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Lisa Magdalena Agerer im Skiweltcup.TV Interview: „In der Abfahrt habe ich noch viele Reserven“

© Gerd Agerer  /  Lisa Magdalena Agerer

© Gerd Agerer / Lisa Magdalena Agerer

Nauders/Haid – Lisa Magdalena Agerer ist eine österreichisch-italienische Skifahrerin, die in zwei Monaten 22 Jahre alt wird. Die (Süd-)Tirolerin besuchte die Sportoberschule in Mals. Mit 15 Jahren nahm sie erstmals an FIS-Rennen teil und siegte schon drei Monate später bei einem Rennen. Auch im Europacup sorgte sie relativ schnell für Furore. Im Jahr 2009 fuhr sie am Rettenbachferner in Sölden ihr erstes Weltcuprennen, blieb aber ohne Zähler.

In der Saison 2010/11 siegte sie beim Riesentorlauf im norwegischen Kvitfjell im Europacup. In der gleichen Saison überraschte sie mit der Silbermedaille, die sie bei der Junioren-WM in Crans Montana. Mit den Rängen vier bzw. fünf in der Kombination bzw. im Super-G schrammte sie zwei Mal knapp am Siegertreppchen vorbei. Im November 2011 erreichte sie mit Rang 17 beim Riesenslalom in Aspen ihre ersten Punkte in einem, ihren sechsten, Weltcuprennen.

Die beste Phase ihrer noch jungen Laufbahn hatte die stets fröhliche Sportlerin in der Zeit zwischen dem Februar und dem März 2012, als sie nicht weniger als acht Europacuprennen in Folge für sich entschied. Dass sie dadurch die Gesamtwertungen im Europacup und in den Disziplinen Riesentorlauf und Abfahrt für sich entschied, liegt auf der Hand. Motiviert von diesen Ergebnissen wurde sie beim Weltcup-Riesentorlauf im schwedischen Ǻre Siebte. Im ersten Durchgang lag sie noch auf Rang 28, doch im zweiten Lauf katapultierte sie sich weit nach vorne. Besonders pikant: Im Finaldurchgang war sie sogar um 1,4 Sekunden schneller als die Siegerin Lindsey Vonn.

Im Interview erzählt der sonnige Charakter uns über die etwas nicht alltäglichen Anfänge beim Skifahren, die mentale Stärke, die Personen des Vertrauens und vieles mehr. Die italienische Vizemeisterin im Riesentorlauf aus den Jahren 2008 und 2012 beantwortete auch zehn Fragen im schnelldurchlauf. Das ist ein neuer Bestandteil unserer Interviewreihe. Doch lesen Sie selbst.

skiweltcup.tv: Lisa, wenn wir einen kleinen großen Blick zurück werfen. Wann bist du das erste Mal auf den Brettern gestanden, die für viele, wie auch für dich, die Welt bedeuten?

© Gerd Agerer  /  Lisa Magdalena Agerer

© Gerd Agerer / Lisa Magdalena Agerer

L. M. Agerer: Ich glaube, das war mit drei Jahren. Ich bin im Garten hin und her gestapft, jedoch hatte das mit Skifahren noch wenig zu tun (lacht).

skiweltcup.tv: Du hast in Pfunds und Nauders die Pflichtschule und in Mals die Sportoberschule besucht. Wann hast du den Entschluss gefasst, für Italien an den Start zu gehen?

L. M. Agerer: Die Entscheidung fiel in diesem Jahr, in dem ich mich entschlossen hatte, die Sportoberschule in Mals zu besuchen und die Aufnahme in den Südtiroler „Schülerlandeskader“ erfolgte. Durch logistische, vor allem auch trainingstechnische Vorteile (durch meinen Trainer Karl-Heinz in St. Valentin) wurde die Option „Italien“ bekräftigt.

skiweltcup.tv: Deine Eltern stammen aus Süd- bzw. Nordtirol, also bist du ein Gesamttiroler Mädl. Würdest du eine Gesamttiroler Skinationalmannschaft begrüßen oder ist das eine utopische Vorstellung?

L. M. Agerer: Darüber habe ich mir, ehrlich gesagt, wenig Gedanken gemacht. Ich denke, so wie es ist, ist es gut. Südtirol gehört zu Italien, und somit fahren wir für die italienische Nationalmannschaft. Wenn ich schon nur an die tollen Trainingslager am Meer und in der Toskana denke (und das gute Essen), muss ich ehrlich eingestehen, dass es uns im italienischen Team sehr gut geht (lacht).

skiweltcup.tv: Dein Trainer in Mals, Karl-Heinz Habicher, hat dich nach vorne gebracht. Auf wessen Unterstützung kannst du dich noch verlassen und wer ist immer bei den Rennen dabei?

L. M. Agerer: Wenn meine Familie, in erster Linie meine Eltern nicht gewesen wären, wäre ich nie so weit gekommen. Bevor überhaupt an Training und Rennen zu denken war, standen sie schon mit meiner Schwester und mir auf der Piste und haben uns die Liebe zum Skisport, aber auch jene zum Sport im Allgemeinen nahegebracht. In irgendeiner Weise hat jeder in meinem nahen Umfeld einen Teil dazu beigetragen. So zählen Verwandte und Bekannte, die uns unterstützt haben und die immer für meine Familie und mich da waren, auch dazu. Viele sind etwa als „Chauffeure“ eingesprungen, als ich noch keinen Führerschein und kein Auto hatte. Doch auch ein aufmunterndes Wort oder eine herzliche Umarmung, wenn es einmal nicht so lief, verstanden sich von selbst. Skifahrerisch gesehen geht mein Dank für die tolle Unterstützung, wie schon erwähnt, an Karl-Heinz, aber einen wesentlichen Teil hat auch die Sportoberschule in Mals beigetragen, in der ich vor allem athletisch und physisch gereift bin. Dann wären da natürlich die Trainer in den verschiedenen Mannschaften, von denen ich viel Positives mitnehmen konnte.

skiweltcup.tv: Lisa, du bist eine Allrounderin, die besonders von den Disziplinen Super-G und Riesentorlauf angetan ist. Heißt das im Klartext, dass du Slaloms und Abfahrten nicht so magst oder …?

© Gerwig Löffelholz / Lisa Magdalena Agerer

© Gerwig Löffelholz / Lisa Magdalena Agerer

L. M. Agerer: (lacht) Nein, nein, nein, überhaupt nicht. Im Gegenteil: Abfahrt und Slalom machen mir richtig Spaß. Leider bin ich, vor allem letzthin, nicht mehr so schnell. Die Abfahrt sollte, wenn alles nach Plan läuft, als meine dritte starke Disziplin mit ins Programm genommen werden. Ich merke, dass ich dort noch viele Reserven habe, an denen ich mit der Zeit sicher arbeiten kann. Der Torlauf hingegen ist so eine Sache, der Zug für die engen Tore ist schon vor einiger Zeit abgefahren. Ich lasse diese Disziplin aufgrund zwei wesentlicher Faktoren nicht ganz in der Ecke stehen. Zum einen kann ich beim Riesentorlauf  viel vom Slalomtraining profitieren, und zum anderen gibt es ja auch die Super-Kombi, bei der man bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften um Medaillen kämpft.

skiweltcup.tv: Ein Themenwechsel: Wie lange hat man eigentlich nach einer Saison Zeit für sich, bevor die alljährlich auf dem Programm stehenden Sommertrainingslager beginnen bzw. die Materialtests vor der Türe stehen?

L. M. Agerer: Das hängt ganz davon ab, wie der Plan der jeweiligen Mannschaft ausschaut. Wir haben meist Ende April/Anfang Mai zwei, maximal drei Wochen zum „Verschnaufen“. Jedoch wird in dieser Zeit schon wieder ein bisschen an der Grundlagenausdauer gearbeitet. Viele von uns Athletinnen gönnen sich dann während dem Sommertraining ein paar Tage Erholung. Beispielshalber sind einige nach einem anstrengenden Kraftblock ein paar Tage fern der Kraftkammer mit dem Hauptaugenmerk auf alternative Sportarten unterwegs. Nach dem langen Skitraining in Südamerika werden auch gerne ein paar Tage am Meer eingeschoben.

skiweltcup.tv: Deine Sportart ist ein Kampf gegen die Uhr. Bruchteile von Sekunden entscheiden über Sieg oder Niederlage, Qualifikation oder Nicht-Qualifikation für den zweiten Torlaufdurchgang, Medaille oder Blech bei einer Großveranstaltung. In welchen Situationen rufst du deine mentale Stärke am besten ab?

L. M. Agerer: Ich persönlich rufe meine mentale Stärke am besten ab, wenn ich mich hundertprozentig wohl und sicher fühle, sei es körperlich wie technisch. Daran arbeite ich im Moment stark. Ich muss immer auf meine mentale Stärke und meine mentale Stärke und meine Fähigkeiten vertrauen können, auch und vor allem dann, wenn ich mich „nicht“ in meiner „Komfortzone“ befinde.

skiweltcup.tv: Du bist kein Showgirl auf dem Skihang, sondern eine Kämpferin und Arbeiterin, ganz ohne Allüren. In welchen Situationen sind die Eigenschaften des Kämpfens und des Arbeitens die Effizienteren, die Besseren?

© Kraft Foods  /  Lisa Magdalena Agerer

© Kraft Foods / Lisa Magdalena Agerer

L. M. Agerer: Ich denke immer. Meiner Meinung nach muss man durch sportliche Erfolge Schlagzeilen machen und nicht durch Gossip in den Medien präsent sein. Leider werden große Sportler immer öfter in Rollen gedrängt, in denen sie sich vielfach gar nicht wiedererkennen. Publicity und Medien ist alles gut und recht, denn immerhin hängt ein Großteil der Einnahmen bei Profisportlern auch davon ab, wie sie sich verkaufen können. Ich aber finde, Sportler werden immer noch an der erbrachten Leistung gemessen, die sie zeigen, die sie im Wettkampf liefern und nicht an der, die sie auf der  „Showbühne“ abrufen.

skiweltcup.tv: Sportler, die nach Verletzungen ein Comeback schaffen, liefern oft Geschichten, die man fast nicht glauben kann. Hast du immer an dich geglaubt, oder gab es Momente der Resignation und der Selbstzweifel? Und wie lernt man, mit Niederlagen und Verletzungen umzugehen und demnach von diesen beiden Einflüssen positive Seiten abzugewinnen?

L. M. Agerer: In einem Sportlerleben gibt es immer Zweifel und Momente, in denen man an alles andere als an sich selbst mehr glaubt. Das letzte Jahr war ein sehr schwieriges für mich, aber vor allem solche Jahre lassen uns wachsen und lehren uns viel, viel mehr als erfolgreiche Jahre. Es gibt kein Rezept dafür, wie man mit Niederlagen umgeht, denn das braucht auch seine Zeit. Fast jeder Spitzensportler vertraut mittlerweile auf einen Sportpsychologen, der einem hilft, das Maximum aus sich zu holen und auch mit schwierigen Situationen richtig umzugehen, aber auch viel Positives daraus zu lernen.

skiweltcup.tv: Entspannen kannst du beim Häkeln und Stricken. Da du skifahrerisch gesehen noch ein Rohdiamant bist, eine kleine Fangfrage: Ist die Nachfrage nach Hauben und Handschuhen im Freundes- und Bekanntenkreis größer als jene von Interviews und Portraits?

L. M. Agerer: Ehrlich gesagt, hängt das immer vom Zeitpunkt und davon ab, wie viel Lust ich zum Handarbeiten habe. Im Winter, Frühjahr und Sommer sind es wahrscheinlich mehr Nachfragen nach Interviews (vor allem letztes Jahr) und im Herbst, wenn ich dann die Wolle auspacke und die Tage kürzer und kühler werden, werden die Aufträge wieder mehr. Aber allen, die ich vertrösten muss, kann ich jetzt schon eine super Alternative anbieten. Schaut mal auf die Seite www.ziwi.at.

skiweltcup.tv: Wagen wir noch einen kleinen Ausblick auf die kommende Saison! Was hast du dir für den Winter vorgenommen, und weshalb ist die Teilnahme bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi ein realistisches Ziel?

L. M. Agerer: Spaß und Gesundheit sind die Schlüsselwörter. Mein sportliches Ziel ist es, am Ende der Saison in drei Disziplinen (wieder) in der Startliste mindestens in den Top-30 aufzuscheinen, und dies ist durch konstante Leistungen zu erreichen. Die Olympiateilnahme ist daher ein realistisches Ziel, weil man sich mit einem Top-Rennen, in dem man sein ganzes Potential abruft, für dieses Ereignis qualifizieren kann. Ich muss auf meine Stärken vertrauen und weiß, dass eine Teilnahme in Sotschi nicht unmöglich ist, wenn ich diese im Vorfeld umsetzen kann.

© Kraft Foods / Lisa Magdalena Agerer

© Kraft Foods / Lisa Magdalena Agerer

skiweltcup.tv: Was hättest du gemacht, wenn du nicht Skirennläuferinnen geworden wärest?

L. M. Agerer: Das ist schwierig. Der Sport hat mir viele Sichtweisen eröffnet, die ich sonst wahrscheinlich nicht gehabt hätte. Ich würde noch studieren oder irgendwo im Ausland meine ersten Berufserfahrungen sammeln.

skiweltcup.tv: Wo würdest du gerne wohnen, wenn du nicht in Nauders/Haid daheim wärst?

L. M. Agerer: Um den Sport im Frühjahr und Sommer optimal ausüben zu können, würde ich ansonsten vielleicht in Stadtnähe mit optimalen Trockentrainingsmöglichkeiten und an einer Uni mit Sportlerbegünstigungen leben, und dies alles vielleicht in der Nähe zum Meer, aber doch so, um an den freien Tagen und zum Skifahren nach Hause zurückzukommen. Ich weiß, dass klingt alles sehr unrealistisch, wäre jedoch meine Wunschvorstellung.

skiweltcup.tv: Jetzt kommen – und das ist im Rahmen der skiweltcup.tv-Interviews ein Novum, zehn Fragen im Schnelldurchlauf, auf die du mit JA oder NEIN antworten darfst oder sollst. Ein „JEIN“ ist im Ausnahmefall auch erlaubt.

  1. Würdest du gerne einmal in „Kitz“ auf der legendären „Streif“ fahren? Nein (aber es ist ein Ereignis für Damen mit dem ganzen Drumherum).
  2. Ist eine Platzierung auf dem olympischen Siegertreppchen 2014 ein realistisches Nahziel? Jein,  denn wie man weiß, hat Olympia seine eigenen Regeln, und wenn ich mich qualifiziere, ist alles möglich.
  3. Hat ein Paralleltorlauf in den großen Städten wie München oder Moskau eine Zukunft? Ja.
  4. Teilst du in den Hotels mit einer Teamkollegin das Bett? Doppelbetten? Ja, klar. Das ist perfekt zum Filmschauen!
  5. Hast du den Pokal, den du im Europacup gewonnen hast, im Tresor der Bank in Nauders verstaut? Nein.
  6. Musstest du einmal einen Sieg teilen? Nein.
  7. Hattest du bereits eine schwere Verletzung in deiner noch jungen Karriere? Nein.
  8. War der Besuch der Sportoberschule in Mals anstrengend? Nein.
  9. Hast du, abgesehen von deiner Tätigkeit als Skirennläuferin, den Winter lieber als den Sommer? Nein.
  10. Werden wir im nächsten Winter einen Sieg von dir bejubeln können? Ja, ich hoffe nicht, bei der Vereinsmeisterschaft gegen meine Schwester den Kürzeren zu ziehen (lacht).

skiweltcup.tv: Mit welcher Begründung könntest du jemanden überzeugen, deinen Sport zu betreiben?

L. M. Agerer: Weil am frühen Morgen am Berg zu stehen und als erste die Spuren auf einen angezuckerten Hang zu zaubern, ist einfach mit nichts vergleichbar.

skiweltcup.tv: Was wünscht du dir für deine Zukunft, privat und sportlich?

L. M. Agerer: Gesundheit ist das Wichtigste, und Spaß. Mit Spaß und einem Lächeln auf den Lippen geht alles viel leichter. Also: lebe-liebe-lache!

Interview für skiweltcup.tv: Andreas Raffeiner

 

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