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Swiss-Ski-Damencoach Manuel Gamper: Ich würde gerne nochmals mit meinem Vater in einem Team zusammenarbeiten.

© Manuel Gamper privat

© Manuel Gamper privat

Zermatt – Derzeit arbeiten die Schweizer Skidamen fleißig für die neue Saison. Unter den Adleraugen des Südtiroler Trainers Manuel Gamper versuchen die Mädchen, ihre Ideallinie zu finden, damit sie im bevorstehenden WM-Winter erfolgreich sein werden. Dies würde nicht nur Gamper freuen. Andreas Raffeiner hat sich für Skiweltcup.TV mit dem Trainer der Gruppe „Weltcup 1 Damen“ über sein Leben, seine Trainerphilosophie, den Trainingsalltag, die neue Saison, die Beziehung zu Vater Franz und mehr unterhalten.

Manuel, kannst du dich bitte zu Beginn ein bisschen den Leserinnen und Lesern unseres Onlineportals skiweltcup.tv etwas näher vorstellen?

Ich heiße Manuel Gamper, bin 33 Jahre alt und komme aus dem Ultental in Südtirol. In diesem Jahr gehe ich in die insgesamt vierte Saison mit dem eidgenössischen Skiverband. Dort arbeite ich als Trainer und betreue die Gruppe „Weltcup 1 Damen“, der vorwiegend, aber nicht ausschließlich speedorentierte Athletinnen angehören.

Warst du selbst einmal im Europa- oder Weltcup aktiv, oder wolltest du immer schon die Trainerlaufbahn einschlagen?

Ich selber habe nie als Athlet im Europa- oder Weltcup aktiv Rennen bestritten, wohl war ich aber eine Zeit lang Mitglied des Südtiroler Landeskaders. Recht früh habe ich mich jedoch auf meine Schulausbildung konzentriert, wobei ich nicht klare Vorstellungen hatte, wo ich mich beruflich positionieren werde. Als ich in Innsbruck und Turin Wirtschaft studierte, habe ich in der studienfreien Zeit als Skitrainer und -lehrer gearbeitet, so auch fernab der Heimat einige Saisonen in Neuseeland. In dieser Zeit ist mir klar geworden, dass mir diese Tätigkeit, die ich ausübte, mir sehr viel Freude bereitete.

So sind die Dinge ihren Lauf gegangen. Nach dem Abschluss meines Studiums arbeitete ich in der ersten Zeit unter Phil Mcnichol im Herrenbereich des US-Teams, ehe es zu den norwegischen und jetzt zu den Schweizer Mädls ging.

Inwieweit darf ein Trainer Psychologe, Vater, Betreuer und Kumpel sein?

Sicher muss man als Trainer viele Bereiche und auch einen Teil, der mit der Psyche eines Athleten zusammenhängt, abdecken. Wie viel das dann ist, ist dann wieder von Athletin zu Athletin verschieden. Als Vaterfigur sehe ich mich weniger. Vielmehr bin ich ein Betreuer, der versucht, alle Details, die zum Erfolg führen, irgendwie positiv zu gestalten. Man kann sicher in gewissen Momenten auch ein Kumpel sein, wenn man mal in einer gemütlichen Runde zusammensitzt. Grundsätzlich bevorzuge ich eine gewisse Distanz. Ich glaube, dass merken und wissen meine Athletinnen schon.

© Manuel Gamper privat

© Manuel Gamper privat

Wie schaut ein derzeitiger Trainingsalltag im Leben von Manuel Gamper aus?

Wenn wir wie zurzeit in Zermatt sind, starten wir bereits um sieben Uhr früh mit der Gondel in Richtung Berg. Hier versuchen wir dann, den Trainingskurs rennmäßig vorzubereiten. An einigen Tagen stehen auch zwei Disziplinen auf dem Programm. Gegen 9.15 Uhr starten wir mit unseren ersten Runden. Wenn die schnellen Disziplinen, also Abfahrt oder Super-G auf dem Programm stehen, schaffen wir etwa sechs Läufe. Bei den technischen Disziplinen sind es um einige mehr. Im Regelfall sind wir gegen zwölf Uhr fertig. Dann entscheiden wir noch, ob wir die Piste für den nächsten Tag vorbereiten müssen oder wir ins Tal fahren.

Nach dem Mittagessen mache ich mich dann gleich an den Computer, um die Videos einzuspielen und durchzuschauen. Diese Arbeit ist oft zeitaufwändig. Gegen 17 Uhr, wenn die Athletinnen ihre Konditionstrainingsprogramme abgespult haben, werden die Trainingsläufe analysiert. Zudem gibt es noch eine kleine, kurze Gesprächsrunde innerhalb des Betreuerstabs, ehe wir in der Mannschaftssitzung den nächsten Tag besprechen. Und dann kommt das Abendessen auf den Tisch…

Manuel, auf wen ruhen die Hoffnungen im weiblichen Swiss-Ski-Kader, und wie zuversichtlich bist du für den bevorstehenden WM-Winter?

Natürlich konzentrieren wir unsere Hoffnungen auf mehrere Athletinnen, da wir ja von der Größe her eine ganz ordentliche Truppe haben. Um einige Namen zu nennen sind dies wohl Dominique Gisin, Fränzi Aufdenblatten, Nadja Kamer, Martina Schild oder auch Mirena Küng. Andere kommen erst von Verletzungen zurück. Marianne Kaufmann-Abderhalden, Fabienne Suter, Andrea Dettling, usw.. Ich hoffe, dass all diese trotzdem während der Saison noch aufzeigen werden. Dann ist natürlich noch Lara Gut, welche ab Herbst mit uns unterwegs ist. Ihr traue ich einiges zu heuer. Zudem trainiert auch die Liechtensteinerin Tina Weirather in unserer Gruppe. Sie hat ebenso Potential. Auf die Saison bezogen bin ich positiv gestimmt. Natürlich wünschen wir uns, dass alle gesund bleiben. Dann glaube ich kommt auch der Rest.

Bleiben wir kurz bei Lara Gut. Einige Medien haben berichtet, dass das Aushängeschild des Schweizer Damenteams zu fett ist. Wie reagiert ein Trainer, wenn er solche „unsinnigen“ Nachrichten liest?

Wenn ich so etwas lese, dann muss ich ein wenig schmunzeln und nicht mehr. Das sind für mich einfach Schlagzeilen, die zum Lesen verführen sollen. Die Wirklichkeit ist aber eine andere. Lara ist, zumindest aus meiner Optik gesehen, athletisch in einer sehr guten Verfassung.

Wie wichtig ist in den Augen des Trainers Manuel Gamper Fairness, vor allem zu Leuten, die mit dir arbeiten und von dir abhängig sind, auf und abseits der Piste?

Klar geht man davon aus, dass ein gewisser Kodex, der auch Fairness beinhaltet, von allen Beteiligten in unserem Umfeld gelebt wird. Und das betrifft das Klima innerhalb der Mannschaft oder unter uns Berufskollegen oder Berufskollegen anderer Teams. Hier geht es erfahrungsgemäß ja zumeist um gemeinschaftliche Trainings oder die Aufteilung der Piste. Gewisse Vorteile will man da ja keineswegs gleich aus der Hand geben. Im Grunde unterstütze ich dabei dessen ungeachtet eine gewisse Hilfsbereitschaft. So glaube ich, dass sollte jeder für sich selbst ein klein wenig ausloten, welche Vorgehensweise denn die Richtige sei. Überdies schätze ich die Kollegialität, und weiß, dass meistens im Saisonverlauf die bekannte Hand eine andere wäscht und umgekehrt.

© Manuel Gamper privat

© Manuel Gamper privat

Leider müssen wir noch auf einige potentielle Starterinnen in Sölden verzichten. So wird etwa Fabienne Suter Ende Oktober nicht an den Start gehen. Alle anderen Fahrerinnen, die für den Saisonstart in den WM-Winter infrage kommen, und das ist positiv, sind zum gegenwärtigen Stand der Dinge fit.

Was rät Trainerfuchs Manuel Gamper trainingsfaulen Athleten? Talent allein kann doch nicht der Schlüssel zum Erfolg sein, oder…

Ich glaube, dass die meisten Athleten, die sich auf Weltcupniveau vorgearbeitet haben, selbst ganz gut einschätzen können, wie viel Fleiß und Einsatz dazu nötig ist. Talent jedoch ist nach wie vor eine unabdingbare Basis. Für den kontinuierlichen Erfolg braucht es jedoch mehr. Ich rate jenen, welche sich in einer Situation erwischen, in der die Zügel ein wenig durchhängen, sich wiederum mit den eigenen Zielen zu konfrontieren.

Alle reden von der neuen Materialreform bzw. über die neueren, längeren, schmäleren und daher weniger taillierten Skiern? Wie siehst du diese Problematik?

Ehrlich gesagt stehe ich dem Ganzen etwas zwiespältig gegenüber. Natürlich muss es nach wie vor ein Hauptziel sein, die Gefahren auf ein Minimum zu reduzieren und daher bestmöglich zu limitieren. Andererseits lebt der Sport von Evolutionen. Das dann ein Rückschritt in der Entwicklung des Materials erfolgt, ist schwierig zu verstehen. Man muss jetzt schauen, wie die Realität aussieht. Ob die Skier wirklich sicherer sind, werden wir sehen.

Welche Nachrichten oder Schlagzeilen möchte Manuel Gamper am liebsten über sich und seine Tätigkeit als Schweizer Damentrainer lesen?

Ich bin schon zufrieden, wenn es gute Schlagzeilen über sportliche Erfolge von meinen Mädls zu berichten gibt.

Dein Vater Franz ist auch ein erfolgreicher Trainer. Was kann er dir auf dem Weg mitgeben, und drehen sich die Gespräche am Familientisch zu Hause in Ulten nicht ums Skifahren?

Fast unweigerlich dreht sich in unseren Gesprächen auch etwas über das Skifahren bzw. unsere Arbeit. Wir berichten vom Geschehen und tauschen uns, Ratschläge gebend, aus. Natürlich kann er mir viel mitgeben. All dies ist für mich von sehr großem Wert, und ehrlich gesagt, hätte ich auch Lust, mit ihm nochmals in einem Team zusammenzuarbeiten. Da könnte ich direkt von all seiner Erfahrung profitieren. Geht es bei unseren Dialogen nur noch ums Skifahren, hakt mein Vater schon ein wenig ein und schweift auf andere Themen. Es gibt ja Gott sei Dank auch anderen Gesprächsstoff.

Bleibt abschließend das Motto…

Ich habe nicht wirklich ein Motto, über das ich mir ständig Gedanken mache. Ich ertappe mich jedoch ab und zu, dass ich nur noch eine Sache, die ich mir in den Kopf gesetzt habe, gut zu machen, sehe. Wird es  zu viel, dann sage ich es mir und habe vor, etwas lockerer zu werden und das Leben zu genießen.

Interview für skiweltcup.tv: Andreas Raffeiner

 

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