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Matthias Lanzinger im Skiweltcup.TV Interview: „Menschen sind mir wichtiger als Erfolge!“

© facebook / Matthias Lanzinger bei "Licht ins Dunkel"

© facebook / Matthias Lanzinger bei "Licht ins Dunkel"

Abtenau – Der seit wenigen Tagen 33 Jahre alte Matthias Lanzinger ist ein durchaus positiver Charakter. Er wurde in der Zeit als Skirennläufer Juniorenweltmeister und zweimal Österreichischer Meister. Überdies sicherte er sich im fernen Jahr 2003/04 die Gesamtwertung im Europacup.

Nach einem bösen Rennunfall, kurz vor dem Ende der Saison 2007/08 musste ihm der linke Unterschenkel amputiert werden. Trotzdem gibt „Lanzi“, wie er von vielen in der Sportwelt liebevoll gerufen wird, nicht auf. Er schaut keinesfalls in die Vergangenheit, sondern meistert das Heute und blickt zuversichtlich die Zukunft. Und diese möchte ihn nach Sotschi bringen, zumal er seit der Saison 2011/12 sehr erfolgreich an Rennen im Behindertensport teilnimmt.

Skiweltcup.tv bat den Salzburger zum Gespräch und sprach mit ihm über seinen Ski-Unfall in Kvitfjell, aber auch über seine gegenwärtigen Projekte und die Paralympics, die im nächsten Winter auf dem Programm stehen.

Skiweltcup.TV: Matthias, vor kurzem wurdest du zum österreichischen „Sportler des Jahres“ im Behindertensport gekürt. Was bedeutet dir diese Auszeichnung?

Lanzinger: Das ist natürlich eine sehr schöne Auszeichnung. und sie hat einen sehr großen Stellenwert. Es eine Bestätigung für die harte Arbeit der letzten Jahre und für mein Comeback.

Skiweltcup.TV: Wenn wir noch einmal jenen Märztag im norwegischen Kvitfjell 2008 Revue passieren lassen: Schicksalsschläge öffnen Türen. In welche bist du eingetreten?

Lanzinger: Es haben sich sicherlich einige neue Türen aufgemacht. Diese galt es dann aber auch zu nutzen. Ich habe sehr viele neue Perspektiven in dieser Zeit kennengelernt und habe versucht, mich gut aufzustellen. Es haben sich Türen aufgetan, aber hineingehen musste ich selbst. Ich glaube, ich habe die Chancen gut genutzt.

Skiweltcup.TV: Was zum Beispiel?

Lanzinger: Es war sicher interessant, die Möglichkeiten kennen zu lernen, die der ORF mir mit meiner eigenen Serie „BILANZINGER“ in Sport am Sonntag geboten hat. Das hat mir Einblicke auf die andere Seite des Sports geben – wie das bei den Medien abläuft. Auch meine Kolumne in der Kronenzeitung Zeitung ist eine tolle Sache, so kann ich meine Meinung einer breiten Leserschaft zeigen. Was Salomon betrifft, das hatte ich schon vor meinem Unfall ins Auge gefasst, einmal nach der Sportkarriere in dieser Richtung zu arbeiten. Mit meinem abgeschlossenen BWL-Studium habe ich nun natürlich die besten Voraussetzungen für meine Arbeit im Marketing bei Salomon.

© Hujara Manuel / Matthias Lanzinger

© Hujara Manuel / Matthias Lanzinger

Skiweltcup.TV: Glaubst du, dass du auch ohne den Unfall ein Studium abgeschlossen hättest?

Lanzinger: Ja, auf alle Fälle. Ich habe immer schon an die Zeit nach der Karriere gedacht, diese Dinge aber hinten angestellt. In der Zeit nach dem Unfall war es mir dann wichtig, zuerst etwas Abstand zum Sport zu bekommen und zuerst meine zweite Karriere – also das Studium – voranzutreiben.  Erst als das dann alles soweit war, habe ich mich mit dem Gedanken an ein Comeback beschäftigt.

Skiweltcup.TV: Erinnerst du dich noch an die Zeit unmittelbar und direkt nach dem Sturz? Oder gibt es einige Filmrisse?

Lanzinger: Die Erinnerungen sind bis zum Unfall voll gegeben , also bis zum Sturz selber. Ab dem Sturz habe ich einen Filmriss. Da gibt es nur einige Phasen wie zum Beispiel vom Hubschrauberflug, aber keine Details, nur Erinnerungswolken. Volle Erinnerung habe ich dann ab dem Aufwachen aus dem Tiefschlaf,  das war die Zeit, wo meine Frau mir gesagt hat, dass mein Bein amputiert werden hat müssen – von da an kann ich mich inzwischen an alles erinnern.

Skiweltcup.TV: Oft wurde berichtet, wie gut du mit dem schweren Schlag umgegangen bist. Ist das ein Schutzmechanismus, oder gab es auch Momente des Selbstzweifels oder gar der Fragestellung „Warum gerade ich?“?

Lanzinger: Diese Frage habe ich mir nie gestellt. Wann man sich in solche Fragen rein reitet, dann wird man sie nie los und schaut immer in die Vergangenheit. Mir war klar, die Situation kann ich nicht ändern, ob ich damit hadere oder nicht. Es war klar, dass die einzige Chance war, in die Zukunft zu schauen und die Zukunft positiv zu formen. Sofort neu orientieren war meine Vorgehensweise und ich habe nie in die Vergangenheit zurück geschaut. Auch dann nicht. als sich herausgestellt hat, dass viele Fehler passiert sind. Das war einfach für mich bestimmt.

Skiweltcup.TV: Trotz des Unfalls mit seinen schwerwiegenden Folgen kennt und erlebt man dich als Frohnatur. Woher nimmst du diese positive Kraft?

Lanzinger: Für mich war sicher wichtig, dass ich mich nie über den Sport als Person definiert habe.  Für mich ist das Leben mit und ohne Schifahren schön, mit und ohne Erfolge, mit und ohne diese Erfahrungen im Skiweltcup. Ich möchte sie nicht missen, aber das war nie die Hauptmotivation im Leben. Ich genieße so viele schöne Dinge im Leben, durch den Unfall ist mir deshalb nicht meine Lebensgrundlage weggerissen worden. Ich kann so viele schöne Sachen im Leben genießen, mit und ohne Behinderung. Man zweifelt dann nicht den ganzen Weg an, den man gegangen ist.

Skiweltcup.TV: Kann auch der Glauben richtungsweisend eine Stütze sein oder gar „Berge versetzen“?

Lanzinger: Das ist jetzt die Frage, ob hier der religiöse Glaube gemeint ist. Ich habe einen starken Glauben an Gott, aber ich brauche nicht die Institution Kirche dazu. Der Glaube an mich selber war aber in dieser Situation das Wichtigste.

© Hujara Manuel / Matthias Lanzinger

© Hujara Manuel / Matthias Lanzinger

Skiweltcup.TV: Nach deinem verhängnisvollen Sturz warst du auch in Norwegen. War dieser Schritt ein persönlicher Schlussstrich oder der Versuch einer persönlichen Vergangenheitsbevölkerung?

Lanzinger: Bei den nächsten Rennen in Kvitfjell war ich oben mit dem ORF und für mich war es dann sehr emotional alles nochmal zu sehen. Ich wollte die Stelle, wenn ich zurück komme, unter den gleichen Verhältnissen sehen. Also bei einem Weltcuprennen. Im Nachhinein war es eine große Erleichterung, weil die Gedanken und Erinnerungen danach sehr viel klarer waren. Es war gut, dort oben noch einmal über alles nachzudenken und zu reflektieren. Jetzt weiß ich genau, wie es ausgesehen hat, wo ich gelegen bin und wie alles zugegangen ist. Es war vorher nicht unbedingt mein erklärter Wunsch dorthin zurück zu kehren, aber rückblickend war es die Reise wert.

Skiweltcup.TV: Welche Tipps oder Ratschläge hast du für trainingsfaule und unwillige Athleten, die meinen, mit keinerlei Einsatz oder nötigem Willen zum Erfolg zu kommen?

Lanzinger: In der obersten Liga gibt es solche Athleten sicher nicht. Im Nachwuchsbereich gibt es wahrscheinlich Fahrer, die viel Talent und die körperlichen Voraussetzungen haben und dort ohne das Maximum geben zu müssen zu Erfolg kommen. Aber auf Dauer kommen die anderen nach und ich kenne keinen, der es mit dieser Einstellung ganz nach oben geschafft hat. Das muss man sich früh bewusst sein, denn wenn man es geschafft hat, kommt viel zurück. Es ist einfach ein Riesenprivileg, wenn man sein Hobby zum Beruf machen kann!

Skiweltcup.TV: Was ist dein Lebensmotto, das dich zu dem sympathischen Sportler macht, den du seit jeher immer schon verkörpert hast?

Lanzinger: Die Menschen sind mir wichtig – nicht die Positionen oder die Erfolge oder wer was ist, sondern die Menschen dahinter sind mir wichtig. Ich suche immer die positiven Seiten an jedem Menschen zu sehen und ich glaube, wenn man auf die Leute positiv zugeht, dann bekommt man diese positive Einstellung zurück. Wenn man in einem hektischen Restaurant  ist und man schenkt der gestressten Bedienung ein nettes Lächeln – da kommt sofort  etwas retour … wie man in den Wald hineinschreit so kommt es zurück. Auch nach meinem Unfall habe ich unglaublich viel positives Feedback bekommen.

Skiweltcup.TV: Ein Blick auf die Saison 2013/14. Welche Athletinnen und Athleten werden in diesem Winter aus deiner Sicht im Weltcup bzw. bei den Olympischen Winterspielen groß rauskommen? Gibt es für dich einige Außenseiter?

Lanzinger: Der  Gesamtweltcup ist sicher spannend. Es wird wohl wieder eine Sache für Hirscher und Svindal. Beide sind sensationell in die Saison gestartet und wenn sie verletzungsfrei sind, werden sie sicher noch viele Erfolge feiern heuer.  Bei Olympia glaube ich nicht, dass es Überraschungssieger geben wird. Die Strecken sind schwierig und wenn das Wetter halbwegs mitspielt, werden sich die Favoriten durchsetzen, die bis dahin in der Saison vorne waren. Außenseiterchancen haben sicher auch unsere Leute wie Mathias Mayer oder Max Franz, die können sicher nach vorne stoßen, wie sie schon bewiesen haben. Ich hoffe natürlich, dass mein ehemaliger Zimmerkollege Streitberger sich weiter nach vorne arbeitet.  Auch ein Pinturault hat sicher die Möglichkeiten in Slalom und Riesenslalom ganz vorne mitzumischen und eventuell sogar im Gesamtweltcup in mittlerer Zukunft ein Wort mitzureden.

Bei den Damen steht natürlich hinter Lindsey Vonn und Tina Maze im Moment ein kleines Fragezeichen, wieviel sie sich noch steigern können in der Saison. Bei Maze kann es vielleicht sein, dass sie ihr Augenmerk komplett auf Olympia richtet und deshalb eventuell noch nicht auf dem höchsten Level fährt. Lara gut hatte einen ebenso tollen Start wie Maze letztes Jahr und ihr ist viel zuzutrauen. Sie hat schon in jungen Jahren gezeigt, welches Talent sie hat, wenn jetzt die Konstanz dazu kommt könnte sie zur Seriensiegerin werden.

© Hujara Manuel / Matthias Lanzinger

© Hujara Manuel / Matthias Lanzinger

Skiweltcup.TV: Nicht nur die Sportwelt ist erschüttert über das feige Attentat beim Boston-Marathon. Bist du der Meinung, dass sich so etwas auch bei den Hochsicherheitsspielen in Sotschi ereignen kann?

Lanzinger: Es wird sicher eine andere Stimmung sein, also es wird sicher nicht eine hochemotionale Olympiade werden. Es wird von der Organisation her wahrscheinlich reibungslos ablaufen. Aber in Russland ist sicher sehr viel Schein und wenig Sein, nach außen vielleicht herzlich, aber im Hintergrund ist nicht alles eitel Wonne. Aber gehen tut es um die sportlichen Leistungen. Die Strecken sind olympiawürdig und es werden sicher spannende Bewerbe, auch wenn es wohl nicht das gleiche Ambieten gibt wie zum Beispiel in Vancouver.

Skiweltcup.TV: Matthias, und was dürfen wir über deinen Winter in Erfahrung bringen. Wirst du auch bei den „Paralympics“ im nächsten Jahr an den Start gehen?

Lanzinger: Mein großes Ziel sind die Paraolympics im März in Sotchi, keine Frage. Darauf läuft die ganze Vorbereitung hinaus. Olympia war auch der Grund für mein Comeback. Es ist mein großes Ziel, dass ich da eine gute Leistung bringen kann. Das Wichtigste war und ist für mich der Weg dorthin, ich es nochmal schaffen kann, den Anschluss an die Weltspitze zu schaffen. Der Weg hat sich für mich bezahlt gemacht. Wenn eine Medaille herausschaut, dann wäre es ein absoluter Traum und für mich würde sich irgendwie ein Kreis schließen. Es war ein großer Jugendtraum an einer Olympiade oder WM teilzunehmen und eine Medaille zu gewinnen – und so kann ich es vielleicht doch noch verwirklichen.

Skiweltcup.TV: Und wie sieht derzeit ein Tag im Leben des Matthias Lanzinger aus?

Lanzinger: Also heute bin ich um fünf Uhr auf die Reiteralm zum Training,  erst Super-G dann Slalom, dann gab es eine kurze Pause – jetzt in der Mittagspause führe ich ein Telefoninterview  und am Nachmittag sitze ich im Büro. Danach geht es ausradeln und am Abend habe ich noch eine Veranstaltung und morgen um 5 Uhr geht’s wieder zum Training und dazwischen versuche ich natürlich jede freie Minute mit meiner Tochter und der Familie zu verbringen – tja, so schaut so ein Tag bei mir aus.

Skiweltcup.TV: Was viele Fans immer interessiert – betreust du deine Facebookseite selber?

Lanzinger: Ja, das meiste mache ich selber. Nur bei den Rennen habe ich jemand, der das macht. Der bekommt vom Trainer die Ergebnisse und Fakten, denn bis ich vom Berg herunten bin, wär das zu spät. Alles andere mache ich.

Das Interview für Skiweltcup.TV führte Claudia Egger
in Zusammenarbeit mit Andreas Raffeiner

 

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