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FIS Ski World Cup Gardena Gröden: Stefania Demetz – Eine Frau für alle Fälle

Stefanie Demetz / Foto: Robert Perathoner

Stefania Demetz / Foto: Robert Perathoner

Wenn es in der dritten Dezemberwoche in Gröden heiß zugeht, ist das sicher ein Verdienst von Stefania „Stefi“ Demetz. Die Geschäftsführerin von FIS Ski World Cup Gardena Gröden zieht im Hintergrund die Fäden und ist im Renngeschehen mittendrin anstatt nur dabei. Wenn alle vom Pistenarbeiter bis zum Abfahrtsstar zufrieden sind, ist auch Demetz zufrieden. Man muss aber betonen, dass Demetz trotz ihrer großen Verantwortung ein bescheidener Charakter ist. Denn Demetz ist eine exzellente Teamplayerin. Und das im wahrsten Sinn des Wortes.

Frau Demetz, was macht die Geschäftsführerin von FIS Ski World Cup Gardena Gröden in der warmen Jahreszeit? Schaut sie besorgt in den Himmel und hofft bald auf einen Wintereinbruch?

Nein, ich liebe die warmen Jahreszeiten. Insbesondere nach einem langen Winter Schnee und Bergen möchte ich auch andere Landschaften sehen. Die Durchführung einer Großveranstaltung bedingt immer eine lange stressige Arbeit verbunden mit einer gewissen Vernachlässigung des Privatlebens. Mit der Schneeschmelze kann ich wieder zu einem „normalen“ Lebensrhythmus zurückkehren. Berufsmäßig gesehen ist dies von besonderer Wichtigkeit: Zusammen mit meinem Team wird vorerst die Veranstaltung analysiert. Insbesondere eventuelle Schwachpunkte und inzwischen obsolet gewordene Aspekte. Was kann verbessert werden, wie laufen Trends und Tendenzen? Erst kürzlich las ich in einem Artikel der Wirtschaftszeitung Sole-24 Ore über die besondere Wichtigkeit der Vorbereitungsphase einer Aufgabe vor deren Durchführung. Manchmal genügt eine schöne Wanderung und der Knoten löst sich von alleine. Man sollte dabei keine Eile haben und sich Zeit nehmen können. Somit sind Frühjahr und der Sommer jene Jahreszeiten, in denen mir ein frischer Wind um den Kopf weht und ich neue Energie tanken kann.

Welches sind die Hauptaufgaben, die in Ihr weit gefächertes Arbeitsgebiet der FIS Ski World Cup Gardena Gröden-Geschäftsführerin hineinfallen?

Die Koordination des gesamten Einsatzplanes. Unsere Struktur sieht eine Einteilung in verschiedene Arbeitsbereiche vor, in denen die entsprechenden Abteilungsleiter eine hohe eigenständige Entscheidungsmacht haben. Es sollte alles transparent sein und in ein zusammenpassendes Gesamtbild enden. Nach Fredmund Malik sollte ein Manger „Gärtner sein, der dafür sorgt, dass die Pflanzen von alleine wachsen.“ Genau darin liegt meine Hauptaufgabe: Alle sollten ihre Aufgabe mit Erfolg und Zufriedenheit abwickeln. Natürlich bin ich in engem Kontakt mit unserem Präsidium und in enger Zusammenarbeit entscheiden wir über die jeweils anzuwendende Strategie, die Erstellung und Abwicklung von Verträgen sowie den wichtigen Kontakt mit Behörden und Partnern.

Stefanie Demetz mit Kristian Ghedina (2006) – Foto: Robert Perathoner

Stefania Demetz mit Kristian Ghedina (2006) – Foto: Robert Perathoner

Gibt es eine nette Anekdote, die in Ihre mittlerweile zwölf jährige Amtszeit fällt und auf jeden Fall erzählenswert ist?

Es war im Jahre 2004 und wie immer befand ich mich im Zielraum und verfolgte das Rennen auf dem Großbildschirm. Auf der Strecke befand sich gerade Kristian Ghedina. Irgendwann richtete sich mein Blick auf den Zielschuss, in dem sich etwas bewegte. Ghedina fuhr gerade über die Ciaslat-Wiesen und wenige Sekunden später würde er durch Ziel sausen. Bei genauerem Hinsehen erkenne ich ein Reh genau auf der Zielgeraden. Aufgeregt schrie ich ins Funkgerät „Ein Reh auf der Strecke“. Natürlich war dies ein Gefühlsausbruch, den niemand, der mich im Funk hörte, hätte die Möglichkeit gehabt, etwas zu unternehmen. Mir kam vor es herrschte absolute Stille wie sich Ghedina dem Reh näherte und schon befürchtete ich einen Zusammenstoß. Das Reh – aufgeschreckt –  konnte sich jedoch rechtzeitig in Sicherheit bringen und Ghedina fuhr haarscharf daran vorbei. Ich begann wieder zu atmen, Kristian blickt auf die Zieleinfahrt zurück und konnte es nicht fassen. Kurz darauf passiert auch das Reh die Ziellinie, vom Publikum mit einem Aufschrei begrüßt. Einem unserer Mitarbeiter gelang es, das verschreckte Tier im Zielraum einzufangen, nahm es in seine Arme wie er es mit seinem Hund macht und brachte es in den Wald zurück. Leicht hätte es in einer Tragödie enden können doch beide kamen mit dem Schrecken davor und für das Publikum war es ein unerwartetes Highlight.

Mit wie vielen Leuten arbeiten Sie zusammen und ab wann wird es mit den Vorbereitungen für die Rennen Mitte Dezember auf der Saslong?

Über das ganze Jahr hinweg sind wir zwei Vollzeit- und fünf Teilzeitbeschäftigte. Das ganze Jahr gibt es etwas zu tun, im September beginnt die volle Vorbereitungsphase und allmählich steigt die Anzahl der Beschäftigten auf 800 Personen in der Rennwoche.

Foto: Robert Perathoner / FIS Ski World Cup Gardena Gröden

Foto: Robert Perathoner / FIS Ski World Cup Gardena Gröden

Und wie schaut dann – bei aller Hektik und anfallenden Problemen – ein Arbeitstag aus?

Je nach Arbeitsphase ändert sich auch der Rhythmus. Der echte Countdown beginnt dann mit dem ersten Weltcup-Event in Sölden Ende Oktober. Das ist so wie mit einer Straße: Anfänglich ist sie schmal und kurvenreich, von wenigen befahren, dann wird sie breiter, dann enorm und es gibt Abzweigungen, Kreuzungen, Plätze und immer mehr Verkehr. Mit der Zeit habe ich gelernt, meine Zeit effizienter einzusetzen und heute verbringe ich wirklich nur mehr selten eine Nacht im Büro. Ich bin mir natürlich auch bewusst, dass ich meine Energien ökonomisch einsetzen und auch den Computer ab und zu  ausschalten muss. Wenn ich Ruhe und absolute Konzentration brauche dann bin ich frühmorgens  allein im Büro. Kurz darauf beginne ich mit der Bearbeitung meiner Mails, den Gesprächen mit Mitarbeitern und Besuchern, Telefongesprächen usw.

Mit der Ankunft der Teams ändert sich dann alles ruckartig: Einen Tag vor Beginn der Trainingsläufe besichtige ich die Rennstrecke. Daraus ist ein Ritual geworden, das ich nicht mehr vermissen möchte: Um 6.30 Uhr ein heißer Kaffee am Start auf dem Ciampinoi und dann geht‘s los. Es folgen vier turbulente Tage mit Gesprächen mit Mitarbeitern, Offiziellen, Gästen und viel mehr. Auch muss ich im Pressesaal vorbeikommen und am Nachmittag bei den Mannschaftsführersitzungen dabei sein. Auch die Abende sind mit Terminen vollgestopft und ich fühle mich wie ein Surfer auf der Welle. Dies kann auch, trotz Ermüdung, Spaß machen. Am Samstag verfolge ich das Rennen dann in einer Kabine im Zielhaus, ganz allein. Normalerweise ein schöner Abschluss – für mich das Neujahrsfest.

Frau Demetz, ein Blick zurück: Waren Sie auch einmal als Skirennläuferin tätig oder lagen Ihre Stärken immer schon im Delegieren, Koordinieren und Lösen von möglichen Problemen?

Bin nie Rennen gefahren. Ich glaube ich habe auf eine Rennsportkarriere verzichtet, als in bei einem Volksschulrennen im Zielschuss abgebremst hatte, um im Publikum meine Mutter zu suchen und zu grüßen… Ich erinnere mich nicht mehr ganz an meine damaligen Neigungen. Eine gewisse Sympathie zur „Leadership“ war mir schon angeboren, als ich in der Oberschule eine Revolte gegen die Schwestern des Schülerheimes anführte. An der Uni studierte ich jedoch Spanische Literatur und nicht Wirtschaft. Ich bin jedoch überzeugt, dass mir die augenblickliche Arbeit geholfen hat, einige meiner Charakteristiken weiter zu entwickeln und zu verfeinern. Ich musste alles erst erlernen, das Delegieren, das Koordinieren beim  erfolgreichen Lösen eines Problems, beim Zuhören und den Bewertungen der verschiedenen Meinungen. Damit war wenig Mühsam verbunden aber viel Leidenschaft, Dinge aufzubauen und nicht nur  zu verfolgen.

Außerdem sind Sie Vizepräsidentin von Club 5. Was ist damit gemeint?

Club 5 ist der Verbund der Organisatoren von „klassischen“ Weltcuprennen. Heute besteht Club 5 aus 15 Mitgliedern. Die Ziele sind vielfältig: Einerseits sind wir wichtige Gesprächspartner des Internationalen Skiverbandes FIS in Sachen Weltcup. Seit Jahren befassen wir uns mit den verschiedensten Aspekten, sowohl organisatorischer Sicht als auch aus jener des sehr wichtigen Vertragswesens, um die Abwicklung des Weltcupprogramms zu perfektionieren Außerdem, und vielleicht nicht weniger wichtig, pflegen wir das interne Know-How um den Auftritt aller Mitglieder möglichst auf demselben Qualitätsniveau zu sichern. Ich selbst z.B. koordiniere die verschiedenen Workshops die jährlich durchgeführt werden und in denen wir uns in den verschiedensten Facetten unserer Organisation messen und absprechen, sei dies die Sicherheit auf der Strecke, das Wohlergehen der Zuschauer, die Einteilung der Zielstadien, die Markt- und TV-Analysen und vieles mehr.

Bitte ergänzen und begründen Sie folgende Gleichung! Stefania Demetz ohne Gröden und Saslong wäre wie …

Diese Frage ist interessant und schwierig zu beantworten! Das wäre etwa wie eine Landkarte, von der jemand ein Stück weggeschnitten hat. Damit will ich sagen, dass Gröden, wo ich aufgewachsen bin und z.T. wohne ein Teil von mir und meiner Heimat ist. Das ist aber sicher nicht alles. Mein Vater hat mich oft darauf aufmerksam gemacht, ich sollte nicht mein Alles dieser Aufgabe geben sondern mir einen „geheimen Garten“ bewahren, in dem ich bei Sturm Zuflucht nehmen kann. Ich habe darauf gehört und heute besitze ich in meiner Landkarte auf verschiedenen Ebenen und weit weg von Bergen und Skisport einige dieser „geheimen Gärten“.

Was hätten Sie gemacht, wenn Sie beruflich gesehen nicht im Skiweltcupzirkus beheimatet wären?

Als Kind träume ich davon, Theaterkleider zu entwerfen. Gerne hätte ich mir auch eine Arbeit auf dem Kultursektor gewünscht. Also an Stelle einer Bühne für Athleten hätte ich gerne eine für Schauspieler geschaffen.

Ein Blick nach vorne: Christof Innerhofer war der Held von Garmisch, wem trauen Sie in Schladming eine ähnliche Superleistung zu?

Schwer zu beantworten. Natürlich bin ich Fan der einheimischen Läufer und es wäre einmalig, nochmals solche Emotionen zu empfinden. Es ist aber auch oft so, dass es  insbesondere bei Großveranstaltungen außerordentliche Resultate gibt. Lieber lasse ich mich überraschen als Voraussagen zu wagen.

Ein zweiter Blick nach vorne: Welcher Dame bzw. welcher Herr wird ein heißes Eisen sein, wenn es um die „große Kristallkugel“ geht?

Auch hier geht kein Wort über meine Lippen. Allerdings würde es mich ganz besonders freuen, wenn das Rennen bis zu den letzten Veranstaltungen offen bliebe. Der Sport lebt von solchen Spannungen.

Wer haftet abschließend, wenn beispielsweise aus Wettergründen das Rennen in Gröden abgesagt werden muss, rein versicherungstechnisch gesehen?

Alljährlich schließen wir eine Ausfallsversicherung ab, um eventuelle Verluste fehlender Einnahmen abzudecken. Eine derartige Polizze kostet auch, insbesondere nach einem Schadensfall. Niemals könnten wir uns jedoch leisten hier zu sparen, geht es doch um Ausgaben, die die zwei Millionen Euro erreichen können. Bei unserer letzten Veranstaltung wurde der Abfahrtslauf bekanntlich vorzeitig abgebrochen und unser Versicherungspartner hat bezahlt auch wenn das Rennen über eine Stunde weltweit ausgestrahlt worden war. Wir kassierten die entgangene Fernseh- und Sponsoreneinkünfte.
Interview für skiweltcup.tv: Andreas Raffeiner

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