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Gladiatoren der Gegenwart: Zwischen Rennpiste und Krankenhaus

1 Dezember 2009 8 views bisher keine Kommentare

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Ein sehr lesenswerter Artikel aus den OÖNachrichten – Quelle: www.Nachrichten.at

Der neue Ski-Weltcup-Winter bringt alte Leiden. Nicht erst seit den beiden fürchterlichen Stürzen in Lake Louise wissen die Rennläufer, dass sie dem Risiko nicht enteilen können. Jeder Dritte von ihnen wird die Saison auf dem OP-Tisch beenden.

Sie sind die Gladiatoren der Gegenwart. Sie wollen gefeiert werden. Dafür, dass sie mit bis zu 150 Stundenkilometern eisige Steilhänge hinunterrasen. Dass sie sich nach schweren Verletzungen zurückkämpfen. Es genügt ein Wimpernschlag der Unachtsamkeit, und sie begeben sich in Lebensgefahr. Lediglich eingehüllt von einem Helm, wenigen Schützern und einer dünnen zweiten Haut, die in erster Linie die Funktion ausübt, Werbebotschaften in die heile Welt zu posaunen.

„Sie“ sind alpine Rennläufer. Jeder Dritte von ihnen beendet diese Saison im Krankenhaus. Bei jedem Zweiten ist das Knie betroffen. Das sagt kein Schwarzmaler, sondern eine norwegische Studie. John Kucera und Thomas Lanning sind die jüngsten Opfer einer riskanten Entwicklung – und nicht die Ersten in dieser Saison .

„Ich verstehe nicht, warum sie nicht kapieren wollen, dass diese Ski aggressiver und gefährlicher sind“, ärgert sich Benjamin Raich, der sonst selten laut wird. Er kritisiert den Ski-Weltverband FIS, der vor zwei Jahren die Ski verbreitert und die Standhöhen minimiert hat. Während Raich stets Schutzengel begleitet haben, steckte seine Freundin Marlies Schild viele Rückschläge ein. Am Sonntag weinte sie in Aspen: vor Freude. Die Slalom-Spezialistin arbeitete nach ihrem Schien- und Wadenbeinbruch 13 Monate daran, wieder alles riskieren zu können. Was mit dem zweiten Platz, Schulterklopfern, Preisgeld und Wundergeschichten belohnt wurde.

09-lanning001Spielen die Veranstalter mit dem Leben der Läufer? Bode Miller hatte das vor zwei Jahren in Kitzbühel gesagt. Da lag sein Teamkollege Scott Macartney regungslos im Zielraum. Diesen Jänner verbrachte Daniel Albrecht nach seinem Sturz im Hahnenkamm-Training drei Wochen im Koma. Er wusste beim Aufwachen nicht, dass er Skifahrer sei. Am Wochenende will er in Beaver Creek wieder aktiver Hauptdarsteller der Weltcup-Show sein. Verrückt? Albrecht weiß, dass das viele behaupten.

Wenn Österreichs Weltklasse-Abfahrer Michael Walchhofer am Start steht, denkt er nicht an seine Zwillingssöhne und Tochter Hannah. „Als Rennfahrer bist du gut im Verdrängen. Wenn etwas passiert, schiebst du es beiseite.“ Dabei bedarf es nicht einmal eines Sturzes, um sich das Knie zu verletzen. Das System Ski-Bindung-Schuh sei so fest, dass Schläge unmittelbar auf das Kniegelenk gingen, erklärt ÖSV-Teamarzt Gerhard Oberthaler.

„Wenn du in Form bist, kannst du auch das letzte Hemd riskieren. Sonst nicht“, weiß Hermann Maier, der sich bei einem Rennen nie schlimmer verletzt hatte. Dass der Risikoliebhaber bei seinem Abgang betonte, er trete gesund zurück, ist nicht selbstverständlich. Marc Girardelli beendete seine Karriere als Invalide, Matthias Lanzinger mit einem verlorenen Bein, Silvano Beltrametti mit einer Querschnittlähmung und Gernot Reinstadler mit dem Tod.

Quelle: www.Nachrichten.at

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