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Skiweltcup.TV kurz nachgefragt: Heute mit Steven Nyman

Skiweltcup.TV kurz nachgefragt: Heute mit Steven Nyman (Foto: Steven Nyman / privat)

Skiweltcup.TV kurz nachgefragt: Heute mit Steven Nyman (Foto: Steven Nyman / privat)

Park City/Utah/Jackson – Wenn man die Karriere des US-amerikanischen Skirennläufers Steve Nyman verfolgt, erkennt man, dass er bislang drei Ski Weltcup Rennen gewonnen hat. Da er alle drei Erfolge in Gröden einfahren konnte, kann man davon ausgehen, dass er die Saslong zur Lieblingsstrecke ernannt hat. Aber auch in Kitzbühel fühlt er sich sehr wohl. Im Skiweltcup.TV-Interview spricht der Speedspezialist über seinen abgelaufenen Winter 2019/20, die Corona-Pandemie in den USA und vieles mehr. Ein kleiner Seitenhieb gegen den US-Präsidenten Trump bleibt dessen ungeachtet nicht aus.

Steven, die Ski Weltcup Saison 2019/20 ist aufgrund der Corona-Pandemie nicht regulär zu Ende gegangen. Wie beurteilst du unabhängig davon deinen Winter 2019/20? Welches Rennen würdest du, rein von den emotionalen und glücklichen Momenten, noch einmal bestreiten wollen und welches würdest du lieber heute als morgen aus deinem Gedächtnis streichen?

Mit meinem letzten Winter, der voller Fehler war, kann ich nicht zufrieden sein. Positiv war der Umstand, dass ich sowohl in allen Super-G’s als auch in allen Abfahrten konstant in die Punkte gefahren bin. Das ist bislang im Super-G noch nie vorgekommen. Von den Resultaten her landete ich auf den Plätzen zehn bis 30, leider nie besser. Ich weiß aber, dass ich noch viel besser sein kann.

Zeitweise konnte ich mit schnellen Fahrten an mein Limit gehen, jedoch war das nicht immer der Fall. Als Höhepunkt könnte ich das Rennen in Kitzbühel nennen.

Ich liebe die Streif und hatte einen guten Plan. Nach der Seidlalm war ich mit Mothl (Matthias Mayer, Anm. d. Red.) gleich schnell, und als es ins Flache ging, hatte ich einen Fehler. So verlor ich meine ganze Zeit.

Ich will unbedingt noch eine Chance auf der „Streif“ freue mich aber über alle Rennen die ich im Ski Weltcup bestreiten darf. Ferner finde ich, dass es ein Privileg ist, wenn eine Piste für uns gesperrt ist, um zu sehen, was wir können und wir gegen die Besten der Welt kämpfen. Das baut mich auf, denn ich liebe den Wettkampf.

Die Corona-Krise ist derzeit nachwievor das tonangebende Thema. In den Vereinigten Staaten von Amerika sieht die Situation alles andere als gut aus. Wie würdest du deine gegenwärtige Lage beschreiben, was machst du in so einer schweren Zeit und gibt es bereits ein Licht am Ende des Tunnels, wenn es darum geht, auf Schnee zu trainieren?

Die Corona-Sache in ist den USA derzeit eines der Probleme von mehreren. An vorderster Front steht derzeit die Black Lives Matter-Bewegung, und ein weiteres großes Thema, das mich mit Leidenschaft beschäftigt, ist der Klimawandel. Es scheint, dass in den USA vieles außer Kontrolle geraten ist, und ich glaube, das liegt an der ungenügenden Führungsrolle unseres Landes. Unser Präsident ist keine Führungspersönlichkeit; er sucht nur Aufmerksamkeit und kümmert sich um sich selbst, und ich hoffe, dass sich das bei den Wahlen im Herbst ändern wird. Wir brauchen Veränderungen, und hoffentlich können solche an allen Fronten vorgenommen werden.

Was meine persönliche Corona-Situation betrifft, so ist alles gut. Meine Familie und ich sind in den Bergen, wo das Leben sicher scheint. Zu Beginn der Corona-Krise traf es aber auch mehrere Ski-Destinationen hart. Es gab viele Fälle in Park City, Sun Valley, Vail… aber wir haben alles, wie in Europa, schnell geschlossen, so dass es nicht schlimmer wurde. Ich denke, die Menschen haben die Zeichen der Zeit gehört und in den kleineren Gemeinden zusammengearbeitet, um bei der Bekämpfung des Virus zu helfen. Aber wenn du dir New York und einige andere Gebiete ansiehst, erkennst du, dass hier die Menschen nicht so viel Glück hatten.

Das US-Skiteam hat gute Arbeit geleistet, um alle nach Hause und in Sicherheit zu bringen. Jetzt laufen die Pläne für das Trainingslager im Sommer.

Wenn einige Skigebiete wieder öffnen, werden wir sehen, welche Möglichkeiten sich bieten. Dabei ist es uns egal ob wir in den Staaten, Europa oder vielleicht auch Südamerika etwas finden. Letzteres schaut im Moment nicht gut aus. Aber für das körperliche Training habe ich Ausrüstungen für eine Kraftkammer zusammengestellt und viel zuhause gearbeitet. So konnte ich mein Training in den eigenen vier Wänden abspulen und musste wegen dem Training nicht ins Hauptquartier des US-Skiteams gehen.

Ich habe auch das Gefühl, dass die Auszeit wirklich gut für mich war. Ich habe mich sehr darauf konzentriert, mir selbst etwas Ruhe zu gönnen, und habe anderthalb Monate lang nicht wirklich viel gemacht und Mitte Mai endlich ernsthaft mit dem Training begonnen, und ich fühle mich wirklich gut!

Steven Nyman: „In der Zwischenzeit sind die Streif und ich eine Einheit geworden, und ich weiß dass ich dort noch ganz oben stehen kann.“ (Foto: Steven Nyman / privat)

Steven Nyman: „In der Zwischenzeit sind die Streif und ich eine Einheit geworden, und ich weiß dass ich dort noch ganz oben stehen kann.“ (Foto: Steven Nyman / privat)

Seitens der FIS will man sich flexibel auf die neue Saison einstellen. Ein Notfallplan, den keiner will, wäre es nur in Europa Rennen durchzuführen, die nur von europäischen Athleten bestritten werden. Ist das das Ende des Weltcups oder muss man alle Szenarien durchdenken, um zu einer Lösung zu kommen? Was würdest du tun, wenn du dem Weltskiverband als Präsident vorstehen würdest?

Das nur Europäer antreten ist ein falscher Vorschlag. Seit einigen Jahren ziehe ich für den Winter nach Europa und bleibe dort. Einige meiner Teamkollegen tun dasselbe, andere gehen ein paar Mal im Winter nach Hause. Aber die Lösung wäre, uns Rennen fahren zu lassen. Aber wir können nicht von den Staaten hin- und herfliegen. Wir müssen über den Winter einen Wohnsitz in Europa haben, um unsere Stellung zu kontrollieren.

Dies ist bereits mein Plan, und ich bin sicher, dass die FIS ihn akzeptieren würde. Wenn ich der Präsident wäre, würde ich es erlauben und würde das bestverfügbare Feld für die Weltcupsaison haben wollen. Es ist besser für den Sport weltweit und wird mehr Augen auf den Sport lenken. Wenn man große Nationen ausschließt, wäre das eine verpasste Gelegenheit.

Wenn wir aus irgendeinem Grund Rennen ohne Zuschauer austragen müssen und die Mehrheit der Menschen zu Hause festsitzt und uns im Fernsehen zuschaut, würde ich mir wünschen, dass ebenso viele Menschen aus verschiedenen Nationen an den Wettkämpfen teilnehmen. Das wird dazu beitragen, die Menschen bei Verstand zu halten.

Du hast in deiner langen Karriere bislang drei Rennen im Weltcup gewonnen. Hand aufs Herz, wirst du in Gröden auch heuer zuschlagen? Und unter uns: Was macht die Faszination „Saslong“ für dich aus? Was können wir darüber hinaus über deine Zielsetzungen im Hinblick auf eine hoffentlich regulär stattfindende Saison 2020/21 mit ihrem Höhepunkt in Cortina d’Ampezzo in Erfahrung bringen?

Ich liebe Gröden und habe mich beim ersten Mal, als ich den Kurs sah, wie zu Hause gefühlt. Ich wusste, was ich tun musste, um zu gewinnen! Die Strecke an für sich ist riskant, und ich habe dort auch schon oft versagt oder bin auch gestürzt.

Bereits als junger Athlet fühlte ich mich auf der Saslon wohl. Ich wusste, wie man die Sprünge und das Gelände meistert. Mit Leo Mussi habe ich einen fantastischen Skimann, der meine Skier präpariert und in Gröden mehr als jeder andere gewonnen hat.

Dabei muss ich auch sagen, dass die Arbeit mit Randy Pelkey viel Spaß macht. Er hat mir sehr viel beigebracht, auch wie ich mit dem Gelände spielen muss. Er ist jetzt unser Cheftrainer und gerade ihm würde ich noch gerne einen Sieg in Gröden widmen.

In den letzten Jahren habe ich mich auch noch mehr auf Kitzbühel konzentriert. In der Zwischenzeit sind die Streif und ich eine Einheit geworden, und ich weiß dass ich dort noch ganz oben stehen kann.

Und natürlich würde ich mich auf die Ski-WM 2021 in Cortina freuen! Der italienische Schnee liegt mich einfach. Es war schade, dass wir in der abgelaufenen Saison hier kein Finale austragen konnten, und so mehr über die neuen WM Pisten kennenlernten. Dieser Ort verinnerlicht die Leidenschaft für den Skisport und hat so viel Mühe in die Veranstaltung gesteckt. Es war für alle hart den Saisonkehraus abzusagen. Ich hoffe, wir können die Piste bei der Ski-Weltmeisterschaft 2021 in vollen Zügen genießen. Wenn nicht freue ich mich auf die Ski-WM 2022 in Cortina.

Steven Nyman: „Ich liebe Gröden und habe mich beim ersten Mal, als ich den Kurs sah, wie zu Hause gefühlt.“ (© GEPA/Fischer Sports)

Steven Nyman: „Ich liebe Gröden und habe mich beim ersten Mal, als ich den Kurs sah, wie zu Hause gefühlt.“ (© GEPA/Fischer Sports)

Bericht und Interview für skiweltcup.tv: Andreas Raffeiner

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