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DSV-Damen-Bundestrainer Jürgen Graller im Skiweltcup.TV-Interview

DSV-Damen-Bundestrainer Jürgen Graller im Skiweltcup.TV-Interview (Foto: Skiweltcup.TV / Walter Schmid)

DSV-Damen-Bundestrainer Jürgen Graller im Skiweltcup.TV-Interview (Foto: Skiweltcup.TV / Walter Schmid)

Uderns – Beim DSV-Medientag im Zillertal stellte sich Jürgen Graller, der neue Bundestrainer für die Alpin-Damen, den Fragen von Skiweltcup.TV. Im ausführlichen Gespräch sprach er über das Sommertraining, den Umgang mit den Rennläuferinnen, die Ziele in der kommenden Saison, das DSV-Aushängeschild Viktoria Rebensburg, aber auch über die Förderung der Nachwuchstalente.

Herzlich willkommen als DSV-Damen-Bundestrainer. Wie hast du dich eingelebt, und was kannst du uns über die Sommervorbereitung erzählen?

Der Einstand beim DSV war sehr gut und ich konnte bereits Anfang April mit meiner Arbeit beginnen.  Nach 18 Jahren im Österreichischen Skiverband habe ich mich zu diesem Wechsel entschieden. Ich freue mich auf die neue Aufgabe, auch wenn ich weiß, dass es nicht gerade einfach wird. Aber genau dies ist ja eine tolle Herausforderung. Die Ausgansposition ist, dass wir zurzeit in Abfahrt, Super-G, und Riesenslalom eine Athletin innerhalb der Top-30 in Weltcup haben. Im Slalom verfügen wir über drei Läuferinnen in den Top 30 und auch Mädels mit Potenzial in den jüngeren Jahrgängen.

Momentan trainieren wir mit einer verhältnismäßig großen Gruppe, damit jede von der anderen profitieren kann. Innerhalb dieser Großgruppe haben wir aber vier kleine Gruppen, um individuell auf die einzelnen Läuferinnen eingehen zu können. Es besteht auch ein guter Mix von unterschiedlichen Trainercharaktere.

Das Sommertraining war sehr gut. Wir sind bewusst nicht nach Übersee gegangen und haben in Zermatt und Sass-Fee gearbeitet. Damit konnten wir, trotz der großen Gruppe, sehr flexibel auf Probleme (Krankheiten, Verletzungen, Material) reagieren. Auch wenn es Anfang August wetterbedingt nicht gut war, hat sich die Situation in den letzten Wochen sehr gut verbessert und wir konnten unsere Inhalte realisieren.

Bist du als Damentrainer mehr der „harte Schleifer“, oder gibst du auch mal die lange Leine?

Wenn alles läuft, kann es auch lockerer zugehen. Aber es gibt eine klare Struktur und klare Regeln. Da wir, wenn wir zusammen reisen ca. 30 Personen sind, sind diese Regeln unheimlich wichtig. Wenn man so viel Zeit zusammen verbringt, muss man auch gemeinsam lachen können. Man kann auch nicht immer über Skifahren reden. Da muss man auch mal den Kopf frei bekommt und auch abseits des Skisports Gesprächsthemen finden. Gegenseitiger Respekt und Akzeptanz ist Voraussetzung für ein gut funktionierendes Team. Der Spaß darf aber nicht zu kurz kommen.

Gibt es einen Unterschied zwischen einem Damen und einem Herrentrainer im Umgang mit dem Athleten?

Im ÖSV habe ich bei den Männern angefangen und habe dann zu den Damen gewechselt. In den letzten Jahren war ich Koordinator für die Herren im Europacup und Nachwuchs.  Grundsätzlich sind es die selben Prozesse, allerdings ist es oft ratsam, sich die Wortwahl bei gewissen Themen genauer zu überlegen. Es sind aber auch manche Herren sensibel und daher ist es wichtig, sich mit dem Athleten und Mensch auseinanderzusetzen.

Die Zeit mit den Damen beim ÖSV war unheimlich gut, sehr kollegial, und wir haben auch viel Gaudi zusammen gehabt. Jetzt habe ich mich, nachdem ich wieder lange als Herrentrainer unterwegs war, auf diese neue Aufgabe gefreut. Eine spannende Aufgabe, gemeinsam mit meinem Trainerteam diesen Weg zu gehen.

Wir haben ja auch Mathias Berthold als Damentrainer kennengelernt. Bei den Damen hat er, aus Sicht des außenstehenden Beobachters, schon ein strenges Regiment geführt, während er bei den Herren etwas lockerer erscheint.

Eine klare Linie muss man sowohl bei den Damen, wie auch bei den Herren haben. Es ist für alle in einem Team leichter zu verstehen, wenn es bereits im Vorfeld klare Spielregeln gibt. Wie schon gesagt, Spaß gehört dazu, aber im Fokus muss immer ein qualitativ hochwertiges Training stehen.

Wenn alles läuft, kann es auch lockerer zugehen. Aber es gibt eine klare Struktur und klare Regeln. (Foto: Skiweltcup.TV / Walter Schmid)

Wenn alles läuft, kann es auch lockerer zugehen. Aber es gibt eine klare Struktur und klare Regeln. (Foto: Skiweltcup.TV / Walter Schmid)

Das Aushängeschild im Damenteam ist weiterhin Viktoria Rebensburg. Wie wichtig ist sie als Leitfigur im Team?

Sie ist sehr wichtig, und darum auch in diese Großgruppe eingebunden. Sie hat aber natürlich auch ihre individuellen Sondertrainings, um sie zu fördern und zu fordern. Aber gerade im Sommer war es wichtig, dass wir zusammen im Team trainieren. Die jungen Athletinnen können immer von einer Viky profitieren, wenn sie sehen, wie professionell sie arbeitet. Aber auch auf der mentalen Ebene oder bei der Materialabstimmung ist sie ein Vorbild. Auf der anderen Seite kann eine Viky auch von einer unbekümmerten, jungen Athletin lernen, wie es funktioniert, wenn man eine Sache locker angeht.

Wie geht es Veronique Hronek?

Die Nicki hat einen guten Schritt nach vorne gemacht. Sie steht sehr stabil auf den Skiern und ist auch schmerzfrei. Jetzt muss man schauen, dass sie wieder das Vertrauen findet. Aber das Schneetraining war bis jetzt sehr gut. In Sachen Knie passt es soweit, jetzt muss sie es sich nur noch im Kopf zutrauen, dass sie wieder dahin kommt, wo sie schon war. Das ist auch eine Aufgabe für das Trainerteam. Man muss hier sehr feinfühlig sein. Wir müssen sie so einsetzten, dass sie sich in einer Zone bewegt, in der sie sich wohlfühlt und das Selbstvertrauen aufbauen kann. Nach meiner Meinung hat sie ein riesiges Potential.

Wie wichtig sind für dich die Europacuprennen in der kommenden Saison? Bei so einer großen Gruppe kann man sich vorstellen, dass einige Läuferinnen zwischen Weltcup und Europacup pendeln werden…

Das ist eines der Hauptthemen in dieser Saison. Der Europacup-Chef in diesem Fall ist Simon Sengele, der in der Leistungsgruppe 1 involviert ist. Gemeinsam mit den Trainern in dieser Großgruppe wird er die Europacupgruppe beschicken. Durch diese Einteilung haben wir nicht mehr die Hürde, zumal sich die Trainer und die Skirennläuferinnen kennen. So ist die Verbindung zwischen Weltcup- und Europacupebene gegeben. Die sieben Betreuer in der LG 1 sind alles Bezugspersonen, mit denen alle gearbeitet haben. Damit wollen wir das Problem umgehen, wenn eine Athletin in die nächste Liga aufsteigt. Die Durchlässigkeit in unserem Team ist mir sehr wichtig. Somit ist die Umstellung vom Europa- in den Weltcup einfacher, weil man sich zum einen kennt und die Kommunikation zum anderen zwischen Trainer und Athleten nichts Neues ist.

Kann es auch ein Vorteil sein, wenn man auf den doch etwas schlechteren Europacuppisten unterwegs ist, wenn man im Weltcup mit hohen Startnummern ins Rennen gehen muss?

Absolut. Unser Ziel muss es jetzt sein, dass wir in diesem Winter bis zum Saisonende eine Basis für das nächste Jahr schaffen. Das Sommertraining im nächsten Jahr schaut sicher etwas anders aus. Da habe ich eine andere Strategie im Kopf. Heuer war mir diese Großgruppe wichtig. Dieses Jahr ist es wichtig, FIS-Punkte einzufahren, damit wir dann eine andere Ausgangsposition haben.

Bereits zur frühen Morgenstunde nutzen die DSV-Damen die guten Bedingungen zum Trainieren. (Foto: Jürgen Graller / privat)

Bereits zur frühen Morgenstunde nutzen die DSV-Damen die guten Bedingungen zum Trainieren. (Foto: Jürgen Graller / privat)

Wenn wir einige Jahre zurückblicken, und die Namen Tina Geiger, Lena Dürr oder jetzt eine Marina Wallner bzw. Maren Wiesler nannte, hat man gehofft, dass der DSV bald wieder Top-10-Slalomläuferinnen präsentieren kann…

Genau. Jetzt ist die Situation so, dass wir 14 (Geiger), 19 (Dürr), 23 (Wallner) haben. Das ist nicht Fisch und nicht Fleisch. Das heißt, dass man sich etwas überlegen muss. Den Slalom-Part hat Christian Wanniger zusammen mit Tobi Lux übernommen. Hier erwarte ich mir schon einen Input durch die Erfahrungen aus dem Herren-Rennsport. Da hat man einen etwas anderen Kopf und ein anderes Bild von der Technik und der Dynamik. Das probieren wir jetzt, mit der Slalomgruppe umzusetzen.

Wie siehst du die Entwicklung von Jessica Hilzinger, Katrin Hirtl-Stanggaßinger und Lucia Rispler?  

Die drei, die du genannt hast, sind auch ein eigene Gruppe in der Großgruppe. Jessi ist ein absolutes Rennpferd. Sie weiß, was sie will und ist für ihren Jahrgang sehr fokussiert. Man darf sie in ihrer Entwicklung nicht unter Druck setzten. Sie hat in dieser Saison einen Fixplatz, man darf aber keine Wunder erwarten. Im Weltcup muss sie sich stabilisieren und schauen, dass sie unter die Top-30 kommt.

Die Kati (Hirtl-Stanggaßinger) hat voriges Jahr eine für ihre Verhältnisse schlechte Saison gehabt. Momentan ist sie noch nicht ganz in Form, ist aber auf einem guten Weg. Auch wenn es noch etwas dauert, gehört sie zu den drei mittelfristigen Hoffnungen in unserem Team.

Luci (Rispler) ist eine der feinfühligsten und coolsten Skifahrerinnen, die ich je gesehen habe. Sie fährt einen richtig guten Schwung. Vor kurzem hatte sie jedoch eine Arthroskopie im Knie, da sie Probleme mit dem Meniskus hatte. Sie wird erst im November wieder ins Training einsteigen und deshalb bei den ersten Rennen fehlen. Aber sie ist eine Athletin, von der ich mir in den nächsten Jahren sehr viel verspreche.

Wie ist der DSV im Speedbereich, insbesondere in der Abfahrt aufgestellt?

In der Abfahrt haben wir Viky Rebensburg und Michaela Wenig auf 42. Eine Kira Weidle und Meike Pfister brauchen noch Zeit, sollten aber bereits in der kommenden Saison sichtbare Schritte machen.

Die drei haben Fähigkeiten im Speed, aber gravierende Defizite im technischen Bereich. Im Sommer war es das Ziel, diese Schwächen auszumerzen. Darum stand in der Großgruppe der Riesentorlauf im Mittelpunkt.

Patrizia Dorsch sehe ich zurzeit nicht als Abfahrerin. Sie hat sehr gute technische Voraussetzungen und wird vorläufig nicht in der Abfahrt eingesetzt. Sie wird zunächst ihren Einsatz eher im EC-Riesenslalom und -Super-G finden.

Es gibt auch ein Speedkonzept von unserem Cheftrainer Nachwuchs Andreas Ertl welches in Absprache mit den Weltcup Trainern ausgearbeitet wurde. Der Damen Speedbereich im DSV Damen Team ist für uns schon ein wichtiges Thema.

Kann man sagen, dass die kleine Riesenslalomkugel für Viktoria Rebensburg, neben der Entwicklung des gesamten Teams, ein großes Ziel in dieser Saison ist?

Wir haben klar definierte Ziele. Darum war es mir auch wichtig, dass die Kerndisziplin Riesentorlauf funktioniert. Viky war im August zehn Tage krank. Deshalb sind wir, nach gemeinsamen Überlegungen, nicht nach Chile gegangen. Es macht wenig Sinn, mit wenig Riesentorlaufeinheiten das Speedtraining in La Parva zu absolvieren. Darum haben wir uns entschlossen, dass wir in Saas Fee bleiben und dort das Riesenslalomtraining fortsetzen. Die kleine Disziplinkugel im Riesentorlauf ist ein großes Ziel in dieser Saison.

Mit wie vielen Skirennläuferinnen wird der DSV-Damen-Bundestrainer die Reise zu den Olympischen Winterspielen in Südkorea antreten?

Wenn man die Situation heute betrachtet ist Viktoria Rebensburg, wenn sie verletzungsfrei bleibt, sicher dabei. Im Slalom haben wir zwei bis drei Rennläuferinnen, die eine reelle Chance für die Qualifikation haben. Die Speedrennen in Lake Louise sind auch immer für Überraschungen gut. Ich hoffe aber, dass die eine oder andere auf den Zug noch aufspringt.

Ein großes Thema ist gegenwärtig die politische Auseinandersetzung zwischen den USA und Nordkorea. Wie geht man als Trainer mit dieser Situation um?

Die Sicherheit vor Ort muss das Olympische Komitee gewährleisten. Ich gehe davon aus, dass die Verantwortlichen genügend Kompetenz haben, um die Situation richtig einzuordnen. Sollte alles normal ablaufen, muss ich mich als Trainer um die sportlichen Aufgaben kümmern. Mein Fokus ist, dass in Südkorea die sportliche Leistung passt. Aber es stimmt, dass die Situation zurzeit nicht gerade beruhigend ist.

"Gegenseitiger Respekt und Akzeptanz ist Voraussetzung für ein gut funktionierendes Team. Der Spaß darf aber nicht zu kurz kommen." (Foto: Jürgen Graller / privat)

„Gegenseitiger Respekt und Akzeptanz ist Voraussetzung für ein gut funktionierendes Team. Der Spaß darf aber nicht zu kurz kommen.“ (Foto: Jürgen Graller / privat)

 

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& Olympische Winterspiele Ski Alpin 2018

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