26 März 2020

Skiweltcup.TV kurz nachgefragt: Heute Roland Leitinger

Skiweltcup.TV kurz nachgefragt: Heute Roland Leitinger
Skiweltcup.TV kurz nachgefragt: Heute Roland Leitinger

Vor drei Jahren, am 17.02.2017  feierte der Salzburger Roland Leitinger mit dem Gewinn der Silbermedaille im Riesenslalom bei der Ski-WM in St. Moritz, seinen bisher größten Erfolg seiner Karriere. Bereits davor warfen den Pinzgauer einige Verletzungen zurück, aber nicht aus der Bahn. Er biss stets die Zähne zusammen und kämpfte sich wieder zurück.

Bis dann am 11.Januar 2018 erneut die Verletzungshexe ihre Arme nach den Österreicher ausstreckte. Beim freien Skifahren auf der Reiteralm verletzte sich der heute 28-Jährige schwer. Der Salzburger erlitt bei einem Sturz einen Riss des vorderen Kreuzbandes im rechten Knie und muss damit die Olympia-Saison vorzeitig beenden.

Auch der Comeback Winter war problembehaftet. Als bestes Resultat schaute in der Saison 2018/19 der 23. Rang in Alta Badia/Hochabtei heraus. Er durfte dennoch bei der Ski-WM in Aare (SWE) an den Start gehen, wo er im 2. Durchgang leider ausschied. Der Österreichische Skiverband stufte ihn in den B-Kader zurück. Im Mai 2019 musste er sich noch einmal einer Arthroskopie am rechten Knie unterziehen.

Aber Roland Leitinger wäre nicht Roland Leitinger, wenn er sich nicht zurück gekämpft hätte.  Den ersten Riesenslalom der Saison 2019/20 musste er mit Startnummer 53 in Angriff nehmen. Am Ende des Tages konnte er sich über Platz 19 freuen, das beste Ergebnis seit fast zwei Jahren. In Beaver Creek arbeitete er sich mit Startnummer 46 auf den 21. Rang vor. Ein Fahrfehler kostete Leitinger beim Riesenslalom von Alta Badia einen Top Ten Platz. Als 23. konnte er jedoch wieder einige Weltcuppunkte einfahren.

Einen Tag später feierte er beim Parallel-Riesentorlauf auf der Gran Risa seinen ersten Podestplatz im Ski Weltcup. Hinter dem Premierensieger Rasmus Windingstad und Stefan Luitz stieg er als Dritter auf das Podium. Ein weiteres Topergebnis folgte auf dem Chuenisbärgli in Adelboden wo sich der Salzburger über Platz sechs freuen konnte. Nach einem Ausfall in Garmisch-Partenkirchen, folgten noch drei Top 20 Plätze in Chamonix (18. – Parallel-Riesenslalom), Yuzaba Naeba (13) und Hinterstoder (18).

Dankenswerterweise stand uns Roland Leitinger für unsere Reihe „Skiweltcup.TV kurz nachgefragt“ zur Verfügung

 

Roland Leitinger startete mit Startnummer 53 in Sölden in die Saison (© Claudia Egger / Skiweltcup.TV)
Roland Leitinger startete mit Startnummer 53 in Sölden in die Saison (© Claudia Egger / Skiweltcup.TV)

Du hast dich nach einer schwierigen Comebacksaion 2018/19, in diesem Jahr wieder in der Riesentorlauf WSCL (World Cup Starting List) von Startnummer 53 in Sölden, auf Platz 17 vorgearbeitet. Wie zufrieden bist Du mit der abgelaufenen Saison und welche Ziele hast Du dir für die kommende gesetzt?

Ich analysiere diese Saison auf zwei verschiedenen Ebenen. Erstens aus der Sicht: „Woher bin ich gekommen“ und die sagt mir es war absolut okay und gut wie ich mich wieder nach vorgearbeitet habe. Ich hatte zwei Ziele. Ersteres (Minimalziel) WELTCUPFINALE (Top 25 in der Riesentorlaufwertung) Zweiteres (weiteres Ziel) TOP 15 in der GS-Wertung. Beide habe ich zwar nicht ganz erreicht, aber es wurden leider die letzten zwei Rennen nicht mehr gefahren, aus gegebenen Gründen. Alles in allem muss ich sagen es hat sich wieder ins Positive entwickelt und das stimmt mich zuversichtlich.

Zweitens analysiere ich es nach den ganzen Rennen. Und dort habe ich dann leider aus zu vielen Rennen nicht die 100 % rausholen können. (Alta Badia, Garmisch, Hinterstoder). Diese Sachen machen mich nachdenklich und da probiere ich mir für die nächste Saison viele gute Sachen rauszuholen um dann in der nächsten Saison stärker denn je zu sein.

Ziele für die kommende Saison sind jetzt noch nicht klar definiert, ich bin gerade im „Runterkomm-Modus“. Aber sie werden sich nach Langzeitzielen richten und die sind um Podium und Siege mitzufahren. Speziell ist der Vormarsch in der WCSL-Liste mein Hauptziel

Im Jahr eins nach Marcel Hirscher standen die ÖSV-Techniker des Öfteren in der Kritik. Wie wurde dies im Team aufgenommen und wie wichtig ist ein „Leitwolf“, der durch Erfolge den Druck von der Mannschaft nimmt? Oder glaubst Du, dass man die Österreichischen Skifans auch mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung begeistern kann.

Ja dieses Thema wurde jetzt oft durchgekaut und es ist jetzt schön langsam auch schon ziemlich eintönig diese Fragen zu beantworten.

Aber natürlich habe ich und auch die gesamte Mannschaft nicht diese Leistung abgeliefert die diese Nation gewohnt ist. Dann entsteht diese Kritik, auch auf verständliche Weise. Aber mich selber als Einzelsportler interessiert die von den Medien ausgerufene „Nationale-Krise“ nicht. Es ist ein Thema, dass mich jetzt diese Saison kalt gelassen hat, denn ich habe auf meinen Aufwärtstrend geachtet und den empfand ich als positiv.

Ich glaube mit mannschaftlicher Geschlossenheit wird es am leichtesten sein, regelmäßig Stockerlplätze bzw. Siege einzufahren. Meine Ausgangsposition heuer war schlecht bzw. die des ganzen Teams. Mit einer Saison ist nicht alles getan, wie man sieht und wer geglaubt hat nach dieser Saison ist alles Bestens, der träumt halt ein bisschen zu viel. Es wird wieder steil bergauf gehen, davon bin ich überzeugt, aber halt nicht von heute auf Morgen.

Du wurdest in den letzten Jahren immer wieder von Verletzungen ausgebremst. Wie wichtig ist in einer solchen Zeit der Zuspruch und Rückhalt aus deiner sehr sportlichen Familie? 

Ja diese Pausen haben leider immer wieder bei mir und vielen anderen Kollegen dazugehört. Ich habe in der Folgesaison (2018/2019) eine wirkliche Katastrophen Saison gehabt, die von Schmerzen und allen möglichen geplagt war, diese habe ich hinter mir gelassen und probiert mich auf Wesentliche zu konzentrieren und das ist mir heuer Gott sei Dank mit guter Fitness gelungen.

Ich sehe mein engeres Umfeld immer als sehr wichtigen Punkt und das spielt natürlich in harten Zeiten einen entscheidenden Faktor, um das Ganze auch überwinden zu können.

Der Corona-Virus hat nicht nur den vorzeitigen Saisonabbruch mit sich gebracht, sondern verhindert auch wichtige Skitests, die meistens im Frühling auf dem Programm stehen. Inwiefern hat sich deine Vorbereitung auf die neue Saison geändert, und hat man als professioneller Skirennläufer auch wirtschaftliche Nachteile in dieser ungeklärten Situation zu befürchten?

Ja Skitests gehören in dieser Zeit natürlich dazu. Das ist jetzt alles ein bisschen chaotisch oder ungewohnt. Es hat sich jetzt für mich so verändert, dass die obligate Pause die ich wirklich nach jeder Saison mache und auch brauche, gezwungener Weise schon vorverlegt habe.

Der Eintritt in die Sommervorbereitung wird für mich dann früher kommen als gewohnt.

Wirtschaftlich harte Zeiten werden auch vom Sport nicht Abstand nehmen, deshalb glaube ich, dass es sicherlich nicht einfacher wird. Aber die Furcht davor ist jetzt mal sehr gering.

ÖSV News: Roland Leitinger feiert beim Parallel-Riesenslalom von Alta Badia seinen ersten Ski Weltcup Podestplatz (© Foto: ÖSV)
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