisziplinen bist du am erfolgreichsten. Bist du im Herzen ein Adrenalin-Junkie?

Ein bisschen, denke ich. Ich mag neue Dinge ausprobieren, und ich liebe es, Spaß zu haben. Vor einigen Wochen sprang ich mit meinem Team in Neuseeland mit dem Bungee-Seil. Auch während der skifreien Zeit war ich mit dem Mountainbike unterwegs. Ich weiß, wo meine Grenzen liegen. Ich fahre auf der Autobahn z.B. nie rücksichtslos. Zudem kenne ich den Unterschied zwischen etwas Gefährlichem und dem Mut bei einem Rennen an meine Grenzen zugehen.

Ein weiteres jungaufstrebendes Skitalent gab mir im Interview zu Protokoll, dass die Geschwindigkeit sein Leben, seine Bibel, seine Zukunft sei… Was bedeutet Geschwindigkeit für dich?

Ich genieße das Renntempo, und ich habe damit viel Erfolg. Letztlich fahre ich ja in vier Disziplinen. Rennen und Training sind ein wichtiger Teil meiner Entwicklung und Vorbereitung. Aber ich möchte meine Mühen zu gleichen Teilen in die Verbesserung meiner technischen Disziplinen aufteilen.

Die Geschwindigkeit ist nicht für jedermann im alpinen Rennsport gegeben. Manche finden es einschüchternd und beängstigend. Hat dich schon einmal ein Blick aus dem Starthaus beängstigt oder eingeschüchtert?

Eigentlich nie. Aber ich war in Beaver Creek für eine Inspektion. Wäre es ein Rennen, wäre ich spürbar nervöser geworden.

Was war das in Beaver Creek für ein Gefühl, als du das erste Mal oben gestanden bist?

Zuerst war es ein Spaß. Später ließ der Kampf gegen die Kräfte nie nach. Die Fahrt auf dem Gelände war wie eine Fahrt auf einem tosenden Fluss. Mit der Zeit und den letzten beiden Sprüngen scheinen die Beine tot. Man ist außer Puste. Und man kann es nicht erwarten, noch einmal zu fahren.

Was ist die schnellste Geschwindigkeit, die bei dir je gemessen wurde?

Die Geschwindigkeit pendelte sich um 130 km/h ein. Sie wurde in Lake Louise gemessen.

Hast du schon die Strecken besichtigt, die du in den nächsten Jahren bezwingen wirst… Kitzbühel, Bormio, Garmisch,…?

Vor zwei Jahren habe ich meine ersten Erfahrungen mit Chamonix gemacht. Wir waren im Europacup in Meribel im Einsatz. Außerdem stand ja die Junioren-WM in Crans-Montana auf dem Programm.

Der kanadische Skirennläufer Erik Read erzählte uns, dass jedes Rennen wichtig ist. Im letzten Jahr belegtest du den zweiten Endrang, zehn Punkte hinter ihm. Teilst du seine Auffassung?

Auf jeden Fall. Ich habe den Gesamtsieg nur um zehn Punkte verpasst. Es gab Rennen, die ich nicht fuhr. Das war ausschlaggebend. Ich erreichte den Sieg in der Abfahrts- und in der Super-G-Wertung, so dass ich alles in allem sehr zufrieden war.

Was ist der beste Ratschlag, den dir jemand im Skisport gegeben hat?

Das ist ganz einfach. Konzentriere dich immer auf deine Fahrt und die Ergebnisse werden folgen.

Was ist der beste Tipp, denn du von jemand bekommen hast, der nicht aus deiner Skifamilie stammt?

Habe einen kühlen Kopf und eine positive Einstellung. Das heißt: Lerne aus deinen Fehlern. Es ist einfach, ein Auf und Ab zu erleben, wenn die Dinge nicht so verlaufen wie geplant. Wenn man aus den Fehlern lernt wird es weniger wahrscheinlich, sie zu wiederholen.

Was ist der beste Ratschlag, den du einem jungen Rennfahrer geben würdest?

Hab Spaß! Wenn es nicht angenehm ist, suche etwas anderes, was dich glücklich macht. Das Leben ist kurz, und es macht keinen Sinn, es zu verschwenden.

Was könntest du, in Bezug auf die Art und Weise mit den Skiern umzugehen, verbessern?

Einen ruhigen Oberkörper, eine ausgewogenen und gleichförmige Haltung im Übergang, weiters eine starke Bewegung über den neuen Skier, die Druckerhöhung an der Spitze des Zuges…

Was ist der schwierigste Teil deines Lebens als Skirennfahrer? Reisen? Der Verzicht auf Junk Food? Das Zu-Bett-Gehen zu vernünftigen Stunden? …

Ich würde gerne einige Zeit mehr zuhause verbringen. Zwischen den Trainingslagern in Mt. Hood, Neuseeland, Portillo und Colorado und dem Zeitraum der körperlichen Trainings konnte ich nicht lange daheim bleiben. Ich habe mich daran gewöhnt, zumal ich den größten Teil des Jahres aus dem Koffer lebe.

Was sieht dein Renn-Zeitplan der bevorstehenden Saison aus? Ist es ein Mix aus Nor-Am-, Europa- und Weltcupeinsätzen?

Ich habe mich mit meinen Trainern noch nicht besprochen, aber ich gehe davon aus, dass es eine Auswahl der drei sein wird. Wahrscheinlich werde ich in Lake Louise und Beaver Creak im Super-G und in der Abfahrt an den Start gehen. Aber ich bin nicht sicher. Ich möchte ein paar Weltcuprennen mehr bestreiten als im Vorjahr, aber ich kann noch nichts genaues sagen. Somit muss ich diesen Plan noch erstellen.

Hast du Vorbilder, mit denen du aufgewachsen bist, rein skifahrerisch?

Ja, neben Ted, Bode und meinem Cousin Jimmy war dies der österreichische Skistar Hermann Maier.

Was machst du außerhalb der Piste, bzw. wo ist die Geschwindigkeit dein täglicher Begleiter?

Ich habe im Frühling ein neues Mountain Bike gekauft. Da bin ich gerne schnell unterwegs. Die Wanderwege in Utah sind glatt und trocken und scheinen kein Ende zu haben. Ich habe damit angefangen. Es gibt tolle Aufstiege und tollere Abfahrten. Es macht mehr Spaß als nur stundenlang auf einem stationären Rad zu strampeln.

Versteckte Talente und interessante Hobbys. Gibt es etwas, was du uns darüber erzählen kannst?

Ich verbringe einen Teil meiner Zeit zu Hause und helfe meiner Cousine auf der Farm. Da gibt es immer viel zu tun und ich helfe gerne mit.

Hattest du Zeit für einen Urlaub in der trainings- und skifreien Zeit?

Ich ging nach Cape Cod und verbrachte mit guten Freunden im Juli eine schöne Zeit. Dieses Erlebnis war eine nette Abwechslung. So gingen wir jeden Tag zum Strand und versuchten uns im Surfen. Jedoch waren die Wellen zu nahe an der Küste. Positiv war der Umstand, dass niemand von den Haien gefressen wurden. Somit waren wir zufrieden.

Wie sieht es mit der Vorbereitung auf das neue Jahr aus?

Es läuft gut. Im Training habe ich den Fokus auf Torlauf und Riesentorlauf gelegt. Das war in Neuseeland. Im chilenischen Portillo habe ich wieder mich auf die Speeddisziplinen konzentriert. Am Anfang hatte ich einige Probleme mit der Anpassung an die neuen Riesentorlauf-Skier, aber ich habe Fortschritte darin gemacht. Neben dem Skifahren habe ich wertvolle Fortschritte in Bezug auf Kraft, Explosivität und Flexibilität gemacht. Ich muss mich noch körperlich und technisch verbessern, aber ich freue mich, am Leistungsstand des vergangenen Winter, just, an dem ich aufgehört, anzuknüpfen.

Interview für   www.fisalpine.com/news/alpine-young-guns-ryan-cochran-siegle,2041.html: Michael Mastarciyan

Übersetzung und Zusammenfassung für skiweltcup.tv: Andreas Raffeiner 

 
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