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Martina Ertl: Das Wechselbad der Gefühle im DSV-Alpin-Team

Stefan Luitz (Foto: Walter Schmid / Skiweltcup.TV)

Stefan Luitz (Foto: Walter Schmid / Skiweltcup.TV)

von Martina Ertl-Renz

Voller Vorfreude hatte ich mich dem Riesenslalom in Alta Badia zugewandt und war gespannt auf das nächste Rennen von Stefan Luitz, der mit zwei Podestplatzierungen in diesem Winter überragende Erfolge eingefahren hatte und mittlerweile zu einer Medaillenhoffnung  für die Spiele in Südkorea avanciert war. Ich war mir sicher, dass er sich nach einer weiteren Top-Platzierung endgültig in der Weltspitze des Riesenslaloms hätte etablieren können.  Nach vier Toren des Parcours in Südtirol war Stefan Luitz ausgestiegen und fasste sich kopfschüttelnd an das Knie. Obwohl der Rennverlauf und das äußere Erscheinungsbild eher Harmloses vermuten ließen, hatte ich die Befürchtung, die einige Stunden als Tickermeldung zur Wahrheit wurde: Kreuzbandriss und Olympia-Aus für Stefan Luitz!

Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Felix Neureuther, der ebenfalls wegen eines Kreuzbandrisses seine olympischen Hoffnungen begraben musste, war die deutsche Mannschaft wie Phönix aus der Asche gestiegen. Olympiaqualifikationen und Top-Platzierungen in allen Disziplinen, darunter herausragende Platzierungen eben durch Stefan Luitz im Riesenslalom und erstmalig nach 1991 wieder ein deutscher Weltcup-Sieg bei den Herren durch Sepp Ferstl im Super-G. Auch die weiteren Speed-Akteure wie Thomas Dreßen und Andreas Sander ließen in Übersee mit Weltklasseleistungen aufhorchen. Dass deutsche Team hatte nicht nur kurzfristig den Ausfall des Leitwolfes Felix Neureuther mental kompensiert, sondern vor allem die Früchte eingefahren, die jahrelang durch harte Arbeit gesät wurden. Der  Zeitpunkt  dafür schien  hinsichtlich der unmittelbar bevorstehenden olympischen Spiele der richtige.

Nach der Enttäuschung über das Saison-Aus von Felix, der tiefen Trauer um den tragischen Tod des  17-jährigen Max Burkhardt und der Freude der guten Ergebnissen der deutschen Männer, die sich nach dem Weltcup-Sieg von Sepp Ferstl in einen grenzenlosen Jubel verwandelte, halten wir also wieder mit großer Ratlosigkeit inne-dieser Winter ist ein einziges Wechselbad der Gefühle.

Was wird das mit dem Rest der Mannschaft machen? Kommt es zu einer Lähmung? Verlieren Athleten gar Hundertstel, weil  das Verletzungsrisiko, das allen wieder durch die Ereignisse vor die Augen gehalten wurde, den Kopf blockiert? Gibt es ein zweites nachhaltiges Aufbäumen der deutschen Mannschaft wie nach der Verletzung von Felix Neureuther?

Der einzelne Athlet muss nun auf sich schauen und auf das, was in dieser Saison bisher positiv verlaufen ist, um darauf auf zu bauen und die verbleibende Zeit bis zu den olympischen Spielen optimal zu nutzen. Der Trainerstab, der schon bei den anderen Einschnitten der letzten Wochen, Fingerspitzen Gefühl bewiesen hat, wird die Jungs dabei gut anleiten.

Bei allem, was traurig macht, bin ich doch weiter zuversichtlich.

Herzlichst

Martina Ertl-Renz  

 

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