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Manfred Mölgg: Arbeitstier und Kämpfernatur in Personalunion

© Gerwig Löffelholz / Manfred Mölgg

© Gerwig Löffelholz / Manfred Mölgg

Zugegeben, der Schock sitzt noch tief. Mitte August zog sich der Enneberger Skifahrer Manfred Mölgg bei einer Sprungübung einen Achillessehnenriss zu. Der Gadertaler, der bis zu jenem Zeitpunkt mehr als nur positiv in die neue Skisaison blickte, kämpfte anfangs mit der Fassung. Doch er hofft, dass er bald wieder auf den Skiern stehen und Ski-Südtirol mit großartigen Ergebnissen erfreuen kann. In der SÜDTIROLERIN stand uns der 32-Jährige Rede und Antwort.

Herr Mölgg, was können Sie uns über den schicksalshaften Dienstagnachmittag des 19. August berichten, der ganz Ski-Südtirol in einen Schockzustand versetzte?

Nun ja, was soll ich genau sagen? Es war fast genau viertel nach fünf Uhr nachmittags, als ich zusammen mit meiner Schwester Manuela daheim in St. Vigil in Enneberg ein paar Sprungtrainings absolvierte. Unser gemeinsamer Betreuer Simon Dapoz – er ist für den Konditions- und Fitnessbereich tätig – begleitete uns dabei und verfolgte unsere Übungen akribisch genau. Eigentlich hatte der Trainingstag erfolgreich begonnen. Mit Freude und großem Fleiß waren Manuela und ich im Einsatz, ehe ich bei der letzten Übung zu überhastet, vielleicht auch zu unkonzentriert, zu Werke schritt. Durch einen seitlichen Absprung kam ich auf dem linken Fuß auf. Dann vernahm ich einen Krach und wusste gleich, dass es um meine Achillessehne ging. Ich konnte es anfangs nicht glauben, sah die erfolgreichen Sommertage wie einen Film an mir vorbeiziehen, und mir läuft es immer noch kalt den Rücken hinunter, wenn ich an diesen schicksalhaften und fürwahr bitteren Dienstag im August denke.

Es ist nachvollziehbar, wenn Sie als Vorbild- und Vollblutsportler sagen, dass es Ihnen kalt über den Rücken läuft, wenn Sie an diesen Tag denken. Können Sie uns Ihre ersten Gedanken schildern, und wie groß war der Schock?

Ich glaube, jeder, der mich kennt, kann sich in seiner Fantasie ausmalen, wie groß mein Schock war. Die Tatsache, lange nicht an Skiweltcuprennen teilnehmen zu können, obwohl die Vorbereitung bis zu jenem Augustdienstag reibungslos und ohne große Schwierigkeiten verlief, hat mich sicher erschüttert. Doch ich weiß, dass es nach jedem Tief ein Hoch gibt und Verletzungen zu meinem Beruf gehören. Also habe ich mich gesammelt und das Positive gesehen. Nach der in Bruneck erfolgten Operation habe ich gleich mit der Rehabilitation angefangen. Jetzt, acht Wochen nach dem Malheur mit der Achillessehne, geht es mir wieder recht gut.

Niemand ist vor Problemen gefeit, aber gelegentlich ist eine Belastung so groß, dass wir darunter zusammenbrechen. Auch in der Sportwelt können verletzungsbedingte Ausfälle in gewisser Hinsicht zu Problemen oder Schicksalsschlägen werden. Wie stehen Sie dazu?

Es kann durchaus sein, dass eine unerwartete Verletzung wie die meine ein Schicksalsschlag ist. Aber auch wenn ich am Anfang etwas geknickt war, möchte ich das Positive sehen. Ich habe mich ja sofort in ärztliche Behandlung begeben und wurde am Folgetag operiert. Man darf auch in der dunkelsten Stunde im Rahmen einer Sportlerkarriere nie schwarzsehen. Die positiven Glücksmomente überwiegen meist und helfen einem, wieder nach vorne zu schauen. Gewiss, wäre ich etwas konzentrierter gewesen, wäre es nicht zu dem Riss der Achillessehne gekommen. Aber ich will nicht meckern. Der Sport ist eine Schule fürs Leben. Und wenn man zu viel in der Vergangenheit nach Ursachen und möglichen, oft fadenscheinigen Gründen nach dem Warum sucht, kommt man als Sportler auch keinen Zentimeter weiter. Es ist zwar bitter, aber deswegen bleibe ich immer noch der gleiche Mensch, nur zum Unterschied, dass ich daraus lerne und mental stärker als zuvor an den Start gehen werde.

© Kraft Foods / Manfred Mölgg

© Kraft Foods / Manfred Mölgg

Wie sieht gegenwärtig ein „normaler“ Trainingsalltag des Gadertaler Skirennläufers Manfred Mölgg aus?

Schon in aller Frühe – es ist halb sieben Uhr morgens – schellt der Wecker und reißt mich ein wenig aus meinen Träumen. Da ich ein Arbeitstier und eine Kämpfernatur bin, ist das überhaupt kein Problem. Mein Ehrgeiz und mein eiserner Wille lassen auch nichts anderes zu. Nach dem Frühstück geht es nach Brixen. In der Guggenbergklinik finde ich mehr als sehr gute Möglichkeiten für Training und Reha. Mein Konditionstrainer und Freund Simon Dapoz begleitet mich Schritt auf Tritt und bespricht mit mir die abzuspulenden Einheiten. Das Programm ist vielfältig. Auf diese Weise wechseln sich Krafttraining, Bewegungstherapie und Wassergymnastik ab. Bis zur Mittagszeit bin ich in der Domstadt am Eisack, ehe ich wieder nach Hause komme. Nach einer kurzen Pause geht es mit einem weiteren Training weiter. In der Summe schufte ich bis zu sechs Stunden täglich für mein Comeback.

Sie haben Ihre Arbeit für ein Comeback angesprochen. Bis zum heutigen Tag haben Sie 210 Rennen im Weltcupzirkus bestritten. Sie zählen ohne Frage zu den erfahrensten Athleten. Können Sie uns bitte vielleicht schon etwas über Ihre Rückkehr in die Skiszene berichten?

So leid es mir tut, möchte ich doch sagen, dass es noch etwas zu früh ist, eine Prognose zu stellen. Ich bin der Meinung, dass es noch eine gewisse Zeit braucht, bis ich wieder komplett gesund bin und von einem Skirenneinsatz sprechen kann. Das Wichtigste ist zunächst, dass der Heilungsprozess optimal verläuft. Nach der Reha warten ja auch die Trainingseinheiten auf mich. Ich möchte schließlich bei meiner Rückkehr nicht ein nur Mitläufer sein, sondern durch meinen hundertprozentigen Leistungsstand auch vorne reinfahren können. Sicher habe ich mir ein Ziel gesetzt. Ob ich dieses erreiche, dafür werden viele Faktoren eine Rolle spielen. Mehr kann ich zum gegebenen Zeitpunkt nicht sagen. Fakt ist, dass ich fieberhaft auf dieses Ziel hinarbeite.

Bei den Olympischen Winterspielen im russischen Sotschi schieden Sie sowohl im Slalom als auch im Riesentorlauf aus. Wie groß war die Enttäuschung, zumal Sie doch zum erweiterten Kreis der Medaillenanwärter zählten, und was sind Ihre Lehren für die im nächsten Jahr stattfindende Ski-WM in Vail/Beaver Creek?

Man kann gewiss behaupten, dass die olympischen Bewerbe für mich in einer sehr großen Enttäuschung endeten. Vor allem im Spezialslalom machte ich mir doch einige Hoffnungen auf olympisches Edelmetall, zumal ich einen runden Monat vorher in Bormio hinter Felix Neureuther und Marcel Hirscher den guten dritten Rang belegte. Doch ein Blick in meine sportliche Laufbahn zeigt eindeutig, dass mir Welttitelkämpfe weitaus mehr liegen als Bewerbe im Zeichen der fünf Ringe. Drei Medaillen sprechen doch für mich und somit eine mehr als deutliche Sprache. Zum Hang von Beaver Creek kann ich sagen, dass er mir angesichts seiner vielen Übergänge sehr gefällt. Zudem kommt er meinem Fahrstil im Großen und Ganzen sehr entgegen.

© www.lm2.cc / Manuela und Manfred Mölgg

© www.lm2.cc / Manuela und Manfred Mölgg

Je älter der Wein, desto besser schmeckt er. Dieses Sprichwort kann man sowohl auf Ihren Teamkollegen Patrick Thaler als auch auf die ÖSV-Größen Benjamin Raich, Reinfried Herbst und Mario Matt umschreiben. Auch Bode Miller fuhr im letzten Winter im Alter von 36 Jahren im Heim-Riesentorlauf von Beaver Creek auf den zweiten Rang. Gibt es ein Patentrezept für diesen Erfolg?

Um diese Frage beantworten zu können, müsste ich ein paar Jahre älter sein. Nein, im Ernst: Hut ab vor den Leistungen der von Ihnen angesprochenen Skirennläufer. Wie der Wein durchlebt auch ein Skirennläufer einen Reifeprozess. Mich einen mit den genannten Athleten der gesunde Ehrgeiz, die vorhandene Motivation und das gute Niveau. So muss ich mir – eine intakte Gesundheit vorausgesetzt – keine Gedanken darüber machen, was die nächsten Jahre im Skirennsport für mich bereithalten.

Blicken wir in die Zukunft: Was macht Manfred Mölgg, wenn er tatsächlich einmal nicht mehr im Skirennsport tätig sein wird? Wird es einen Trainer Manfred Mölgg geben, der seine unzähligen Erwartungen an den Skinachwuchs weitergibt, oder …

Auch wenn ich mich im besten skifahrerischen Alter befinde und – trotz der schweren Verletzung – keinen Gedanken an einen Rücktritt verschwendet habe, habe ich auch für „ein Leben danach“ vorgesorgt. Wir, meine um ein Jahr jüngere Schwester Manuela, die ebenfalls im Skiweltcup die Riesenslalom- und Torlaufhänge hinunter wedelt, und ich, haben uns für ein Projekt entschieden, das für den Fremdenverkehr bei uns im Gadertal durchaus positive Effekte hat. Wir haben eine Residence mit Wohnungen gebaut. St. Vigil in Enneberg ist unsere Heimat, unsere Herkunft. Wir wollen dadurch etwas zurückgeben. Der Tourismus im Dorf kann angekurbelt werden, und ich glaube, dass meine Schwester und ich dabei tatkräftig mithelfen können und dass unsere Zukunft dadurch für alle von Nutzen sein wird.

Interview: Andreas Raffeiner

Quelle: DIE SÜDTIROLERIN, Heft 12/1 (2014)

Wir bedanken uns bei der Schriftleitung des Gesellschaftsmagazins  „DIE Südtirolerin“ für die Zurverfügungstellung des Interviews.

 

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