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Manuel Gamper im Skiweltcup TV Interview: „Nicht nur Lara Gut steht vor einer neuen Herausforderung!“

© Manuel Gamper privat

© Manuel Gamper privat

Ulten – Der 36-jährige Südtiroler Skitrainer Manuel Gamper arbeitet seit einigen Jahren im Schweizer Skiverband und betreut die Damen im Speedbereich. Nachdem am Ende des letzten Winters einige Schützlinge dem aktiven Skirennsport den Rücken zugekehrt hat, will man die jungen Skirennläuferinnen in die Weltcupmannschaft integrieren und sie zu höheren Aufgaben formen. Wir von skiweltcup.tv sprachen mit Gamper, der derzeit in seiner Heimat Ulten etwas Kraft und Energie tankt, über Lara Gut als Mannschaftskapitänin, die jungen Mädls, die nach vorne preschen wollen, die Auszeit der Slowenin Tina Maze und vieles mehr. Auch wurde ein Blickwinkel auf die Ski-WM 2017 in St. Moritz gerichtet.

skiweltcup.tv: „Manuel, gar einige Damen haben am Ende der letzten Saison im Speedbereich des Swiss Ski-Teams die Skier an den Nagel gehängt. Was kannst du uns über das Sommertraining und diese neue Herausforderung erzählen?“

Manuel Gamper: „Insgesamt hat es in der Mannschaft eine Verjüngungskur gegeben, keine Frage. Es ist durch die Rücktrittswelle im Frühjahr zu einem Generationenwechsel gekommen. Nun heißt es, nach vorne blicken und versuchen, mit den noch verbliebenen Mädls um Teamleaderin Lara Gut mittelfristige Projekte zu avisieren und diese auch zu erreichen. Im Sommer haben wir gut gearbeitet. Bis auf Jasmine Flury sind alle Damen gesund, und wir hoffen, dass alles so bleibt. Wir haben auf das Überseetraining verzichtet und uns auf den heimischen Gletschern vorbereitet.

skiweltcup.tv: „Wie schaut es konkret mit den jungen Wilden aus?“

Manuel Gamper: „Flury hat im Europacup eine gute Saison gehabt und hätte ein Weltcupticket sicher. Doch bedingt durch ihre Probleme im Hüft- und Beckenbereich konnte sie die letzten eineinhalb Monate nichts machen. Sie konnte kein Schneetraining absolvieren und versucht durch eine spezielle Therapie eine Operation zu umgehen. Joana Hählen ist nach einem Kreuzbandriss wieder fit und macht uns mit ihrem Trainingsfleiß eine große Freude. Corinne Suter und die anderen arbeiten auch gut und wollen sich langsam, aber sicher für größere Aufgaben empfehlen.“

skiweltcup.tv: „War es für dich ein großer Schock oder gar ein Aderlass, als gleich so viele und namhafte Athletinnen die Karriere beendet haben?“

Manuel Gamper: „Als Trainer bekommt man so einiges mit. Und da weiß man auch aus erster Quelle, wenn sich die eine oder andere mit Rücktrittsgedanken herumquält oder diese offen anspricht. Trotzdem hofft man immer, dass sich diese nicht bewahrheiten und dass die Mädls weitermachen. Bei Marianne Abderhalden konnte man sich ein Karriere-Ende erwarten; auch Nadja Jnglin-Kamers Knieleiden ist hinlänglich bekannt und als Grund nachvollziehbar. Dominique Gisin, unsere Olympiasiegerin, sagte immer, dass sie auch andere Pläne verfolge. Aber ich sehe das Ganze als neue Herausforderung innerhalb des Betreuerstabes an, die ich gerne bereit bin, anzugehen.“

skiweltcup.tv: „Du sprichst eine neue Aufgabe als Herausforderung an. Welche wäre dies?“

Manuel Gamper: „Die Rechnung ist ganz einfach. Mädls, die in den letzten Jahren im Europacup unterwegs waren, rutschen nun in den Weltcupkader. Sie müssen mit dieser neuen Situation umgehen. Lara Gut hat im Team mehr Erfahrung und muss eben auch mit der neuen Rolle als Teamleaderin klar werden. Aber die Arbeit macht Spaß, und ich gehe davon aus, dass wir dann in zwei bis drei Jahren, was die Dichte innerhalb der Mannschaft betrifft, die Früchte des Erfolgs ernten können. So etwas geht nicht von heute auf morgen. Ich bin ja auch froh, dass mit uns die Liechtensteinerin Tina Weirather mittrainiert und dass Andi Evers, der einstige Trainer von Hermann Maier, als erfahrener Skitrainer unser Kollektiv verstärkt. Von ihm können wir, aber auch die Damen jede Menge zu lernen. Und das kann den Reifeprozess, sei es sportlich wie auch menschlich, von uns allen positiv beeinflussen.“

© Dominique Pittet / Joana Hählen

© Dominique Pittet / Joana Hählen

skiweltcup.tv: „Wenn morgen ein Speedrennen anstehen würde, wer wäre aus der Sicht von Manuel Gamper im Swiss-Ski-Team dabei?“

Manuel Gamper: „Da ist natürlich Lara Gut mit von der Partie. Fabienne Suter darf nicht fehlen. Auch ihre Namensvetterin Corinne Suter, die in der Vergangenheit zweimal bei den Juniorenweltmeisterschaften aufgetrumpft hat, aber nicht mit Fabienne verwandt ist, ist auch eine Kandidatin, die unter die Top-20 fahren kann und demzufolge dabei ist. Von den Jungen müssen wir schauen, wie sich der Genesungsverlauf unseres Schützlings Jasmine Flury entwickelt. Aber auch andere, wie etwa Mirena Küng und Priska Nufer, wollen den Durchbruch schaffen.“

skiweltcup.tv: „Wie schaut eine typische Trainingseinheit bei euch aus?“

Manuel Gamper: „Grundsätzlich muss es Ziel sein, bestmöglich individuell mit den Athletinnen zu arbeiten. So hofft man, dass die gesteckten Ziele über kurz oder lang erfüllt werden. Nun zum Training: Nach dem Aufstehen nimmt man zeitig den Lift und trainiert. Am Anfang der Vorbereitungsphase haben wir natürlich viel an den Basissachen gefeilt und den jungen Athletinnen unsere Marschroute in Bezug auf technische und taktische Vorstellungen vorgegeben. Man geht in dieser Anfangsphase viel ins Detail beziehungsweise man arbeitet mehrere Details ab. Es fließen relativ viele Informationen, welche dann im Fortlauf abnehmen. Rückt man näher zur Wettkampfphase, so finde ich es wichtig, dass man mehr Raum für Intuition und Bauchgefühl der Athletinnen schafft. Die Intensität und Aggressivität in den Läufen wird höher, und man versucht öfters, wettkampfähnliche Läufe zu absolvieren. Es ist halt wichtig, dass man eine Strategie im Kopf hat und diese durchzieht.“

skiweltcup.tv: „Die Slowenin Tina Maze setzt für ein Jahr aus. Meinst du, sie kommt stärker zurück, oder wird sie die sportliche Laufbahn beenden? Und wer kämpft deiner Meinung nach um die große Kristallkugel?“

Manuel Gamper: „Es kann gut sein, dass sie nach einer Auszeit sich besonders auf die WM in St. Moritz, welche 2017 ansteht, vorbereiten möchte und in der nächsten Saison wieder dabei ist. Demgegenüber, so denke ich, ist aber auch die Chance groß, dass sie ganz aufhört. Was den zweiten Teil der Frage betrifft, gehe ich davon aus, dass Lindsey Vonn, obwohl sie ja in der Vorbereitungszeit nicht ganz verletzungsfrei gemeistert hat, wieder die Favoritin auf die zwei kleinen Speed-Kugeln ist, und wer weiß, vielleicht auch für mehr. Anna Fenninger hat mit Sicherheit auch nicht im Sommer das Skifahren verlernt, und die deutsche Viktoria Rebensburg probiert gar einiges aus. Ihr sind Erfolge in mehreren Disziplinen zuzutrauen. Aus Schweizer Sicht hoffe ich, dass Lara Gut das eine oder andere Rennen gewinnen und in der Summe überzeugend auftreten kann. Das kann man auch unserer Trainingspartnerin Tina Weirather wünschen, die in ein bis drei Disziplinen immer vorne dabei sein kann. Nicht vergessen darf man natürlich auch Mikaela Shiffrin.“

skiweltcup.tv: „Erkundigst du dich, auch wenn du im Speed-Sektor im Swiss-Ski-Team tätig bist, auch mal, was die Damen im technischen Bereich machen?“

Manuel Gamper: „Durchaus trifft das ein bisschen zu. So sehe ich mit Freude, dass etwa die junge Wendy Holdener in diesem Sommer wieder einen Schritt nach vorne gesetzt hat. Sie möchte sich auch im Riesenslalom etablieren. Und sie hat kürzlich auch etwas im Speedbereich trainiert. So kommt man nicht drum herum, um sie nach ihren Trainingserfolgen zu befragen, auch wenn sie von den Kollegen im Technikerteam betreut wird.

Dann ist da beispielsweise Jasmina Suter. Sie fuhr vor zwei Jahren einen sehr guten ersten Durchgang in Sölden, ehe sie im Finale auf dem Weg zu einem sehr guten Platz stürzte. Ich wünsche es ihr von Herzen, dass sie in wenigen Tagen durch die interne Qualifikation kommt und am Rettenbachferner ein gutes Ergebnis erzielt und so ihr Selbstvertrauen stärken kann.

Charlotte Chable ist auch eine interessante Athletin. Mit ihr kann durchaus zu rechnen sein. Ähnliches gilt für Michelle Gisin oder Denise Feierabend. Zudem ist es möglich, dass letztere in den nächsten Jahren auch im Speedbereich tätig sein könnte.“

skiweltcup.tv: „Hast du den etwas turbulenten Sommer und das ganze Hickhack um das ÖSV-Aushängeschild Anna Fenninger mitbekommen? Haben es die Medien vielleicht künstlich hoch gebauscht oder kannst du auch die Salzburgerin etwas verstehen?“

Manuel Gamper: „Natürlich kriegt man solche Sachen über die Medien mit und interessiert sich. Wie alles gelaufen ist, kann ich jedoch nicht sagen. Ich glaube halt, dass es eine blöde Situation war. Vielleicht wurde sie in einigen Momenten falsch beraten. So wie man gehört hat, haben sich die Wogen wieder geglättet und Anna kann wieder mit mehr Ruhe arbeiten. Ich glaube, das ist für sie am Wichtigsten. Sie hat auch ein wenig mit uns in Zermatt trainiert. Anna ist wohl stark genug, über diesen Dingen zu stehen. Davon gehe ich aus.“

skiweltcup.tv: „Bleibt abschließend die Frage: Ist die Heim-WM 2017 in St. Moritz das große Ziel von Manuel Gamper und seinen Mädls?“

Manuel Gamper: „Da es eine Heim-WM ist, denkt man logischerweise öfters mal daran. Man wird einfach damit konfrontiert, da im Hintergrund schon organisatorisch viel Arbeit geleistet wird, und klarerweise schauen wir auch, öfters dort Trainings zu absolvieren. Die Konzentration liegt jedoch im Moment eindeutig auf das Jetzt und die anstehende Saison. Ich glaube, wir haben damit mal genug zu tun. Wir sind gerade daran, den Umbruch bestmöglich zu gestalten. Auch wenn es in diesem Winter keine Qualifikationsrennen und somit weniger Druck gibt, muss jede Athletin an ihrer Persönlichkeit arbeiten. Sie haben gute Trainingsansätze gezeigt. Jetzt gilt es, diese in den Rennen zu zeigen. Dann kann sich auch der Erfolg einstellen. Es ist wichtig, die Mädels kompletter zu machen. Die Rennen werden dann zeigen, wie der Leistungsstand ist. Wenn am Ende der Saison die positiven Seiten überwiegen, die Athletinnen gut und verletzungsfrei durch den Winter gekommen und die Vorgaben der Betreuer erfüllt worden sind, können alle zufrieden sein. Und erst dann kann man, so finde ich, nach St. Moritz schauen.“

© Dominique Pittet / Fabienne Suter

© Dominique Pittet / Fabienne Suter

Interview für skiweltcup.tv: Andreas Raffeiner

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