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Marco Büchel im Skiweltcup.TV-Interview: “Habe nun die Skitouren für mich entdeckt“

Marco Büchel: “Habe nun die Skitouren für mich entdeckt“

Marco Büchel: “Habe nun die Skitouren für mich entdeckt“

Der ehemalige Liechtensteiner Skirennläufer Marco Büchel kam 1971 auf die Welt. Mit 20 Jahren bestritt er seinen ersten Weltcupeinsatz. Er nahm an sechs Olympischen Winterspielen und zehn Ski-Weltmeisterschaften teil. Bei den Welttitelkämpfen in Vail 1999 holte er die Silbermedaille im Riesentorlauf. Insgesamt feierte Büchel vier Weltcupsiege und stieg 18-mal aufs Podest. Auch wenn es nie zu einer (kleinen oder großen) Kristallkugel reichte, runden fast 100 Top-10-Platzierungen im Weltcup, bei Weltmeisterschaften und Olympia seine lange Karriere, die im März 2010 zu Ende ging, ab.

Im skiweltcup.tv-Interview spricht Büchel über seinen Spitznamen „Büxi“, den Airbag als zusätzlichen Sicherheitsfaktor bei der Skiausrüstung, eine mögliche Helmpflicht für Freizeitskifahrer und sein Engagement als ZDF-Experte.

skiweltcup.tv: „Marco, als allererste Frage möchten wir von dir in Erfahrung bringen, wie du zu deinem Spitznamen ‚Büxi‘ gekommen bist? Ist das eine fürstlich-liechtensteinische Ableitung deines Familiennamens oder bist du einmal in deinen jungen Jahren, deiner Sturm-und-Drangzeit also, einmal etwas ausgebüxt?“

Marco Büchel: „In den 1990-er-Jahren hatten wir in Liechtenstein einen Coach aus der Schweiz. Zuvor arbeitete er mit einem Läufer namens Marco Hangl. Sein Spitzname war ‚Mäx‘. Und als er mich antraf, wollte er mich nicht genauso nennen, und gab mir den Namen aufgrund meines Nachnamens Büx‘. Der Name hat sich durchgesetzt. Büx oder Büxi.“

skiweltcup.tv: „Der Skiweltcupzirkus ist keinesfalls bloß wegen den schlimmen Stürzen von Silvano Beltrametti und Matthias Lanzinger und dem tödlichen Trainingsunfall von Regine Cavagnoud in den letzten Jahren sicherer geworden. So hat man viele Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, denken wir an die Netze, intelligentere Kurssetzungen, die blauen Linien… Wie stehst du zum Airbag, der bald zur Skiausrüstung eines jeden Athleten dazu gehören soll, und kann das Restrisiko auf ein Minimum reduziert werden?“

Marco Büchel: „Es wird seitens der FIS und allen weiteren Beteiligten versucht, das Restrisiko zu minimieren. Komplett lässt sich das aber nicht „ausschalten“. Ein Restrisiko wird in jeder Disziplin bleiben. Aber der Sicherheitsstandard hat sich enorm verbessert. Dies ist wichtig, da auch die Athleten immer schneller werden, und auch enorm ans Limit gehen. Der Airbag ist ein weiterer Mosaikstein in der Sicherheitsausrüstung. Es ist den Athleten freigestellt, ob sie diesen verwenden wollen. Ich persönlich finde es gut, dass es diesbezüglich keinen Zwang seitens der FIS gibt. Das muss jeder einzelne Athlet für sich selber entscheiden.“

skiweltcup.tv: „Trotz der Sicherheitsfragen werden viele Strecken eisig präpariert. Christof Innerhofer aus Südtirol mag solche Pisten gerne. Hand aufs Herz, haben blanke Eisplatten überhaupt noch etwas mit dem Skisport zu tun? Täusche ich mich, wenn ich behaupte, dass die gegenwärtigen Skitechnologien wohl von den Athleten in den Kurven auf der Piste wesentlich mehr Druck verlangen?“

Marco Büchel: „Wenn man die Verletzungsstatistik genau studiert, dann merkt man, dass es weniger Verletzungen gibt bei eisigen Verhältnissen. Die Performance der Ski kann selten ausgenutzt werden, und die Athleten gehen auch etwas weniger an das Limit.

Bei einer kompletten Kunstschneepiste steigen die Verletzungszahlen an. Mit dem heutigen Material kann auf solchen Verhältnissen jeder einzelne Athlet das Maximale herausholen. Man darf nicht vergessen, dass jeglicher Ski mit einem Carvingradius potentiell gefährlich sein kann. Die Belastungen und Fliehkräfte steigen in den Kurven. Es braucht einen konditionell ausgezeichneten Athleten, um diesen Kräften standzuhalten. Ein wenig Rücklage oder eine schlechte Position auf dem Ski, und ein Abflug ist wahrscheinlich.“

skiweltcup.tv: „Weil wir gerade vom Eisblock reden: Heute fahren Skirennläufer auf dem Eisblock, der sehr dick ist. Alle Fahrer haben ähnliche Bedingungen, die sie vorfinden. Doch die Belastung für den Athleten ist groß, schier unerträglich. Wie siehst du das, zumal doch Gelenke, Knorpel und Sehnen über alle Maßen beansprucht werden? Gesund kann das doch nicht mehr sein…“

Marco Büchel: „Ob der Spitzensport grundsätzlich immer gesund ist, darüber kann man diskutieren. Bei absolut eisigen Verhältnissen wirken meines Erachtens weniger Kräfte auf den Körper der Athleten, wie auf einer glatten Kunstschneepiste. Zudem garantiert eine vereiste Piste faire und gleichbleibende Verhältnisse für alle Läufer.

Die Gelenke inklusive Sehnen, Knorpel und Bänder bilden immer die Schwachstelle des Körpers. Es ist sozusagen die Sollbruchstelle des Athleten. Von daher ist es enorm wichtig, dass jeder Athlet die Vorbereitungszeit optimal nutzt, um die nötige Kraft zu haben, damit er solchen Kräften entgegenwirken kann. Eine optimale körperliche Verfassung ist der beste Verletzungsschutz.“

skiweltcup.tv: „In deiner aktiven Zeit als Skirennläufer hat du bei allen Weltcupeinsätzen und Rennen das Bestmögliche aus dir herausgeholt. Auch bist du ein gewisses Risiko eingegangen. Wenn du privat auf die Piste gehst, wie fährst du da? Genießt du einen schönen Tag fernab von Torstangen und Zwischenzeiten und begrüßt du die Helmpflicht für skifahrende Laien?“

Marco Büchel: „Grundsätzlich begrüße ich es, wenn die Skifahrer Helm tragen. Ich probiere jeweils, mit gutem Beispiel voran zu gehen. Aber auch hier lehne ich jegliche Pflicht ab. Eigenverantwortung steht für mich im Vordergrund.

Nachdem ich 20 Jahre lang auf den besten Pisten dieser Welt gefahren bin, zieht es mich nun nicht mehr auf die Skipisten. Vielleicht hatte ich diesbezüglich auch eine ‚Überdosis‘ erwischt. Wenn ich Zeit habe, dann bewege ich mich abseits der präparierten Pisten auf dem Schnee. Seit meinem Rücktritt habe ich die Skitouren entdeckt. Der Aufstieg steht im Mittelpunkt. Und falls die Abfahrt sich schön gestaltet, so ist es umso besser.“

skiweltcup.tv: „Du hast deine lange und auch erfolgreiche Karriere im März 2010 beendet. Gibt es ein Rennen, an das du heute noch gerne zurückdenkst, unabhängig davon, ob du es gewonnen hast oder nicht? Und passend dazu: Welchen Weltcupeinsatz möchtest du am liebsten aus deinem Gedächtnis streichen?“

Marco Büchel: „Gerne denke ich an meine letzte Lauberhornabfahrt. Bevor ich meine allerletzte Saison in Angriff nahm, setzte ich mir eine Podestplatzierung bei diesem schönen Klassiker auf die Wunschliste. Mit meinem dritten Rang habe ich dieses Ziel erreicht. Es war somit eine Punktlandung.

Gerne streichen würde ich die WM-Abfahrt von Åre 2007. Das Abschlusstraining habe ich mit einer knappen Sekunde Vorsprung dominiert, und mich somit zum Mitfavoriten gemacht. Mit dieser Situation konnte ich sehr gut umgehen. Die Zwischenzeiten beim Rennen passten, ich war auf Medaillenkurs. Im unteren Streckenabschnitt stand ich mir mit dem Innenski auf die Skispitze des Außenskis. Mitten in einer Kurve rutschte ich weg und lag im Schnee. Mein großer Traum von einer WM-Abfahrtsmedaille war innerhalb eines Sekundenbruchteiles zerstört.“

skiweltcup.tv: „Zudem wollen wir von dir in Erfahrung bringen, wie dir die Arbeit mit dem ZDF als Experte gefällt. Wie bist du zu diesem Job gekommen, und siehst du darin neben deiner früheren skifahrerischen Lebensweise so etwas wie Berufung? Warum ist es wichtig, dass sowohl der Sport als auch die Medien an einem Strang ziehen, zumal ja beide im Laufe der Zeit hoch professionell geführte Wirtschaftszweige geworden sind?“

Marco Büchel: „Das ZDF war intern auf der Suche nach einem Nachfolger für den damaligen Experten Armin Bittner. In diesem Zuge fiel mein Name, und ich wurde aus der Distanz beobachtet. Meine kommunikativen Fähigkeiten wurden unter die Lupe genommen. Die verantwortlichen Personen beim ZDF haben sich dann anschließend für mich entschieden.

Martina Ertl-Renz hat mich telefonisch angefragt, ob sie meine Nummer an Uli Nett (Leiter Ski alpin ZDF) weitergeben darf. Dieser offenbarte mir das Interesse seitens des ZDF, und ich sagte ohne Bedenkzeit sofort zu. Bei einem Weißbier in Sölden besiegelten wir die Zusammenarbeit mit einem Handschlag.

Ich liebe die Arbeit hinter dem Mikrofon. Es erfüllt mich sehr, wenn ich den Zuschauern diesen faszinierenden Sport mit meinen Analysen näher bringen darf. Wir haben eine geniale Crew, und probieren jeweils eine perfekte Sendung zu machen. Ich hoffe der Zuschauer merkt, dass ich diese Arbeit mit viel Leidenschaft mache.

Der Verdrängungskampf um die Gunst der Zuschauer ist im Sport gewachsen. Jeder Sportverband versucht, seinen Sport sehr professionell zu präsentieren. Das Angebot ist mittlerweile sehr groß. Genau deshalb ist es wichtig, dass unser ‚Produkt‘ mit vielen spannenden Rennen und Emotionen das Publikum begeistert. Von daher ist es unerlässlich, dass die FIS, alle Athleten, Sponsoren und Medien am selben Strang ziehen. Ganz im Interesse des Sportes und seiner Außenwirkung.“

Bericht und Interview für skiweltcup.tv: Andreas Raffeiner

 

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