Home » Damen News, Top News

Johanna Schnarf – Mehr als nur die „Nette Hanna“ von nebenan.

© Gerwig Löffelholz

© Gerwig Löffelholz

Skirennläuferin Johanna Schnarf im Gespräch

Die 27-jährige Olanger Skirennläuferin Hanna (eigentlich Johanna) Schnarf besticht durch ihre sympathische Frohnatur. Sie ist auf die Disziplinen Abfahrt, Super-G und Super-Kombination spezialisiert. Bereits mit 15 Jahren bestritt sie ihr erstes FIS-Rennen. Von diesem Moment an ging es bergauf. 2006 holte sie beim Super-G in St. Moritz ihre ersten Punkte im Weltpokalzirkus. 2010 bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver erreichte sie in ihrer Paradedisziplin den undankbaren vierten Platz und wurde im selben Jahr zur Sportlerin des Jahres gewählt. Im Interview mit der SÜDTIROLERIN sprach sie über ihre Karriere, ein Hoppala und gewährt der Leserschaft einen Einblick in ihren Weltpokalkalender 

Die SÜDTIROLERIN: Hanna, mit drei, vier Jahren standen Sie das erste Mal auf den „Brettern, die die Welt bedeuten“. Welchen guten Ratschlag haben Sie für Eltern, die mit ihren Nachwuchs auf die Piste gehen wollen?

 Hanna Schnarf: Ich würde ihnen raten, das Kind nicht zu früh auf die Skier zu stellen und das Ganze folglich spielerisch zu erlernen, denn das Kind sollte Freude daran haben. Meiner Meinung nach soll das auch ganz ohne Zwang geschehen. Wenn dem Kind Skifahren nicht gefällt, dann wird sich schon etwas anderes finden, an dem das Kind Freude und Spaß hat. Der Spaß am Sport ist das Wichtigste! 

Die SÜDTIROLERIN: Wie wichtig ist es für Sie als Sportlerin, Beruf und Ausbildung zu vereinbaren? 

Hanna Schnarf: Es ist sehr schwierig. Man muss auf verständnisvolle Lehrpersonen hoffen, wie ich aus persönlicher Erfahrung weiß. Schon zu meiner Schulzeit war dies schwer, und wenn ich jetzt an die geplante Fünf- Tages-Woche denke, wird es gewiss noch schwieriger. Sportler werden in naher Zukunft gezwungen sein, in eine spezifische Sportoberschule zu gehen. Was mich betrifft, so habe ich das Pädagogische Gymnasium in Bruneck besucht. Selbst ein Weiterstudium nach der Oberschule ist keineswegs leicht mit dem Sport zu vereinbaren, da man dafür kaum Zeitressourcen hat. Will man im alpinen Skisport, aber auch in einer anderen Sportart, international auf hohem Niveau mitfahren und demzufolge auch Rennen bestreiten, wird der Sport sozusagen zum Vollzeitjob. Persönlich gesehen habe ich das Glück, einer Sportgruppe (Finanzwache, Anm. d. Red.) anzugehören, die mir Vieles erleichtert und auch eine Sicherheit nach dem Ende meiner sportlichen Laufbahn bietet. 

© Gerwig Löffelholz

© Gerwig Löffelholz

Die SÜDTIROLERIN: Heute fahren Athleten auf einem rund 50 cm dicken Eisblock. Alle Fahrer haben somit ähnliche Bedingungen, doch die Belastung für die Fahrer ist fast unerträglich. Wie sehen Sie das, werden doch Gelenke, Knorpel und Sehnen über alle Maßen beansprucht? 

Hanna Schnarf: Beim Skifahren auf Rennniveau müssen sowohl Gelenke und Knorpel als auch Knochen und Muskeln richtigerweise einem enormen Druck standhalten. Deshalb sind eine optimale Vorbereitung, ein konsequentes Training mit Muskelaufbau, kurz gesagt eine sehr gute körperliche Verfassung das Um und Auf, um Verletzungen zu vermeiden. Zum Thema Sicherheit und Gesundheit wurde in letzter Zeit viel diskutiert, da auch das Material immer öfter als Verletzungsgrund genannt wurde. Ab der kommenden Saison werden die Skier nicht mehr so stark tailliert sein. Man erwartet sich dadurch mehr Sicherheit für die Athleten. Trotzdem kann man Verletzungen nicht verhindern. Im Skisport, wie in jedem anderen Spitzensport, geht es nun mal an körperliche Grenzen. 

Die SÜDTIROLERIN: Wie wichtig sind bei Ihrer Sportart sowohl das analytische Denken und das Bauchgefühl als auch das Umfeld und die Infrastruktur? 

Hanna Schnarf: Ja, ich denke, dass alle vier oben genannten Punkte von großer Wichtigkeit sind. Der Sportler wird vor allem vom persönlichen Umfeld geformt. Dann kommt es auch auf den Charakter eines Menschen an. Es gibt Fahrer, die mehr auf Instinkt und Bauchgefühl hören. Im Gegensatz dazu gibt es Athleten, die wiederum mehr denken und kalkulieren. Alles in allem soll das Umfeld stimmen und darüber hinaus müssen Möglichkeiten des guten Trainings gegeben sein. So glaube ich, dass der Wille, es ganz nach oben zu schaffen, einen Profisportler ausmacht. Ein gesunder Ehrgeiz gehört genauso dazu.

© Gerwig Löffelholz

© Gerwig Löffelholz

Die SÜDTIROLERIN: Hanna, welche ist Ihre Lieblingsdisziplin und warum? 

Hanna Schnarf: Meine Lieblingsdisziplin ist sicher der Super-G. Man hat kein Training vorher wie in der klassischen Abfahrt und auch keinen zweiten Durchgang wie beispielsweise im Riesentorlauf. Alles muss folglich auf Anhieb so gut wie möglich passen. Dazu kommt noch die Geschwindigkeit dazu … also einfach eine geniale Disziplin! Meine Lieblingsstrecke ist jene von Cortina, auch wenn ich bis heute dort noch nie gute Ergebnisse einfahren konnte. Allerdings ist sie technisch anspruchsvoll und von der Kulisse einmalig. Überdies ist es fast wie ein Heimrennen für mich.

Die SÜDTIROLERIN: Haben Sie ein Vorbild? Gibt es Sportler, die Sie besonders bewundern? 

Hanna Schnarf: Respekt zolle ich allen Sportlern, die sich nach schweren Verletzungen wieder ganz an die Weltspitze herankämpfen. Insbesondere bewundere ich Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen, die trotz ihres Handicaps Gewaltiges leisten. 

Die SÜDTIROLERIN: Die US-Amerikanerin Lindsey Vonn durchtrennte sich bei ihrer WM-Titelfeier im französischen Val d’Isere beim Köpfen einer Champagnerflasche die Beugesehne im rechten Daumen. Kurios, aber schmerzhaft. Welches Hoppala kann uns Hanna Schnarf aus ihrer sportlichen Karriere erzählen? 

Hanna Schnarf: Kleine Hoppalas passieren mir öfters. Dazu brauchen Sie nur meine Freunde, Skikollegen oder meinen Servicemann fragen. (lacht) Spontan fällt mir jetzt nichts ein … oder doch? Einmal bin ich mit dem Linienbus nach Bruneck gefahren, beim Einsteigen gestolpert und regelrecht in das Businnere hineingestürzt. Natürlich stand ich binnen weniger Sekunden wieder auf den Beinen und tat so, als wäre nichts passiert. Mein Schienbein tat höllisch weh und blutete stark. Auf die Frage des Busfahrers, ob alles in Ordnung sei, sagte ich schnell: „Na, klar, nichts getan!“ Meinen Trainern selbst erzählte ich nichts von dem Vorfall, musste aber für einen Monat starke Schmerzen im Skischuh aushalten. 

Johanna Schnarf

Johanna Schnarf

Die SÜDTIROLERIN: Als alpine Skirennläuferin müssen Sie bei Weltpokaleinsätzen und -rennen immer ein sehr hohes Risiko eingehen. Wie gehen Sie privat auf die Piste? Unterscheidet sich Ihre Fahrtweise in punkto Sicherheitsdenken? 

Hanna Schnarf: Wenn ich privat auf die Piste gehe, dann fahre ich immer etwas langsamer und genieße das Fahren ohne Torstangen. Bei den Trainingseinheiten und während des Rennens sind die Pisten immer abgesperrt und gesichert und man ist allein auf der Strecke unterwegs. Beim „normalen“ Skifahren sind viele Menschen zugleich unterwegs und man muss die anderen Skifahrer im Auge behalten, um Zusammenstöße und Unfälle vermeiden. 

Die SÜDTIROLERIN: Wenn man den Weltpokalkalender genauer anschaut, werden nahezu 40 Rennen in vier Monaten zusammengepfercht. Ist das nicht ein bisschen zu viel? Steigt die Verletzungsgefahr? 

Hanna Schnarf: Für mich gibt es zwischendurch schon Ruhepausen, da ich nicht alle Disziplinen fahre. So sind es 20 Einsätze für mich. Mir gefiele es aber, wenn beispielsweise mehr Super-G’s auf dem Programm stehen würden, denn in dieser Disziplin werden nach der Super-Kombination am wenigsten Rennen ausgetragen. Wenn man eine Allrounderin ist und somit alle Rennen bestreitet, muss man lernen, genau auf die Signale des Körpers zu hören und demzufolge das Training genau einzuteilen. Generell kann die Übermüdung die Verletzungsgefahr erhöhen. Deswegen ist eine gute körperliche Fitness sehr, sehr wichtig. 

Die SÜDTIROLERIN: Welche ist die persönliche Zielsetzung von Hanna Schnarf für den weiteren Verlauf ihrer sportlichen Laufbahn? 

© Gerwig Löffelholz

© Gerwig Löffelholz

Hanna Schnarf: Wenn alles gut und planmäßig läuft und ich von weiteren Verletzungen verschont bleibe, möchte ich mich auf alle Fälle für die Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi 2014 qualifizieren und dort eine Medaille holen. Ansonsten ist es mein Ziel, in allen drei Disziplinen, die ich bestreite (Abfahrt, Super-G, Super-Kombination, Anm. d. Red.), am Ende jeder Saison zu den Besten zu gehören. Das ist erst dann möglich, wenn man über den ganzen Winter hinweg konstant gute Leistungen erzielt hat. Für mich ist es wichtig, Ziele zu haben, aber ich denke lieber von Rennen zu Rennen und will dessen ungeachtet jedes Mal mein bestes und schnellstes Skifahren abrufen und zeigen. 

Die SÜDTIROLERIN: Hanna, gibt es etwas, was Sie unbedingt einmal unseren LeserInnen sagen wollten, aber nie die Gelegenheit dazu hatten? 

Hanna Schnarf: Kurz und gut: Ich danke allen fürs Daumendrücken und besonders jenen Menschen, die zu mir stehen, auch wenn es einmal nicht so gut läuft. Und ansonsten: Hang loose! (lacht) 

Das Interview führte Andreas Raffeiner
Quelle: www.suedmedia.it
Die SÜDTIROLERIN

In eigener Sache: Wir suchen immer Skifans die uns mit Skiweltcup News und Nachrichten aus Italien, Deutschland, Österreich und der Schweiz versorgen. Wer Lust am Schreiben hat oder über „Insider News“ verfügt, einfach bei uns melden:  news@skiweltcup.tv

 

Du möchtest in Sachen Skiweltcup immer auf dem Laufenden sein? Dann trage deine E-Mailadresse unten ein. Bestätige deine Anmeldung (Mail) und schon kommen alle aktuellen Nachrichten direkt in dein E-Mail Postfach. 

Alle News zum Ski Weltcup in dein Postfach
Gib deine E-Mailadresse ein und Du bekommst
täglich alle News direkt in dein E-Mailfach:

Delivered by FeedBurner

Anmerkungen werden geschlossen.