Home » Herren News, Top News

Benjamin Raich im Skiweltcup.TV Interview: „Ich möchte um Medaillen mitfahren, sonst könnte ich es ja gleich lassen“

© Claudia Egger  /  Benjamin Raich (AUT)

© Claudia Egger / Benjamin Raich (AUT)

Arzl im Pitztal – Baujahr 1978,  zigfacher Medaillengewinner bei WM und Olympia, Gesamtweltcupsieger 2006 und mehrmals Gesamtzweiter, vielfacher Disziplinenweltcupsieger: Benjamin Raich, ein Routinier und Allrounder, der es geschafft hat, als blutjunger Skiläufer über Nacht mit seinem Triumph im Nachtslalom von Schladming 1999 zum Shootingstar zu werden und sich in Folge über ein Jahrzehnt in den Ergebnislisten immer wieder ganz vorne eintragen konnte. Nach seiner Verletzung bei der WM in Garmisch hat er letztes Jahr den Anschluss wieder gefunden, wenngleich es nicht für ganz vorne gereicht hat. Warum Begeisterung im Sport so wichtig ist, weshalb sogar für einen Tiroler die Ski ein Sportgerät und kein Fortbewegungsmittel sind und inwiefern er nach der Karriere sicher nicht singen wird, das und viel mehr verriet er uns im skiweltcup.tv Interview.

skiweltcup.tv: Benni, es heißt, dass die Medaillen im Sommer gemacht werden. Stimmt das und was kannst du uns zu deinem gegenwärtigen Trainingsalltag sagen?

Benni Raich:  Richtig, die Medaillen werden unter anderem im Sommer gemacht. Voraussetzung ist, dass man im Sommer optimal trainiert. So sind Kraft, Kondition, Koordination, Gleichgewicht, aber auch ein gutes Skitraining wichtig. Skifahren ist ein komplexer Sport, und ebenso komplex muss das Training sein.  Derzeit mache ich täglich zwei Blocks mit etwa drei Stunden am Vormittag und am Nachmittag. Momentan mache ich kein Schneetraining, ich stehe erst im September wieder auf Ski und werde mich überwiegend auf den heimischen Gletschern vorbereiten. Dort ist heuer eh relativ gut Schnee. Wenn man die Voraussetzungen im Sommer nicht schafft, merkt man das im Winter schnell, da man das Programm konditionell nicht durchsteht. Aber  natürlich muss man sich auch im Winter auf jedes Rennen ideal vorbereiten und zwischen den Rennen arbeiten.

skiweltcup.tv: Schon mit zwei Jahren bist du auf den Brettern  gestanden. War das, im Nachhinein betrachtet, das richtige Alter, um Ski fahren zu lernen? Was würdest du ehrgeizigen und strebsamen Eltern heute raten oder sind die Skier in Tirol quasi ein Fortbewegungsmittel?

Benni Raich  (lacht): Nein, die Ski sind für mich schon ein Sportgerät und kein Fortbewegungsmittel. Wenn man noch sehr jung ist, passiert das Ganze sehr spielerisch. So hat man Lust herumzurutschen und aus dem Rutschen wird dann halt das Fahren. So gesehen ist das schon ein gutes Alter mit zwei, drei Jahren. Das Wichtigste ist aber, dass die Kinder Spaß haben. Natürlich müssen ihnen die Eltern die Möglichkeit bieten, denn ein Dreijähriger kann ja schlecht allein Skifahren gehen. Trotzdem soll man nicht zu ehrgeizig sein. Anfangs sollen eher kurze Skitage, eher locker, und auch nicht drängend, wenn Kinder mal keine Lust haben, auf dem Plan stehen. Ich glaube, ich bin dann mit ungefähr fünf Jahren ganz kleine Rennen, irgendein Vereinsrennen war´s glaub ich, gefahren. Das reicht völlig. Wenn die Kinder dann größer werden und sich gern messen, gibt es die Bezirkscuprennen und ähnliches. Natürlich ist es wichtig, dass die Eltern dahinter stehen, aber auch die sollen Spaß haben und es nicht als Muss betrachten, jedes Wochenende zu einem Rennen zu gondeln. Es gibt sehr gute Vereine, Trainingsgemeinschaften oder Rennschulen wie unsere, die sich um alles kümmern.

skiweltcup.tv: Bist du selber in der Rennschule aktiv in der Jugendarbeit?

Benni Raich:  Nein, das geht sich jetzt als Aktiver noch nicht aus. Klar schau ich mal vorbei, wenn ich daheim trainiere oder im Frühjahr gibt’s auch einen Skitag oder so etwas, aber richtig als Trainer bin ich nicht dabei. Aber es steckt die ganze Erfahrung unserer Familie drin, und das ist doch einiges, wenn ich bedenke, wie lange ich schon fahre oder auch mein Bruder, der zehn Jahre älter ist und auch selber schon Rennen gefahren ist.

© Claudia Egger  /  Benjamin Raich (AUT)

© Claudia Egger / Benjamin Raich (AUT)

skiweltcup.tv: Am fernen 10. März 1996 hast du beim Torlauf im norwegischen Kvitfjell dein erstes Weltcuprennen bestritten. Sozusagen bist du ein Routinier. Du hast viele Skirennläufer kommen und gehen sehen. Konnten sich im Lauf deiner sehr langen sportlichen Karriere auch richtige Männerfreundschaften entwickeln, die auch abseits der Piste standhalten?

Benni Raich:  Also, es gibt viele wirklich gute Kollegen, mit denen ich sehr gut auskomme und mit denen ich auch einmal ein Bier trinken gehe. Aber es ist nicht so, dass man jetzt abseits des Skizirkus etwas privat unternimmt. Klar, wenn ich mal in Salzburg bin, treffe ich mich vielleicht mit dem Michi Walchhofer oder wenn jemand von denen in der Nähe ist, kommt auch mal einer auf einen Kaffee bei uns vorbei, aber meine ganz engen Freunde habe ich nicht im Skiweltcup, sondern daheim. Außer Pepi Strobl, mit dem war ich früher viel unterwegs und mit ihm habe auch jetzt noch regelmäßig Kontakt.

skiweltcup.tv: Mit über 400 Weltcupeinsätzen hast du zahlreiche, fast schon unzählige Trainings- und Rennkilometer abgespult. Hand aufs Herz: Welches Rennen ist unterm Strich gesehen das Emotionalste deiner Laufbahn, und über welches möchtest du am liebsten den Mantel des Schweigens hüllen?

Benni Raich:  Es waren zum Glück viele Erfolge dabei und natürlich erinnert man sich an die sehr gerne. Da muss ich wirklich überlegen… Ja, am ehesten herausheben kann man den RTL-Olympiasieg. Das war ein emotional großartiges Rennen. Aber natürlich ist jede Medaille super. Den Mantel des Schweigens muss ich eigentlich über nichts breiten (lacht). Natürlich erinnert man sich an ein Rennen, in dem man sich verletzt hat, wie in Garmisch, nicht besonders gern. Aber auch das ist eine Erfahrung, die man annehmen muss und die dazu gehört.

skiweltcup.tv: Neben deiner eleganten Fahrweise stehst du sicher auf dem Ski. Ferner bestichst du durch eine Coolness und eine Abgebrühtheit. Man merkt gleich deine Souveränität, wenn du „dein Ding“ durchziehst. Welche Charaktere soll ein Skitalent entwickeln, um an dich heranzukommen? Oder kommen diese Eigenschaften, bedingt durch die Routine, automatisch?

Benni Raich:  Ich glaube, man sollte jungen Athleten nicht allzu viel erklären und vorschreiben. Natürlich, eine gewisse Grundausstattung und bestimmte Richtlinien soll man ihnen mitgeben, aber die Jungen sollen sich ja auch selber entwickeln können. Sie machen eh instinktiv sehr viel richtig. Nur nicht zu sehr in ein Korsett stecken, das ist denke ich, wichtig. Grundsätzlich soll man ihnen die Möglichkeiten und ein gutes Umfeld bieten. Von der Persönlichkeit her ist es sicher wichtig, dass man sich gerne misst und Begeisterung mitbringt, aber auch eine gewisse Ruhe. Also so ist das aus meiner Sicht. Aber wenn man so schaut, die wirklich Großen, die in mehreren Disziplinen siegen oder auch Gesamtweltcupsieger sind, das sind eigentlich alles eher ruhige überlegte Typen, auch in der Niederlage. Ausgeglichenheit ist, denke ich, auch etwas vom Wichtigsten.

© Kraft Foods  /  Benjamin Raich (AUT)

© Kraft Foods / Benjamin Raich (AUT)

skiweltcup.tv: Deine Freundin Marlies Schild ist auch eine sehr sympathische wie gleichermaßen erfolgshungrige Athletin. Ihr beide habt zusammen über 70 Weltcuprennen gewonnen. Wenn ihr euch einmal näher betrachtet: Wer baut den anderen mehr auf, falls sich einer von euch einmal in einem Tief befindet, und wie geht das in der Folge dann vonstatten?

Benni Raich:  Ma, das ist schwierig zu sagen. Wenn es gut geht freuen wir uns gegenseitig mit, wenn es nicht so gut geht, leiden wir miteinander. Eine gute Beziehung ist wichtig, denn gäbe es dort Probleme, wäre es sicher schwierig. Bei uns gibt es keine großartigen Diskussionen, das gegenseitige Verständnis ist immer da, und das ist sicher einfacher, weil wir beide in dem Sport tätig sind.

skiweltcup.tv: Apropos Motivation: Was würdest du trainingsfaulen Athleten, die durchaus Talent und zudem auch Können haben, als Motivationsspritze mitgeben? Schließlich sind neben Talent auch Fleiß, Ehrgeiz und Einsatz im Training und im Rennen wichtige Faktoren, um noch weiter „nach oben“ zu kommen, oder?

Benni Raich:  Ich glaube, dass es wenige gibt, die wirklich faul sind. Es gibt sicher einige, die mit Talent weit kommen, aber wenige, die es bis ganz nach oben schaffen. Man muss dem schon viel unterordnen, es soll aber kein Verzicht sein. Ist vielleicht so: Wenn ich heute im Sommer hart trainiere und im Herbst und das über Jahre – Olympia zum Beispiel ist ja nur alle vier Jahre – kann es sein, dass man vier Jahre und mehr trainiert, um dann Olympiasieger zu werden. In der heutigen Gesellschaft will man oft alles schnell und sofort und mit wenig Aufwand erreichen. Mit der Einstellung verbauen sich vielleicht viele die Möglichkeit, ein wirklich großes Ziel zu erreichen. Man soll sich darauf einlassen, dass man über Jahre auf ein Ziel hinarbeitet:  ich würde sagen, dass zahlt sich sogar aus, wenn man das Ziel dann nicht erreicht. Ich höre oft, dass ich auf so viel verzichten hab müssen in der Jugend, doch ich sehe das als einen totalen Blödsinn an. Was ich gemacht habe, habe ich immer gern und mit Begeisterung gemacht, und ich habe im Gegensatz zu anderen vieles sehen und erleben dürfen.

skiweltcup.tv: Dein Rennfahrerkollege, der US-Amerikaner Ted Ligety, hat im Vorfeld der letzten Saison die Materialreform stark kritisiert. Dennoch ist er bei vielen Rennen, nicht bloß bei der Alpinen Skiweltmeisterschaft in Schladming, mit der Konkurrenz auf und davon gefahren. War die Einstellung Ligetys zum Material demnach ein medienwirksamer Gag, oder teilst du seine kritischen Worte?

© Gerwig Löffelholz  /  Benjamin Raich (AUT)

© Gerwig Löffelholz / Benjamin Raich (AUT)

Benni Raich:  Ich teile seine kritischen Worte nicht. Ich habe schon vorher gesagt, dass das ein Schritt in die richtige Richtung und positiv von der Sicherheit her ist. Ich war der Meinung, dass die Umstellung kein Problem sein wird und auch, dass Ligety sicher trotzdem vorne mitfährt.  Der war vorher schon gut und ist einfach ein super Skifahrer. Ob es ein Gag war … keine Ahnung. Er sagt halt, was er sich denkt und das ist eh gut. Es sollen ja nicht alle Athleten stromlinienförmig daherreden. Das wär ja langweilig.

skiweltcup.tv:  Was hältst du von der neuen Kitz-Kombination?

Benni Raich:  Für Kitzbühel ist das, denke ich, eine gute Variante. Ich könnte mir vorstellen, dass dadurch schon mehr Kombinierer mitfahren. Es gibt ja eigentlich viele gute Kombinierer, die aber gerade in Kitzbühel vielleicht ein wenig vor der Spezialabfahrt zurückschrecken. Natürlich hat mir die klassische Kombi in Kitz immer gut gefallen und sie hat ja auch eine sehr lange Tradition, aber man muss der Realität ins Auge sehen, dass da einfach immer weniger mitgefahren sind und die Zeitabstände enorm waren, wenn man etwa die Ergebnisliste der ersten Zehn sich anschaut.

skiweltcup.tv:  Und was bedeutet die neue Variante für dich persönlich?

Benni Raich:  Hm, ja, könnte schon sein, dass meine Chancen da jetzt auch wieder besser sind

skiweltcup.tv: Wird man dich dann heuer in der klassischen Hahnenkammabfahrt nicht mehr sehen? in Kitzbühel hattest du ja schon sehr gute Resultate…

Benni Raich:  Ich habe zwar gesagt, dass ich mich heuer auf die technischen Disziplinen konzentrieren werde, aber ich weiß es noch nicht und möchte erst die Entwicklung über den Winter abwarten. Es kann schon sein …

skiweltcup.tv: Mit den Olympischen Winterspielen im russischen Sotschi steht im Februar des nächsten Jahres steht das Großereignis für einen Wintersportler direkt vor der Tür. Welche Ziele hast du dir für den saisonalen Höhepunkt gesteckt?

© Gerwig Löffelholz  /  ÖSV Team

© Gerwig Löffelholz / ÖSV Team

Benni Raich:  Ich möchte dabei sein und um Medaillen mitfahren. Wenn ich etwas anderes sagen würde, dann könnt ich es ja gleich lassen!

skiweltcup.tv: Bleiben wir kurz mit den Gedanken in Sotschi. Der Anschlag auf den Boston-Marathon im April dieses Jahres mit drei Toten und über 250 Verletzten steckt vielen noch in den Knochen. Könnte so ein terroristischer Akt die Olympischen Spiele am Schwarzen Meer beeinträchtigen?

Benni Raich:  Das mit Boston war ganz schlimm, keine Frage! Aber passieren kann so etwas überall, seien wir uns ehrlich. Ich habe nicht besonders Angst vor einem Terrorakt, aber wir wissen alle, dass das in der ganzen Welt passieren kann, sobald man viel reist und im Flugzeug sitzt oder in Großstädten unterwegs ist. Ich habe aber keine große Angst, dass so etwas wie in Boston passiert.

skiweltcup.tv: Die Eidgenossin Lara Gut hat einmal bei einem Film mitgespielt. Überdies wird bald Hermann Maier eine Rolle in der TV-Serie „Kommissar Rex“ übernehmen. Wäre es auch für dich eine Option, das Filmgeschäft als Karriere nach der Karriere zu sehen?

Benni Raich: Ob ich der geborene Schauspieler bin möchte ich bezweifeln (lacht).

skiweltcup.tv: Naja, wenn wir da an deine TV-Werbespots denken…

Benni Raich:  Jetzt bin ich Skifahrer, und was nach meiner Karriere ist, weiß ich nicht. Das kommt auf die Angebote an und was interessant ist, keine Ahnung. Ein klares Nein würde ich nicht sagen, Ja auch nicht. Aber vielleicht sind das Herausforderungen, die Spaß machen. Nur eines kann ich sicher sagen, dass ich nicht singen werde (lacht). Singen kann ich einfach nicht, und was ich nicht kann, würde ich einfach nie machen.

skiweltcup.tv: Du bist als ehrlicher und bodenständiger Skistar bekannt und beliebt. Woher glaubst du kommt dieser Ruf, was zeichnet dich aus?

Benni Raich:  Wenn ihr das so seht, wird es so sein. Das könnt vielleicht ihr beantworten. Ich bin ein ausgeglichener Typ, stelle mich in Niederlage und Erfolg den Medien und Fans und das ist in der Niederlage oft wirklich nicht so leicht. Ich bin nicht sehr aufmüpfig; trotzdem sage aber schon klar meine Meinung. Dabei probiere ich aber, möglichst sachlich zu sein. Ich glaub, dass ich authentisch bin, wie man so schön sagt. Ich schauspielere nicht und bin, wie ich bin.

Interview für skiweltcup.tv: Claudia Egger und Andreas Raffeiner  

 

Alle News zum Ski Weltcup 2013 finden Sie in unserer NEUEN FACEBOOK SEITE

 

FIS Ski Weltcup Rennkalender der Herren – Die Termine der Saison 2013/14
FIS Ski Weltcup Rennkalender der Damen – Die Termine der Saison 2013/14
FIS Europacup Kalender der Damen Saison 2013/14
FIS Europacup Kalender der Herren Saison 2013/14


In eigener Sache: Wir suchen immer Skifans die uns mit Skiweltcup News und Nachrichten aus Italien, Deutschland, Österreich und der Schweiz versorgen. Wer Lust am Schreiben hat oder über „Insider News“ verfügt, einfach bei uns melden: news@skiweltcup.tv
Du möchtest in Sachen Skiweltcup immer auf dem Laufenden sein? Dann trage deine E-Mailadresse unten ein. Bestätige deine Anmeldung (Mail) und schon kommen alle aktuellen Nachrichten direkt in dein E-Mail Postfach.

 

 

Das TV-Sport Netzwerk: Ihr Partner in Sachen Sport
www.TV-Sport.de
www.Liveticker.TV
www.Skiweltcup.TV
www.Biathlonweltcup.TV

 

Für Werbe und Kooperationsanfragen stehen wir immer gerne für Sie zur Verfügung.
Ansprechpartner: Karl “Charly” Seidl
Telefon: 0049 (0)9471 / 1664
Mobil: 0049 (0)151 / 187 904 08
E-Mail: info@skiweltcup.TV

Alle News zum Ski Weltcup in dein Postfach
Gib deine E-Mailadresse ein und Du bekommst
täglich alle News direkt in dein E-Mailfach:

Delivered by FeedBurner

Anmerkungen werden geschlossen.