29 September 2018

Henrik Kristoffersen im Red Bull Interview: „Im Moment ist Marcel der Mann, den es zu schlagen gilt.“

© hahnenkamm.com /  Henrik Kristoffersen im Red Bull Interview: "Im Moment ist Marcel der Mann, den es zu schlagen gilt."
© hahnenkamm.com / Henrik Kristoffersen im Red Bull Interview: „Im Moment ist Marcel der Mann, den es zu schlagen gilt.“

Der Norweger Henrik Kristoffersen will sich in der kommenden WM-Saison erneut mit dem siebenfachen Gesamtweltcupsieger Marcel Hirscher messen. Insbesondere im Slalomweltcup will er den Österreicher angreifen, und der kleinen Disziplinenkugel aus der Saison 2015/16, eine zweite folgen lassen. In einem Interview mit Red Bull wagt der 24-jährige Norweger einen Blick in die kommende Saison, die für die Herren am 28. Oktober in Sölden, mit einem Riesentorlauf eingeläutet wird. Das gesamte Red Bull Interview in englischer Sprache finden Sie hier

Red Bull: Du hast darüber gesprochen, dass du versuchst mehr Gewicht zuzulegen, warum?

Henrik Kristoffersen: Im Grunde genommen, um mehr Kraft zu bekommen und die Möglichkeit zu haben, etwas brutaler zu sein. Im Riesenslalom, wenn es richtig hart wird, hatte ich in der Vergangenheit einige Probleme, da ich etwas leichter bin. Ich wollte an Kraft und Gewicht gewinnen, um hier stärker zu werden. Ich bin wahrscheinlich einer der leichtesten alpinen Skifahrer, mit etwa 78 kg. Ich möchte meinen Muskelaufbau damit verbessern. Meine Freundin Tonya hat einen Master-Abschluss in Ernährung, also kann sie mir dabei sehr helfen. Das Essen ist für mich der schwierigste Teil, nicht das Training.

In welchem Bereich hast Du am härtesten gearbeitet um für die neue Saison noch stärker zu sein?

Ich möchte alles verbessern. Letztes Jahr war ich bei den meisten Rennen sehr nahe an Marcel, mit vielen zweiten Plätzen und Podesträngen. Es war die beste Saison, die ich je hatte. Im Moment ist Marcel der Mann, den es zu schlagen gilt. Es ist schwer, etwas besonderes zu finden, das ich ändern muss.

Jede Sportart braucht eine Rivalität, siehst du die Konkurrenz mit Hirscher als positiv für das Skifahren?

Ich glaube schon. Ich habe viele Leute gehört, die gesagt haben, dass es eine Menge Spaß macht, zuzusehen. Du erinnerst dich immer an die Rivalitäten. Für mich ist es großartig, in einer Position zu sein, in der mein Konkurrent einer der größten Skifahrer aller Zeiten ist. Natürlich hoffe ich, eines Tages auch dieses Ziel zu erreichen, aber soweit bin ich noch nicht. Ich muss mehr Rennen gewinnen, aber dieser Konkurrenzkampf, gibt ein gutes Gefühl.

Hilft es Dir, Marcel als Konkurrenten zu haben?

Ja, auch wenn es wahrscheinlich einfacher wäre, wenn er nicht da wäre. Das Coolste ist, mit den besten Jungs der Welt am Start zu stehen und zu versuchen, sie zu schlagen. Wenn du das tust, ist es das beste Gefühl aller Zeiten. Wir haben uns gegenseitig sehr gepusht, besonders im Slalom, wo das Niveau stark angehoben wurde. Es hat mir geholfen, schneller zu fahren, aber vielleicht nicht mehr Rennen zu gewinnen!

Wie ist deine Beziehung zu Marcel?

Wir sind gute Freunde, wir haben eine gute Beziehung und haben viel Respekt voreinander. Ich denke, vielleicht sieht er ein wenig von sich selbst in mir. Wir können frei miteinander über viele verschiedene Dinge sprechen. Das Beste ist, zu gewinnen, wenn die Besten am Start sind, und er ist der Beste am Start.

Lässt du dich von anderen Skifahrern wie Aksel Lund Svindal inspirieren?

100%. Ich hatte viel Hilfe von Aksel, besonders in den jungen Jahren. Die Art und Weise, wie er nach einer Verletzung zurückkommt, sagt viel über ihn aus. Er ist wirklich fokussiert und will der Beste sein, und gibt dafür das Beste. Die Art und Weise, wie er zurückkam, war fantastisch – viele Leute können sich nicht vorstellen, welche Arbeit er geleistet hat und mit welchen Schmerzen er sich zurück kämpfte.

Bevorzugst du Rennen bei klarem Tageslicht oder das Flutlicht eines Nachtslaloms?

Definitiv Nachtrennen. Es ist besser für den Sport, da mehr Menschen zusehen. Die Atmosphäre ist unter Flutlicht auch besser. Ginge es nach mir sollten die meisten Slalom- und Riesenslalomrennen Nachtrennen sein. Ich glaube nicht, dass wir neue Disziplinen brauchen, wir müssen sie nur zugänglicher machen. Am Wochenende, wenn es schönes Wetter ist, werden die Leute selbst draußen beim Skifahren sein, anstatt Rennen im Fernsehen zu verfolgen. Das machte ich als Kind auch! Nachts kann jeder zusehen.

Wie sehr ärgerten dich die Schneebälle von unfairen Zuschauern beim Nachtslalom von Schladming

Ich bemerkte es beim Skifahren. Ich sagte Marcel gleich danach, dass er es fair und ehrlich gewonnen hatte, da ich bereits zu weit hinten lag. Wenn ich näher dran gewesen wäre, hätte ich vielleicht mehr darüber nachgedacht. Am Ende habe ich mich etwas geärgert, weil es ein wenig respektlos war. Ich lebe in Österreich, ich liebe Österreich, die Menschen und die Kultur, aber am Ende waren es nur ein paar von 50.000 Menschen und ich kann es dem österreichischen Volk nicht verübeln. Es ist das Leben, und man kann es nicht ändern. Hoffentlich passiert es nicht wieder.

Wie ist es für dich, mit deinem Vater als Trainer zusammenzuarbeiten?

Es ist wirklich großartig, ich wäre ohne ihn heute nicht da, wo ich bin. Er wird immer mein Vater sein und manchmal ist es schwer, von deinem Vater zu hören, dass gewisse Dinge nicht gut gelaufen sind. Natürlich haben auch wir kleine Meinungsverschiedenheiten, aber das ist normal. Es gab schwierige Momente, aber ich würde nichts ändern. Vielleicht wird er einmal auch meine Kinder trainieren. Ich habe darüber nachgedacht, ob ich das auch für meine Kinder tun könnte? Ich bin mir nicht 100% sicher, ob ich das könnte, aber er kann es und er ist großartig.

Welche sind deine Lieblingsrennen?

Ich mag auf jeden Fall Kitzbühel. Es ist ein wirklich herausfordernder Hang und ich denke, es ist die größte Herausforderung im Slalom. Ich denke, Sölden ist der erschreckendste Piste, aber Schladming hat die beste Atmosphäre mit dem Nachtrennen. Das sind die drei coolsten.

Quelle: www.redbullcontentpool.com
Das gesamte Red Bull Interview mit Henrik Kristoffersen, in englischer Sprache finden Sie
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