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Andreas Sander im Interview: „Ich bin für die anstehenden Rennen gut vorbereitet“

Interview mit Andreas Sander: "Ich bin für die anstehenden Rennen gut vorbereitet" (Foto: Skiweltcup.TV / Walter Schmid)

Interview mit Andreas Sander: „Ich bin für die anstehenden Rennen gut vorbereitet“ (Foto: Skiweltcup.TV / Walter Schmid)

Es klingt paradox: Wer im alpinen Ski-Sport nach oben möchte, muss so schnell wie möglich nach unten. Andreas Sander ist so einer. Waghalsig stürzt sich der Skifahrer seit Kindesbeinen den Berg hinunter, um sich irgendwann seinen Lebenstraum zu erfüllen: Den Traum von der eigenen Gondel.

Am kommenden Wochenende greift Skifahrer Andreas Sander von der SG Ennepetal wieder in das Weltcup-Geschehen ein. Im kanadischen Lake Louise nimmt der 28-jährige Wahl-Burgberger an den dortigen Speed-Wettbewerben teil.

Andi, am Wochenende startet der Speed-Weltcup in den olympischen Winter und die lange Zeit der Vorbereitung ist somit abgeschlossen. Wie bist Du gesundheitlich und trainingstechnisch durch den Sommer gekommen?

Andreas Sander: Ja genau, endlich geht es los! Gesundheitlich bin ich sehr gut durch die gesamte Vorbereitung gekommen. Ich konnte alle Trainingstage auf Ski sowie im Trockentraining wie geplant absolvieren. Damit war ich sehr zufrieden. Bei den Skitagen hat es allerdings immer mal wieder ein paar Tage gegeben, mit denen ich nicht so zufrieden war. Diese Tage gehören aber jetzt hoffentlich der Vergangenheit an. Dank der letzten Trainingstage in Copper Mountain (USA) fühle ich mich gut vorbereitet für die anstehenden Rennen.

Im Materialbereich kommt es diesen Winter zu einer Reform von der Reform: Der Radius des Riesenslalomskis ist wieder etwas kleiner geworden. Hat das für Dich als Speedfahrer auch Auswirkungen?

Andreas Sander: Da wir besonders im Sommer vor Chile und im Herbst einige Tage Riesenslalom trainiert haben, hat es auch auf uns Speedfahrer zwar Auswirkung, aber eher kleinere. Mit dem Riesenslalom-Training versuche ich immer Kleinigkeiten an meiner Technik zu verbessern. Die neuen Riesenslalomski reagieren jetzt wieder früher und verlangen, auf den meisten Schneeverhältnissen, eine andere Skischuhabstimmung als noch die alten Riesenslalomski. Außerdem ist somit der Unterschied im Radius vom Riesenslalom zum Super-G größer geworden. Also ist für uns die Umstellung vom Riesenslalom zum Super-G auch größer geworden. Alles in allem finde ich diese Reform jedoch sehr gut. 

Wer Deine Interviews zum Saison-Start in den vergangenen Jahren gelesen hat, wird wissen, dass Du immer wieder von Entwicklungsschritten in der Technik gesprochen hast. Hast Du diesen Sommer wieder so einen Schritt geplant und gemacht; und wenn ja, im welchem Bereich?

Andreas Sander: Das ist allerdings immer ein großes Ziel von mir in meiner Vorbereitung. Obwohl ich nach der Vorbereitung im letzten Jahr mit meiner technischen Entwicklung sehr zufrieden war, konnte ich es über den Winter in den Rennen leider nicht ganz so zeigen, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich denke, dass ich dieses Jahr wieder so einen kleinen Schritt gemacht habe und hoffe, dass ich es dieses Jahr auch in den Rennen umsetzen kann.

Dabei handelt es sich immer nur um Kleinigkeiten, wie zum Beispiel die Schwungeinleitung oder die Schwungausfahrt.

 Wahrscheinlich werden in der Berichterstattung über den Winter die olympischen Spiele 2018 alles überstrahlen. Wie ist das bei Dir: Steht alles im Vorzeichen der fünf Ringe oder ist das noch weit weg?

Andreas Sander: Obwohl ich noch nie bei Olympia gewesen bin, spielt es für mich erst einmal eine untergeordnete Rolle. Ich möchte mich in der Weltrangliste weiter vorarbeiten und konstante Leistungen in den Weltcuprennen zeigen. Da wir bis zu Olympia schon insgesamt 7 von 9 Weltcupabfahrten und 4 von 6 Super-G  auf dem Programm haben, konzentriere ich mich erst einmal nur auf den Weltcup und gehe diese Saison wie jede andere Saison an. Ich versuche das eher als normalen Weltcup-Winter mit Bonus zu sehen.

Andreas Sander (Foto: Skiweltcup.TV / Walter Schmid)

Andreas Sander (Foto: Skiweltcup.TV / Walter Schmid)

Erstmals startest Du zu Beginn der Saison in Abfahrt und Super G unter den Top 20. Wo sind da Deine konkreten Ziele?

Andreas Sander: Die Ausgangsposition ist zum Glück noch einmal besser als vor der letzten Saison. Wenn ich jedoch nicht zu hundert Prozent meine Leistung abrufen kann, bringt mir diese Ausgangssituation auch nicht sehr viel. Unser Sport hat momentan ein extrem hohes Niveau und verzeiht somit fast keine schlechten Ergebnisse, wenn man am Ende der Saison vorne dabei sein möchte. Da ich mich möglichst in beiden Disziplinen am Saisonende unter den besten 15 der Weltrangliste einfinden möchte, ist es mein Ziel sehr konstante Leistungen zu bringen. Dafür möchte ich gerne öfter in den TOP 10 platziert sein und möglichst das ein oder andere Mal näher oder am liebsten auch einmal auf dem Podest stehen.

Im Februar möchte ich dann natürlich gerne bei Olympia am Start stehen und meine Bestleistung abrufen. Bei Olympia ist, wie man ja immer sagt, vieles möglich.

Schauen wir auf die Saison. Bormio und die legendäre Stelvio-Piste ersetzen das Rennen in Santa Caterina, wo Du eigentlich immer sehr gut gefahren bist. Wie siehst Du den Tausch?

Andreas Sander: Es stimmt, dass ich in Santa Caterina deutlich bessere Platzierungen eingefahren habe, als in Bormio. Allerdings sind wir auch die letzten drei Jahre nicht mehr auf der Stelvio gefahren und in diesen Saisons habe ich meine bislang besten Platzierungen im Weltcup eingefahren. Deswegen bin ich dem Tausch nicht negativ eingestimmt. Ich sehe es als Herausforderung auch endlich mal in Bormio ein gutes Ergebnis zu zeigen. Ich freue mich schon sehr auf dieses Rennen!

Gibt es – lassen wir Olympia noch mal außen vor – im Weltcup eine Art Höhepunkt diesen Winter für Dich?

Andreas Sander: Das „Schöne“ an unserem Sport ist für mich, dass fast jeder Weltcuport, auf seine Art und Weise, ein echtes Highlight ist. Aus diesem Grund bin ich einfach nur dankbar, dass ich so einen tollen Sport beruflich ausüben darf und somit viele tolle Skiorte kennenlernen darf. Dies allein ist für mich jedes Jahr ein echter Höhepunkt.

Wenn man dann jedoch ein paar Orte besonders „herauspicken“ soll, dann sind das sicher die Stationen im Januar. Es beginnt mit Wengen, dann Kitzbühel und hört mit unserem Heimweltcup in Garmisch-Partenkirchen auf. Es ist immer etwas ganz spezielles in seinem Heimatland am Start zu stehen. Zudem ist die Stimmung der Zuschauer in Garmisch immer herausragend.

Die Olympiapiste kennst Du aus der Premiere von vor zwei Jahren. Wie schätzt Du die Piste in Korea ein? Ist sie eine Herausforderung, die Olympia würdig ist?

Andreas Sander: So wie wir sie vor zwei Jahren getestet haben, ist sie sicherlich Olympia würdig. Das hängt allerdings immer sehr von den Schneeverhältnissen und dem Wetter ab. Es könnte gut passieren, dass es eine sehr spannende Abfahrt geben wird, bei der am Ende Hundertstelsekunden den Ausschlag geben werden.

Der Super-G könnte etwas anders ausschauen, da die Piste, für einen Super-G, sehr viele Sprünge hat. Das hängt am Ende natürlich auch von der Kurssetzung ab.

Ich denke jedoch, dass sich der Zuschauer auf Olympia freuen kann.

Euer Chef-Trainer „kann Olympia“, wie er durch den Sieg von Matthias Mayer in Sotschi bewiesen hat. Kriegt man davon etwas mit, gibt das Extra-Vertrauen in seine Worte?

Andreas Sander: Das braucht es gar nicht. Das Vertrauen in seine Worte hatte Mathias (Berthold), durch seinen Umgang mit uns, ziemlich schnell. Da Olympia noch sehr weit weg ist, mache ich mir darum auch noch gar keine Gedanken. Wenn Olympia dann ein Thema ist, könnte man das ja vielleicht noch einmal überdenken.

Schauen wir noch mal etwas zurück. Vor vier Jahren konntest Du Dich nicht für Olympia qualifizieren und nicht wenige hatten Zweifel an dem Fortbestand Deiner Weltcup-Karriere. Es kam jedoch anders. Rückblickend: Wie groß ist die Genugtuung, sich inzwischen in der erweiterten Weltcup-Spitze zu behaupten.

Andreas Sander: Das ist einerseits natürlich sehr schön und zufriedenstellend. Allerdings auch nur für einen kurzen Moment. Manchmal denke ich schon daran, wo ich vor ein paar Jahren noch platziert war. Das gibt mir dann aber auch die Motivation es eventuell noch weiter nach oben schaffen zu können. Das ist mein großes Ziel. Wenn ich nach meinem Karriereende zurückblicken werde, werde ich mich sicher noch oft an diese Jahre und denen davor zurück erinnern. 

Wenn der Wettergott mitspielt, wirst Du in Lake Louise Deinen 100sten Weltcup-Start haben und bist damit als 28-Jähriger der Dienstälteste deutsche Abfahrer im Weltcup. In der Breite war die Mannschaft seit Jahrzehnten nicht mehr so stark wie jetzt. Gibt inzwischen eine Dynamik der starken deutschen Trainingsgruppe, von der wir früher nicht mal träumen konnten?

Andreas Sander: Das stimmt allerdings. Es ist natürlich schön in einer zum einen recht kleinen und zum anderen immer stärker werdenden Mannschaft zu trainieren. Wir als ganzes Team – Trainer, Physiotherapeutin, Service und Athleten – tun momentan alles, damit es in den nächsten Jahren immer noch so ist. Besonders unserem Trainerteam haben wir es zu verdanken, dass es zurzeit so gut läuft. Man merkt das natürlich auch in allen Trainings. Das Niveau, bei uns, ist sicherlich deutlich höher, wie es noch vor drei Jahren war. Allerdings ist das alles nur eine Momentaufnahme und ab dem kommenden Wochenende wird alles wieder bei „Null“ losgehen!

Weitere Informationen über Andreas Sander finden Sie unter
www.andreassander.com

Interview: Siegfried Fröhlich

Andreas Sander (Foto: Skiweltcup.TV / Walter Schmid)

Andreas Sander (Foto: Skiweltcup.TV / Walter Schmid)

 

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& Olympische Winterspiele Ski Alpin 2018

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