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In Erinnerung an Ulli Maier (1967-1994)

© Gerwig Löffelholz / Ulli Maier

© Gerwig Löffelholz / Ulli Maier

Garmisch-Partenkirchen/Rauris – Samstag, 29. Januar 1994: In Garmisch-Partenkirchen wird die vorletzte Damenabfahrt vor den Olympischen Winterspielen im norwegischen Lillehammer ausgetragen. Eigentlich ein ganz normales Rennen, würde man meinen. Und dennoch überschattet die Abfahrt eine dunkle Stunde des Skirennsports.

Die Sicht ist nicht sehr gut, die Favoritinnen schon im Ziel. Als die einzige Mutter im Weltcup, die Österreicherin Ulli Maier, die wenige Tage zuvor noch im slowenischen Marburg einen Riesentorlauf gewonnen hatte, mit der Nummer 32 ins Rennen geht, ahnt noch niemand, welche Tragödie sich rund eineinhalb Minuten später ereignen würde. Auf der Piste fuhr Maier, keine Abfahrtsspezialistin an für sich, recht gut. Nach einigen Fehlern und Rückstand zu Beginn, verkantete sich in der Traverse nach der FIS-Schneise der rechte Ski Maiers.

Sie konnte nicht mehr korrigieren und prallte rücklings an einen Schneekeil, der die Zeitmessanlage schützen sollte. In der Folge rotierte der Körper, verlor sie den Sturzhelm und blieb regungslos liegen. Noch an der Strecke wurde sie wiederbelebt. Doch sie hatte keine Chance. Durch die Wucht des Aufpralls und die Verkettung unglücklicher Umstände wurden ihr die Halswirbelsäule und das Rückenmark durchtrennt. Um 18.15 Uhr dieses Tages wurde Ulli Maier für tot erklärt. Und das wenige Rennen vor ihrem Karriereende.

Doch wer war Ulrike „Ulli“ Maier? Eine ehrliche, sympathische und vor allem bodenständige Athletin. Oft wurde sie von teilweise sehr schweren Verletzungen (Wadenbeinbruch, Kreuzbandriss, Innenbandriss, Milzriss) zurückgeworfen. Doch die Skirennläuferin aus Rauris kämpfte sich wieder zurück und war durch ihren unbändigen Willen beliebt bei Skikolleginnen und Fans. Noch lebhaft ist vielen der Umstand in Erinnerung, als sie 1989 in Vail mit einem Geheimnis unter ihrem Herzen im Super-G zu WM-Gold fuhr. Zwei Jahre später, Töchterchen Melanie war schon längst auf der Welt, verteidigte sie ihren Weltmeistertitel in Saalbach-Hinterglemm. Das war auch an einem 29. Januar.

© Gerwig Löffelholz / Ulli Maier

© Gerwig Löffelholz / Ulli Maier

Drei Jahre später. Die Saison 1993/94 war im Gange. Ulli Maier hatte eine gute Saison, hatte viele gute Platzierungen gesammelt und war sicher schon fix für die Olympischen Winterspiele qualifiziert. Es hätte ihr letztes Großereignis sein sollen. Dann wollte sie zurückziehen, ihren Freund heiraten und ganz für ihren kleinen Sonnenschein Melanie da sein. Doch das Schicksal hatte leider eine andere Bestimmung für sie. Dass an jenem Tag in Garmisch-Partenkirchen die junge Südtirolerin Isolde Kostner aufgrund der langen Pause und besser werdenden Pistenverhältnisse ihren ersten Sieg bei einem Weltcuprennen feierte, interessierte am Ende niemand.

Der Weltcup wurde seit jenem schicksalhaften 29. Januar vor 20 Jahren noch sicherer gemacht.  Alle Pisten wurden mit mehr Sicherheitsnetzen ausgestattet. Und auch wenn die FIS am Ende 600.000 sFr. in einen Fonds zugunsten Melanie einzahlen musste und weitere Sicherheitsaspekte in Angriff genommen wurden, macht das Ulli Maier nicht mehr lebendig. Auch wenn die Kandahar-Abfahrt in Garmisch seitdem x-mal befahren wurde und die Zeit alle Wunden heilt, wird die Österreicherin im Herzen der Skifans für immer bleiben.

Bericht für skiweltcup.tv: Andreas Raffeiner

 

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