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Bernadette Schild im Skiweltcup.TV Interview: „Marlies ist durch ihren Kampf zurück ein echtes Vorbild für mich“

© Gerwig Löffelholz  /  Bernadette Schild

© Gerwig Löffelholz / Bernadette Schild

Saalfelden – Bernadette Schild erblickte 1990 das Licht der Welt. Bereits mit 15 Jahren nahm sie bei FIS-Rennen teil. Kurze Zeit später erreichte sie ihren ersten Sieg bei einem FIS-Rennen und konnte sich bei den Jugendweltmeisterschaften über eine Gold- und eine Silbermedaille freuen. Bei ihrem Weltcupdebüt im März 2008 in Bormio schied sie im zweiten Lauf aus. Ihr bestes Resultat war bisher ein zweiter Platz beim Saisonfinale 2012/13 in Lenzerheide. Im Interview spricht Schild über die Beziehung zu ihrer älteren und erfolgreichen Schwester Marlies, das Rennen in Lenzerheide, die Möglichkeiten des Trainings und gibt Bescheid, ob sie bereits an Sotschi denkt oder nicht.

skiweltcup.tv: Bernadette, was bedeutet für dich der alpine Skisport, und hast du dir nie überlegt, etwas Anderes zu machen? Oder ist der Tanz durch den Stangenwald gepaart mit einer Prise Fingerspitzengefühl und Spannung in zwei Durchgängen für dich das Höchste der Gefühle?

Bernadette Schild: Skifahren war immer eine meiner vielen Leidenschaft und ja, ich habe mir bereits überlegt, etwas Anderes zu machen. Für mich ist es immer wichtig, mir die Frage zu stellen, ob das, was ich derzeit mache, auch noch mit mir selbst vereinzubaren ist und ob ich noch mit Freude dabei bin. Das Leben als Spitzensportlerin ist natürlich durchaus sehr, sehr spannend und abwechslungsreich, aber auch sehr kurzlebig, Deshalb versuche ich so viele Impressionen, Erfahrungen und auch Momente aus dieser Zeit jetzt mitzunehmen.

skiweltcup.tv: Inwiefern ist deine um achteinhalb Jahre ältere Schwester Marlies ein Vorbild für dich? Holst du dir noch Ratschläge von ihr oder versuchst du – trotz 35 Siegen im Weltcup von Marlies – deinen eigenen Stil zu entwickeln und nervt es dich, wenn man dich mit ihr vergleicht?

Bernadette Schild: Marlies ist vor allem, seitdem ich selbst miterlebt habe, wie sie sich nach ihrer Unterschenkelverletzung zurückgekämpft hat, ein echtes Vorbild für mich. Ich kenne nicht viele bzw. wahrscheinlich sonst keine, die das so souverän geschafft hätte. Ich habe es aber auch trotzdem immer versucht, meinen eigenen Weg zu finden und auch mir selbst und somit meinem Stil treu zu bleiben. Verglichen zu werden kann theoretisch nervig sein, aber für mich ist es häufig auch eine kleine Ehre, andererseits bekomme ich solche Schwesternvergleiche häufig gar nicht mehr bewusst mit.

skiweltcup.tv: Nochmals zu Marlies: Schwestern haben eine unvergleichlich intensive Beziehungen zueinander, welche ihr Leben prägt. Frauen besitzen im Regelfall eine höhere Sensibilität für das Innerseelische und haben auch eine intimere Beziehung zueinander. Kurz und gut? Ist Marlies auch so etwas wie die beste Freundin für dich?

© Kraft Foods  /  Bernadette Schild (AUT)

© Kraft Foods / Bernadette Schild (AUT)

Bernadette Schild: Ich glaube, dass vor allem Schwestern sich auch ohne viele Worte verstehen. Das heißt jetzt nicht, dass wir nicht miteinander reden, ganz im Gegenteil, aber wir müssen uns nicht gegenseitig sagen, was in uns vorgeht. Dazu kennen wir uns zu gut. Wir sind Schwestern, die das Privileg besitzen, einen ganz bestimmten Lebensabschnitt miteinander zu teilen, und darüber bin ich auch sehr froh.

skiweltcup.tv: Beim Weltcupfinale in Lenzerheide hast du als Zweite das erste Mal in deiner sportlichen Laufbahn einen Platz auf dem Podium geschafft. Ist dieser zweite Platz für dich wie ein Sieg, und warum kann er auch als Motivationsspritze für die kommende Olympiasaison gesehen werden?

Bernadette Schild: An meiner Motivation scheitert es eigentlich nie, aber natürlich war das ein unvergesslicher Tag für mich, und auch heute noch fallen mir immer wieder kleine Details von diesem Rennen ein. Man arbeitet so lange daraufhin, endlich selbst einmal aufs Podium steigen zu dürfen, und dann schafft man es plötzlich, total unvorbereitet, aber wenn man einmal dort oben stehen hat dürfen, dann will man natürlich noch mehr und ist noch bestrebter, das Siegertreppchen wieder besteigen zu können.

skiweltcup.tv: Rennrad, Kraftkammer, Rumpftraining, Schwimmen, Stärkung der mentalen Stärke, autogenes Training… die Trainingsmöglichkeiten in der schneefreien Zeit sind vielfältig und facettenreich. Welche Möglichkeiten nutzt du, wenn dir die „weiße Pracht“ sprichwörtlich unter den Füßen wegschmilzt, und welchen Trainingsmethoden kannst du gar nichts abgewinnen?

Bernadette Schild: Für mich ist vor allem Training bei dem ich Freude, Spaß und eventuell auch Freunde miteinbinden kann das Training, das ich am allermeisten liebe. Natürlich gehört viel Kraftkammer dazu, aber auch das kann Spaß machen. Training in der freien Natur, vor allem Klettern, Bouldern, Biken, Berggehen und vieles mehr macht mich nicht nur körperlich fit, sondern gibt mir auch sehr viel Energie, sodass richtiges autogenes Training für mich nicht in Frage kommt. Dafür bin ich wahrscheinlich einfach der falsche Typ Mensch.

skiweltcup.tv: In deinen Disziplinen Slalom und Riesentorlauf entscheiden oft Hundertstelsekunden über die Qualifikation für den zweiten Durchgang. Ein kleiner, oft unscheinbarer Fehler kann alles zunichtemachen. Gibt es die perfekte Torläuferin oder muss man in dieser Disziplin oft über das eigene Limit hinausgehen, um die gesteckten Ziele zu erreichen?

© Gerwig Löffelholz  /  Bernadette Schild (AUT)

© Gerwig Löffelholz / Bernadette Schild (AUT)

Bernadette Schild: Ich glaube nicht, dass man über sein eigenes Limit hinausgehen soll. Dazu kann im Slalom bzw. im Torlauf ein Ausfall viel zu schnell passieren. Für mich ist es immer wichtig, dass es leicht geht und dass ich es einfach passieren lasse oder gar nicht probiere, zu sehr alles unter Kontrolle zu haben.

skiweltcup.tv: Bernadette, was dürfen wir über dich privat erfahren? Was machst du beispielsweise, wenn du nicht an Tore, knifflige Kurssetzungen, Hundertstelsekunden und das Skifahren im Allgemeinen denkst? Hast du etwa Zeit für Hobbys?

Bernadette Schild: Nebenbei studiere ich auch, d.h. vor allem in den Sommermonaten darf ich mich hinter die Bücher setzen und lernen. Einerseits ist das natürlich eine zusätzliche Belastung, aber für mich ist es sehr wichtig, denn nur so kann ich meinen Kopf auch noch etwas anderem als dem Sport widmen und bekomme so auch häufig den nötigen Abstand zu diesem. Zeit für mich, meine Freunde und meine Hobbys nehme ich mir, zumindest so viel wie möglich ist. Vor allem jetzt in den Sommermonaten wird gegrillt, Klettergärten werden aufgesucht und auch Kurztrips gestartet.

skiweltcup.tv: Im Sport geht es oft mehr als nur das Limit. Einigen Fans sind die Superlative höher, weiter, schneller nicht genug. Wie geht man oft damit um, wenn die zahlreichen Fans immer das Beste von einem wollen, schier unmenschliche Leistungen verlangen, ohne dass das eigene vom Kopf angesetzte Limit überschritten wird?

Bernadette Schild: Ich lasse diesen Druck gar nicht zu. Mir ist natürlich bewusst, dass Fans dich immer siegen sehen wollen, aber ich weiß auch, wie schnell ein nicht zu gutes Rennen wieder aus ihren Köpfen verschwunden ist. Es dauert aber viel, viel länger ein schlechtes Resultat aus seinem eigenen Kopf zu entfernen, noch dazu wenn man sich auch noch unter Druck setzen lässt.

skiweltcup.tv: Was ist dein Lebensmotto, das dich zu der sympathischen und bescheidenen Skirennläuferin macht, ganz frei von Starallüren und hochtrabende Charakterzüge? Welche Eigenschaften schätzt du bei einem Mitmenschen, damit er dein Herz erobern kann, und welche Charaktere verabscheust du am meisten?

© Kraft Foods  /  1. Podium mit Bernadette Schild

© Kraft Foods / 1. Podium mit Bernadette Schild

Bernadette Schild: Mein Lebensmotto war und wird vermutlich auch immer sein: “The best one ist one having the most fun“. Im Spitzensport vielleicht nicht ganz realitätsnah, aber ich für meinen Teil kann nur schnell Skifahren, wenn ich mit genügend Freude und Spaß dabei bin. Dann kommt die besagte Leichtigkeit auch ganz von allein. Ich gehe meinen eigenen Weg, glaube aber nicht, dass ich dies tue, ohne dabei rechts und links zu schauen. Ich bin sogar meist sehr bedacht, mit meinem eigenen Handeln keinem anderen dadurch eine Möglichkeit bzw. Chance zu verbauen, und dies schätze ich auch sehr bei anderen. Ich finde, jeder soll Dinge so machen, wie er sie für richtig hält, allerdings niemanden anderen dadurch schaden.

skiweltcup.tv: Blicken wir in die nahe Zukunft. Was sind deine Ziele für die bevorstehende Saison, die ja mit den Olympischen Winterspielen in Sotschi im Februar des nächsten Jahres zweifellos den saisonalen Höhepunkt haben? Freust du dich schon über die Spiele im Zeichen der fünf Ringe in der Stadt am Schwarzen Meer?

Bernadette Schild: Da ich nun einmal spüren durfte, wie es sich anfühlt, am Stockerl zu stehen, möchte ich dies natürlich so oft als möglich wiederholen. Wir haben auch bereits viele neue Dinge, Möglichkeiten und vor allem im Sommer- und Konditionstraining neue Methoden entwickelt, ausprobiert bzw. auch beschafft, um vielleicht auch hier noch das Letzte herausholen zu können. Über Sotschi habe ich mir noch nicht allzu viele Gedanken gemacht. Das ist wahrscheinlich wie bei der WM ein Tag, an dem alles stimmen kann oder auch nicht.

Interview für skiweltcup.tv: Andreas Raffeiner

 

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