1 April 2020

Skiweltcup.TV kurz nachgefragt: Heute mit Cornelia „Conny“ Hütter

Skiweltcup.TV kurz nachgefragt: Heute mit Cornelia „Conny“ Hütter
Skiweltcup.TV kurz nachgefragt: Heute mit Cornelia „Conny“ Hütter (Foto: Conny Hütter / privat)

Kumberg/Fresach – Die österreichische Skirennläuferin Cornelia Hütter ist in der jüngeren Vergangenheit ziemlich oft von der Verletzungshexe heimgesucht worden. Dennoch gibt die steirische Speedspezialistin nicht auf. Im Interview berichtet sie über den Coronavirus, die Verletzungsserie, den Glauben an sich und den Lernprozess, der in den Verletzungen steckt. Zudem erzählt die 27-Jährige, dass sie noch nicht sagen kann, wenn sie wieder auf den Brettern stehen kann.

Conny, hinter dir liegt eine sehr schwere, wenngleich auch emotionale Zeit. Für deine Teamkolleginnen ist der abgelaufene Ski-Winter jäh zu Ende gegangen. Der Kampf gegen Corona ist bedeutsamer als jener um Hundertstelsekunden und Podestplatzierungen. Wie geht es dir heute und wie gehst du mit dieser nicht gerade einfachen Zeit um?

Danke, ich bin wieder am aufsteigenden Ast unterwegs. (lacht) Der erste Schock war natürlich sehr groß und hat mich auch wirklich einige Tage sehr gedämpft. Heute ist er aber einer ersten Zuversicht gewichen, und ich blicke voller Energie und Motivation in die Zukunft.

Die aktuelle Situation betrifft natürlich auch uns Sportler, wenngleich wir viel von unserem Training auch in den eigenen vier Wänden machen können. Ich habe mit meiner Reha begonnen, die ich natürlich auch zu Hause abwickle.

Nach der unheimlichen Verletzungsserie bist du gerade dabei, inneren Frieden zu finden und neuen Mut zu schöpfen. Weshalb muss der Kampfgeist, gepaart mit dem positiven Ehrgeiz und der eisernen Disziplin, größer sein als die Verzweiflung, die Selbstresignation und die Angst?

Skirennfahren ist nicht nur mein Beruf. Es ist auch eine Leidenschaft, der ich nachgehe und es dank der Unterstützung vieler auch in so schwierigen Zeiten, wie nach einer Verletzung, auch kann. Natürlich hat meine Motivationsfähigkeit in den vergangenen Jahren zahlreiche Tiefschläge einstecken müssen.

Ich wäre aber kein Profi und auch keine risikobewusste Rennläuferin, würde ich das nicht wegstecken oder umwandeln können. Das soll nicht heißen, dass ich nicht enttäuscht und niedergeschlagen war. Trotzdem lebt in mir dieses Kämpferherz, das mich immer wieder von neuem Motivation aufbauen lässt.

Conny Hütter: "Skirennfahren ist nicht nur mein Beruf. Es ist auch eine Leidenschaft."
Conny Hütter: „Skirennfahren ist nicht nur mein Beruf. Es ist auch eine Leidenschaft.“ (Foto: Conny Hütter / privat)

Können Akzeptanz, Loslassen und der Glaube an sich selbst hilfreich sein? Was können wir von Schicksalsschlägen lernen und welche Türen öffnen sich für dich ganz persönlich?

Über meine Verletzungen habe ich in den vergangenen Jahren schon sehr vieles gelernt, was ich davor nicht konnte, und auch nicht kannte, weil es für mich nicht notwendig war. Eine gewisse Gelassenheit stellt sich da schon ein, die dir beibringt, nicht zu früh ungeduldig zu werden und noch konzentrierter an deinen Aufgaben zu arbeiten und deine Ziele wirklich konsequent zu verfolgen.

Bleibt der vorsichtige Blick in die Zukunft. Im nächsten Ski-Winter stehen die alpinen Welttitelkämpfe in Cortina d’Ampezzo an. Im Folgejahr geht es in der chinesischen Hauptstadt Peking um olympisches Edelmetall. Was können wir über deinen Weg zurück in Erfahrung bringen, wann stehst du wieder auf den Skiern und ist die Teilnahme an diesen Großereignissen ein Nahziel von dir?

Mein Blick auf 2020/21 wird sich und hat sich bereits etwas neu einstellen und ändern müssen. Eine Rückkehr in den aktiven Rennsport aus heutiger Sicht zu terminisieren, wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Aktuell geht es für mich darum, vorerst emotional wieder mit beiden Beinen am Boden zu stehen und den Kampfgeist wieder zu stärken.

Als Rennläuferin aus Leidenschaft lässt sich dieser ja nicht so leicht unterkriegen, auch wenn er in den vergangenen Jahren schon ordentliche Tiefschläge einstecken musste. Auch wenn wir Rennläuferinnen es gewohnt sind, rasch zu reagieren, neue Gegebenheiten an zu nehmen und Pläne über den Haufen zu werfen, um sie am nächsten Tag neu zu schreiben, erfordert die derzeitige Lage, doch noch etwas mehr Zeit. Großevents sind natürlich immer eine Perspektive, wohin sich mein Blick aber richtet, ob nach Cortina oder eher nach Peking, ist heute zu früh, um es festzulegen.

Bericht und Interview für skiweltcup.tv: Andreas Raffeiner

Conny Hütter zu Gast beim Ski Weltcup der Herren in Hinterstoder
Conny Hütter zu Gast beim Ski Weltcup der Herren in Hinterstoder

Verwandte Artikel:

Der offizielle Ski Weltcup Kalender 2021/22 besticht durch seine Ausgeglichenheit (Foto: © FISI/ Pentaphoto/ Alessandro Trovati)
Der offizielle Ski Weltcup Kalender 2021/22 besticht durch seine Ausgeglichenheit (Foto: © FISI/ Pentaphoto/ Alessandro Trovati)

Oberhofen am Thunersee – Der Internationale Weltskiverband (FIS) hat die Austragung von je 37 Ski Weltcup Einsätzen pro Geschlecht im kommenden Winter bestätigt. Das erste Rennen beginnt am 23. Oktober. Die Damen eröffnen die bevorstehende Saison in Sölden mit einem Riesentorlauf, am Folgetag carven die Herren am Rettenbachferner zu Tal. Insgesamt werden wir, wenn das… Der offizielle Ski Weltcup Kalender 2021/22 besticht durch seine Ausgeglichenheit weiterlesen

Volles Haus beim Saison Opening in Sölden?
Volles Haus beim Saison Opening in Sölden?

Sölden – In fünf Wochen ertönt am Rettenbachferner hoch ober Sölden der Startschuss für die Olympiasaison 2021/22. Sowohl die Frauen als auch die Herren bestreiten im Ötztal einen Riesentorlauf. Eine große Party gibt es für die Fans noch nicht, aber man möchte langsam, aber sicher in die Normalität zurückkehren. Im vergangenen Winter gab es vor… Volles Haus beim Saison Opening in Sölden? weiterlesen

Alice Robinson ist das jüngste Mitglied der Red Bull-Familie (Foto: © Alice Robinson / Instagram)
Alice Robinson ist das jüngste Mitglied der Red Bull-Familie (Foto: © Alice Robinson / Instagram)

Fuschl am See – Die neuseeländische Ski Weltcup Rennläuferin Alice Robinson berichtet auf ihrem Instagram-Account, dass ihr Kindheitstraum wahr geworden ist. Sie ist aufgeregt, aber auch dankbar, als sie die Partnerschaft mit dem österreichischen Energydrinkherstellers Red Bull erwähnt. Der rote Stier auf dem Helm soll der jungen Athletin im Olympiawinter 2021/22 Flügel verleihen. Überdies will… Alice Robinson ist das jüngste Mitglied der Red Bull-Familie weiterlesen

Die Super-G Rennen der Herren in Wengen sind einer der Höhepunkte der kommenden Europacupsaison
Die Super-G Rennen der Herren in Wengen sind einer der Höhepunkte der kommenden Europacupsaison

Oberhofen am Thunersee – Der internationale Skiverband FIS hat die Termine für die bevorstehende Skieuropacupsaison 2021/22 bekanntgegeben. Die Herren bestreiten 38 Rennen. Zehn Slaloms und zehn Riesentorläufen stehen neun Abfahrten und neun Super-G’s gegenüber. Zwischen Zinal, Spindlermühle, Obereggen und Kvitfjell reisen die Männer viel umher. Das Finale geht in Soldeu, gelegen im pyrenäischen Zwergstaat Andorra… Die offiziellen Termine für den Europacupkalender der Herren in der Saison 2021/22 weiterlesen

Die Europacup-Damen sind in der Saison 2021/22 auch in Maribor am Start
Die Europacup-Damen sind in der Saison 2021/22 auch in Maribor am Start

Bozen/Trient – Der Skieuropacupwinter 2021/22 steht vor der Türe. In der Region Trentino-Südtirol sind die Ski-Asse gleich viermal im Einsatz. In Andalo wird sowohl am 11. als auch am 12. Dezember ein Riesentorlauf der Damen ausgetragen. Ein paar Tage später, am 15. und 16. Dezember, bestreiten die Frauen im Ahrntal zwei Slaloms. Kurz vor Weihnachten… Die offiziellen Termine für den Europacupkalender der Damen in der Saison 2021/22 weiterlesen

Banner TV-Sport.de