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Skistars von morgen, heute: Henrik Kristoffersen

© Gerwig Löffelholz  /  Henrik Kristoffersen

© Gerwig Löffelholz / Henrik Kristoffersen

Die beliebte Serie von www.FISAlpine.com ist um ein weiteres Kapitel reicher. Michael Mastarciyan hat das junge norwegische Skitalent Henrik Kristoffersen interviewt. Der Wikinger, der unter dem Spitznamen „wild child“ seine gleichaltrige Konkurrenz phasenweise in Grund und Boden fährt, stand dem Onlineportal von www.FISAlpine.com Rede und Antwort.

Henrik, der Spitzname „wild child“ hat keine Gültigkeit mehr, zumal du ein junger Erwachsener bist und eher zum „wild thing“ mutiert bist. Letzterer ist auch der Kosename von Charlie Sheen, den er in einem Baseballfilm bekommen hat. Haben Charlie Sheen und du andere Gemeinsamkeiten…

Uuuh, Charlie Sheen und ich sind uns nicht wirklich ähnlich. Ich trinke keinen Alkohol, ich feiere keine Partys und ich bin in keiner Weise wild. Die wildesten Dinge, die ich zuwege bringe, mache ich auf Schnee mit meinen Skiern. Ich bin also nicht das Kind, das Partys schmeißt oder wild und verrückt ist. Das ist nicht der Weg, um erfolgreich skizufahren oder eine andere Sportart auszuüben.

Das macht Sinn, … aber woher hast du dann deinen Spitznamen?

Nun, ich weiß das nicht genau, wie ich zu dem Namen „wild child“ kam. Als ich jünger war, war ich schon wild, zumindest in der Schule und zuhause. Ich konnte nicht still sitzen und war ein Energiebündel. Ich habe mir oft wehgetan und habe ein paar wilde Dinge angestellt. Doch jetzt bin ich älter und ruhiger geworden.

Wer gab dir den Spitznamen „wild child“?

Ich denke, den haben mir Klassenkameraden in der Schule gegeben, als ich etwa zwölf Jahre alt war.

Was ist das Wildeste, was du in der Zukunft tun möchtest?

Das Wildeste, was ich derzeit tue, ist das Skifahren. Olympia-Gold wäre schon ziemlich wild, und wenn sie mich so direkt fragen, wären mehr Siege und Goldläufe das Wildeste, was ich mir vorstellen kann.

Bist du traurig, dass der Spitzname wegen des Alters nun Geschichte ist?

Eigentlich bin ich nicht damit einverstanden (lacht). Viele Trainer aus der Europacupzeit nennen mich auch „Babyface“, und so denke ich, dass ich diesen Namen behalten werde?

Ist dann „Babyface“ dein neuer Spitzname? Es gibt sogar einen US-amerikanische R&B-Sänger namens Kenneth „Babyface“ Edmonds und er ist erst (!) 53 Jahre alt… Welche Gedanken schießen dir durch den Kopf?

Ich weiß es nicht, und es ist egal, welche Spitznamen sich Menschen ausdenken. Es ist egal, ob „wild child“ oder „Babyface“, ich werde immer noch die gleiche Person sein.

© Gerwig Löffelholz / Henrik Kristoffersen

© Gerwig Löffelholz / Henrik Kristoffersen

Nun blicken wir nach Roccaraso. Bei der Junioren-Weltmeisterschaft hast du im letzten März drei Medaillen geholt (Gold im Slalom und Silber im Riesentorlauf und in der Kombination, Anm. d. Red.)! Beschreibe deine Gefühlswelt?

Nun, es war toll. Die erste Überraschung war der sechste Endrang im Super-G. Diese Platzierung war fantastisch, da sie unerwartet kam. Ebenso fantastisch war der Sieg im Riesentorlauf und somit die erste Goldmedaille bei einer Junioren-WM. Diese Auszeichnungen zeigen, dass ich nicht nur gut im Torlauf, sondern auch im Super-G und im Riesentorlauf bin. Von der Platzierung Riesentorlauf bin ich ehrlich gesagt etwas überrascht, zumal Stefan Luitz und Mathieu Faivre bereits im Europacup schon Rennen gewannen…

Feierten deine Familie und deine Freunde auf der Tribüne mit? Gab es eine große Feier danach?

Mein Vater war vor Ort. Er war seit klein auf mein Trainer, und ich fühlte mich wohler, ihn dort dabei gehabt zu haben. Natürlich waren meine Skifreunde dort. Die Feier danach war nicht groß, denn nach dem Spezialslalom ging es gleich nach Kranjska Gora zu den Einsätzen im Welt- und Europacup.

Du hast auch zwei Europacup-Slaloms im Februar gewonnen. Waren diese eine zusätzliche Motivation für die Junioren-WM in Italien?

Ja, die ersten beiden Siege im Europacup waren erstaunlich. Ich hatte mehr Vertrauen im Torlauf als im Riesenslalom. Doch alles in allem sind die Junioren-Weltmeisterschaften sehr gut verlaufen.

Dein Sieg im Riesentorlauf brachte die direkte Qualifikation für den Weltcupsaisonkehraus in Schladming. Welche Erfahrungen hast du hier sammeln können?

Ich war ein wenig enttäuscht, zumal ich im ersten Durchgang stürzte. Der zweite Lauf war Make-up, dennoch wäre es schön gewesen, zwei solide Läufe gehabt zu haben. Aber mit der vierten Laufzeit im zweiten Durchgang war alles gut, und ich war glücklich.

Der Riesentorlauf war das letzte Rennen des Schweizers Didier Cuche. Konntest du ihn treffen?

Ja, ich traf ihn vor dem ersten Lauf, und er gratulierte mir zu meinen Erfolgen in Roccaraso. Das war ziemlich cool. Ich habe auch vor dem zweiten Durchgang ein Foto mit ihm gemacht. Didier war ein erstaunlicher Rennfahrer, und ich bin sehr froh, ihn getroffen zu haben, bevor er seine sportliche Laufbahn beendet hat.

Hast du auch andere Idole, mit denen du aufgewachsen bist?

Ja, ein Vorbild war Kjetil Andre Aamodt. Er war und ist mein großes Idol. Ich kenne ihn jetzt ein wenig, und er ist ein fantastischer Kerl. Ich hoffe, eines Tages so gut wie er zu sein.

In den technischen Veranstaltungen ist es hart, erfolgreich zu sein. Man muss konsequent bleiben, denn ein Lauf kann gut sein, und zwei gute Läufe sind der Schlüssel zum Sieg. Gibt es eine Geheimnisformel, die sie auf Lager haben?

Ich bin der Meinung, dass es kein Geheimnis oder keine Formel gibt. Die Sache, die die Konsequenz betrifft, ist für alle Läufe eine Sache des Trainings. Wenn Sie sich den Kroaten Ivica Kostelic ansehen, ist er mit seinen Rennen wohl der konsequenteste Skifahrer der Welt.

Norwegische Skirennläufer tendieren dazu, Allrounder zu sein. Du bist in den technischen Disziplinen sehr erfolgreich. Wie stehest du zu den schnellen Disziplinen und erliegst du dem Rausch der Geschwindigkeit?

Ich liebe die Geschwindigkeit. Ich fahre gerne auf den langen Skiern. Jedoch bin ich auf den schnellen Skiern nicht der Beste, weil ich einige Probleme mit dem Gleitteil habe. Die Geschwindigkeit macht mir Spaß, und ich freue mich bei den norwegischen Landesmeisterschaften bei den schnellen Disziplinen an den Start zu gehen.

Die Nervosität ist ein großer Teil des Sports. Bist du leicht nervös?

Ich denke, die Nervosität ist eine gute Sache. Man ist konzentriert, und wenn man fertig ist, ist man ein wenig nervös. Ist man zu nervös, ist das nicht gut. Vor dem Start bin ich immer ein wenig nervös.

Hast du einen guten Rat für junge Skifahrer, die ihre Karriere noch vor sich haben?

Man sollte im Rennen das versuchen, was man im Training tut. Normal ist gut genug, und man sollte alles einfach mit Intelligenz einsetzen.

Was ist der beste Tipp, den du in deiner Karriere bekommen hast?

Ich glaube, mein Vater hat ihn mir gegeben. Er hat mir immer gesagt, dass ich die Dinge einfach so tun soll. Und ich solle ja nicht cool Skifahren. Das ist das Einfachste. Ich denke, es ist der klügste Ratschlag der Welt. Die Menschen denken zu viel nach und versuchen, cool skizufahren. Es ist viel cooler, Ted Ligety im Slalom zu sehen. Aber Kostelic ist stabil und das gute, technische Fahren ist das Wichtigste.

Deine Landsmänner Aksel Lund Svindal und Kjetil Jansrud sind zwei der besten Skifahrer weltweit. Sie gelten auch als die freundlichsten und bodenständigsten Athleten im weißen Zirkus. Haben sie dir auch einen Rat gegeben?

Aksel erzählte mir, da ich sehr dünn bin, dass ich mir keinen Stress mit dem Gewicht machen soll. Im Torlauf muss man nicht so groß sein, aber schnell.

Was ist das Größte, was du in der vergangenen Saison gelernt hast, um es in dem kommenden Skiwinter anwenden zu können?

Ich muss lernen, Ruhepausen einzuhalten. Ich denke, dass ich am Ende der Saison, nach der Junioren-WM und den Einsätzen im Europa- und Weltcup sehr müde war. Das ist das Wichtigste, das ich brauche, damit ich lernen kann, wie der Körper richtig funktioniert. Und ohne Erholung arbeitet der Körper nicht richtig.

Blicken wir nach vorne, auf die WM-Saison 2012/2013? Welche Ziele hast du? Wirst du wieder im Europa- und Weltcup fahren?

Wir müssen sehen, wie es läuft. Ich denke, es wird wieder ein Mix sein. Das Ziel ist es, im Torlauf und Riesenslaloms Punkte zu sammeln. Ich habe eine gute Chance, dies zu erreichen. Es ist auch wichtig, im Europacup konstante Ergebnisse unter den Top-10 einzufahren. Aber wie ich sagte, sehen wir alles, wie die Saison verläuft.

Was macht Henrik Kristoffersen, wenn er nicht auf den Skiern unterwegs ist? Welche Hobbys hast du?

Ich fahre gerne mit dem Rad und mag auch Motocross. Es ist sehr bedeutend, alles Mögliche zu tun. Es bekam meine erste Motocross-Maschine, als ich fünf Jahre alt war.

Wenn du im Sessellift mit einer bekannten – lebenden oder toten – Person fahren würdest, wer wäre das und warum?

Ingemar Stenmark. Der schwedische Rennläufer mit seinen 86 Weltcupsiegen und ich, das könnte durchaus cool sein.

Was hast du in den Ferien außerhalb der Saison gemacht? War es etwas „Wildes“?

Ich habe meine Ferien für die Ausbildung verwendet, und hoffe, es weiterhin zu tun. Eine Woche Urlaub bei warmem Wetter ist auch etwas Schönes.

Wie verlief die Saisonvorbereitung?

Sie läuft gut. Ich war für ein paar Tage in Norwegen und auch in Hintertux. Das Probieren der neuen Riesentorlaufskier funktioniert so weit so gut. Ich war ab dem 11. September im schweizerischen Saas-Fee im Einsatz. Und ich mag sie wirklich, die neuen Skier.

Das Originalinterview lesen Sie unter: http://www.fisalpine.com/news/alpine-young-guns-henrik-kristoffersen,2012.html

Bericht und Übersetzung für skiweltcup.tv: Andreas Raffeiner
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