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Daniel Yule im Skiweltcup.TV-Interview: „Ich möchte mich unter den Top 15 Slalomläufern etablieren.“

© Kraft Foods / Daniel Yule

© Kraft Foods / Daniel Yule

Martigny – Daniel Yule kam am 18. Februar 1993 in Martigny (Karton Wallis) auf die Welt. Der Schweizer Skirennläufer gehört dem B-Kader von Swiss Ski an, und fühlt sich in den technischen Disziplinen Riesentorlauf und Slalom am wohlsten. Seine Eltern kamen aus Schottland und haben sich im Wallis niedergelassen.

Ende 2008 nahm Yule erstmals an einem FIS-Rennen teil, nachdem er im gleichen Jahr noch zwei britische und drei Schweizer Jugendmeistertitel für sich entscheiden konnte. Im Jahr 2011 debütierte der Skirennfahrer, der früher auch dem runden Leder nachjagte, im Europacup. Ein Jahr später freute sich der Eidgenosse, der sich, um in den Jugendkader von Swiss-Ski aufgenommen zu werden, einbürgern ließ, erstmals über Punkte im Europacup. Beim Weltcupdebüt in Kitzbühel 2012 blieb er noch ohne Zähler. Yule, der im selben Jahr Schweizer Juniorenmeister im Torlauf wurde, erlangte durch den positiven Besuch der Kantonsschule die allgemeine Hochschulreife.

Im Europacup zeigte er immer mehr auf und konnte viele Top-Ergebnisse einfahren. Im Dezember 2013 stand er beim Torlauf von Vemdalen erstmals auf dem höchsten Treppchen. Und auch auf der selektiven Slalompiste von Bormio konnte er überzeugen. Platz 17 und viele Weltcuppunkte waren der Lohn für sein äußerst couragiertes Auftreten. In Kitzbühel katapultierte er sich mit Laufbestzeit im zweiten Durchgang noch auf den ausgezeichneten siebten Rang. Zwei weitere Top-10-Ergebnisse und die Wiederholung des Triumphes bei den Juniorenmeisterschaften folgten.

Bei den Olympischen Winterspielen 2014 im russischen Sotschi schied der Eidgenosse leider im Finallauf aus. Aufgrund seiner beherzten Fahrweise und seinem sympathischen Auftreten wäre ein Platz unter den besten Zehn sicher in Reichweite gewesen. Bei der Junioren-WM vor einem Jahr überzeugte Yule und holte sich die Bronzemedaille im Slalom. Im letzten Winter gewann er überdies die Slalom Disziplinenwertung im Europacup.

Wir von skiweltcup.tv unterhielten uns mit dem aufstrebenden eidgenössischen Technikspezialisten und sprachen mit ihm über seine Katzen liebende Teamkollegin Corinne Suter, Ausdauer und Kontinuität und vieles mehr.

Daniel Yule: "Es wird also sicherlich mein Ziel sein, in die Top-15 dieser Disziplin vorzustoßen und mich dort zu etablieren.“

Daniel Yule: „Es wird also sicherlich mein Ziel sein, in die Top-15 dieser Disziplin vorzustoßen und mich dort zu etablieren.“

skiweltcup.tv: „Daniel, kannst du dich ein bisschen dem Lesepublikum unseres Portals vorstellen? Dabei kannst du dein privates Umfeld, deine ersten Skiversuche, auf deine Karriere und deine Lieblingsdisziplinen eingehen!“

Daniel Yule: „Was vielleicht besonders an mir ist, ist, dass beide meine Eltern Briten sind. Man würde also eher erwarten, dass ich Cricket- oder Rugbyspieler anstatt Skirennfahrer geworden wäre. Da ich aber in der Schweiz geboren und aufgewachsen bin, hatte ich von klein auf den Bezug zur Schweizer Sportart Nummer eins. Wir wohnen fünf Minuten von den Skipisten entfernt, und so verbrachte ich schon als Kind jede freie Minute auf dem Schnee. Seitdem und nach wie vor, habe ich einfach einen riesengroßen Spaß, auf Skiern zu stehen.“

skiweltcup.tv: „Deine Teamkollegin Corinne Suter erzählte einmal in einem Interview, dass sie Katzen sehr gerne hat. Gibt es auch bei dir einen vierbeinigen Freund, welchen Du dir als Haustier hältst?“

Daniel Yule: „Es scheint als hätten wir Skifahrer eine Vorliebe für Katzen (lacht). Auch wir haben zwei Katzen zu Hause. Alleine könnte ich allerdings keine Haustiere haben, denn dafür bin ich einfach zu oft unterwegs. Als Haustierhalter hat man die Verantwortung für sein Tier. Dieser Verantwortung könnte ich neben meinem Leben als Skirennfahrer momentan nicht nachkommen, und ich bin froh, dass hier die Familie mithilft.“

skiweltcup.tv: „In den technischen Disziplinen bist du durchaus im erweiterten Kreis der Weltelite zu finden. Das bezeugen drei Platzierungen unter den Top-10. Auch wenn du erst am Anfang deiner noch jungen Laufbahn stehst, wie wichtig sind für dich die Schlagworte Ausdauer und Kontinuität?“

Daniel Yule: „Beide sind sehr wichtig und gehören für mich sogar zusammen. Um die Weltspitze zu erreichen, braucht es unglaublich viele Trainingsstunden. Neben den kurzfristigen Zielen, die man sich vor jeder Saison setzt, sollte man meiner Meinung nach auch eine Art Businessplan erstellen. Dieser schaut bereits einige Jahre voraus und enthält Meilensteine, die es dann zu erreichen gilt, längerfristige Ziele betreffend. In Momenten, in denen keine oder nur sehr kleine Fortschritte zu spüren sind, braucht es Beharrlichkeit und Ausdauer, um dennoch hart weiterzuarbeiten. Auch Kontinuität ist wichtig, um die avisierten Meilensteine zu erreichen. Eine Linie zu haben, und nach dieser zu arbeiten, ist entscheidend. Sich nicht grundlos abbringen zu lassen vom eingeschlagenen Weg, und dennoch immer wieder zu analysieren, ob dieser Weg nach wie vor der direkteste ist, hin zu den gesteckten Zielen. Das sind die großen Herausforderungen für mich und mein Umfeld.“

skiweltcup.tv: „Was sind deine Lehren und Hoffnungen im Hinblick auf den olympia- und WM-freien Winter 2015/16, wenn du in deinen Überlegungen die vergangene Saison miteinbeziehst?“

Daniel Yule: „Als junger Fahrer ist es vor allem wichtig, sich in allen Bereichen weiter verbessern zu können, Fortschritte zu machen. Dies gelang mir über die letzten Jahre, und dies wird auch mein primäres Ziel für die diesjährige Vorbereitung sein. Es ist schwierig, diese Ziele mit genauen Platzierungen zu beziffern. In unserem Sport geht es um Hundertstelsekunden. Ich weiß, dass ich mit einem guten Lauf regelmäßig in die Top-10 fahren kann. Ist man aber drei oder vier Zehntelsekunden langsamer, bist du schnell nur noch 20. Ich habe die letzte Saison als 16. des Slalomweltcups beendet. Es wird also sicherlich mein Ziel sein, in die Top-15 dieser Disziplin vorzustoßen und mich dort zu etablieren.“

skiweltcup.tv: „Hattest du nach der WM-Saison 2014/15 etwas Zeit für einen Urlaub oder befindest du dich schon in den Sommertrainingseinheiten? Was können wir über deine Programme in der warmen Jahreszeit in Erfahrung bringen?“

Daniel Yule: „Ich hatte diesen Frühling nicht so viel Zeit für mich selber. Es standen ziemlich viele Termine für meine Sponsoren und Partner auf dem Programm, so auch für meine Gemeinde. Dies sehe ich allerdings auch als positives Zeichen, als Wertschätzung für meine guten Resultate während des Winters. Ich konnte trotzdem noch einige Tage einen Freund in Boston besuchen. Wir haben Mitte Mai mit dem Sommertraining begonnen, welches bis Mitte Juli ausschließlich aus Konditionstraining besteht. Mitte Juli werden wir mit dem Skitraining beginnen, damit wir auf ungefähr zehn Skitage kommen, bevor wir für drei Wochen nach Ushuaia reisen werden.“

© Kraft Foods  /  Daniel Yule

© Kraft Foods / Daniel Yule

skiweltcup.tv: „Wie schwer ist es, die Konzentration zwischen den beiden Durchgängen eines Slaloms oder eines Riesentorlaufs zu finden? Und wie gehst du mit Kritiken um, wenn du beispielsweise nach einem guten erstem Lauf zurück- oder gar ausfällst?“

Daniel Yule: „Da ich vor allem die technischen Disziplinen bestreite, bin ich die zwei Durchgänge gewohnt, und es fällt mir nicht sonderlich schwer die Konzentration zwischen den beiden Läufen hoch zu halten. Ich weiß, dass es zwei Läufe braucht, um ein Resultat in Händen zu halten. Oder anders gesagt: Nach einem Lauf ist noch alles möglich. Solange die Kritik konstruktiv ist, kann ich mit ihr sehr locker umgehen. Kritische Betrachtungen gehören dazu, um sich stets verbessern zu können. Gemeinsam mit den Trainern analysieren wir jedes Rennen. Wir schauen, was noch nicht optimal war und wie wir das im nächsten Rennen verbessern könnten.“

skiweltcup.tv: „Daniel, wie schmal ist die Gratwanderung zwischen erhöhtem Risiko, letzter Aggressivität, dosiertem Tempo und ausgefeilter Technik gerade in einem Finaldurchgang, geht es ja um eine potentielle Verbesserung der eigenen Leistung, die man drei Stunden zuvor errungen hat…“

Daniel Yule: „Die Leistungsdichte im Slalom ist derzeit wirklich extrem. Die Konkurrenz ist dermaßen stark, dass man eigentlich überhaupt nicht mehr dosieren kann. Bereits im ersten Lauf gilt, hohe Risiken einzugehen, damit ein Top-Resultat für den zweiten Durchgang überhaupt in Reichweite liegt. Ich versuche also in jedem Lauf mit viel Aggressivität und Risiko ans Werk zu gehen. Manchmal klappt es, manchmal auch nicht. Doch durch die Erfahrungen lerne ich, mich immer näher an die Limits heran zu tasten.“

© Kraft Foods  /  Daniel Yule

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skiweltcup.tv: „Wenn du dich nicht für den Skirennsport entschieden hättest, welche Sportart hätte dich noch interessiert? Und wieso sollte jeder, der in den Alpen aufwächst, eines Tages – wenn auch nur als Hobby – auf den Skiern gestanden haben?“

Daniel Yule: „Ich spiele sehr gern Basketball. Für einen Skifahrer bin ich ziemlich groß, für eine Karriere im Basketball wäre ich aber trotzdem viel zu klein. Aber diesen Sport mache ich gerne als Ausgleich.

Jeder sollte einmal auf Skiern stehen, um dieses Gefühl des Gleitens erfahren zu können! Es gibt sehr wenige Sportarten, in denen man dieses Gefühl erfahren kann.“

skiweltcup.tv: „Wenn man die eidgenössische Skihistorie anschaut und die etwas jüngeren Kapitel betrachtet, fällt einem Michael von Grüningen ein. Ist der 23-malige Sieger eines Weltcuprennens ein Vorbild für dich?“

Daniel Yule: „Ja, Mike ist ganz klar ein Vorbild für mich. Seine Technik war schlichtweg bewundernswert: sehr stabil, gleichzeitig aber immer noch spielerisch. In der Zwischenzeit hat sich das Material und somit auch die Technik wieder etwas verändert. Es ist also schwierig, technisch noch Sachen von ihm abzuschauen. Aber seine Professionalität ist nach wie vor etwas, woran ich mich orientiere.“

skiweltcup.tv: „Als Sohn eines schottischen Ehepaares hattest du die Qual der Wahl, für welches Land du startest. Warum hast du nach anfänglichen Rennen für den britischen Verband für das Swiss-Ski-Team entschieden?“

Daniel Yule: „Eigentlich bin ich immer für die Schweiz gefahren, ich habe nur einmal an den britischen Meisterschaften teilgenommen. Für mich stellte sich nie die Frage, für England an den Start zu gehen. Es ist nie wirklich in die Frage gekommen. Ich bin in der Schweiz geboren und konnte viele Jahre von den sehr gut organisierten Strukturen in der Schweiz profitieren. Alle meine Jugendfreunde waren Mitglieder in Schweizer Jugendkader. Auch von dieser Seite hätte ich nie einen Grund gesehen, für ein anderes Land zu starten.“

skiweltcup.tv: „Bleibt der abschließende Satz, der als Vergleich zu Ende gehen soll. Der alpine Skirennzirkus ohne Daniel Yule wäre wie…“

Daniel Yule: „…ein Schotte mit Unterhosen (lacht). Nicht unmöglich, aber einfach nicht dasselbe!“ (lacht)

Interview wurde geführt von Andreas Raffeiner (Skiweltcup.TV) 

 

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