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Andreas Sander: „Natürlich wäre es ein Traum, einmal in Kitzbühel zu gewinnen.“

Andreas Sander: "Natürlich wäre es ein Traum einmal in Kitzbühel zu gewinnen." (Foto: Skiweltcup.TV / Walter Schmid)

Andreas Sander: „Natürlich wäre es ein Traum, einmal in Kitzbühel zu gewinnen.“ (Foto: Skiweltcup.TV / Walter Schmid)

Andreas „Andi“ Sander ist 29 Jahre alt und einer der erfolgreichsten Speed-Fahrer im Team des Deutschen Skiverbands. In der abgelaufenen Saison hat er in den Speeddisziplinen viele gute Ergebnisse erzielt. Hervorzuheben ist der sechste Platz bei der Hahnenkammabfahrt auf der berühmt, berüchtigten Streif. Im Interview mit FIS-Ski.com blickt der gebürtige Westfale auf den letzten Ski-Winter zurück, erzählt von seiner Sommervorbereitung und über die Ziele in der kommenden Saison.

FIS-Ski.com: Du bist in Westfalen geboren und aufgewachsen, einer Region, die nicht gerade für ihre Abfahrtsstrecken bekannt ist. Wie waren deine ersten Erfahrungen auf Schnee?

Andreas Sander: Wir waren als Familie im Winter oft im Skiurlaub und dort habe ich in Österreich / Obergurgl mit 2 ½ Jahre das Skifahren gelernt. Auf den alten Fotos sieht man, dass ich schon früher sehr viel Spaß beim Skifahren hatte.

Haben deine Familie und deine Freunde die gleiche Leidenschaft für das Skifahren?

Ja, ohne meine Familie wäre ich wahrscheinlich nie zum Skirennsport gekommen. Mein Vater ist früher in Westfalen auch schon Skirennen gefahren. Da wir in meiner alten Heimat auch kleine „Berge“ bzw. Hügel haben, konnte man in guten Wintern auch dort Skifahren. Mein 6 Jahre älterer Bruder ist auch Skirennen gefahren und somit wollte ich es auch unbedingt machen. Wir hatten im Skiurlaub sogar eigene Torstangen dabei und haben dort auf den Pisten trainiert. Mein Vater war also mein erster Trainer.

Auf deiner Website steht, dass Du Fußballspieler bei Borussia Dortmund werden wolltest, aber dich mit 15 Jahre entschieden hast, in die deutschen Alpen, nach Berchtesgaden und Oberstdorf zu ziehen. Warum hast du dich für das alpine Skifahren entschieden?

Ich habe in meiner Kindheit Fußball und Tennis gespielt und war auf Skier unterwegs. Wie schon erwähnt bin ich ein großer Fußballfan von Borussia Dortmund. Aber für eine Karriere als Fußballprofi war ich einfach nicht talentiert genug. Es war früh klar, dass mein Talent mehr im Skifahren zu finden ist.

Kannst du uns etwas über diesen Wendepunkt in deinem Leben erzählen?

Von zu Hause wegzugehen, und somit über 600 km von meinen Eltern entfernt zu sein, war eine sehr schwere Entscheidung für mich. Da ich aber unbedingt weiter Skifahren wollte, habe ich mich für diesen Wechsel entschieden. Ich wollte wissen wie weit ich es in diesem Sport schaffen kann.

Wenn Du zurückblickst, würdest du etwas anders machen?

Nein, ganz sicher nicht. Ich bereue keine Entscheidung, die ich in meinem Leben bis jetzt gemacht habe. Ich habe sicherlich nicht immer alles richtig gemacht, aber ich habe extrem viel gelernt. Ich bin sehr froh, dass ich mich damals für diesen großen Schritt entscheiden habe.

Im Jahr 2008 hast Du den Junioren-Weltmeistertitel im Super-G gewonnen. Was bedeutet Dir dieser Erfog?

Dieser Titel kam wirklich sehr überraschend für mich, obwohl ich in einer sehr guten Form war. Einmal der Beste auf der Welt zu sein, auch wenn es nur bei den Junioren war, bedeutete einfach alles für mich. Damit hat es sich für mich bestätigt, dass sich meine Jahre zuvor und der Umzug nach Bayern gelohnt hat. Dieser Titel war auch die Motivation für die kommenden Jahre um es irgendwann in den Weltcup zu schaffen.

Nach deinem Einstieg in den Skiweltcup, konntest du bereits 2010 in Gröden die ersten Weltcuppunkte einfahren. Danach dauerte es aber eine Weile bis zu deinem ersten Top 10 Ergebnis. Kannst Du uns etwas über diese „Übergangsjahre“ erzählen?

Wenn man in seiner ersten Weltcupabfahrt sofort in die Punkte fährt, dann denkt man eventuell, dass  es nicht allzu schwer ist dies zu wiederholen.  Ich habe allerdings gemerkt, dass genau dies extrem schwer ist. Wenn ich jetzt so zurück denke, dann habe ich wahrscheinlich oft nicht detailliert und diszipliniert genug trainiert. Ich wollte mich natürlich verbessern, aber es hat die ersten Jahre im Ski Weltcup nicht so gut funktioniert. Erst als ich verstanden habe mehr Planung in das gesamte Training zu bringen, habe ich mich deutlich verbessert. Ich bin dann von Jahr zu Jahr professioneller und erfolgreicher geworden.

Andreas Sander (Foto: Skiweltcup.TV / Walter Schmid)

Andreas Sander (Foto: Skiweltcup.TV / Walter Schmid)

Du hast 2012 eine schwere Knieverletzung erlitten. Wie hat sich das auf dein Skifahren ausgewirkt?

Ich habe nach dieser Verletzung sehr genau auf meinen Körper gehört. Ich habe gemerkt, dass ich meinen Körper besser auf das Skifahren vorbereiten muss. Leider hat es nach der Verletzung etwas länger gedauert, bis ich wieder das ganze Vertrauen in meine Skifähigkeiten hatte. Seit dieser Verletzung trainiere ich noch genauer und effektiver.

Was ist wichtig, um auf einem höheren Label konstant seine Leistung zu bringen?

Es braucht auf alle Fälle etwas Zeit. Wir haben im Sommer 2014 ein neues Trainerteam bekommen. Ich habe deutlich mehr Vertrauen gespürt. Unsere neuen Trainer haben es geschafft uns zu überzeugen, dass wir es schaffen können zu den TOP 15 zu gehören. Wir haben mit viel Teamarbeit sehr viel Konstanz in unser Training gebracht. So bin ich von Jahr zu Jahr etwas besser und konstanter geworden.

Du bist jetzt unter den besten „Abfahrer“ der Welt etabliert und die Saison 2017/18 war die bisher beste in deiner Karriere. Du hast in dieser Saison alle sechs Super-G-Rennen beendet, vier davon in den Top10. Wie erklärst Du dir diese Verbesserung? (Kenntnisse des Kurses, technische Fähigkeiten, Verbesserung auf körperlicher Ebene, ….?) 

Ich habe in den letzten 4 Jahren sehr viel verändert. Ich habe allerdings nicht alles komplett über den Haufen geworfen, sondern habe jeden kleinen Bereich minimal angepasst. Ich suche nach jeder Saison Kleinigkeiten, die ich dann für die nächste Saison verändern möchte. Somit kann ich keine bestimmte Sache, die ich verändert habe, herausheben. Es ist am Ende die Menge von vielen kleinen Anpassungen und die Kontinuität in den Trainings.

In der Abfahrt lief es nicht so gut, aber mit einem 6. Platz in Kitzbühel konnten Sie trotzdem das beste Ergebnis Ihrer Karriere erzielen. Was war das Besondere an diesem Tag?

Das war natürlich ein ganz spezieller Tag. Nicht nur für mich sondern ganz besonders für Thomas Dressen und unser Team. Wahrscheinlich sogar für ganz „Ski-Deutschland“. Ich konnte mein bestes Ergebnis in Kitzbühel einfahren und Thomas gewinnt das Rennen. Es war sehr speziell bei der Flower Ceremony die Deutsche Hymne zu hören und zu sehen, dass auch ein Deutscher Kitzbühel gewinnen kann.

Ich glaube, das Ziel/Traum ist es, bei der Hahnenkammbahn in Kitzbühel noch eine eigene Gondel zu haben. Warum gefällt dir dieser Ort/Kurs/Rennen so gut?

Es war und ist wirklich erst einmal ein Traum und nicht direkt mein Ziel, Kitzbühel zu gewinnen. Ich hätte nie gedacht, dass ich im Weltcup und dann noch in Kitzbühel so nah ans Podest fahre. Ich bin als Kind schon einmal mit meiner Familie Abschnitte der Streif herunter gefahren. Es hat mich sehr fasziniert, dass die Piste so steil ist. Seitdem habe ich besonders dieses Rennen jedes Jahr verfolgt. Daraus ist dieser Traum entstanden. Ich werde natürlich die nächsten Jahre extrem hart arbeiten um diesen Traum von Jahr zu Jahr näher zu kommen.

Dein Teamkollege Thomas Dressen hat in der vergangenen Saison seine Gondel gewonnen. Hast Du das Gefühl, dass auch deine Kabine näher kommt?

Ja, ein bisschen schon. Es zeigt auf alle Fälle, dass wir mit unserem Team auf dem richtigen Weg sind. Das motiviert besonders in diesem Sommer extrem. Ich denke allerdings jetzt nicht an Platzierungen. Ich möchte mich auch wieder in dieser Vorbereitung verbessern und dies im Winter in den Rennen zeigen. Dann schaue ich von Rennen zu Rennen.

Was ist deiner Meinung nach der Schlüssel zum Sieg auf der Streif?

Besonders in Kitzbühel braucht man eine gute Mischung aus Mut und Taktik. Es schadet sicher nicht ein paar Jahre Erfahrung zu haben, auch wenn uns Thomas dieses Jahr das Gegenteil bewiesen hat. Um am Ende ein Rennen gewinnen zu können braucht man sicherlich auch etwas Glück.

Wintersportler werden im Sommer gemacht“ ist ein gängiges Sprichwort im Skirennsport. Worauf konzentrierst Du dich im Sommer?

Ich stecke mir nach der abgelaufenen Saison immer kleine Ziele, die ich erreichen will. Diese Ziele sind im Athletikbereich, in der Skitechnik und Taktik und beim Material. Bis Juli habe ich sehr viel Athletik trainiert. Im August und September konzentriere ich mich speziell auf den Bereich Ski. Im Herbst versuche ich dann beide Dinge zu kombinieren um gut für die neue Saison vorbereitet zu sein.

Gefällt dir die Arbeit im Fitnessstudio oder ist es eine schmerzhafte Zeit für dich?

Sowohl als auch. Ich freue mich nach der Saison und nach einer kurzen Pause auf das Athletik-Training. Ich versuche allerdings nicht nur im Gym zu trainieren. Ich bin auch sehr gerne auf dem Rennrad oder zu Fuß in den Bergen unterwegs. Durch das abwechslungsreiche Training freue ich mich immer sehr auf den Sommer.

Was machst Du damit das Training im Sommer nicht langweilig wird?

Zu Beginn des Sommers trainiere ich sehr viel Ausdauer. Ich liebe es an der frischen Luft zu sein und den Kopf vom stressigen Winter frei zu bekommen. Natürlich dürfen die intensiven Krafttrainings im Gym nicht fehlen. Da das Sommertraining eines alpinen Skifahrers sehr abwechslungsreich ist, macht es die meiste Zeit wirklich Spaß. Wenn es dann aber endlich wieder zum Skitraining geht, bin ich natürlich alles andere als traurig.

Andreas Sander (Foto: Skiweltcup.TV / Walter Schmid)

Andreas Sander (Foto: Skiweltcup.TV / Walter Schmid)

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