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DSV-Herrentrainer Charly Waibel: „City Events ja, aber man muss sich auch hinterfragen.“

DSV-Herrentrainer Charly Waibel

DSV-Herrentrainer Charly Waibel

Am Rande der Einkleidung des DSV-Teams in Herzogenaurach nutzte Skiweltcup.tv die Möglichkeit, mit Bundestrainer Charly Waibel zu sprechen.

Ein Blick zurück auf das Weltcup Opening. Welches Fazit zieht man als DSV-Herrentrainer nach so einem durchwachsenen Wochenende?

Charly Waibel: „Man muss es differenziert betrachten. Wenn man nur das Ergebnis ansieht, stimmen null Punkte sicher unzufrieden. Wenn man das Zustandekommen betrachtet, schaut die Bewertung natürlich anders aus. Für den Fritz ist es schwierig, mit solchen Situationen umzugehen, ganz ohne Einfahren, im Tiefschnee runter zu wedeln und dich an den Start auf eine weich präparierte Piste einzustellen. Da gibt es so Instinktskifahrer, die nehmen alles leicht, und dann gibt es welche, die gehen es eher etwas analytisch an. Und so einer ist eben der Fritz. Man übt das ja auch im Training, das gründliche Einfahren, das Sich einstellen auf die Bedingungen und dann das Loslegen. Für die Bedingungen in Sölden ist der Fritz trotzdem ganz gut ins Rennen gekommen. Bis zur Ausfahrt Steilhang war er unter den besten Sieben, und danach durch eine kleinen Fehler unten ist er, wie auch andere, im Tiefschnee „verhungert“. Auch den Finallauf ist Fritz richtig aggressiv angegangen, war gut unterwegs und dann … geht ihm die Bindung auf. Mit der Performance bin ich eigentlich zufrieden, mit dem Ergebnis natürlich nicht.“

Neben Fritz Dopfer hat auch Stefan Luitz eine beachtliche Leistung geboten!

Charly Waibel: „Für Stefan Luitz gilt das Gleiche. Er ist ein junger Kerl, der letztes Jahr auf dem Hang in Sölden noch extrem gekämpft hat, weit weg von einer Qualifikation war, und sich dieses Jahr locker in die Top 30 schob. Auch im zweiten Durchgang war Stefan super schnell unterwegs, bis auch ihm bei der Ausfahrt Steilhang die Bindung aufging. Von daher passt die Form, dass uns bei Athleten die Bindung aufspringt, ist natürlich unglücklich. Auch Dominik Schwaiger hat sich deutlich besser verkauft als im Vorjahr. Benedikt Staubitzer war in diesem Jahr zum ersten Mal dabei, hat die Erfahrung gemacht, und war da runter ordentlich gefordert. Für ihn war es eine neue Erfahrung. So gesehen bin ich mit dem Team zufrieden.“

Es war auch das erste Weltcuprennen nach der Materialreform!

Charly Waibel: „Wir haben uns von Anfang an versucht, den Diskussionen rund um das neue Material etwas zu entziehen. Wir haben es als Fakt angenommen, haben unsere Meinung dazu, aber es hilft nichts. Wer müssen uns pro aktiv damit auseinandersetzen. Wir sind nicht die, welche einen Status quo verwalten müssen. Wir können versuchen, von Veränderungen zu profitieren und diese für uns nutzen. Darum haben wir uns sehr früh mit dem Material auseinandergesetzt, und darum die Umstellung ziemlich schnell und früh vollzogen. Aber, wie man gesehen hat, vollzogen auch andere Teams diesen Schritt.“

Felix Neureuther war in Sölden nicht am Start. Wie geht es ihm, und wie wohl fühlt er sich mit dem neuen Material?

Charly Waibel: „Dem Felix ist das neue Material noch mehr entgegengekommen. Mit seinem Fahrstil hat er sich nicht schwer getan, das neue Material gleich am Limit zu bewegen. Er hat auch im Sommer in Neuseeland gute Rennen gefahren, und hätte in Sölden einen Top 30-Startplatz nach FIS Punkten gehabt. Wenn er am Start gewesen wäre, hätte er mit seiner Startnummer beste Voraussetzungen vorgefunden, umso bitterer war es, dass er nicht starten konnte. Aktuell ist er auf dem Weg der Besserung und trainiert auch wieder.“

Nach dem wetterbedingt schwierigen Riesenslalom in Sölden gibt es die Diskussion bei einem Rennabbruch nach dem ersten Durchgang diesen als vollständiges Rennen zu werten. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Charly Waibel: „Gibt es im Skispringen auch, darum fällt mir spontan auch kein Gegenargument ein. Im Sinne des Sports bin ich dafür, bevor man, wie beim zweiten Durchgang in Sölden, ohne den Veranstalter einen Vorwurf zu machen, die Sicherheit der Skifahrer gefährdet. Ich nehme auch alle Leute, die hier in der Verantwortung stehen, in Schutz, da es oft schwierige Situationen sind.“

Die FIS hat beschlossen, die gewonnenen Weltcuppunkte beim City Event in den Slalomweltcup einfließen lassen. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Charly Waibel: „Für uns war es wichtig, dass nur Weltcup- und keine WSCL Punkte vergeben werden. WSCL-Punkte haben ja einen Einfluss auf sehr viele Dinge. Da geht es um Startquotenplätze, sowie Startreihenfolgen, und da haben die Ergebnisse aus einem City Event nichts verloren. Man will die besten Leute bei einem City Event am Start haben, welches Slalomcharakter hat. Den Showeffekt und das Sportliche kann man aber nur vereinen, wenn es Weltcuppunkte gibt. Das andere wären immense Preisgelder, aber diese müssen auch erst einmal aufgebracht werden. Über das Format hätte man vielleicht mehr diskutieren können bzw. müssen. Die jetzige Entscheidung scheint mir noch die Beste zu sein. Die Rennen haben einen Slalomcharakter, und dann muss ich auch die besten Slalomläufer am Start haben, und diese mit Weltcuppunkte belohnen. Ich kann durch so einen Event jetzt zwar die Kugelentscheidung beeinflussen, aber jeder gute Slalomrennfahrer kann auch einen guten City Event fahren. Mit dem City Event werden aber nicht die Startlisten und Nationen Startplätze beim nächsten normalen Slalom beeinflusst.“

Sind Sie mit der derzeitigen Durchführung der City Events zufrieden?

Charly Waibel: „Ob man das ganze System noch einmal ganz neu überdenken und aufziehen muss, lasse ich dahingestellt. Aber Ende September konnte man da auch nicht mehr viel Einfluss nehmen. Man hat ein gewisses Setup, und an dem mussten wir uns auch orientieren. Für alles andere braucht man Zeit. Mein Vorschlag wäre es, dass sich eine heterogene Expertengruppe zusammensetzt, eine Art kreatives Meeting macht, mit dem Ziel, einen für alle interessanten Event zu kreieren. Da brauchen wir aber auch Experten zum Promotion Thema, Trainer, Athletenvertreter, Vertreter nationaler Verbände und natürlich auch die FIS am Tisch.“

Einige Athleten haben bei City Events auch Bedenken in Sachen Verletzungsrisiko angemeldet!  

Charly Waibel: „Das teile ich überhaupt nicht. Der Lauf wird relativ nah an der Falllinie gesetzt, und so habe ich keine besonders aggressive Kurve. Deshalb gibt es auch keine besonderen Kräfte, die in der Kurve wirken. Das natürlich Verletzungen passieren können, ist klar. Das können wir aber auch beim Freifahren auch nicht ausschließen. Mit dem 32-Starter-System, das zur Diskussion stand, hätte ich das Verletzungsproblem eher gesehen, weil der Tag dann extrem lange dauern würde. Die Athleten müssten, bis sie ins Finale kommen, sehr viele Läufe absolvieren. Die Piste würde immer schlechter werden, und auch die Konzentration der Fahrer nachlassen. Da kommt dann die zentrale Ermüdung zum Tragen und so könnte es dann passieren, gerade mit dem Slalommaterial, „ausgespickt“ zu werden. Aber mit dem 16er-Format sehe ich das Thema Sicherheit im grünen Bereich.“

Sollten immer mehr City Events gefahren werden, kann es gut möglich sein, dass ein „Rampenrennen“ die Vergabe der kleinen Weltcupkugel entscheidet?

Charly Waibel: „Wenn wir City Events in die Städte bringen wollen, werden wir immer mit einer Rampe arbeiten müssen. Aber wir können solche Rampen auch nicht unendlich hoch bauen, und natürlich ist man auch irgendwann am Limit mit den finanziellen Mitteln. Wir müssen uns dann halt auch hinterfragen, ob wir mit diesem Tool auf dem richtigen Weg sind. Begeistern wir Menschen für den Skisport, die wir bisher nicht erreicht haben? Wenn die Evaluation negativ ausfällt, müssen wir das Ganze natürlich überdenken, ob es einen Sinn macht oder nicht.

So wie ich die Sache verstanden habe, will man ja den Skizirkus nicht aus den Bergen nehmen, sondern Leute erreichen, die bisher nicht vom Skisport begeistert waren. Also kommen wir in die Stadt. Ich weiß nicht, ob uns das gelingt. Darum wäre es unheimlich wichtig, im Rahmen solcher Events differenzierte Zuschauerumfragen zu machen, um zu wissen, ob ich mit dem Event die Leute aus der Stadt erreiche. Ob ein Großteil der Zuschauer aus München kommt, oder ob ein Großteil der Zuschauer aus Tirol kommt, und nach München fährt. Wenn dies der Fall wäre, erreichen wir natürlich gerade das Gegenteil, das wir eine Reisewelle – aus den Alpen in die Städte und wieder zurück – in Gang setzten. Das wäre natürlich weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll. Wenn man solche Formate einführt, müssen solche Umfragen durchgeführt werden, was soviel ich weiß, bisher nicht geschehen ist.“

 

 

 
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