13 Oktober 2020

Skiweltcup.TV kurz nachgefragt: Heute mit Lucas Braathen

Lucas Braathen hat in der Ski Weltcup Saison 2020/21 das Podest im Visier (Foto: © Reusch)
Lucas Braathen hat in der Ski Weltcup Saison 2020/21 das Podest im Visier (Foto: © Reusch)

Bozen – Vor kurzer Zeit war der norwegische Skirennläufer Lucas Braathen zu Gast bei seinem Ausrüster Reusch. Wir von skiweltcup.tv nutzten die Gelegenheit und unterhielten uns mit dem jungen Wikinger über seinen Traumlauf in Kitzbühel, den coronabedingt etwas anderen Sommer 2020, die bevorstehende Saison und vieles mehr.

Lucas, wie würdest du deinen kometenhaften Aufstieg im letzten Winter mit eigenen Worten beschreiben? Auch wenn die Saison coronabedingt leider für alle allzu früh zu Ende ging, ist allen dein Traumlauf in Kitzbühel mit der relativ hohen Startnummer 34 in Erinnerung. Waren am Ende die Aufregung oder der Respekt vor der Goldenen Gams und einer möglichen Gondel zu groß, um den Favoriten auch im zweiten Durchgang erneut ein Schnippchen zu schlagen?

Ich würde mit Sicherheit sagen, dass die letzte Saison sowohl für mich als auch für das Publikum mit einem Corona-Schock endete. Eigentlich habe ich nicht daran gedacht, dass ich im letzten Winter schon um eine Spitzenposition fahre. Ich wusste dass ich in einer guten Form war, und dass einiges machbar ist. Es macht unheimlich viel Spaß, wenn man sich bei einem Weltcuprennen als junger Athlet mit den Top-Athleten messen kann.

Zum Rennen in Kitzbühel. Ich habe im Finallauf nicht an die Gondel gedacht und auch versucht mich nicht vom Drumherum in der Gamsstadt ablenken zu lassen. Also war dies nicht der Grund warum ich nicht vom ersten Platz nach dem ersten Lauf profitieren konnte. Ich glaube, es liegt einfach an der mangelnden Erfahrung. Ich bin trotzdem froh, dass ich cool geblieben bin. Im zweiten Lauf unterliefen mir ein paar kleine Fehler, die dann den Ausschlag gaben. Ich arbeite daran, und das ist mein Ziel für den bevorstehenden Winter, dass sich das nicht mehr wiederholt. Aber es war eine tolle Erfahrung, und ich denke ich habe auch einen guten Eindruck hinterlassen.

Norwegen ist ein Wintersportland, das zahlreiche Top-Athletinnen und -Athleten im Skirennsport hervorgebracht hat. Möglicherweise geht es auch im Fußball mit deinem Heimatland langsam, aber sicher bergauf. Verfolgst du auch ein paar Fußballspiele, und würde es dich ehren, wenn man dich als „Erling Haaland des Skisports“ bezeichnen würde?

Mit Sicherheit wäre mir das eine Ehre. Wie er in der Fußballwelt Auftritt ist schon verrückt. Er ist einer der Top-Jungs, die die meisten Tore in den Meisterschaften schießen. Um den Vergleich gerecht zu werden müsste ich aber viele Erfolge einfahren. Fan bin ich aber von Manchester United. Dieses Team ist die Nummer eins für mich. Da gibt es keine Frage und keine Zweifel, mein Herz schlägt für ManUtd.

Und da ich ja auch ein halber Brasilianer bin, drücke ich natürlich der Seleção die Daumen. So ist der Fußball offensichtlich ein wichtiger Teil meines Lebens. Natürlich hatte ich auch den Kindheitstraum einmal Fußball-Profi zu werden. Dabei habe ich am liebsten im offensiv Bereich gespielt. Als Stürmer, oder im offensiven Mittelfeld habe ich mich wohlgefühlt. Bis zum elften Lebensjahr lief ich dem runden Leder nach, ehe ich die Liebe zum Skifahren fand. Ich gab meinen Fußballtraum auf, um meinen ganzen Fokus auf den Skirennsport zu legen.

Auch wenn die Sommervorbereitung in den verschiedensten Nationen aufgrund der noch grassierenden Covid 19-Pandemie anders als gewohnt ablief und die zur Tradition gewordenen Arbeitstage in Südamerika ins Wasser fielen, möchte ich von dir wissen, wie du diese nicht einfache Zeit erlebt hast.

Es ist also offensichtlich eine sehr seltsame Situation. Im Sommer konnten wir nicht reisen und mussten zuhause trainieren. Aber die aktuelle Situation in Norwegen war während des Sommers ziemlich stabil, sodass ich mit Freunden die warme Jahreszeit rund um die Küste Norwegens verbringen konnte. Trotzdem wissen wir noch nicht, wie sich die Situation im Ski Weltcup Winter entwickelt. Ich hoffe dass wir alle Rennen fahren können. Wir müssen uns alle überraschen lassen.

Was können wir über deine Saisonziele hinsichtlich des Winters 2020/21 in Erfahrung bringen? Denkst Du, dass in der kommenden Saison der Sprung auf das Podest möglich ist?

Ich glaube, dass ich meine technischen Fähigkeiten kenne. Überdies weiß ich, dass ich mit einem ausgezeichneten Tag ganz sicher auf der höchsten Stufe des Podests stehen kann. Ich bin zu 100 Prozent sicher, dass, wenn ich einen Top-Tag habe, meine mentale Seite an Bord ist und auch sowohl mein technisches Skifahren als auch meine taktische Entscheidungen auf dem Punkt abgerufen kann, ich in der Lage sein sollte, einen Beitrag zu den ersten drei Plätzen für unsere Nation zu leisten.

Ich war im letzten Winter mehrmals nahe dran, unter die besten Drei zu fahren. Ich hatte einige Rennen, bei denen ich, ohne Fehler im untern Teil des Kurses, gewinnen hätte können. Ich denke also, dass ich mich mit einer besseren körperlichen Form, mehr Erfahrung und mit mentaler Stärke, sowie einer guten Materialabstimmung dieses Jahr sicher unter den ersten drei Plätzen etablieren könnte.

*** Programm AUDI FIS Skiweltcup Sölden *                                       

Samstag, 17.10.2020: Riesentorlauf Damen (10.00 bzw. 13.00 Uhr)
Sonntag, 18.10.2020: Riesentorlauf Herren (10.00 bzw. 13.15 Uhr)

Bericht und Interview für skiweltcup.tv: Andreas Raffeiner

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