6 April 2021

Eva-Maria Brem freut sich auf ihr Leben nach der Karriere

Eva-Maria Brem freut sich auf ihr Leben nach der Karriere (Foto: © Eva-Maria Brem / privat)
Eva-Maria Brem freut sich auf ihr Leben nach der Karriere (Foto: © Eva-Maria Brem / privat)

Eva-Maria Brem kehrt mit einem Lächeln dem Ski Weltcup den Rücken zu und wird sich neuen Aufgaben stellen. Im Interview mit Ski Austria sprach die Tirolerin über ihre schönsten Erfolge, die emotionalsten Momente, aber auch über die schwierigsten Zeiten in ihrer Karriere. Neben dem Rückblick auf ihre Errungenschaften, standen in diesem Gespräch aber auch ihre Zukunftspläne im Mittelpunkt des Gesprächs.

Mein schönster Erfolg…

…war sicher der Gewinn der kleinen Kristallkugel im Riesentorlauf. Im Jahr zuvor wurde ich Zweite in der Gesamtwertung, was mich natürlich auch wahnsinnig gefreut hat, aber schon an diesem Tag beim Saisonfinale 2015 wusste ich, dass ich 2016 mit einem zweiten Platz nicht zufrieden sein würde. In die Saison zu startet mit diesem einen Ziel und es am Ende zu schaffen, war eine brutale Erfahrung. Eine unglaubliche Reise: Rennen mit Fieber, Weltcupsiege, über die ich mich natürlich gefreut habe, aber die eben nur ein notwendiger Schritt auf dem Weg zu meinem Ziel waren,… So viele Meilensteine und Erinnerungen auf dem Weg zu diesem Erfolg, deswegen ist es für mich der schönste.

Unvergessen bleiben werden….

…mir diese 2 1/2 Saisonen, in denen ich in allen 19 aufeinander folgenden Weltcup Riesentorläufen unter den Top 10, 17 Mal davon unter den Top 4 war. Zuvor bin ich gefühlt in meiner Karriere mit dem Rücken zur Wand gestanden und konnte mich dort raus arbeiten und bei jedem Rennen performen und meinen endlich fertig perfektionierten Schwung immer und immer wieder spüren.

Mein emotionalster Moment…

..war mein erster Weltcupsieg. Das erste Mal in Führung nach dem ersten Durchgang, das Wissen um diese große Chance, auf die ich so lange hingearbeitet hatte. Der Druck der dazukommt, wenn man das, was ursprünglich ein Kindheitstraum war, endlich zum Greifen nahe hat.

Die schwierigste Zeit für mich war…

…mein zweiter Schien- und Wadenbeinbruch im November 2016. Ich hatte diese Verletzung bereits 2010 erlitten, daher wusste ich in dem Moment in dem es passierte und ich im Schnee lag, was auf mich zukommen würde. Ich wusste, dass ich wieder bei Null oder eigentlich noch weiter unten beginnen muss und mir war bewusst, dass ich mir meine Gesundheit, jeden Millimeter und jede Hundertstelsekunde wieder von Neuem erarbeitet muss, wenn ich zurückkommen möchte. Das war sicher eine schwierige Zeit, aber alles von mir für ein Ziel zu geben, hat mich noch nie abgeschreckt und diese Herausforderung anzunehmen hat mich als Mensch und Sportler noch einmal sehr geprägt.

Vermissen werde ich…

…definitiv diese 1 Minute und 20 Sekunden vom Start bis in Ziel in dem der Lauf und die Piste allein nur dir gehören. Das erfüllende Glücksgefühl nach einem guten Lauf, die Anspannung und Konzentration am Start und die Herausforderung an sich, all das wird mir sicher fehlen.

Am meisten in Erinnerung bleiben wird mir…

…wahrscheinlich nicht das genaue Ergebnis eines Rennens, aber die jeweilige Geschichte dahinter: die getroffenen Entscheidungen, das gemeinsame Erlebte mit meinem Team, Familie, Fanclub, Freunden…

Dankbar bin ich für…

…meine engsten Vertrauten, die immer an meiner Seite waren. Dankbar dafür, dass sie den Weg mit mir gegangen sind und auch wie sie ihn mit mir gegangen sind. Meine Eltern, die mich als Kind zum Sport gebracht und immer unterstützt haben. Für die Fans und Zuschauer, die mitgefiebert, -gezittert und sich mit mir gefreut haben. Für die tollen Sponsoren mit denen ich zusammenarbeiten durfte. Und für mein Team aus Skitrainern, Konditionstrainern, Physiotherapeuten und Serviceleute. Ich habe es geliebt alles von mir für diesen Sport zu geben und dementsprechend viel von meinem Umfeld eingefordert und ich möchte wirklich jedem Danken, der mir auf meinem Weg geholfen hat.

Aus dieser Zeit mitnehmen werde ich…

…sehr Vieles. Beinahe alles was ich bin, hat mich der Sport gelehrt. Ich bin dankbar für die erfolgreichen Tage in meiner Karriere, die Rückschläge, die mich stärker gemacht haben, und die Erkenntnis, dass Kindheitsträume mit harter Arbeit realisierbar sind.

Am meisten freue ich mich auf….

…mehr Zeit zuhause. Mehr Zeit und Energie für Hobbies, Familie und Freunde. Darauf, das Leben mehr genießen zu können. Als aktive Athletin ist der Fokus immer im Hier und Jetzt und das ganze Jahr ist durchgeplant. Die nächste Saison, das nächste Rennen, der nächste Trainingstag und immer willst und musst du deine Bestleistung bringen. Ich freue mich darauf diesen Druck vorerst ein wenig zurückzuschrauben und den ersten „normalen und richtigen Sommer“ seit einer gefühlten Ewigkeit zu verbringen. Schwimmen und grillen, anstatt Skifahren auf dem Gletscher im August darauf freue ich mich extrem…

Meine Pläne für die Zukunft sind….

..ich möchte mich weiter meinem Studium widmen und es zum Abschluss bringen. Da ich ein „Vollgas-Leben“ gewohnt bin und es sich dabei um ein Fernstudium handelt, ist es für mich auch durchaus denkbar nebenbei ins Berufsleben einzusteigen. All das lasse ich jetzt aber erstmal auf mich zukommen.

 Quelle:  www.OESV.at  

Verwandte Artikel:

Das Swiss-Ski-Team um Marco Odermatt zieht dem ÖSV-Kollektiv derzeit den Zahn
Das Swiss-Ski-Team um Marco Odermatt zieht dem ÖSV-Kollektiv derzeit den Zahn

Muri bei Bern – Dank Wendy Holdener, Corinne Suter, Lara Gut-Behrami und Marco Odermatt kann das Swiss-Ski-Team auf einen mehr als gelungenen Beginn des alpinen Skiweltcupwinters 2022/23 blicken. Dadurch sind die Eidgenossinnen und Eidgenossen auf dem besten Weg dazu, gegenüber Österreich die Nummer 1 in der Nationenwertung innezuhaben. Gegenwärtig sind die Schweizerinnen und Schweizer zweieinhalb… Das Swiss-Ski-Team um Marco Odermatt zieht dem ÖSV-Kollektiv derzeit den Zahn weiterlesen

Für Alexis Pinturault ist der Podestplatz von Beaver Creek gut für die Moral
Für Alexis Pinturault ist der Podestplatz von Beaver Creek gut für die Moral

Annecy – Nach einer komplizierten Saison konnte der französische Skirennläufer Alexis Pinturault mehr als nur aufatmen. In Beaver Creek kletterte er wieder aufs Podest. Der dritte Platz ist mehr als nur Balsam für die Seele, zumal er im vergangenen Winter arg zu kämpfen hatte. Beim Saison Opening in Sölden im Oktober schwang der routinierte Athlet… Für Alexis Pinturault ist der Podestplatz von Beaver Creek gut für die Moral weiterlesen

Glück im Unglück für Giovanni Franzoni nach seinem schweren Sturz auf der „Birds of Prey“-Piste (Foto: © Archivio FISI/ Pentaphoto/Marco Trovati)
Glück im Unglück für Giovanni Franzoni nach seinem schweren Sturz auf der „Birds of Prey“-Piste (Foto: © Archivio FISI/ Pentaphoto/Marco Trovati)

Beaver Creek/Mailand – Der italienische Skirennläufer Giovanni Franzoni stürzte beim gestrigen Super-G in Beaver Creek unmittelbar vor dem Ziel schwer. Er war bei den Zwischenzeiten immer unter den besten Zehn zu finden, ehe eine Bodenwelle seine Träume von einer guten Platzierung wie eine Seifenblase zerplatzen ließen. Obwohl der Aufprall heftig aussah, konnte erste Entwarnung gegeben… Glück im Unglück für Giovanni Franzoni nach seinem schweren Sturz auf der „Birds of Prey“-Piste weiterlesen

Abgesagte Abfahrt von Beaver Creek wird in Gröden nachgeholt (Foto: @ Saslong Classic Club)
Abgesagte Abfahrt von Beaver Creek wird in Gröden nachgeholt (Foto: @ Saslong Classic Club)

St. Christina, 5. Dezember 2022 – Der Audi FIS Skiweltcup in Gröden wird heuer drei Entscheidungen umfassen. Am Donnerstag, 15. Dezember wird die in Beaver Creek (USA) ausgefallene Abfahrt auf der Saslong nachgeholt. Mit diesem Nachholrennen erfolgt somit in zehn Tagen der Auftakt zur 55. Saslong Classic am letzten Wochenende vor Weihnachten. Am Freitag, 16.… Abgesagte Abfahrt von Beaver Creek wird in Gröden nachgeholt weiterlesen

Nicht nur Dominik Paris kann mit seinen Überseerennen nicht zufrieden sein (Foto: © Archivio FISI/ Pentaphoto/Marco Trovati)
Nicht nur Dominik Paris kann mit seinen Überseerennen nicht zufrieden sein (Foto: © Archivio FISI/ Pentaphoto/Marco Trovati)

Beaver Creek/Lake Louise – Der Skiweltcupzirkus der Herren machte in Kanada und in den USA Halt. Dabei gingen die Speedspezialisten Christof Innerhofer und Dominik Paris an den Start. Die Ergebnisse, die sie sowohl in Lake Louise als auch in Beaver Creek erzielten, obwohl die Trainings in Copper Mountain gut verliefen, waren ernüchternd. Für beide Athleten,… Nicht nur Dominik Paris kann mit seinen Überseerennen nicht zufrieden sein weiterlesen