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ÖSV Herren Cheftrainer Mathias Berthold: „Die Läufer die schnell sind, die fahren.“

Seit dem 3. Oktober 2010 ist Mathias Berthold offiziell in seinem Amt als ÖSV Herren Cheftrainer tätig. Nach einem Jahr beim amerikanischen Skiteam und sieben Jahren beim DSV kehrte Berthold vor einem Jahr zum ÖSV zurück, wo er bereits bis 2002 als Techniktrainer der Damen tätig war.

Als Cheftrainer soll er nun seine Athleten auf die Heim WM 2013 vorbereiten und fit für die Olympischen Spiele 2014 machen. Der Gewinn des Gesamtweltcups ist nach seiner Meinung in diesem Jahr unrealistisch, wer aber Berthold kennt weiß das er immer erfolgsorientiert arbeitet. Oder wie Berthold selbst sagt: „Ein Optimist sagt, dass wir den Gesamtweltcup auf alle Fälle gewinnen. Realistisch ist das aber nicht. Deshalb bin ich sogar der bessere Optimist, weil ich optimistisch-realistisch bin.“

Nur noch wenige Stunden bis zum Start in die neue Saison. Wie ist die Stimmung im Team?

„Wir sind vor dem ersten Aufeinandertreffen alle etwas nervös. Keiner weiß so richtig wo er steht, nach der langen Vorbereitung, aber alle sind mit einer riesen Vorfreude bei der Sache.“

Wie sind die Erwartungen in der neuen Saison ?

„Eigentlich haben wir einen Vierjahresplan auch wenn die SKI WM 2013 im eigenen Land ein sehr großes Ereignis ist. Letztes Jahr waren die jungen Athleten noch recht weit weg, haben aber dann im Europacup einen sehr großen Schritt gemacht, speziell in der Abfahrt und im Riesenslalom und die müssen nun einfach hineinwachsen. Zwei, drei Jahre ist eigentlich zu wenig Zeit junge Athleten in den Ski Weltcup zubringen, die dann auch vorne mitfahren können.“

Sie haben gesagt, dass Sie sich keine Hoffnung auf den Gesamtweltcup machen.

„Wollen würden wir die große Kugel gerne. Es ist auch nicht so dass wir die anderen gewinnen lassen. Im Gegenteil, wir werden in jedem Rennen alles geben. Ich hab in den letzten Wochen viele Interviews von einigen Athleten gehört die sich eine Chance auf den Gesamtweltcup ausrechnen und wenn ich das höre denke ich mir, wir können den Gesamtweltcup fünfmal gewinnen, bevor manche Herren, die sich da geäußert haben diesen gewinnen. Aber es ist nicht realistisch. Es ist möglich und die Jungs fahren wirklich gut. Wir sind gut aufgestellt und unser Ziel ist es bei allen Rennen vorne mitzufahren. Wir haben das Potenzial das schaffen zu können. Der Gesamtweltcup entwickelt sich. Man kann natürlich ein Konzept haben, einen Gesamtweltcupsieger zu formen und auf das zu trainieren. Das haben wir aber im Moment nicht, weil wir dafür zur Zeit nicht die Leute haben. Es gibt einige, Romed Baumann zum Beispiel wird in den Tageszeitungen gehandelt. Möglich, aber für mich nicht realistisch. Ich höre das von Romed schon drei, vier Jahre dass er als Gesamtweltcupsieger gehandelt wird. Er ist ein super Kerl, fährt extrem gut Ski, aber er ist noch nicht soweit. Er muss erste einmal in ein zwei Disziplinen vorne mitfahren und Rennen gewinnen, dann kann man realistisch vom Gesamtweltcup sprechen.“

Wie man bei der Riesenslalom Qualifikation gesehen hat, drängen sich mehrere junge Fahrer auf.

„Wir haben eine sehr starke Europacup Mannschaft die im letzten Jahr sehr gute Resultate einfahren konnten. Zwei aus der Gruppe haben sich nun für Sölden qualifizieren können. Es sind auch einige aufgerückt die sich einen Fixplatz sichern konnten. Diese Nachwuchsläufer werden jetzt den nächsten Schritt vom Europacup in den Skiweltcup machen.“

Das heißt es kommt mehr Druck auf die älteren Rennfahrer zu ?

„Wir haben keine alten, nur erfahrene Athleten die noch sehr viel vor sich haben. Für uns gibt es kein Übergangsjahr, wir stellen uns schon in dieser Saison für die Heim WM und in Hinblick auf Olympia 2014 auf. Die Läufer die schnell sind, die fahren. Ein gewisser Druck ist gut und wer erfolgreich Rennen fahren möchte, muss mit Druck umgehen können. Die Erfahrenen Jungs die wir in der Mannschaft haben können diesem Druck standhalten, nicht umsonst sind sie Olympiasieger oder Weltmeister gewesen. Das System das wir in Österreich haben, dass schon in jungen Jahren im Sport ein gewisser Druck entsteht ist eine gute Schule für später. Wenn man bei Olympia im Slalom nach dem ersten Durchgang führt und dann am Start steht, dann ist das Druck. Das ist richtiger Druck, den muss man standhalten können und wenn man es schafft ist man der große Heror. Das Leben verändert sich für einen und wenn man es nicht schafft spricht in zwei Wochen niemand mehr von Dir. Ich denke Druck ist etwas das bei uns dazugehört und durchaus auch eine positive Seite hat.“

Ganz ohne Druck soll Hans Grugger wieder an die Mannschaft herangeführt werden.

„Man muss zunächst einmal sagen das Hans Grugger sehr vernünftige Ansichten hat, was sein Comeback betrifft. Von unserer Seite aus war immer klar dass wir den Hans unterstützen wollen. Dass es für den Hans eine sehr wichtige Sache ist dass er bei uns im Team bleibt und man ihm die Chance gibt wieder mit der Mannschaft zu trainieren. Wenn man den Hans in der letzten Woche bei seiner Rückkehr auf Schnee gesehen hat, das war phantastisch. Er hat den ganzen Tag über das ganze Gesicht gegrinst und einen Riesenspaß gehabt. Es war für alle eine Riesensache, nachdem wir uns alle im letzten Jahr sehr große Sorgen um Hans machten.“

Was halten Sie von dem individuellen Training von Ivica Kostelic ?

„Papa Kostelic hat ganz andere Trainingsansichten wie wir, aber das kann man wohl nur mit den eigenen Kindern machen und nicht mit mündigen Athleten. Er zieht die Trainingsumfänge schon sehr hoch und hat da seine eigenen Vorstellungen. Aber ich bewundere wie er es macht und der Erfolg ist gewaltig. Wie man sieht in welcher Art und Weise der Ivica im letzten Jahr den Gesamtweltcup gewonnen hat, war das schon beeindruckend. Aber man muss schon unterscheiden können wie die Athleten groß geworden sind. Wir beim ÖSV sind mit den Trainern so aufgestellt, dass wir jeden Rennläufer ein individuelles Training anbieten können. Auf höchstem Niveau ist es sehr wichtig das wir das auch forcieren.“

Also eine Mischung zwischen Individuellen Training und Teambuilding ?

„Das „Teambuilding“ ist schon sehr wichtig. Skifahren ist eine Einzelsportart aber das Team macht dich stark. Wenn Du in einem Team bist, wo sich die Weltklasse versammelt hat, dann hast Du immer einen direkten Vergleich im Training. Wenn Du vorne dabei bist, weißt du ich bin in der Weltklasse auch vorne dabei. Ich möchte nicht behaupten dass es bei uns in der Mannschaft durchgehend so ist, wir waren auch schon stärker als Team, aber da wollen wir auf alle Fälle wieder hin.“

Die FIS will den Rennfahrern mehr Mitbestimmungsrecht einräumen. Was halten Sie davon, das einen Athletensprecher zum Beispiel bei der Jurybesichtigung dabei sein soll ?

„Ich hab das nur den Medien entnommen das es da einen Vorschlag Seiten der FIS gibt. Das ein Athleten Vertreter der Top 15 im FIS Exekutiv Board mitbestimmen kann und ein weiterer Vorschlag dass bei jedem Rennen ein Athlet der sich unter den ersten 15 der Weltrangliste befindet bei der Jurybesichtigung am Morgen dabei sein sollte. Das sind die Vorschläge die ich gehört habe. Wenn ein Athlet aber die optimale Vorbereitung auf ein Rennen haben möchte wird es sicher schwierig das er um 6 Uhr in der Früh mit uns Trainer auf der Piste rumgeistert.“

 

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