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Reinfried Herbst im Skiweltcup.TV Interview: „Der Sport ist für mich eine Art Charakterschule“

© Kraft Foods  /  Reinfried Herbst (AUT)

© Kraft Foods / Reinfried Herbst (AUT)

Salzburg – Heute ist der 34-jährige Slalomspezialist Reinfried Herbst unser Interviewpartner. Der Salzburger, der bisher 16 Mal unter den besten Drei landete und davon neun Mal als Sieger eines Weltcuprennens hervorging, feierte im Jahr 2001 sein Debüt im Weltcup. In der Saison 2009/10 gewann Herbst die Gesamtwertung im Torlauf. In der gleichen Disziplin erreichte er bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin die Silbermedaille. Im Interview spricht Herbst über die Nichtnominierung bei der Heim-WM 2013 in Schladming, die Freude und Emotionen bei Siegen, das potentielle Skitalent „von morgen“ Sohn Felix, die Durststrecke, die das Nachbarland Schweiz derzeit erlebt und vieles mehr.

skiweltcup.tv: Reini, ein etwas heiteres Wortspiel sei im Hinblick auf die bevorstehenden Trainingseinheiten zu Beginn des Interviews gestattet: Was machst du im Frühling, wenn der Sommer vor der Tür steht und „der Herbst“ im Winter für Furore sorgen soll?

Reinfried Herbst: Trainieren, trainieren, trainieren! Dazwischen feile ich immer wieder an meiner Technik und teste mein Material, d.h. meine Fischer-Skier und Schuhe. Im Frühjahr legt man den Grundstein für eine erfolgreiche Saison. Und Highlights gibt es im nächsten Jahr einige, wenn ich beispielsweise an den Weltcup und vor allem an die Olympischen Spiele denke.

skiweltcup.tv: Noch lebhaft in Erinnerung ist deine Nicht-Nominierung für die Heim-WM in Schladming. Hast du diese „brutale Watsch‘n“ einigermaßen verdaut, wie bist du schlussendlich damit umgegangen, und weshalb kann der Fokus im Hinblick auf die bevorstehende Saison nur auf Sotschi gerichtet sein?

Reinfried Herbst: Ja natürlich habe ich die Nichtnominierung schon verdaut. Ich bin Profisportler und schaue nur nach vorne. Ich bin kein Mensch, der in der Vergangenheit lebt. Im Laufe meiner Karriere hatte ich bereits einige Niederlagen einstecken müssen, und weiß, wie ich damit umgehe. Ich bin voll auf meinen Sport fokussiert, und hoffe, dass ich im kommenden Winter mit konstanten Leistungen wieder ganz nach vorne komme.

© Kraft Foods / Reinfried Herbst (AUT)

© Kraft Foods / Reinfried Herbst (AUT)

skiweltcup.tv: Daran schließt sich die folgende Frage: Wenn ein Spitzensportler in seiner Laufbahn sehr weit oben steht und in der Folge plötzlich abstürzt, was soll er außerordentlich beachten, um daran auf keinen Fall zu zerbrechen? Oder gibt es kein individuelles Patentrezept, zumal einige Athleten stark und andere etwas sensibler sind?

Reinfried Herbst: Ich denke, damit geht jeder Mensch, egal ob er nun Sportler ist oder erfolgreich im Beruf steht, anders um. Der Sport ist für mich schon eine Art Charakterschule, weil man einfach lernt, wie man mit den verschiedenen Extremsituationen umgeht. Aber ich denke nicht, dass ich als Sportler sensibler werde. Ich habe ein sehr gutes Umfeld, und das ist gerade bei Niederlagen sehr wichtig. Dass man Leute hat, denen man vertrauen kann, denn Ja-Sager gibt es bei der Welle des Erfolgs ja sehr viele… am Ende kann man nur sich selbst helfen und den eigenen Weg weiterverfolgen und dich von niemandem verdrehen lassen. Das ist nach all den vielen Rückschlägen mein Rezept. Und dieses hat bis jetzt bei mir am besten funktioniert.

skiweltcup.tv: Anja Pärson aus Schweden begeisterte uns alle mit ihrem Bauchrutscher, und auch der Schweizer Didier Cuche sorgte für Aufsehen, als er seine Bretter nach einem Sieg „auf eine etwas nicht alltägliche Art und Weise“ abschnallte. Sind Skifahrer alle ein bisschen positiv verrückt, oder sind diese eigenwilligen Bekundungen von Freude etwas Persönliches, etwas Individuelles?

Reinfried Herbst: Ich finde das fantastisch, dass man Emotionen auch zeigen kann. Es gibt doch Sportler, bei denen nach einem Sieg nicht mal irgendeine Reaktion rüberkommt. Ich denke, dass ich ein sehr emotionaler Sieger bin, weil ich und mein näheres Umfeld wirklich wissen, was dahinter steckt, und dass ich alles für den Erfolg gebe. Oder ich erinnere mich an das überwältigende Gefühl, als ich die Disziplinenwertung im Slalom (2009/10, Anm. d. Red.) für mich entschieden habe. So etwas vergisst man nicht, und seine Freude sollte man auch zeigen und nicht verstecken müssen.

skiweltcup.tv: Heutzutage kann man fast nicht mehr vom Skifahren, sondern eher vom Eislaufen sprechen. Aus welchem Grund werden die Pisten heutzutage so extrem eisig präpariert? Geht deiner Meinung die Sensationslust der Zuschauer der potentiellen, extremen Verletzungsgefahr der Athleten vor?

Reinfried Herbst: Ich habe das Gefühl, das genau das Gegenteil gerade passiert. Wo gibt es noch Eis und gute, faire Pisten? Bei uns im Slalom ist es der FIS ja lieber, dass es weich ist und das ganze Starterfeld durcheinandergewirbelt wird. Ich habe in den letzten drei Jahren fast keinen Slalom erlebt, bei dem die Bedingungen für die ersten 30 gleich waren. Wenn wir eine Eispiste haben, ist es mit Sicherheit fairer und nicht gefährlicher. Ich möchte aber bitte erwähnen, dass ich nur vom Torlauf spreche.

© Gerwig Löffelholz  /  Reinfried Herbst (AUT)

© Gerwig Löffelholz / Reinfried Herbst (AUT)

skiweltcup.tv: Du bist ein ausgesprochener Slalom-Spezialist. Vor nicht allzu langer Zeit gab es viele Debatten rund um den Parallel-Slalom. Hat dieses Event, das beispielsweise in München 25.000 Zuschauer aus der Reserve lockte, für dich Entwicklungspotential, und würdest du diese Disziplin in den Kreis der olympischen Sportarten aufnehmen?

Reinfried Herbst: Der Parallelslalom ist eine eigene Disziplin, die ja schon im Weltcupkalender aufgenommen wurde. Es gibt mittlerweile einige solcher City-Events. Ich finde das toll, weil wir endlich in die Städte zu den Zuschauermassen kommen. Zudem denke ich, dass es hier sicher noch viel Potential gibt. Die hier erreichten Punkte und Ergebnisse sollten auch nicht zum Slalomweltcup zählen, zumal ich keinen einzigen Läufer kenne, der das gut findet. Eine eigene Kristallkugel für drei bis fünf Rennen sollte hierfür vergeben werden.

skiweltcup.tv: Ist es ein Irrtum, zu behaupten, dass Slalomläufer Angst vor dem hohen Tempo haben, zumal ja bei einer Abfahrt oft mehr als 150 km/h erreicht werden, oder hast du durch deinen Motorbootführerschein und den Ausflügen mit deiner Harley die Geschwindigkeit im Blut?

Reinfried Herbst: Das kann ich von mir nicht behaupten. Das Tempo liegt auch mir als Slalomfahrer im Blut. In meinen Jugendjahren habe ich auch an den schnellen Disziplinen teilgenommen und war auch oft beim Riesentorlauf am Start. Aber der Slalom hat mich immer am meisten begeistert. Auf den Riesentorlauf muss ich leider aufgrund meiner zahlreichen Knieverletzungen verzichten. Das wäre zu risikoreich. Dennoch gibt es andere Sportarten, wie etwa Mountainbike und Kartsport, bei denen ich sicher auch das Risiko keineswegs scheue.

skiweltcup.tv: Reini, beiden US-Skidamen Lindsey Vonn und Julia Mancuso sorgten mit etwas freizügigeren Fotos für Aufsehen. Was sagst du zu diesen Fotos oder siehst du darin einen Grund der beiden, für Aufmerksamkeit zu sorgen oder vielmehr einen potentiellen Sponsor an Land zu ziehen?

Reinfried Herbst: Ich sage mal so: Wenn man erfolgreich ist, kannst du dir viel erlauben. Wenn es einmal nicht so läuft, können gerade solche Fotos negativ ausgelegt werden.

© fischersports / Reinfried Herbst

© fischersports / Reinfried Herbst

skiweltcup.tv: Ein Blick in die Schweiz. In Österreich etabliert sich beispielsweise Marcel Mathis, um nur einen jungen Fahrer zu nennen, langsam, aber sicher in der Weltspitze und drängt sich ins Rampenlicht. Der eidgenössische Nachwuchs bleibt in den Rennen blass. Was hat der Verband möglicherweise falsch gemacht, und welchen Tipp hast du für deine westlichen Nachbarn?

Reinfried Herbst: Hier gibt es andere Leute, die sich das überlegen sollen. Ich persönlich denke, dass es halt immer wieder Zeiten gibt, in denen die Jahrgänge stärker und mal schwächer sind. Fakt ist, dass immer mehr die Dichte fehlt, und das führe ich auf andere Sportarten zurück, die für die Jugend interessant sind. Darum brauchen wir mehr positiv verrückte Leute im alpinen Skizirkus und vor allem mehr Freiheiten seitens der FIS.

skiweltcup.tv: Mit deinen 34 Jahren und deinen zwölf Jahren im Weltcup kann man dich durchaus als Routinier ansehen. Welche Tipps kannst du jungen Athleten innerhalb des Nationalteams aufgrund deiner Erfahrungen geben, und was ist dein Motto, das dich bis zum heutigen Tag immer wieder aufs Neue geprägt hat?

Reinfried Herbst: Es ist ein Sport, der alles abverlangt. Keiner bekommt etwas geschenkt. Jeder muss hart arbeiten, konsequent sein, und trotzdem gibt es keine Garantie, dass man den Sprung an die Weltspitze schafft. Der Sport ist keineswegs etwas für Weicheier.

skiweltcup.tv: Dein größter Stolz sind ohne Zweifel deine beiden Kinder Felix und Lilly. Was würdest du ihnen raten, wenn sie auch das Skirennfahren für sich entdecken sollten? Oder wäre es dir persönlich lieber, dass sie etwas anderes lernen sollten?

Reinfried Herbst: Ich lasse meinen Kindern alles offen. Jeder muss für sich und sein Leben das finden, was für ihn am wichtigsten ist und Spaß macht. Das gilt besonders für meine Kinder. Ich werde ihnen gewiss nicht sagen, dass sie um jeden Preis Skirennfahrer werden sollen. Aber wenn ich mir meinen Sohn Felix so ansehe, so hat er schon Potential. (lacht)

skiweltcup.tv: Bleibt noch ein Blick in die Zukunft von Reinfried Herbst: Was muss alles passen, damit du bei Stefan Raabs Stockcar-Rennen mitfahren kannst, und warum ist dies einer deiner größten Träume?

Reinfried Herbst: Da ich in den letzten Jahren mich immer mehr zum Motorsport hingezogen fühle, fahre ich gerne mit Autos oder Karts am Ring und gebe Gas. Ein Rennen, wo man nicht auf die anderen achten muss und die Ideallinie beibehält, obwohl einer im Weg ist, ist mit Sicherheit ein riesengroßer Spaß. Ich hoffe, dass ich irgendwann einmal die Möglichkeit bekomme, dort einen Startplatz zu bekommen. Das ist ja gleich schwer, wie bei einer Heim-WM dabei zu sein. (lacht aus ganzem Herzen).

Interview für skiweltcup.tv: Andreas Raffeiner  

 

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