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Dave Ryding im FIS-Ski.com Interview: „Der Gedanke über einen Sieg im Skiweltcup geht mir durch den Kopf“

Dave Ryding im FIS-Ski.com Interview: "Der Gedanke über einen Sieg im Skiweltcup geht mir durch den Kopf" (Foto: Dave Ryding / Facebook)

Dave Ryding im FIS-Ski.com Interview: „Der Gedanke über einen Sieg im Skiweltcup geht mir durch den Kopf“ (Foto: Dave Ryding / Facebook)

Der britische Slalom-Spezialist Dave Ryding hat auf der Skiweltcup-Tour für Großbritannien Geschichte geschrieben. Im FIS-Ski.com Interview, hat der 31-jährige die Geschichte seiner unglaublichen Karriere erzählt.

FIS-Ski.com: Fangen wir von vorne an, wie hast Du das Skifahren in Großbritannien auf „trockenen“ Skipisten erlernt? Und wie hast du dich auf deine Karriere im Ski-Weltcup vorbereitet?  

Dave Ryding: Abgesehen davon, dass ein solches Training etwas anders ist als auf Schnee, ist der Rennsport immer ein Kampf gegen die Uhr. Ich habe trotzdem unglaublich viel gelernt, wie man sich am besten auf ein Rennen vorbereitet, wie man mit dem Druck zwischen den Läufen umgeht, wie man die Skier abstimmt, und mich auch so mental weiterentwickelt. Ok, es waren keine Skiweltcup-Rennen, aber man lernt trotzdem sehr viel.

Wie groß war der Unterschied als Du vom Trockenhang, auf eine Schneepiste im Training und Wettkampf gewechselt bist?  

Der Unterschied war natürlich gravierend und man muss sich dafür die nötige Zeit nehmen. Es gibt eine Million mehr Variablen auf Schnee. Das muss man lernen und auch dass die Kurse definitiv länger als die 12-Sekunden-Trockenpistensprint sind! Die Athleten aus den Schnee-Nationen wachsen bereits mit drei Jahren auf Schnee auf, also war mir klar, dass ich viel nachzuholen habe. Das war natürlich kein Vorteil für mich, aber ich hätte nie ein Skirennen gefahren, wenn es nicht meine lokale Trockenpiste gegeben hätte.

Wie war das Gefühl als Du 2013 als erster britischer Skifahrer die Europacup-Slalom-Wertung gewonnen hast. Kann man sagen dass du damals angekommen bist und von der Konkurrenz beachtet wurdest.

Ja, der Gewinn des Europacup-Slalom-Titels war ein großer und sehr stolzer Moment für mich. Eine Leistung, die ich immer noch als eine meiner größten Erfolge einschätze. Der Weg dahin war etwas ganz besonderes. In der Saison nach diesem Erfolg habe ich praktisch keine Weltcuppunkte gesammelt.  Ich war mir mit meinem Trainer einig, dass ich technisch nicht gut genug war, um auf den härteren Weltcup-Pisten und den schwierigen Schneeverhältnissen mit den Jungs in den Top 30 mithalten zu können. Wir haben die Situation analysiert und konnten Fortschritte verbuchen, auch wenn die Konkurrenten die besten 30 Meister in ihrem Fach sind. Nach meiner Meinung sind die Top 30 die besten Skifahrer aller Zeiten. Es ist unglaublich hart, aber gleichzeitig ist jeder ein Gentleman auf der Piste und ich denke, das ist eine der besten Sachen in unserem Sport!

Auch Du gehörst nun zu den besten Slalom-Spezialisten der Welt. Manche sagen sogar, dass Du die „sauberste Kurve im Ski Weltcup“ fährst. Wie beurteilst Du deine technischen Fähigkeiten im Vergleich zu den anderen Athleten?  

Erstens, jeder hat seine eigene, einzigartige Technik. Ich könnte nie die Kurven eines anderen meistern. Aber ich habe mich auf meine Schwächen konzentriert und versucht, diese auszumerzen. Ich möchte nicht lügen, das es schön ist zu hören, dass ich meine Arbeit gut mache. Ich bewundere aber auch die Techniken meiner Mitfahrer, und sie machen andere Dinge besser als ich. Aber ich bin froh, als der sauberste Skifahrer bezeichnet zu werden – darauf habe ich mich sehr konzentriert. Aber jetzt muss ich die Geschwindigkeit finden, von der 13 Jungs mehr haben als ich.

Der Höhepunkt deiner bisherigen Karriere war sicherlich dein zweiter Platz in Kitzbühel im Jahr 2017, als Du Marcel Hirscher in seinem Heimrennen fast geschlagen hättest. Was war für dich  an diesem Tag anders?   

Es war ein verrückter Tag. Vor dem Rennen hatte ich null Erwartungen. Ich konnte nicht gut schlafen, vielleicht drei oder vier Stunden, und hatte noch nie ein Rennen in Kitzbühel beendet! Während des Rennens war ich erstaunt, dass ich in Führung lag und dachte: „Wow, ich bin hier ganz vorne“, aber um ehrlich zu sein, wollte ich das Rennen nach zwei Läufen ins Ziel bringen. Nach dem Rennen war die Hölle los! Ein medialer Orkan ist über mich hereingebrochen. Ich tauchte eineinhalb Stunden nach dem Rennen im Wartebereich der Pressekonferenz auf, und sah Marcel und Alex beim Chillen. Ich selbst war immer noch voll mit Adrenalin. Aber es war ein unglaubliches Erlebnis! Von diesem Tag an wurde ich in Österreich anerkannt, worüber ich mich heute noch freue.

Du warst kurz davor, der erste britische Skifahrer zu werden, der ein Skiweltcup-Rennen gewinnt. Ist dies eines deiner großen Ziele, und bringt das mehr Motivation oder mehr Druck in deine Rennen?

Ja, ich gebe zu , dieser Gedanke geht mir durch den Kopf. Wie du sagst, ich komme näher. Aber die Zeit wird zeigen, ob ich es schaffe. Ich würde nicht sagen, dass es mehr Motivation oder Druck auf die Rennen ausübt, aber es erhöht sicherlich die Motivation im Training. Die Erwartungen in Großbritannien steigen definitiv. Eine Top 10 Platzierung wird immer mit netten Schlagzeilen gewürdigt. Aber ein Sieg im Skiweltcup wäre etwas ganz besonderes

In diesem Winter finden die Weltmeisterschaften in Åre statt. Bei Großveranstaltungen hattest Du bis jetzt nie das Glück auf deiner Seite. Freust Du dich trotzdem auf die Teilnahme an deiner sechsten Ski-WM? 

Ich würde es nicht unglücklich nennen, ich war einfach nicht gut genug bis zu den letzten beiden Spielzeiten. Mit einem 11. Platz in St. Moritz und einem neunten Platz bei den Olympischen Spielen habe ich nun die Plattform, auf der ich in Åre aufbauen kann! Natürlich werde ich topmotiviert sein, wie ich schon sagte, es wird erst meine zweite Weltmeisterschaft sein, bei der ich nicht nur dabei bin, sondern wirklich mittendrin sein werde.

Die Sommervorbereitung ist ein großer Teil des Lebens eines Skiweltcup Athleten. Wie gerne hast du die heiße Jahreszeit? Worauf hast Du dich in diesen Sommer konzentriert? 

Ich bin als Athlet gereift, um den Sommer zu lieben. Ich nehme mir immer etwas Zeit um mit meiner Freundin am Strand zu sein, bevor ich wieder in den Trainingsmodus klicke. Dieser Sommer ist für mich nicht anders in Bezug auf meinen Fokus auf Schnee, ich versuche jedoch, mein ganzes Paket als Skirennfahrer zu verbessern!

Quelle:  www.FIS-Ski.com

Dave Ryding: "Nach Platz 2 in Kitzbühel wurde ich in Österreich anerkannt, worüber ich mich heute noch freue."

Dave Ryding: „Nach Platz 2 in Kitzbühel wurde ich in Österreich anerkannt, worüber ich mich heute noch freue.“

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