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„La macchina“ im vollen Einsatz – Lisa Agerer im Interview mit FISAlpine.com

© Gerwig Löffelholz / Lisa Agerer

© Gerwig Löffelholz / Lisa Agerer

Der alpine Skirennsport hat seine Helden. Und haben alle ihre Spitznamen. Es ist einerlei, ob es nun der Herminator (Hermann Maier) oder der Kaiser (Franz Klammer) war, auch die Speedqueen (Renate Götschl), der Blitz aus Kitz (Toni Sailer) oder La Bomba (Alberto Tomba), jede Athletin oder jeder Athlet, der Großes geleistet hat, hatte ihren bzw. seinen Spitznamen. Auch die Südtiroler Skinachwuchshoffnung Lisa Agerer hat einen Spitznamen: La Macchina. Für FISAlpine.com  und Michael Mastarciyan nahm sich Lisa, die nun vor ihrer ersten vollen Weltcup-Saison steht, eine kleine Auszeit, um über ihren Spitznamen, die Lieblingsdisziplinen und ihre bevorstehenden Ziele zu plaudern.

Das gesamte Interview in Englischer Sprache findet ihr unter  FISAlpine.com

Lisa, wie kamst du zu deinem etwas gewöhnungsbedürftigen Spitznamen „la macchina“?

Nun, ich glaube nicht, dass es eine versteckte Baseball-Fähigkeiten ist. Zumal gehört Baseball nicht zu meinen Sportarten. Wahrscheinlich wurde mir der Name gegeben, als ich im Europacup in drei Disziplinen acht Rennen in Folge, davon sieben in 14 Tagen, gewann. Da diese Leistung eher einer Maschine als einem Menschen zuzutrauen sei, wurde ich kurzerhand zur „macchina“.

Dein Name „la macchina“ macht dich cool! Was glaubst du, macht das aus?

Ahahaah, ja sicher ist es cool, und es verschafft mir eine Ehre, daran zu denken, dass jemand einen solchen Spitznamen mir gibt. Der Name hat einen schönen Klang, doch ich muss eine Menge noch tun.

Hast du auch andere Spitznamen? Wie sprechen dich deine Familie bzw. Freunde an?

Familie und Freunde nennen mich einfach Lisa. Nur meine Zimmerkollegin Federica Brignone darf mich Lis nennen. Mein zweiter Vorname Magdalena bietet Möglichkeiten für einige Variationen: Maddalena oder Madeline. Madeline, ja, so werde ich von einigen Freundinnen im französischen Team gerufen. Kürzlich wurde ich „Marmottina“ (weibliches Murmeltier, Anm. d. Red.) genannt. Ich möchte aber wissen, wie weit ich mit „la macchina“ komme. (lacht)

Du hast im letzten Jahr acht Europacuprennen in Serie und davon sieben innerhalb von zwei Wochen gewonnen. Wie schwer oder leicht war diese Leistung?

Es war eigentlich leichter, als einige Leute denken. Nach den ersten Siegen in Sella Neves wusste ich, dass ich weitere Rennen gewinnen könnte und war zuversichtlich und hatte einen schnellen Super-Ski. Mit etwas mehr Selbstbewusstsein und Vertrauen ging ich an die folgenden Rennen und kam in einen tollen Lauf. Auch meine Zeit mit dem B-Team habe ich sehr genossen.

© Gerwig Löffelholz / Lisa Agerer

© Gerwig Löffelholz / Lisa Agerer

Wie hast du die Batterien in diesen zwei Wochen geladen?

Gute Ergebnisse laden meine Batterien automatisch. Ich muss auch dem Betreuerstab vom A- und B-Team für die harte Arbeit danken. Meine Teamkolleginnen Sofi (Goggia) und Fede (Brignone) haben auch ihren Teil dazu beigetragen. Zudem ist die Stimmung in der Mannschaft positiv. Und wenn positive Energie zwischen den Teamkolleginnen herrscht, wird das Leben einfacher und zudem wird eine Extraportion Kraft freigesetzt.

Ist es schwer, konzentriert zu bleiben, wenn du so viele Rennen absolvierst? Der Rennkalender scheint angesichts so vieler Veranstaltungen immer dichter zu werden…

Das war in der vergangenen Saison überhaupt kein Problem für mich. Ich liebe das Skifahren und mir gefällt es, an den Rennen teilzunehmen. Jede Gelegenheit wird von mir genutzt, es wieder zu tun und es ist eine Gelegenheit, Spaß zu haben und jedem meine Fähigkeiten zu zeigen.

Hast du einen Ratschlag für andere Allrounder, die einen ähnlichen Terminkalender aufweisen?

Höre auf deinen Körper. Im vergangenen Winter habe ich gelernt, auf ihn zu hören. Wenn er euch zu euch spricht, muss man lernen, manchmal, „nein“ zu sagen. So vertraue nur dir selbst und mache keine Dinge, nur weil sie andere Menschen tun.

Du planst deine erste komplette Saison. Wo werden wir dich am ehesten sehen?

Mein Hauptziel ist es weiterhin, gut im Riesentorlauf zu sein. Das fängt schon zu Beginn der Saison an, wo viele Riesentorläufe angesetzt sind. Ich möchte auch in den technischen und schnellen Disziplinen an den Start gehen, sofern mein Körper und die Vorbereitung es ermöglichen.

Letztes Jahr hast du die Europacupsaison mit neun Siegen, einem zweiten und einem dritten Platz nahezu dominiert. In der Endabrechnung hattest du mit 1029 Punkten fast 400 Zähler Vorsprung auf die Zweitplatzierte. War die Saison für dich spannend?

Ja, es war sehr aufregend. Ich wollte nicht mit dem Gedanken in die Saison starten, nur gut Ski zu fahren. Aber ich habe die 1000-Punkte-Schallmauer durchbrochen und der Gesamtsieg war unglaublich.

© Gerwig Löffelholz / Lisa Agerer

© Gerwig Löffelholz / Lisa Agerer

Wird der Erfolg der vergangenen Saison dich zuversichtlich in die erste volle Saison im Weltcup starten lassen?

Ja, ich habe nun auch ein wenig mehr Vertrauen. Zudem hat der Sieg im Europacup große Vorteile. So kann ich in allen Disziplinen – frei von Druck – starten. Ich weiß, dass die letzte Saison Geschichte ist und die kommende bedarf einer sorgfältigen Vorbereitung. So freue ich mich und ruhe mich nicht auf den Lorbeeren des Vorjahres aus.

Du hast Siege und Podestplätze im Riesentorlauf, in der Abfahrt, in der Kombination und im Super-G erreicht. Hast du eine Lieblingsdisziplin?

Ich liebe den Riesentorlauf. Aber ich mag auch den Super-G, da er die wohl kompletteste Disziplin ist. Man hat hier nur einen Lauf, keinen zweiten Versuch und überdies die Notwendigkeit, mit der Schnelligkeit und der Technik zwei extrem wichtige Komponenten im Skisport zusammenzufügen.

Mit 19 Jahren warst du im schwedischen Weltcuport Åre im Einsatz und wurdest ausgezeichnete Siebte. Im zweiten Lauf hast du die beste Zeit erreicht…

Ich habe auch in den Weltcuprennen sehr viel dazu gelernt, selbst wenn diese Rennen anders als jene im Europacup zu bewerten sind. Ich habe gelernt, mich zu konzentrieren und weiß nun, was ich tun muss. Man muss sich nicht verändern, um im Weltcup zu fahren. Man muss nur Vertrauen haben, Vertrauen in sich selbst und in die eigenen Fähigkeiten.

Was ist das Wichtigste, was du in deiner Ski-Rennfahrer-Karriere bis jetzt gelernt hast?

Dies ist eine gute Frage. Es gibt eine Menge toller Erlebnisse in meiner sportlichen Laufbahn, aber auch einige, die nicht so gut verliefen. Diese sind oft nützliche Lektionen. Die bedeutsamste Lektion für mich ist, Körper und Geist zu verstehen, wie sie zusammen arbeiten. Wenn man sowohl Körper als auch Geist gut kennt, behandelt man sie auch richtig.

Was ist der beste Rat, den man dir während deiner Laufbahn gegeben hat und wer war dafür verantwortlich?

Wenn man denkt, jemand zu sein, hat man aufgehört, jemand zu werden. Diesen weisen Spruch hat mir einmal ein guter Freund vor Jahren mitgegeben.

© Gerwig Löffelholz / Lisa Agerer

© Gerwig Löffelholz / Lisa Agerer

Hast du irgendwelche Skirennsportidole, mit denen du aufgewachsen bist?

Deutlich erinnere ich mich an die Jahre, als Janica Kostelic und Anja Paerson fast alles gewannen. In meinen jüngeren Jahren beobachtete sie oft und sah, wie sie ihre Rennen für sich entschieden.

Nehmen wir uns ein wenig Zeit für persönliche Fragen: Dein Vater ist Österreicher und deine Mutter Italienerin (Südtirolerin). Wer kocht besser und welche Küche bevorzugst du?

Oh, das ist sicher meine Mutter (lacht). Ich liebe die italienische Küche, aber mein Lieblingsessen ist ein traditionelles, österreichisches Gericht. Grießschmarrn und den macht meine Mutter am besten. Ohne das kann ich nicht leben.

Du bist auf der berühmten Insel im weiten Weltmeer und hast nur noch ein Dessert für den Rest deines Lebens zum Essen. Ist es Kaiserschmarrn oder Tiramisu?

Ohne Zweifel, Kaiserschmarrn!

Warst du in der trainingsfreien Zeit auch einmal weg oder am Strand?

Ich bin immer für einige Zeit weg, weil ich das wirklich brauche. Im Mai war ich beispielsweise in Griechenland und versuchte mich im Kite-Surfen. Doch es gab leider nicht so viel Wind. Nach unserem Training in Argentinien plane ich eine kleinere Auszeit mit meiner Teamkollegin Sofi in einer Berghütte.

Wie verlief bis dato das Training für die nächste Saison?

Bis jetzt gut. Wir hatten einige tolle Trainingseinheiten mit der Mannschaft. Das Radfahren ist eine Art Leidenschaft von mir geworden. Die Argentinienreise wird unser erstes Schneetraining im Sommer sein. Im September geht es gleich weiter nach Chile. Dort stehen dann einige Super-G- und Abfahrtstrainings auf dem Programm. Die fehlende Zeit wird auf den Gletschern in Europa verbracht, und ich fiebere schon dem Weltcupauftakt in Sölden entgegen.

Interview für  FISAlpine.com : Michael Mastarciyan
Übersetzung und Zusammenfassung für skiweltcup.tv: Andreas Raffeiner
Das gesamte Interview in Englischer Sprache findet ihr unter  FISAlpine.com

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