Home » Top News

Manuela und Manfred Mölgg im Skiweltcup.TV-Interview: Das sympathische Skigeschwisterpaar aus Südtirol

© Mariocurti.com  /  Manuela und Manfred Mölgg

© Mariocurti.com / Manuela und Manfred Mölgg

St. Vigil in Enneberg –  Manfred und Manuela Mölgg. Wer kennt sie nicht? Das stets gut gelaunte Geschwisterpaar belebt wie kein zweites das Riesentorlauf- und Slalomgeschehen im Weltcup. Während Manfred mit dem zweiten Platz hinter dem Überflieger Ted Ligety in Sölden einen hervorragenden Saisonbeginn schaffte, behinderte eine Rückenleidensgeschichte den Start seiner jüngeren Schwester Manuela. Doch letztere ist gewillt, in Levi wieder den Anschluss zu schaffen. Zwei Sachen eint die Geschwister: die Bescheidenheit und die eigene Aussage, dass Schladming weit weg ist. skiweltcup.tv hat mit beiden kurz vor dem Start nach Levi ein telefonisches Interview geführt.

Manuela, inwiefern ist dein rund 16 Monate älterer Bruder „Schuld daran“, dass du auch so eine erfolgreiche Skirennläuferin geworden bist…

Manuela: Da wir ja von klein auf immer beisammen waren und wir uns stets gezogen haben, liegt es nahe, dass wir auch das Gleiche machen. Derzeit muss er mich halt ein wenig ziehen. Er hat in Sölden einen hervorragenden zweiten Platz erreicht, und daher motiviere ich mich, ihm es nachzumachen.

Manfred, kannst du deiner Schwester beipflichten oder hat sie mehr oder weniger das Talent von dir und inwiefern kannst du als „großer Bruder“ mehr als bloß Vorbild sein?

Manfred: Ja, Manuela ist auch ein Vorbild für mich. Wir sind gemeinsam mit dem Skisport aufgewachsen. Zuerst war es ein Spiel, ehe es dann unser Beruf geworden ist. Wir haben uns immer wieder aufs Neue gepusht und motiviert.

Manueal Moelgg - FotoCredit Pentaphoto.it

Manuela Mölgg - FotoCredit Pentaphoto.it

Und welches Vorbild hatte Manuela Mölgg in ihrer Jugend? Für den azurblauen Skirennsport gingen ja neben erfolgreichen Südtiroler Athleten auch Alberto Tomba oder Deborah Compagnoni Weltstars an den Start…

Manuela: Sicher waren zu unserer Jugend die genannten Athleten die besten aus Italien. Aber wir, da meine ich Manfred und ich, haben immer nur auf uns geschaut. Wir sind konstant unseren Weg gegangen. Gewiss hat Tomba mit seinem Stil und seinem Charakter, wie er halt ist, für Furore gesorgt und tolle Erfolge erzielt. Aber wir blieben uns treu und haben versucht uns nicht zu beirren.

Eine Frage an beide: aus welchem Grund sind für euch die „schnellen Disziplinen“ ein Tabu? Mögt ihr lieber die Technik und das Geschick als die Geschwindigkeit und so manche Gleitpassage?

Manfred: Wir sind mit den technischen Disziplinen aufgewachsen. Da wir die entsprechenden körperlichen und skifahrerischen Voraussetzungen mitbringen, sind wir hier auch besser. Ich persönlich habe mich im Super G und in der Abfahrt probiert, aber meine Liebe gehört eindeutig dem Riesentorlauf und dem Slalom.
Manuela: In meinen Jugendjahren habe ich mich auch in der Abfahrt und im Super G versucht. Doch dann hatte ich einige Rückenschmerzen, so dass ich den Fokus mehr auf die technischen Disziplinen legte. Ich war in den schnellen Disziplinen einige Male gestürzt und zog mir einige Verletzungen zu. Im Riesentorlauf und im Slalom bin ich besser. Und ich finde, es ist besser, in zwei Disziplinen gute Erfolge zu erzielen als am Ende in allen an den Start zu gehen, eine Allrounderin zu sein und nur eine Mitläuferin zu sein. Meiner Meinung nach gibt es nur ganz wenige Athletinnen, die in allen fünf Disziplinen vorne dabei sein können.

Manuela, deine Paradedisziplinen Slalom und Riesentorlauf sind durchaus Sportarten, die ohne Mentalstärke kaum zu bewältigen sind. Wieso ist es dennoch so schwierig, zwei konstant gute Läufe zu absolvieren?

Manuela: Man muss stets mit dem Kopf dabei sein und höchstkonzentriert sein. Bei den engen Kurssetzungen hat man schnell eingefädelt und alles ist vorbei. Auch muss die Konzentration für den zweiten Durchgang vorhanden sein, damit man das im ersten Lauf erzielte Ergebnis halten oder gar verbessern kann. Diese Konzentration muss aber den ganzen Tag anhalten, zumal ja zwischen den beiden Läufen einige Zeit vergeht.

Manfred Moelgg - FotoCredit Pentaphoto.it

Manfred Mölgg - FotoCredit Pentaphoto.it

Manfred, was machst du im Sommer, wenn dir der „weiße Untergrund“ unter den Boden wegschmilzt. Erzähle uns etwas über deine Sommertrainingseinheiten?

Manfred: Ich bin allgemein ein sportlicher Typ. So habe ich mich in meiner Freizeit auch seit einiger Zeit dem Golfsport verschrieben. Eine interessante Sportart, bei der man sehr konzentriert sein muss. Aber auch mit dem Rad bin ich gerne unterwegs. Wenn jetzt kein Sommerskitrainingslager auf dem Programm steht, strample ich viele Kilometer ab und fahre gerne mit dem Rad in den schönen Bergen in meiner unmittelbaren Umgebung, dem Gadertal, herum.

Ein Abstecher abseits des Skisports, die sicher für viele Fans von Interesse ist: Wie geht es eigentlich deinem Rücken?

Manuela: Danke der Nachfrage, etwas besser. Ich hatte leider im Sommer nicht so sehr die Möglichkeit, richtig gut zu trainieren. Auch heute ist das Wetter nicht so gut. Dennoch hoffe ich, in Levi an den Start zu gehen. Ich sehe den Start in Lappland als ideale Möglichkeit, auf Rennniveau zu trainieren. Verläuft das Rennen gut, ist es gut. Wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. Mein eigentliches Ziel ist Aspen. Da haben wir zehn Tage Skitraining und in Aspen bin ich immer gut gefahren und habe gute Erinnerung an diesen Weltcuport, zumal ich dort das erste Podium meiner Laufbahn erreicht habe.

Manfred, gibt es eine Sportart, die du ausgeübt hättest, wenn du nicht Skirennfahrer geworden wärest?

Manfred: Da ich heute noch gerne dem runden Leder hinterherlaufe, glaube ich, dass ich Fußballer geworden wäre. Ich habe nahezu alle Positionen durchgespielt und fühle mich in der Position des Spielmachers am wohlsten. Kleine Ironie am Rande: Da könnte ich vom Angriff in die gegnerische defensive laufen und diese in der gewohnten Carvingtechnik umkurven, ehe ich zum Schuss aushole … und natürlich den Ball in den Maschen versenke!

Und wie sieht diese Frage Manuela Mölgg?

Manuela: Da ich sehr sportlich bin, bin ich gerne mit dem Rad unterwegs. In den vergangenen Jahren bin ich immer bei der Maratona des Dolomites an den Start gegangen. Außerdem, sofern es die Freizeit zulässt, schwimme ich sehr gerne oder wandere ich in den Bergen. Je mehr sportliche Abwechslung geboten ist, umso besser ist es.

In der bevorstehenden Saison 2012/13 stehen die alpinen Skiweltmeisterschaften in Schladming auf dem Programm. Welches Ziel habt ihr euch für diese Großveranstaltung gesetzt?

Manfred: Auch wenn in Sölden mit dem zweiten Platz meine Saison mehr als sehr gut begonnen hat, denke ich von Rennen zu Rennen. Ich denke gar nicht an Schladming, sondern versuche in jedem Rennen immer konstant gut zu fahren. Auch wenn ich mich auf dem Hang auf der Planai zuhause fühle, konzentriere ich mich auf die Weltmeisterschaft erst dann, wenn mein Trainer mich aufgestellt hat. Vorher hat es keinen Sinn, mir einen Druck aufzuerlegen.

Manuela: Ich hatte mit dem Rücken zu kämpfen, aber ich möchte mich langsam wieder nach vorne tasten. Ich denke von Rennen zu Rennen. Dann geht es wieder langsam bergauf. Ich möchte wieder die Sicherheit beim Skifahren bekommen. Schladming ist sicher mein Ziel, aber es ist derzeit sehr weit weg.

Ein Leben für die Geschwister Mölgg ohne Skifahren ist wie…

Manuela: Es wäre gewiss etwas leerer. Aber es wird auch die Zeit kommen, in denen der Skisport nicht mehr zu meinem Leben gehört. Ich war viel unterwegs und ich werde gerne dann an die Zeit denken. Aber derzeit gehört er zu mir dazu und ich möchte das Beste aus ihm herausholen.

Manfred: Ich kann mir derzeit ein Leben ohne Skifahren nicht vorstellen.

Interview für skiweltcup.tv: Andreas Raffeiner

Alle News zum Ski Weltcup in dein Postfach
Gib deine E-Mailadresse ein und Du bekommst
täglich alle News direkt in dein E-Mailfach:

Delivered by FeedBurner

Anmerkungen werden geschlossen.