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Marcel Hirscher im Skiweltcup.TV Interview: „Um in die Zukunft zu blicken, benötige ich eine andere Kugel!“

© Gerwig Löffelholz  /  Marcel Hirscher

© Gerwig Löffelholz / Marcel Hirscher

Annaberg – Die sportliche Karriere des 25-jährigen österreichischen Skirennläufers Marcel Hirscher liest sich wie ein Bilderbuch. Eine olympische Silbermedaille, drei (davon zwei WM-Gold-)Medaillen, fünffacher Junioren-WM-Medaillengewinner, dreifacher Gesamtweltcupsieger, ein Triumph in der Europacupgesamtwertung, zwei kleine Kristallkugeln im Slalom und eine im Riesentorlauf, 23 Siege bei Weltcuprennen und noch lange nicht satt. In der bevorstehenden Saison kann Hirscher zur Legende werden, denn noch nie hat ein Athlet viermal in Folge die Gesamtwertung im alpinen Skiweltcup für sich entschieden.

Heute hat sich skiweltcup.tv mit dem Salzburger über seinen Ist-Zustand, den Skisport in seiner Heimat, Papa Ferdinand und vieles mehr unterhalten. Die ab und zu obligatorischen zehn Fragen im Schnelldurchlauf sind auch dabei.

skiweltcup.tv: „Marcel, auch wenn die Olympiasaison 2013/14 lange schon Wintersportgeschichte ist, möchte ich dich fragen, wie du dich nach diesem langen, äußerst erfolgreichen und trotzdem substanzzehrenden Winter fühlst?“

Marcel Hirscher: „Wunderbar! Mir ist wichtig – privat wie beruflich – in einem förderlichen Umfeld aufgehoben zu sein, und dass ich tun kann, was mir Freude macht. Das ist im Moment super der Fall. Der Kontakt sowohl mit meiner Familie, meiner Freundin als auch mit meinen Kumpels ist mir sehr wichtig. Viele Dinge sind ja ein Geschenk: Dass ich dieses Leben führen darf, mit diesen Menschen und so ist ein Grund für Dankbarkeit.“

skiweltcup.tv: „In Österreich ist der alpine Skisport ohne Zweifel das Größte der Gefühle. Hand aufs Herz: Belastet oder beflügelt einen so etwas? Und wie schaffst du es, einen künstlich erzeugten Druck ‚von außen‘ in positive Energie ‚von innen‘ umzuwandeln?“

Marcel Hirscher:  „Zu mir hat einmal ein Freund gesagt: ‚Das Wichtigste beim Sport ist das Ein- und das Ausatmen.‘ Das mache ich immer, und das hilft auch beim Druckausgleich. (lacht) Ich sehe das so: Ein gewisser Druck, also die Aufmerksamkeit der Fans und der Medien, ist gut für den Rennsport; sozusagen ein Gradmesser, ob wir im Skizirkus alles richtig machen. Je mehr Menschen unsere Begeisterung für den Skirennsport teilen, desto besser. Und zeigen zu dürfen, was man kann, erzeugt bei mir in erster Linie Freude und keinen unangenehmen Druck.“

© Kraft Foods / Marcel Hirscher

© Kraft Foods / Marcel Hirscher

skiweltcup.tv: „Du stehst sauber auf dem Ski, bist äußerst wendig und hast eine atemberaubend exzellente Technik. Die Konstanz deiner erzielten Ergebnisse spricht eine Sprache für sich. Kann man dich als Vorbildathlet bezeichnen, was die Kompaktheit und die Intelligenz betrifft?“

Marcel Hirscher:  „Letztlich entscheide nicht ich, ob das ‚Was‘ und ‚Wie‘ ich es tue als vorbildlich gilt. Mein Rat ist immer, den eigenen Stil zu finden.“

skiweltcup.tv: „Auf der Piste sind auch allerhand andere Faktoren gefragt. Dazu zählen das analytische Denken, die mentale Stärke, die psychische Belastbarkeit und das Erkennen von Limits. Wieso sind gerade diese Punkte so bedeutend, um aus einem durchschnittlichen Fahrer einen Weltklasseathleten wie dich zu machen?“

Marcel Hirscher:  „Sind es diese Punkte? Was ist mit Spaß im Job? Der sollte doch ganz vorne stehen, und das ist in keinem Job immer einfach.“

skiweltcup.tv: „Dein Vater sagte einmal, dass er um dich, wenn du dich richtig gut vorbereitet und du in einem Top-Zustand technischer und körperlicher Natur bist, weniger Angst hat, wenn du dich eines Tages die ‚Streif‘ hinunterstürzen würdest als wenn du mit dem Auto von Annaberg nach Salzburg fährst. Was ist deine Sichtweise dazu?“

Marcel Hirscher:  „Ich kenn den Ferdl (Hirschers Vater heißt Ferdinand, Anm. d. Red.) überhaupt nicht mit Angst im Gepäck. Doch er hat sicher Recht, auf der Straße ist die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls deutlich höher.“

skiweltcup.tv: „ÖSV-Trainer Matthias Berthold hat mit deinem dritten Weltcupgesamtsieg, den Olympiasiegen von Mario Matt und Matthias Mayer und dem grandiosen Triumph von Hannes Reichelt in der Abfahrt von Kitzbühel eine höchst erfolgreiche Saison hinter sich. Bedauerst du seinen Abgang, und wie war dein Verhältnis zu Berthold?“

Marcel Hirscher:  „Ich glaube, konsequent seinen Weg zu gehen, in die Zukunft zu blicken und in der Gegenwart zu leben ist stets der richtige Weg. Somit ist Bedauern der falsche Ausdruck. Ich bin ihm auf alle Fälle für alles, was er für mich getan hat, dankbar.“

© Gerwig Löffelholz / Marcel Hirscher

© Gerwig Löffelholz / Marcel Hirscher

skiweltcup.tv: „Mit 25 Jahren hast du praktisch schon alles gewonnen, was es im Skiweltcup zu gewinnen gibt. Wie motivierst du dich immer wieder aufs Neue, wenn am Rettenbachferner in Sölden Ende Oktober jahrein jahraus die Karten neu gemischt werden und alle von Null beginnen? Und mit welcher Erwartungshaltung gehst du in den kommenden WM-Winter 2014/15?“

Marcel Hirscher:  „Meine Grundmotivation ist ganz einfach: Ich fahre gerne Ski, und möchte es immer noch besser machen. Der Moment, in dem man nicht mehr daran glaubt, sich steigern zu können, ist eigentlich jener Moment, in dem man seine Karriere beenden sollte. Ich bin überzeugt, dass ich noch besser werden kann, mein Maximum noch nicht erreicht habe. Das Maximum ist der perfekte Schwung.“

skiweltcup.tv: „Aus ‚schneller, höher, weiter‘ ist ‚radikaler und extremer‘ geworden. Ist der heutige Fan zu erfolgsverwöhnt, oder siehst du eine Tendenz in unserer Gesellschaft, dass alles immer mehr in die Richtung ‚einzigartiger, extremer, außergewöhnlicher, herausfordernder‘ geht? Wenn ja, woher stammt deiner Meinung nach diese Tendenz?

Marcel Hirscher:  „Ich mach mir meine Gedanken, bin aber kein Sozialwissenschaftler. Doch eine wesentliche Verantwortung dafür trägt ihr, die Medien. Ohne Sensationen lassen sich Zeitungen doch schwer verkaufen, und da es das Meiste schon gegeben hat, muss es eben immer noch mehr sein. Doch positiv betrachtet, bedeutet Leben eben Entwicklung, und das gilt für uns alle und jedem in seinem Bereich.“

skiweltcup.tv: „Die Psyche hat im Sport einen ganz hohen Stellenwert. Unsere Denkmuster steuern nicht nur unser Handeln und Tun, sondern haben auch einen großen Einfluss auf unser Verhalten und Empfinden. Daher möchte ich von dir wissen, wie du die Rolle der Psyche im Leistungssport beurteilst?“

Marcel Hirscher:  „Eine gute Balance zwischen Psyche und Physis ist das Um und Auf. Schließlich sind auch Athleten Menschen und keine Maschinen. Eine gesunde Psyche sollte also in jedem Leben eine wichtige Rolle spielen, auch ohne Leistungssport.“

skiweltcup.tv: „Auch wenn Rituale Halt und Sicherheit geben, gibt es sie nicht nur im Sport. Außerdem sind sie verbindend und helfen, sich zu konzentrieren und sie zu fokussieren. Hast du ein Ritual, das dich als Marcel Hirscher in der Skiszene unverwechselbar macht, und wenn ja, wie stehst du zu Ritualen im Allgemeinen?“

Marcel Hirscher: „Jeder hat seine individuelle Rennvorbereitung, außer ich (lacht) Nein, im Ernst, ich zweifle daran, ob ein Ritual hilft, sich zu konzentrieren und zu fokussieren. Macht es nicht viel eher abhängig? Das Einzige, das ich immer gleich mache ist, dass ich es immer anders mache und noch dazu völlig unbewusst.“

© Ch. Einecke (CEPIX) / Felix Neureuther und Marcel Hirscher

© Ch. Einecke (CEPIX) / Felix Neureuther und Marcel Hirscher

skiweltcup.tv: „Nun zehn Fragen im schnelldurchlauf, die nur mit einem Ja oder einem Nein beantwortet werden sollen. Ein Jein ist im Ausnahmefall erlaubt. Bitte begründe deine Aussagen kurz!“

1.     Würdest du gerne einmal in Kitzbühel auf der legendären „Streif“ fahren?

Jein, ich würde gerne, bin aber eben kein Abfahrer, und deshalb wird es wohl nichts werden.

2.     Bist du ein Freund der sogenannten Teambewerbe?

Ja

3.     Denkst du noch darüber nach, wo du in der letzten Saison die mickrige Hundertstelsekunde, die dir auf den Sieg in der Riesentorlaufwertung gefehlt hat, liegen gelassen hast?

Nein

4.     Warst du schon einmal mit deinem Busenkumpel Felix Neureuther in der Sauna?

Jein, ich weiß es nicht mehr.

5.     Testest du heimlich Abfahrtskier?

Nein

6.     Würdest du gerne einmal mit Anna Fenninger im Aufzug stecken bleiben?

Nein, mit Anna weiß ich andere Plätze, um uns zu treffen.

7.     Gibt es ein Patentrezept, warum gerade Salzburger Skirennläufer im letzten Winter so aufgetrumpft haben?

Nein

8.     Darf man zwischen den zwei Slalom- und Riesentorlaufdurchgängen die Skier wechseln?

Ja

9.     Leidet aufgrund deiner Popularität hie und da die Beziehung zu deiner Freundin Laura?

Nein

10.   Gibt es unter dem (skifreien) Jahr einen Tag, an dem du nicht an Skier, Hundertstelsekunden oder Slalomhänge denkst?

Ja, ganz viele.

© Ch. Einecke (CEPIX) / Anna Fenninger und Marcel Hirscher

© Ch. Einecke (CEPIX) / Anna Fenninger und Marcel Hirscher

 

skiweltcup.tv: „Abschließend zwei Fragen: Zuerst möchte ich von dir in Erfahrung bringen, was du gemacht hättest, wenn du jetzt nicht Skifahrer geworden wärest…“

Marcel Hirscher: „Der kreative Bereich taugt mir. Grafik, Design oder andere Sportarten… Ach, es gibt so viele spannende Berufe.“

skiweltcup.tv: „Und wo sieht sich Marcel Hirscher in zehn Jahren sportlich, wie privat?“

Marcel Hirscher: „Da bräuchte ich jetzt noch mehrere Glaskugeln, da habe ich bis jetzt anscheinend die falschen gewonnen. (lacht) Insofern sehe ich mich in zehn Jahren noch gar nicht, eher im Hier und Jetzt. Skifahren werde ich hoffentlich noch immer, aber eher abseits der präparierten Pisten. Und privat ist privat.“

Bericht und Interview für skiweltcup.tv: Andreas Raffeiner

 

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