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Tina Weirather im Skiweltcup.TV-Interview: „Wenn man sich zu 100% einem Ziel verschreibt, bleibt nicht viel Freizeit.“

Tina Weirather im Skiweltcup.TV-Interview:  „Wenn man sich zu 100% einem Ziel verschreibt, bleibt nicht viel Freizeit.“ (Foto © Stephanie Büchel)

Tina Weirather im Skiweltcup.TV-Interview: „Wenn man sich zu 100% einem Ziel verschreibt, bleibt nicht viel Freizeit.“ (Foto © Stephanie Büchel)

Gamprin – Die liechtensteinische Skirennläuferin Tina Weirather gibt im Skiweltcup.TV-Interview unverhohlen zu, dass ihre letzte Ski Weltcup Saison mit drei Podestplatzierungen nicht so gut war. Trotzdem schaut sie zuversichtlich nach vorne. Des Weiteren arbeitet sie gerne im Swiss-Ski-Team. Dort kann man sich viel besser pushen, als wenn man alleine oder mit einem Privatteam unterwegs ist. Außerdem spricht die 30-jährige Athletin aus dem alpinen Fürstentum, dass ihr Bruder Herbert beim Ski fahren nicht gerne kalte Füße bekommen hat. Dies und viel mehr lesen Sie im Sommerinterview mit Tina Weirather.

Tina, du bist eine sehr bodenständige und bescheidene Skirennläuferin. Warum sind diese Eigenschaften, sofern man auf Dauer erfolgreich sein will, oftmals wichtiger als Talent und Können? Und wie würdest du diese Charaktere im Hinblick auf deine letzte, etwas schwierige Saison einordnen?

Ich denke nicht, dass es wichtiger ist, bodenständig und bescheiden zu sein, als Talent und das Können zu haben. Im Gegenteil; Es war mir immer wichtig, dass ich nicht „nur“ erfolgreich bin, sondern, dass ich mich als Person weiterentwickeln kann. Erfolg alleine macht nicht glücklich, aber zusammen mit einem Team etwas zu erreichen und gemeinsam durch alle Höhen und Tiefen zu gehen, schon.

In der letzten Saison war eigentlich nur die Disziplin Abfahrt schlecht. Ob meine Saison gut oder schlecht war, hing alleine vom letzten Super-G in Andorra ab. Wenn ich die Kristallkugel im Super-G geholt hätte, würde wohl trotz der Abfahrt niemand von einer schlechten Saison reden.

Aber ich schied aus und wurde nur Dritte im Gesamtklassement, und ich hatte nur drei Podestplätze und keinen Sieg. Das sieht zu den starken drei Jahren davor dann schon schwach aus. Daraus habe ich viel gelernt und es hat mich extrem motiviert, wieder stark zurück zu kommen.

Gemeinsam ist man stark. Wenn Teamkolleginnen sich ähnliche Ziele setzen und zusammen an diesen arbeiten, gesellen sich der Spaß und das gegenseitige Pushen dazu. Weshalb ist es für dich bedeutsam, mit dem Swiss-Ski-Team anstatt oft auf eigene Faust zu trainieren?

Wir sind fast die Hälfte des Jahres zusammen unterwegs und lernen uns von den besten und den schlechtesten Seiten kennen. Das ist schon fast wie in einer Familie. Man gewinnt Freunde fürs Leben. Das würde ich nicht missen wollen und stattdessen selbständig unterwegs sein.

Bevor ich mich Swiss Ski anschloss, war ich oft in einem kleinen Team oder sogar Privatteam unterwegs – ich glaube, da hätte ich bereits aufgehört. Ich liebe das gegenseitige Pushen, und dass wir auf der Piste Konkurrenten, daneben aber auch Freunde, sind.

Ich glaube, das hilft mir nach der Karriere enorm, denn das Trennen von Geschäftlichem und Privatem, ist nicht einfach zu lernen, und der Sport lernt dir das besonders ausgeprägt.

Tina Weirather: „Wenn ich alleine trainieren müsste, hätte ich vielleicht bereits aufgehört“ (© Foto: Riccardo Götz)

Tina Weirather: „Wenn ich alleine trainieren müsste, hätte ich vielleicht bereits aufgehört“ (© Foto: Riccardo Götz)

Deine Eltern Hanni und Harti waren erfolgreiche Skirennläufer. So kann man sagen, dass du die Liebe zur weißen Grundlage und zu den zwei Brettern sprichwörtlich mit der Muttermilch aufgenommen hast. Hätte es in deinen jungen Jahren einen anderen Sport gegeben, den du auch gerne ausgeübt hättest oder was hat schließlich für den Skirennsport den Ausschlag gegeben?

Mein Bruder Herbert und ich, haben beide auch Tennis gespielt. Ihm hat das Tennis besser gefallen, er hatte nicht so gern kalte Füße (lacht). Bei mir war es umgekehrt, das Tennis hat mich wahnsinnig gemacht. Ich habe es gehasst, direkt gegen jemanden zu kämpfen, immer dort hin zu spielen, wo es dem anderen gerade am meisten weh tut.

Das liebe ich am Ski fahren – es gibt nur mich und den Berg. Und im Ziel schauen wir, für was es reicht.

Was machst du in der warmen Jahreszeit? Kannst du uns bitte etwas über deine Trainingsmethoden und -orte erzählen und bei welchem Rennen eröffnest du persönlich den bevorstehenden Winter 2019/20?

Ich mache Ferien bis eine Woche vor dem ersten Rennen, dann mache ich ein paar Kniebeugen und los geht’s (lacht).

Im Konditionstraining haben wir ein paar neue Reize gesetzt, das machen wir jedes Jahr. Das Ziel war, noch mehr Kraft und anaerobe Kapazität zu gewinnen. Das haben wir geschafft, aber es war kein Spaziergang, das wär gelogen. Ich hatte praktisch keine Zeit für Kitesurfen, meine Harley, Golf, oder sonst ein Hobby.

Aber so ist es, wenn man sich zu 100% einem Ziel verschreibt, man kann nur noch das machen, und wenn mal ein Tag frei ist, muss ich mich erholen, um am nächsten wieder fit zu sein.

Das Privatleben mit Freunden und Hobbys ist fast nicht vorhanden, aber ich liebe was ich tue, und habe nach der Karriere noch genug Zeit für alles andere. Wir hatten eigentlich geplant, nach Chile zu gehen, aber weil es fast keinen Schnee hatte, bleiben wir den ganzen Sommer hier, meistens in Saas Fee und Zermatt.

Tina Weirather lächelt zufrieden, wenn sie am Ende der neuen Saison …

…gesund im Ziel steht und ihr Potenzial ausgeschöpft hat.

© Ch. Einecke (CEPIX) / Tina Weirather

© Ch. Einecke (CEPIX) / Tina Weirather

Bericht und Interview für Skiweltcup.TV: Andreas Raffeiner

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