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Markus Waldner im FIS-Interview

FIS-Renndirektor Markus Waldner.

FIS-Renndirektor Markus Waldner.

Sölden – Nur noch wenige Tage bis zum Start der Skiweltcup WM Saison 2016/17. Die FIS nutzte die Möglichkeit und stellte Rennsportdirektor Markus Waldner einige Fragen und entlockte ihm dabei einige Gedanken über die Attraktivität des alpinen Skisports und seine Zukunft.

In weniger als zwei Wochen findet der Saisonauftakt in Sölden statt. Warum finden die Eröffnungsrennen immer dort statt?

Aufgrund der hohen Schnee- und Wettergarantie ist der österreichische Ort wie geschaffen dazu. In der Vergangenheit haben wir verschiedene Gletscherorte wie Tignes und Saas Fee ins Auge gefasst, doch die Stornoquote war wegen der schlechten Wetterbedingungen sehr hoch. Natürlich hat auch der Rettenbachferner durch die globale Erwärmung zu leiden, aber wegen des Schnees und einem funktionierenden System des Beschneiens kann Sölden Sicherheit gewährleisten. Weitere, wichtige Punkte waren die zentrale Lage und die leicht zu erreichende Destination. Dies ist gut für die Logistik, aber auch die Fans haben keine weiten Wege.

Wie groß ist das Interesse für den alpinen Skisport außerhalb der Kernmärkte Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich und Schweden?

Gewiss sind diese vier Länder sehr wichtig für den Skirennsport auf der Welt, zumal die meisten Athleten von dort herkommen. Somit ist hier das allgemeine Interesse am alpinen Skisport am höchsten. Die größten Veranstaltungen auf dem Kalender finden erfahrungsgemäß auch hier statt.

Allerdings ist der Skirennsport ein globaler Sport. Neben Slowenien und Deutschland können sich die skandinavischen Länder, aber auch Nordamerika als klassische Veranstalter sehen.

Der Weltcup expandiert nach Osten. So werden Top-Veranstaltungen auch in Sotschi, Korea und Japan ausgetragen. Die Schwierigkeit besteht darin, dass wir einen Block im Kalender brauchen um nicht so weit für ein Rennen fahren zu müssen.

Die Idee ist es, alle drei Jahre in den Osten zu gehen, kombiniert mit einem Olympiatest. 2022 finden ja die Olympischen Winterspiele in China statt. Mit einem Potential von 300 Millionen neuen Skifans wäre die Ski-Industrie natürlich sehr daran interessiert, im Fernen Osten Weltcuprennen durchzuführen. Um diese Menschen als Kunden und aktive Fans zu gewinnen.

Trotzdem sind die Säulen des Weltcups weiterhin in Mitteleuropa zu finden, denn dort wird der Wert geschaffen. Rein aus der Marketing- und Tourismussicht. Wir versuchen aber auch in andere Länder zu expandieren, um einen tragfähigen Weltcup auch in Zukunft zu gewährleisten.

Gibt es zu viele Disziplinen? Ist der alpine Skirennsport immer noch attraktiv und beliebt? 

Viele Diskussionen und Überlegungen begannen in Bezug auf die Anzahl der Disziplinen und die Attraktivität des Sports. Das Problem ist jedoch, dass sich einige der Disziplinen in einer Weise entwickeln, dass sie für den normalen Fernsehzuschauer nicht mehr interessant sind. Lediglich Hardcore-Fans sind sich bewusst, welche technischen Details auf sie zukommen. So müssen wir ein aktiveres und breiteres Publikum miteinbeziehen. Dazu benötigen wir ein leicht verständliches Produkt.

Die Parallel-Rennen sind ein gutes Bespiel dafür, wie spannend das „Head to Head“-Duell sein kann. Es ist auch leicht zu verstehen. Es kann ein guter Weg sein, um auch die jüngere Generation zu gewinnen. Zahlen zeigen, dass die meisten Zuschauer 45 Jahre alt sind.

Auf lange Sicht hin müssen wir etwas in unserem Kalender ändern. Wir arbeiten bereits daran. Es ist keine Revolution, jedoch eine stetige Entwicklung zu einem besseren Weltcup.

Wie sieht diese Entwicklung konkret aus?

Wenn wir eine Disziplin entwickeln, müssen wir zunächst den sportlichen Aspekt betrachten. Jede Regeländerung muss fair sein und das Gemeinwohl der Athleten respektieren. Dann betrachten wir die Attraktivität für die Zuschauer. Die Tendenz geht momentan dorthin, dass es kompakte Formate gibt, in der die Spannung aufgebaut wird. Im Speedbereich etwa mit zwei Durchgängen um die Spannung aufzubauen, wo sich die Besten dann für die endgültige Entscheidung qualifizieren. Diese Formate wurden bereits im Kontinental-Cup getestet.

Natürlich werden die klassischen Standorte wie Wengen oder Kitzbühel das ursprüngliche Prinzip beibehalten. Andere Veranstaltungsorte werden die neuen Möglichkeiten in Betracht ziehen.

Darüber hinaus wird ein neues Projekt der Live-Datensammlung bei der Ski-WM in St. Moritz gestartet. Die Athleten der Speed-Rennen werden Transponder tragen. Diese Technologie wurde schon in anderen Sportarten verwendet, um Live-Informationen über Beschleunigung, Zeit in der Luft und vieles mehr zu liefern. Unser Daten- und Zeitanbieter Swiss Timing implementiert diese Möglichkeit im alpinen Skisport, die dem Zuschauer noch mehr Daten bieten kann. Es ist ein großer Schritt nach vorne, mit viel Potential für die Zukunft.

Auch an den Rennstrecken wird viel gearbeitet? Welche Anpassungen werden durchgeführt?

Die Öffentlichkeit will eine Show mit spektakulären Kursen sehen. Also müssen wir ständig auf der Strecke arbeiten, um etwas Interessantes für den Zuschauer zu bieten. Diese Änderungen werden aber innerhalb der Grenzen der Sicherheit sein, denn das ist die höchste Priorität. Mehr Tempo wäre keine sichere Lösung. So arbeiten wir mit dem Gelände und bauen mehr Sprünge und Hügel in die Kurssetzung ein. Damit wird der Skirennläufer gezwungen, seine Position zu ändern und zu kämpfen, um auf der richtigen Linie zu bleiben.

Im Fernsehen sind diese Bilder sehr beeindruckend und nicht unbedingt gefährlich. Natürlich ist die Grenze zwischen Sicherheit und spektakulärer Aktion sehr dünn. Der Sport braucht beides, aber wir müssen vorsichtig sein, das richtige Gleichgewicht zu finden.

Sind Rennen wie jenes auf der „Streif“ 2016 aus dem Gleichgewicht geraten?

Nein. Der alpine Skirennsport ist nicht gefährlich, aber das Eingehen von Risiken ist ein Teil unseres Sports. Das trifft vor allem in der Abfahrt zu. Wir werden nie zu 100 Prozent sichere Kurse haben, und es wird, egal, wie viele Zäune wir aufstellen, immer Stürze geben. Am Ende sind es die Athleten, die die Situation bewerten und entscheiden, ob sie das Risiko übernehmen wollen oder nicht.

Im letzten Jahr hatten wir die Lage in Kitzbühel immer unter Kontrolle, und die Hausbergkante war gut genug, um sie zu befahren. Natürlich muss sich der Sportler an die wechselnden Lichtverhältnisse anpassen. Athleten wie Gisin (5. mit Nummer 27) oder Kriechmayr (7. mit Nummer 30) zeigten, dass der Kurs „renntauglich“ bis zum Ende des Wettbewerbs war. Wir wollen keine gestürzten und verletzten Athleten, denn es ist das Ziel, dass alle Starter gesund über die Ziellinie fahren. Aber wenn die Athleten alles geben, um zu gewinnen und mit viel Risiko ins Rennen gehen, können Stürze passieren.

Für das kommende Jahr haben wir neue Maßnahmen ergriffen, um diesen Abschnitt besser zu sichern. Wir arbeiten mit Flutlicht und einem speziellen Farbstoff, der einen besseren Kontrast darstellt. Auch werden sich weniger Menschen auf der Strecke befinden. Somit leidet der Schnee nicht so darunter. Aber es ist immer noch ein Freiluftsport, und auch wenn wir unser Bestes tun, eine so sicher wie mögliche Strecke anzubieten, wird das Risiko immer vorhanden sein.

Dann gibt es noch eine neue Startreihenfolge in der neuen Saison. Diese betrifft die Speeddisziplinen. Was können Sie uns dazu sagen?

Es wird interessant sein. Die Grundidee war es, die Zeit zu verlängern, in der die Top-Athleten fahren. So werden die Zuschauer gezwungen, die Show ein wenig länger zu beobachten. Die besten Zehn der Rangliste wählen eine Nummer zwischen 1 und 19. Früher gingen sie geballt mi den Nummern 16 und 22 an den Start. An jedem Ort können andere Faktoren vorherrschen.

Quelle: www.fis-ski.com

Übersetzung für skiweltcup.tv: Andreas Raffeiner

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