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Eurosport-Ikone Guido Heuber im skiweltcup.tv-Interview: „Ein Leben für den Skisport“

Guido Heuber mit Georg Streitberger in Gröden (Foto: Guido Heuber / privat)

Guido Heuber mit Georg Streitberger in Gröden (Foto: Guido Heuber / privat)

München – Als Moderotor auf Eurosport verfolgt begleitet der Deutsche Guido Heuber den alpinen Skiweltcupzirkus seit Jahren. Wir sprachen mit dem lustigen, wortgewandten und skiverrückten Kollegen, der als ausgebildeter Sommelier bereits Riesentorlauf-Weltmeister der Gastronomie-Klasse wurde, über die letzte Saison, den nie austrocknenden Daten- und Informationsfluss, die fünf besten Skigrößen aller Zeiten und vieles mehr.

skiweltcup.tv: „Herr Heuber, die alpine Ski-Saison 2015/16 ging bereits vor einiger Zeit zu Ende. Am Ende gab es mit den Siegen von Lara Gut und Marcel Hirscher einen Neuling und einen Serientäter. Haben sich diese beiden Sportler die große Kristallkugel verdient? Wer hat für Sie enttäuscht, wer überrascht? Können Sie bitte Ihr persönliches Fazit ziehen?“

Guido Heuber: „Grundsätzlich ziehe ich vor jedem Athleten den Hut, der es schafft, eine gesamte Weltcup-Saison vorne mit dabei zu sein. Gerade an den Verletzungen sieht man, wie aufreibend das ist. Wer es dann auch noch schafft, ganz vorne zu sein und den Gesamtweltcup zu gewinnen, hat meinen unangefochtenen Respekt. Sowohl Lara Gut als auch Marcel Hirscher sind großartige Sportler und haben sich natürlich die große Kugel voll verdient. Sicherlich ist auch die rein sportliche Leistung fantastisch, aber dazu zählt halt nun mal auch die körperliche Leistung, ja gesund zu bleiben. Gerade Marcel lebt das beispielhaft vor. Ich gehe davon aus, dass er bei über 95 % seiner persönlich potentiell möglichen Fitness steht. Das ist auch der Grund, weshalb er sich nicht verletzt hat.

Ich habe in den letzten Monaten immer wieder gehört, dass Lara vom Ausfall Lindsey profitiert und Marcel es durch den Ausfall Aksels geschafft hat. Schwachsinn. Genau das meine ich. Zu der Leistung eines Gesamtweltcupsiegers gehört es auch, gesund zu bleiben. Ob das nun gesteuert oder Glück ist, ist mir vollkommen egal. Gratulation an Lara und Marcel… ich bin stolz, den Skirennsport mit solchen ‚Vollblutrenntieren‘ erleben zu dürfen.

Wer mich überrascht und enttäuscht hat? Da sind wir wieder bei Punkt a. Enttäuscht hat mich keiner, denn sie haben es alle in den Weltcup geschafft, und das alleine ist nur sehr wenigen vergönnt und an für sich eine fantastische Leistung. Auch überrascht würde ich nicht sagen, sondern eher erfreut. Das trifft vor allem auf Peter Fill, einem einfach so geilen und natürlichen Typen, zu, der das Skifahren, wie alles um sich herum so liebt. Er ist ein Sportler, zu dem man aufschauen kann und sich freut, wenn er unterwegs ist. Dass er als erster Abfahrtsgesamt- und Streif-Sieger für Italien Geschichte geschrieben hat, ist einfach mega!

Wer mich kennt, weiß, dass ich mein ganzes Leben lang höchst aktiv Sport betreibe. Ich habe auch die negativen Seiten erlebt und gesehen. Zu letzterem gehören Verletzungen. Mir zerreißt es fast immer das Herz, wenn sich einer weh tut, weil ich extrem mitfühlen kann.

Mein erstes Fazit lautet, dass es viel zu viele Verletzungen gibt. Es muss noch mehr daran gearbeitet werden, dass das besser wird. Der Airbag ist die richtige Richtung. Weiter so. Weltcups mit einer Rettungskette, die durch idiotische Versicherungsgesetze behindert werden, wie es etwa in Nordamerika der Fall ist, dürfen nicht stattfinden. Ohne Druck ändert sich da nie etwas, und der nächste Sportler liegt minutenlang im Schnee, ohne dass der eigene Mannschaftsarzt helfen darf. Ein Skandal!

Außerdem muss sich der Weltcup weiterentwickeln. Das Format ist schrittweise veraltet, und das wird für die junge Generation zu langweilig.  Schon jetzt ist der Hauptzuschaueranteil im TV jenseits der 50+. Das ist zu alt für einen so geilen Sport. Rein in die Städte, her mit Live-Bands. Ab in die abendliche Primetime! Bartl Gensbichler vom Skiklub Saalbach hat zum Beispiel die Vision von einer Abfahrt am Zwölferkofel in der Nacht bei Flutlicht. Das wär’s doch. Da brennt garantiert die Luft, und jeder will dabei sein. Alle Weltcups müssen zu Festivals werden, so wie es Kitzbühel und Schladming jedes Jahr vorlebt. Wer das nicht schafft, muss das Zepter an andere abgeben, da kann die Strecke noch so toll sein.“

skiweltcup.tv: „Nicht nur im Sport lautet die Devise ‚Immer höher, weiter, größer‘! Die Datenrevolution zwischen I-Phones und sozialen Medien, Instagram und Twitter verändert die Welt, und das nicht nur auf sportlicher Basis. Ist es hier nicht besser, bewusst einmal ein paar Gänge zurück zu schalten und in gewissen Moment nachhaltiger und es ruhiger anzugehen?“

Guido Heuber: „Na, da bin ich vermutlich der Falsche für diese Frage. Ich finde sogar, dass noch viel zu wenig gemacht wird. Wir werden mit einer Generation groß, die derart Vollgas in der Datenwelt gibt, dass wir uns den Strick selbst um den Hals legen, wenn wir davor die Augen verschließen. Auf Sendung arbeite ich gleichzeitig mit zwei Bildschirmen, zwei Datenbanken, Facebook, SMS, Twitter und Telefonaten. Ich komme mir manchmal wie Captain Kirk vor (lacht). Aber das ist es: Ich finde, dass man daher den Datenboom auch für den Skiweltcup nutzen soll. Viele Athleten und Trainer sind am Wettkampftag mit Smartphones unterwegs. Warum sollte man also nicht Wege öffnen, um Tweets, Posts, etc. öffentlich sichtbar zu machen.

Wir von Eurosport haben damit bereits begonnen. Wenn wer was zu sagen hat, dann sollte dies aber doch auch im Stadion auf den Leinwänden erscheinen können. Ohne Zwang, einfach nur wer will. Kampfansagen von Kontrahenten wie etwa beim Boxen würden einen Weltcup bereichern und vor allem junge Fans ansprechen. Wenn ein Athlet einfach nur seine Emotionen an einem Wettkampftag rauslässt, dann ist das doch Sport pur. Nachhaltige Ruhe kehrt dann eh ein, wenn die Show rum ist.“

Guido Heuber und Aris Donzelli

Guido Heuber und Aris Donzelli

skiweltcup.tv: „Stehen Sie abseits der Skirennen auch einmal auf der Piste. Unbestätigten Angaben Ihres Berufskollegen Aris Donzelli zufolge sollen Sie ein zweiter ‚Hermann Maier‘ sein, wenn es um den unbändigen Ehrgeiz und den unbezwingbaren Siegeswillen geht…“

Guido Heuber: „Ok Aris… ich gebe dir einen aus für diese netten Worte (lacht):

Tatsächlich stehe ich jede freie Sekunde auf Ski. Selbst in einer mageren Saison wie heuer hatte ich rund 130 Skitage mit weit über 750.000 Höhenmetern. Meistens bin ich mit meinem gerade erst vier Jahre alten Sohn unterwegs. Ich finde, selbst Ski zu fahren dazu gehört, sonst ist man nicht glaubwürdig.

Dass ich als ausgebildeter Sommelier schon Riesenslalom-Weltmeister der Gastronomie-Klasse geworden bin, zeigt, dass in mir immer noch Rennblut pocht. Leider wurde ich in meiner Jugend viel zu wenig gefördert, denn mit meiner Skibegeisterung wäre vielleicht mehr aus mir geworden, als ‚nur einer, der es probiert hat.‘ Immerhin war ich mal zwei Jahre in der deutschen Freestyle-Nationalmannschaft, aber das ist lange her.“

skiweltcup.tv: „Wer sind die besten fünf Skirennläuferinnen und -läufer des alpinen Skirennsports? Sind Ihnen diese Namen ad hoc eingefallen, oder verbinden Sie mit jeder/m Genannten ein persönliches, einprägsames Erlebnis?“

Guido Heuber: „Also nach 20 Jahren Weltcup könnte ich damit Seiten füllen, weil es so viele ‚Beste‘ gibt und gegeben hat. Ich könnte Abende damit verbringen, mir mit anderen begeisterten Skifans Storys über die ‚Besten‘ zu erzählen. Ich will aber mal fünf rauspicken, die für mich nicht nur sportlich, sondern auch persönlich zu den Besten gehören (und das sind bewusst andere, wie erwartet, weil sonst wäre es ja langweilig):

  1. Ondřej Bank: Ich glaube, keiner hatte so oft die Chance, eine Medaille bei Großevents zu gewinnen, wie er. Der Tscheche ist für mich einer der besten Kombinierer, die es je gegeben hat. Schon in Garmisch-Partenkirchen hätte er bei der WM fast Geschichte geschrieben, Und zuletzt in Beaver Creek wurde er nur durch eine Bodenwelle vom Weltmeistertitel abgehalten. Und das mit den bescheidenen Mitteln, die der tschechische Verband mitbringt. Ondřej… Ein Hammertyp!
  2. Manuel Osborne-Paradis: Ein fantastischer Skirennläufer, der vermutlich selbst im Rennen nicht die Klappe halten kann. Wer es je mit Manuel an eine Bar geschafft hat, der hat auf jeden Fall Storys für die nächsten zwei Monate zu erzählen. Die meisten mit Sprüchen garniert, die einem das Zwerchfell zum Platzen bringen. Hoffentlich bleibt Mani noch eine Weile dabei.
  3. Viktoria Rebensburg: Nicht nur eine, die ganz vorne dabei ist, sondern eine, die man ins Herz schließen MUSS! Lustig, offen, ehrlich, hübsch … Einfach ein tolles Weib! Und die Einzige, bei der ich während einer Siegerehrung Tränen in den Augen hatte. Ich habe mich so für sie über den Olympiasieg gefreut, dass auch bei mir die Emotionen durchgingen. Danke dafür Vicky!
  4. Daniel Albrecht: Einer der ganz oben stand und überlebt hat. Unglaublich, sich wieder so zurück zu kämpfen, nachdem was in Kitzbühel passiert ist. Das ist ganz großes Kino! Als Co-Kommentator hat er es sogar geschafft, dass es mir on air kalt den Rücken runtergelaufen ist. Seine Worte habe ich immer noch im Ohr: ‚… und dann habe ich die Augen aufgemacht und habe gezählt: 1…2…3 Ärzte an meinem Bett… Mmmhh… Nicht gut, habe ich gedacht.‘ Gratuliere zu so einem Comeback und viel Glück jetzt mit deinem Nachwuchs, Dani.
  5. Stefan Steinacher: Ein ehemaliger Skirennläufer, der es auf Umwegen in den Weltcup geschafft hat. Als Stadionsprecher bei den Weltcups in Österreich schreibt er für mich Geschichte. Er hat es geschafft das ehemalige ‚1:21, 1:22, 1:23 und da kommt er!‘ abzuservieren und völlig neu zu definieren. Seine Idee, ein Stadion-TV einzuführen ist legendär; seine Moderationen mit so viel Leidenschaft und sein Leben für den Skirennsport sind so bewundernswert, dass ohne den Ski-Freak ‚Steini‘ der Rennsport nicht da wäre, wo er heute ist. Einer, der Spuren hinterlässt!“

skiweltcup.tv: „Wenn Guido Heuber eine Biografie schreiben würde, welchen Titel würde sie tragen, und warum?“

Guido Heuber: „Vielleicht „OleOle“?!? Das ist ein Ausspruch, der von vielen mit mir verbunden wird, weil der mir immer rausrutscht und auch irgendwie zu mir passt. Unkonventionell, offen und anders. Zumindest sehe ich mich so. Oder auch vielleicht: ‚Komm, lass uns Skifahren‘, … weil das mir das Wichtigste in meinem Leben ist.“

Bericht und Interview für skiweltcup.tv: Andreas Raffeiner

Guido Heuber mit dem wichtigsten Skifahrer der Welt: Seinem 4-jähriger Sohn in der roten Startnummer, in der Aksel Svindal heuer Wengen gewonnen hat. (Foto: Guido Heuber / privat)

Guido Heuber mit dem wichtigsten Skifahrer der Welt: Seinem 4-jähriger Sohn in der roten Startnummer, in der Aksel Svindal heuer Wengen gewonnen hat. (Foto: Guido Heuber / privat)

Die Skiweltcup.TV Sommer-Interviews 2016 – und alle zwei Tage werden es mehr!

Nadia FanchiniBernhard RussiEster LedeckáJulien LizerouxChristina „Tina“ GeigerNiki HospMarcus SandellCarina DengscherzBürgermeister Alfred M. RiedererEva-Maria BremNiklas KöckPernilla WibergBoštjan KlineRamona SiebenhoferAnton GrammelKathi GallhuberPhilipp SchörghoferEdit MiklósAndré MyhrerManuela MölggFritz DopferAlexander FröisIlka ŠtuhecHannes ReicheltBernadette SchildMarcel HirscherFederica BrignoneGünther Nierlich jun.Kira WeidleManfred MölggSki-Entwickler Mathieu FauveFabio RenzHermann MaierMatthias HüppiNicole SchmidhoferGeorg StreitbergerMarlene SchmotzOliver Polzer  – Tina WeiratherRiccardo Tonetti Aris DonzelliAndreas SanderAnnemarie Moser-PröllAna DrevNadia DelagoRoland LeitingerMirjam Puchner  – Marco SchwarzConny Hütter Dominik ParisPeter Fill  – Stephanie Venier

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