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Der verzwickte und mega-spannende Run auf Kristall

Das war die Weltcupsaison 2015/16

Das war die Weltcupsaison 2015/16

St. Moritz, der Name hat was. Etwas, das selbst noble Skiorte wie Kitzbühel, Aspen, Courchevel, Gstaad, Zermatt, Chamonix, Klosters, Davos so nicht haben. St Moritz, das ist Mythos, Magie, Glamour, Lifestyle und Tradition. So lockte der Hotelier Johannes Badrutt schon vor 150 Jahren seine englischen Sommergäste mit einer Wette. Sie sollten doch mal im Dezember kommen. Der Engadiner Winter sei nämlich wunderbar, und er würde ihnen die Reisekosten erstatten, wenn sie es bereuen würden. Die Engländer kamen, und sie kamen immer wieder und mit ihnen seither Wintertouristen von überall.

St Moritz war schon immer der Zeit voraus. Es bietet exotische Wintervergnügen wie kein anderer Wintersportplatz. Bobrennen seit 125 Jahren, Skikjöring seit 1906, „White Turf“ Pferderennen auf dem zugefrorenen St. Moritzersee seit 1907, Skeleton seit 1885, Schnee-Polo, Cricket on Ice und inzwischen auch Night Turf. Der Reiz des Exklusiven lockte natürlich Blaublütige, Reiche und Berühmte an – etwa Playboy Gunter Sachs (T 2011), dessen Sohn Rolf, Sonja Ziemann, die Fürstenbergs, den Schah von Persien, dessen Villa an Berlusconi ging, Willy Bogner, Henri Pinault, dem Gucci-Besitzer, oder die Niarchos- und Livanos-Clans, Reedermilliardäre und Miteigentümer der Nobelhotels „Badrutt’s Palace und Badrutt’s Kulm.

Natürlich dürfen in so einem Alpen-Dorado Sport-Events der Weltklasse nicht fehlen. Und: Auch da kann kein anderer Wintersportort mithalten. In St Moritz gab es seit 1998 regelmäßig alpine Ski-Weltcuprennen, zwanzig Bob- und fünf Skeleton-Weltmeisterschaften, auch eine im Eiskunstlaufen (1914),  zweimal Olympische Winterspiele (1928, 1948), sowie Alpine Ski World Championships 1934, 1948, 1974 und 2003.

Als Generalprobe für die alpine Skiweltmeisterschaft 2017 fand das AUDI FIS Weltcup-Finale 2016 in St. Moritz statt. Ohne die Weltcup-Gesamtsiegerin der beiden vergangenen Jahre Anna Fenninger, die wegen eines Kreuzbandrisses alle Rennen verpasste. Ohne die ebenfalls verletzte Julia Mancuso. Ohne Tina Maze, die ein Jahr Pause machte. Ohne Ted Ligety, der bombig in Form, den ersten Riesenslalom in Sölden gewann, sich dann beim Training verletzte und alle Rennen sausen lassen musste. Ohne Lindsey Vonn, Aksel Svindal und Patrick Küng, die sich alle locker für das große Finale der 25 weltbesten Skirennläufer/innen qualifiziert hatten und zu den Favoriten für die Kristallkugeln zählten, aber die Rennsaison nach Verletzungen vorzeitig abbrechen mussten.

Ach ja, es war ein verrückter Weltcup-Winter, weil es viele Topleute vorzeitig erwischte, weil viele Wettkämpfe wegen Schneemangel anfangs abgesagt oder verlegt werden mussten und auch, weil Wetterkapriolen die Planungen durcheinander wirbelten.

Irre – die Speed-Wettbewerbe der Männer. Aksel Svindal, der nach seinem Horrorsturz in Kitzbühel keine Rennen mehr fuhr, ist durch seine Siege am Lauberhorn, in Wengen und im Super-G in Kitzbühel noch immer in den Punkterängen für die kleinen Kristallkugeln „außer Gefecht“ dabei! Bei der Abfahrt liegt er vor dem letzten Rennen noch vor dem Italiener Peter Fill, der dann aber vorbeizieht und die Kristallkugel mit nur wenig Punkten Vorsprung nach elf Rennen glücklich gewinnt, weil auch der Schweizer Beat Feuz wegen einer gerissenen Achillessehne nur sieben Rennen machen konnte. Svindal behauptet neben der Abfahrt auch noch im Super-G Rang zwei hinter seinem Landsmann Kilde, der sich da die kleine Kristallkugel holte.

Verletzungen haben auch Lindsey Vonn den Weltcup-Winter 15/16 vermasselt. Sie musste am Saisonanfang wegen Nachwehen eines Knöchelbruchs und vor Saisonende wegen eines Haarrisses im Knie passen und konnte so nur die kleine Kristallkugel für ihre fünf Abfahrtssiege abholen. Ihre Führungen im Gesamtweltcup, wie auch im Super-G konnte die verletzte Amerikanerin jedoch nicht halten, weil Lara Gut sich die fehlenden Punkte zum Schluss noch holen konnte und Vonn nur die zweiten Plätze überließ.

Im Slalom fuhren Henrik Kristoffersen und Mikaela Shiffrin in einer eigenen Liga. Der junge Norweger holte mit sechs Siegen und weiteren Podestplätzen souverän die Slalom-Kugel, und die Amerikanerin deklassierte ihre Konkurrentinnen bei jedem ihrer fünf Rennen. Doch Shiffrin hatte wegen eines Innenbandrisses mehr als die Hälfte der Rennen verpasst, und so schnappte ihr die Schwedin Frida Hansdotter die Slalom-Kugel weg.

Superspannend der Riesenslalom der Frauen, wo es am letzten Tag, beim letzten Lauf des Weltcup-Finale noch um alles ging. Die mit 52 Punkten vor Viktoria Rebensburg führende Eva-Maria Brem sah nach dem ersten Durchgang schon wie die sichere Kristallkugelgewinnerin aus. Doch mit einem Traumlauf setzte Rebensburg die Österreicherin unter Druck, die dann von ihrem Vorsprung bei jeder Zwischenzeit immer mehr einbüßte. Es wurde so eng, dass Rebensburg zum Schluss nicht mehr hingucken konnte. Zwei Pünktchen oder 0,05 Sekunden haben schließlich Viktoria Rebensburg zu Kristall gefehlt. Schade! Doch ihr Slalomsieg, sowie der 2. und 3. Rang der Slalom-Disziplin- und Gesamtweltcup-Wertung waren eine „kleine“ Entschädigung.

Und: Noch spannender, noch enger war die Entscheidung beim Teamwettbewerb. Ein Wimpernschlag von 0,04 Sekunden war das Schweizer Team nach vier Läufen im Finale des Parallelslaloms schneller als das deutsche Team mit Dürr, Geiger, Hirtl-Stanggassinger, Dopfer, Luitz und Stehle.

Verletzungen und Ausfälle hin oder her – Es wäre nicht fair den Trophäensammlern und Gesamtweltcupgewinnern Marcel Hirscher und Lara Gut ihre Erfolge bei der großen Show beim Saisonabschluss in St. Moritz nicht zu gönnen. Und: Die alpine Ski-Weltmeisterschaft kann 2017 kommen, mit Anna Fenninger, Aksel Svindal & Co und vielleicht auch noch einmal mit Bode Miller, der seinen Rücktritt ja noch nicht erklärt hat

Kommentar für Skiweltcup.TV: Dr. Eberhard „Pino“ Mueller     

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