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Karen Putzer im Skiweltcup.TV Interview: Habe nie meinen offiziellen Rücktritt bekanntgegeben

© Lanzeni Courmayeur / Karen Putzer

© Lanzeni Courmayeur / Karen Putzer

Welschnofen – Heute haben wir die besondere Ehre, die Südtiroler Skirennläuferin Karen Putzer zu interviewen. Die 35-Jährige wurde zwischen 1996 und 1997 vier Mal Juniorenweltmeisterin und konnte sich des Weiteren über eine olympische Medaille und zweimal WM-Edelmetall freuen. Ihre Parade-Disziplinen sind der Super-G und der Riesentorlauf. Hier war sie zwischen 1999 und 2007 insgesamt achtmal erfolgreich.

Im Interview mit skiweltcup.tv erzählt uns die sympathische sechsfache Italienmeisterin, die auch zwei Rennen im Europacup für sich entschieden hat, weshalb sie eigentlich ihre Karriere noch nicht beendet hat. Darüber hinaus vergleicht sie ihre Lieblingsdisziplinen Super-G und Riesentorlauf, blickt auf die spannende Entscheidung um die kleine Kristallkugel im Riesentorlauf in der Saison 2002/03 zurück und gibt auch Auskunft, das ihre Hüftverletzung ein Präzedenzfall im alpinen Skizirkus ist.

Abschließend spricht Putzer, die für ihre Uniarbeit mit dem Thema „Die strafrechtliche Haftung von Schifahrern bei Lawinen“ im Jahr 2012 mit dem Euregio-Jungforscher-Preis 2012 der Wirtschafts- und Handelskammer der Europaregion Tirol ausgezeichnet wurde, über ihre Brüder Marc und Pirmin und berichtet, was für den Skisport als solchen spricht.

skiweltcup.tv: Karen, wenn man deine Biografie auf Wikipedia nachliest, steht zwar, dass du nicht aktiv bist, aber das Leben als Skirennläuferin wird im Präsens geschrieben. Hast du demzufolge deine Karriere noch nicht offiziell beendet?

Karen Putzer: Nein, einen offiziellen Rücktritt habe ich nie bekanntgegeben, obwohl ich von den Olympischen Winterspielen in Vancouver 2010 ausgeschlossen worden bin und ich in der Weltrangliste zu den vier besten italienischen Riesentorläuferinnen zählte, erübrigt sich meinerseits für mich jede Erklärung.

skiweltcup.tv: In deiner sportlichen Laufbahn hast du insgesamt acht Siege bei Weltcuprennen erreichen können, die du schön auf den Riesentorlauf und den Super-G verteilt hast. Was verbindet diese Disziplinen, und was trennt sie?

K. P.: Die Kurventechnik ist dieselbe, doch im Riesentorlauf braucht es viel Training. Der Super-G ist für mich eine Instinktsache, aber auch eine Frage der Linienwahl. Außerdem gibt es die Sprünge, und dieses Gefühl, in der Luft zu sein, gibt es im Riesenslalom nicht, außer man landet im Netz.

© Gerwig Löffelholz / Karen Putzer

© Gerwig Löffelholz / Karen Putzer

skiweltcup.tv: Die Saison 2002/03 war für dich ohne Zweifel deine beste im Weltcup. Mit fünf Siegen hast du hinter der Kroatin Janica Kostelić den zweiten Rang in der Gesamtwertung erreicht. Wie bitter war dennoch die Enttäuschung, dass du um einen läppischen Zähler im Riesentorlauf Anja Pärson in Schweden den Vortritt lassen musstest und die kleine Kristallkugel nicht mit nach Hause nehmen konntest?

K. P.: Ich wusste nur, dass ich gewinnen musste, und Anja Pärson nicht besser als 17. werden durfte. Wenn es da nicht ein paar Ausfälle gegeben hätte, wäre es auch dazu gekommen, aber ich konnte nicht mehr tun als zu gewinnen. Es war für mich keinesfalls einfach, in drei Disziplinen mitzuhalten und noch dazu Zweite im Gesamtweltcup und Dritte im Super-G zu werden. Es gab im italienischen Verband keinerlei Struktur, um als Allrounderin tätig zu sein. Deshalb war ich jahrelang von einer Trainingsgruppe in eine andere gereicht worden. Im Normalfall führt das nicht zum Erfolg; ich wundere mich daher selbst über das, was ich geleistet habe.

skiweltcup.tv: Apropos Tipps: Welcher war der größte Tipp oder Ratschlag, den dir ein Trainer oder eine Kollegin im Team gegeben hat, von dem du heute noch zehrst und der dich in deinem ganzen Leben, auch abseits der Skipiste, positiv beeinflusst hat, sodass du ihn auch gerne an junge, teils unerfahrene Sportlerinnen weitergibst?

K. P.: Meine Eltern bestanden immer darauf, dass die Schulausbildung Vorrang hat. Skifahren war für mich immer eine Freizeitbeschäftigung, und ich habe auch nach dem Abitur diese Einstellung in dem Sinn beibehalten, dass ich gerne und lieber zu viel als zu wenig trainiert habe. Auch heute noch fahre ich gerne Ski, und ich glaube, dass die Freude an etwas, was man macht, der beste Rat ist, den man einem mitgeben kann. Das gilt aber nicht nur im Sport.

skiweltcup.tv: So lange deine Liste an Erfolgen ist, so lange ist auch deine Verletzungsliste. So  musstest du dich zweier Hüftoperationen unterziehen. Gab es da nicht auch einmal Momente der Resignation, des Selbstzweifels oder der Frage nach dem Sinn des Ganzen?

K. P.: Ein Kreuzband wäre in dem Moment sicher einfacher gewesen. Es gab für diese Hüftverletzung noch keine Präzedenzfälle im Skisport. Meine Ausgangslage war am Anfang so, dass ich mich eigentlich, als ich im Jahr 2003 Zweite in der Gesamtwertung wurde, einer offenen Hüftoperation hätte unterziehen lassen und mit dem Sport im Allgemeinen bzw. Skisport im Speziellen aufhören hätte müssen. Nach einer solchen Diagnose war jeder darauffolgende Eingriff und jede Therapie das kleinere Übel. Das sind nicht schöne Momente, aber meist die, aus denen man reicher an Erfahrung wird und auch jene Leute kennenlernt, die hinter einem stehen.

skiweltcup.tv: Und wenn man es ein wenig pathetisch betrachtet, sind hartnäckige Verletzungen Schicksalsschläge, die oft Türen öffnen. In welche bist du demzufolge eingetreten?

K. P.: Ich hatte ja keine Garantie, wieder Skirennen bestreiten zu können. Deshalb bin ich zurück an die Uni gegangen und habe dort Prüfungen abgelegt. Je öfter ich verletzt war, desto mehr Prüfungen schaffte ich. In dieser Hinsicht hatte ich wenigstens nicht so viel Zeit zum Nachdenken…

skiweltcup.tv: In der Damen-Skiwelt schaut alles nach wie vor auf das Comeback von Lindsey Vonn. Die US-Amerikanerin hat mit einem Wahnsinnstraining im Sommer und einem riesengroßen Ehrgeiz wieder den Weg zurück geschafft. Kommen die Rennen in Amerika für sie zu früh, oder glaubst du, dass sie schon bald wieder zu einer Siegläuferin mit einer unbeschreiblichen Dominanz und Konstanz wird?

K. P.: Ja, daran besteht kein Zweifel. Die Konkurrenz hat in der Zwischenzeit auch nicht geschlafen. Aber ich denke auch, dass hinter Lindsey ein Team steht, welches mit Sicherheit nichts dem Zufall überlässt und sehr professionell arbeitet.

skiweltcup.tv: Deine Brüder Pirmin und Marc sind auch Skirennläufer. Nehmen sie eigentlich noch an Rennen teil, oder sind sie nur noch aus Spaß an der Freude in der Natur und zaubern schöne Schwünge in den Schnee?

K. P.: Marc war im italienischen Jugendkader aktiv. Pirmin hat auch Skirennen bestritten, aber mittlerweile stehen beide im Berufsleben aktiv und fahren nur noch aus Spaß oder als Teilzeitskilehrer Ski.

skiweltcup.tv: Auch wenn das Verletzungsrisiko hoch ist, mit welchem schlagfertigen und einfallsreichen Argument würdest du einen unentschlossenen jungen Menschen, der Sport betreiben will, zum Skisport überreden?

K. P.: Der Skisport zeichnet sich durch seine Abwechslung aus. Jeden Tag findet man andere Bedingungen vor und kann andere Disziplinen fahren. Zudem findet das Ganze im Freien statt und man ist immer mit anderen Sportlern unterwegs, obwohl es eine Einzelsportart ist.

skiweltcup.tv: Danke herzlich für deine Antworten und deine interessanten Ausführungen!

Bericht und Interview für skiweltcup.tv: Andreas Raffeiner  

 

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