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LIVE: 3. Abfahrtstraining der Herren in Wengen Vorbericht, Startliste und Liveticker

© HEAD  /  Aksel Lund Svindal

© HEAD / Aksel Lund Svindal

Nach der Absage der 1. Trainingseinheit am Dienstag, konnte am Mittwoch, bei nicht optimalen Bedingungen, ein „gezeiteter“ Trainingslauf auf der Lauberhornstrecke durchgeführt werden. Mit der abschnittsweise sehr weichen Piste kamen die Südtiroler Werner Heel und Peter Fill am besten zurecht. Soweit es die Wetterbedingungen zulassen findet am Donnerstag um 12.30 Uhr das Abschlusstraining in Wengen statt. (Die offizielle FIS Startliste und den Liveticker finden Sie im Menü oben.) 

Bei nicht idealen Sichtverhältnissen stellte der Südtiroler Werner Heel mit 2.39,04 Minuten die Bestzeit auf. Zweiter hinter dem mit der Nummer 11 gestarteten Heel wurde sein Landsmann Peter Fill (+ 0,30). Der Schweizer Patrick Küng (+0,45), der in diesem Jahr bereits ein Weltcuprennen für sich entscheiden konnte, sorgte aus der Sicht der Hausherren für ein gutes Ergebnis. So schaute für ihn am Ende Position drei heraus.

Gleich hinter Küng trumpfte ein weiterer Südtiroler auf. Christof Innerhofer (+0,63) belegte heute den vierten Platz. Fünfter wurde der Kanadier Erik Guay (+0,84), der im gegenwärtigen Skiwinter bereits auf der Saslong in Gröden siegen konnte und auch in Wengen erfolgreich sein möchte.

Die Lauberhorn Rennstrecke

Eingebettet in einem bezaubernden Bergpanorama im Berner Oberland ist die Lauberhornabfahrt mehr als nur eine klassische Abfahrt. Die über 4,4 Kilometer lange Strecke zieht alle in ihren Bann, einerlei ob es nun Fans oder Abfahrtsgrößen vergangener Zeiten und der Gegenwart sind. Bereits seit 1930 ist sie Schauplatz eines Rennens und war schon 1967 bei der Einführung des Weltcups dabei.

Die längste Abfahrt im alpinen Skirennsport weist auch die höchste Spitzengeschwindigkeit aller Abfahrten auf. Bei über 160 km/h bleibt dem Fan im wahrsten Sinne die Spucke weg, und auch für den geschulten Rennläufer ist der Ritt auf der Piste mehr als nur Nervenkitzel, Adrenalinschub und Herzklopfen. Wer die Lauberhornabfahrt ohne Fehler meistert, die selektive Piste schafft und wenig Zeit auf die Führenden verliert, ist mit Sicherheit bei den Besten dabei. Den inneren Schweinehund hat man sowieso schon längst besiegt.

Blicken wir ins Starthaus der Piste, die ein Höchstgefälle von 93 (!) Prozent und ein Durchschnittsgefälle von 33 Prozent ihr Eigen nennt. Wenn die Abfahrt aufgrund ungünstiger Witterungsverhältnisse nicht verkürzt wird, tummelt sich die Abfahrtselite auf 2.315 Höhenmeter. Der obere Streckenteil, auf dem Aksel Lund Svindal, Klaus Kröll, Dominik Paris, Christof Innerhofer und Co. nahezu eine Minute unterwegs ist, ist flach und verfügt über ein paar Gleitpassagen und langen Kurven. Der Russisprung ist schon etwas Besonderes, liegt er ja inmitten des ersten Abschnitts. Nach dem berühmten Traversenschuss und einer S-Kurve wird das Tempo etwas gedrosselt, ehe der Sprung über den Hundschopf zwischen blanken und schroff hervorstehendem Felsgestein allen Zuschauern den Atem stocken lässt.

Doch die Skirennläufer kennen keine Scheu. Angst ist der falsche Begleiter, und schon kommt es zur Minsch-Kante und zum Canadian Corner. Fast alle Streckenteile haben eine eigene Geschichte. Doch diese anzuführen würde den ganzen Text um ein Vielfaches sprengen. Ausruhen können sich die Abfahrtsgrößen keineswegs, denn schon steht eine Gleitpassage, der Alpweg auf dem Programm. Das Kernen-S, eine enge Kombination einer Doppelkurve, wobei letztere auf eine kurze Brücke führt, ist auch eine Schlüsselstelle des Rennens. Die Rennfahrer kommen nun zur Brücke zu einem Tunnel und einem weiteren Gleitstück, das Langentrejen genannt wird.

Wer nun denkt, das ist alles, hat entweder keine Ahnung vom Skirennsport oder hat die Abfahrt von Wengen noch nie gesehen. Der Hannegschuss lässt Spitzengeschwindigkeiten jenseits der 150 km/h zu. In der Formel 1 würde man sagen, dass sich die Touren im tief dunkelroten Bereich befinden würden. Der mittlerweile zu den Ski-Crossern gewechselte, ehemalige Abfahrer und Südtiroler Stefan Thanei wurde einmal mit 158 km/h „geblitzt“.

Es geht weiter mit dem Seilersboden, gespickt mit flachen Kurven. Diese verlangen von den mittlerweile müden Rennfahrern vollste Konzentration und jede Menge Fingerspitzengefühl. Seit nunmehr zehn Jahren folgt der Silberhornsprung. Die wohl letzte Schlüsselstelle der Strecke, die kaum unter 2:30 Minuten gemeistert wird, ist das Ziel-S, das in den Zielschuss mit einer Neigung von 42 Grad den steilsten Streckenabschnitt leitet. Hier verunglückte im fernen Jahr 1991 das aufstrebende ÖSV-Talent Gernot Reinstadler, Sohn der einstigen österreichischen Skifahrerin Traudl Eder, gerade einmal 20-jährig, tödlich.

Ein Blick zum Schluss noch in die Siegerlisten und die Chroniken des über 75 Jahre alten Skiorts Wengen: Am Fuße Berge Eiger, Mönch und Jungfrau ist Karl Molitor, mittlerweile über 90 Jahre alt, mit sechs Triumphen Rekordsieger. Toni Sailer siegte zwischen 1955 und 1958 vier Mal. Auch Karl Schranz konnte die Abfahrt viermal für sich entscheiden. Rudolf Graf und Franz Klammer siegten drei Mal. Von den jüngeren Athleten siegten u.a. Stephan Eberharter und Marc Giradelli wie auch Bode Miller zweimal. Vor zwei Jahren ging der Sieg an Lokalmatador Beat Feuz.

Im Vorjahr gewann Christof Innerhofer in einer Zeit von 2:29.82 Minuten die Lauberhornabfahrt und feiert in Wengen seinen fünften Weltcupsieg. Der Südtiroler verhinderte einen österreichischen Doppelsieg und verdrängt die ÖSV Rennläufer Klaus Kröll (+ 0.30) und Hannes Reichelt (+ 0.76) auf die Plätze 2 und 3.

Bericht für skiweltcup.tv: Andreas Raffeiner  

 

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