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Von Peter Fill bis Veronique Hronek: Gleich 21 Ski-Asse hängten die Skier an den Nagel

Peter Fill sagt: „Servus!“ – Und wir sagen: „Danke, Peter!“ (Foto: © Archivio FISI/ Alessandro Trovati/Pentaphoto)

Peter Fill sagt: „Servus!“ – Und wir sagen: „Danke, Peter!“ (Foto: © Archivio FISI/ Alessandro Trovati/Pentaphoto)

Kastelruth – Wenn man sich die Liste der zurückgetretenen Skirennläuferinnen und -läufer ansieht, erkennt man gleich viele bekannte Gesichter, die im nächsten Ski Weltcup Winter nicht mehr auf den Ergebnislisten auftauchen werden. Den Löwenanteil geht auf das Konto des DSV. Gleich sechs Athletinnen und Athleten werden nicht mehr in den Kampf um Hundertstelsekunden eingreifen. Doch der Reihe nach.

Aus Südtirol stammt Peter Fill. Der Speedspezialist, der zuletzt stark nach der Form vergangener Jahre suchte, beendete nach zwei WM-Medaillen und dem Gewinn dreier kleiner Kristallkugeln seine Laufbahn. Der 37-Jährige feierte mit seinem Sieg in Kitzbühel vor vier Jahren, bei der Abfahrt auf der Streif, seinen allergrößten Erfolg. So ist er stolz auf die Gondel, die seinen Namen trägt und auf die Goldene Gams, die in seinem Trophäenschrank sicher einen Ehrenplatz innehat.

Seine um wenige Jahre jüngere Landsfrau Hanna Schnarf hat auch die Skier in den Keller gestellt. Viele Verletzungen warfen die stets gut gelaunte und sympathische Dame aus dem Pustertal zurück. Im Weltcup belegte sie zweimal einen zweiten Rang. Für einen Sieg hat es nicht ganz gereicht; auch bei Olympischen Spielen schrammte sie knapp an einer Medaille vorbei. Trotzdem kann sie auf eine Teilnahme an fast 200 Weltcuprennen ihr Eigen nennen. Der Schien- und Wadenbeinbruch vor zwei Jahren war der Grund, weshalb sie nicht mehr weitermacht.

André Mhyrer aus Schweden war im Drei-Kronen-Team der Leitwolf im Slalom-Team. Ruhig, besonnen und hoch konzentriert ging er an den Start. Er gewann sieben Rennen, eine kleine Kristallkugel und darüber hinaus gab es 2018 im südkoreanischen Pyeongchang eine olympische Goldmedaille zum Drüberstreuen. Wir werden den charismatischen Skandinavier sicher auch vermissen, wenn Mitte November die Torlauf-Saison 2020/21 im finnischen Levi ihre Tore öffnen wird.

Sein Mannschaftkollege Matts Olsson hat auch genug. Der Schwede war ein ausgewiesen filigraner Techniker, der recht gute Resultate im Weltcup erzielen konnte. Seine Sternstunde erfolgte kurz vor Weihnachten 2017, als er beim Parallel-Riesenslalom auf der Gran Risa in Alta Badia/Hochabtei die Konkurrenz schockte und seinen ersten (und letzten) Sieg einfahren konnte.

Dustin Cook aus Kanada beendete im Alter von 31 Jahren seine sportliche Karriere. Im Januar 2020 legte er eine Pause ein. Bedingt durch die Corona-Pandemie wurde seine Abschiedsvorstellung im norwegischen Kvitfjell abgesagt. Der Kanadier gewann 2015 bei den Ski-Welttitelkämpfen im US-amerikanischen Beaver Creek hinter dem Österreicher Hannes Reichelt die Silbermedaille im Super-G.

Ähnlich wie Olsson erinnert sich der Franzose Robin Buffet gerne an Südtirol zurück. Der Mann der Equipe Tricolore triumphierte vor fünf Jahren beim Europacup-Torlauf in Obereggen. Wenn man bedenkt, dass sein Landsmann Julien Lizeroux, der im September 41 Jahre alt wird, wohl weitermacht, ist Buffet noch ein Jungspund. Bleibt zu hoffen, dass Letzterer auch abseits der Piste eine Bestimmung oder Berufung findet, die seinen Leidenschaften entspricht und die ihm Spaß macht.

Der 32-jährige Fritz Dopfer wurde im Jahr 2015 Vize-Weltmeister im Slalom. Neben Felix Neureuther war Dopfer jahrelang das Aushängeschild im DSV-Torlauf-Kontingent. Ähnlich wie Schnarf zog auch er sich einen Schien- und Wadenbeinbruch zu. Dies war im Jahr 2016 der Fall. Leider konnte der sympathische Athlet kaum noch positive Akzente in Form einer Qualifikation für den zweiten Durchgang setzen, sodass er einen Schlussstrich setzte und die Skier an den berüchtigten Nagel hängte.

Relativ jung waren Klaus Brandner und Benedikt Staubitzer bei ihrem Karriereende. Dominik Stehle machte es seinen deutschen Kollegen nach. Alle drei standen mehrfach vor dem Sprung in die Weltspitze, doch Verletzungen zum ungünstigsten Zeitpunkt sorgten dafür, dass es nicht immer ganz nach Wunsch verlief und sich andere Athleten auf den guten Positionen klassierten.

Dass das (sportliche) Leben nicht im Konjunktiv stattfindet, weiß auch der Österreicher Johannes Kröll. Im Ski Weltcup war er nicht sehr erfolgreich, wohl aber im Europacup. In Reinswald landete er fünfmal auf dem Treppchen. Wer weiß, was aus dem 29-Jährigen geworden wäre, wenn die Speedrennen im Sarntal einen Weltcupcharakter aufweisen würden oder in seinem Fall aufgewiesen hätten. Im Jahr 2017 holte er sich dort auch den Abfahrtssieg.

Seine gleichaltrigen Kollegen Elia Zurbriggen aus der Schweiz und Wiley Maple aus den USA beendeten auch ihre Laufbahnen. Während bei Zurbriggen vielleicht der Name seines berühmten Vaters Pirmin eher als zentnerschwere Gewicht auf den Schultern lastete und er als bestes Resultat einen achten Rang im Weltcup vorzuweisen hatte, feierte der US-Boy 2013 im französischen Val d’Isére einen Sieg bei einem Europacup-Rennen. Ach ja, Zurbriggen stand auf kontinentaler Ebene auch einmal auf der höchsten Stufe des Podiums. Das war 2017 in der Hochpustertaler Marktgemeinde Innichen der Fall.

Tina Weirather beendete auch ihre Karriere. Die Liechtensteinerin, 30 Jahre jung, war ihr halbes Leben lang im Ski Weltcup unterwegs. Neben 41 Podestplatzierungen, zwei Super-G-Kristallkugel und dem Gewinn jeweils einer WM- und einer Olympiamedaille hat die Tochter von Hanni Wenzel und Harti Weirather genug. Einige Verletzungen charakterisierten ebenfalls ihre Laufbahn. Auch die Dame aus dem alpinen Fürstentum wird uns fehlen, wenn wir in der neuen Saison die Startlisten studieren werden.

Die beiden italienischen Ski-Schwestern Elena und Nadia Fanchini haben sich in der letzten Woche zusammen von der Ski Weltcup-Bühne verabschiedet. Während die 34-jährige Elena aufgrund einer schweren Verletzung nicht mehr den Anschluss schaffte, freute sich ihre um ein Jahr jüngere Schwester Nadia über Nachwuchs. Wenn man die Karrieren der beiden azurblauen Damen anschaut, erkennen wir, dass beide je zweimal auf die höchste Stufe des Podests klettern durften und als Siegerin der Menge im Zielraum zujubeln konnten.

Nina Haver-Løseth aus Norwegen gewann ebenfalls zwei Rennen. Die Wikingerin, laut Weirather „das heißeste Mädchen auf der Tour“ gewann mit ihren Kolleginnen und Kollegen in Pyeongchang die olympische Bronzemedaille im Mannschaftsrennen. Außerdem fuhr die Technik-Spezialistin sechs weitere Male auf ein Weltcup Treppchen.

Ebenfalls nicht mehr dabei ist die Slowenin Ana Drev. Die 34-Jährige kam auf beinahe 150 Weltcup Einsätze. Besonders wohl fühlte sie sich im Riesenslalom, der nicht nur von Ski-Insidern als Grundlagendisziplin bezeichnet wird. Im Weltcup konnte sie sich über zwei Podestplatzierungen freuen.

Neben Mhyrer und Olsson ist mit Ylva Stålnacke auch eine Vertreterin der schwedischen Farben zurückgetreten. Die 27-Jährige war im Weltcup bei weitem nicht so erfolgreich wie im Europacup. Die Angehörige des Drei-Kronen-Teams kam auf kontinentaler Ebene auf fünf Erfolge.

Christina „Tina“ Ackermann und Veronique „Nicki“ Hronek prolungieren die lange Liste des Deutschen Skiverbandes. Während die Slalom-Spezialistin – und da meinen wir Ackermann – beim City Event in Stockholm um Haaresbreite einen Sieg verpasste und dennoch als Zweite glücklich sein konnte, durchkreuzten viele Verletzungen die hehren Ambitionen und Zielsetzungen der Speedspezialistin Hronek. Trotzdem war es immer eine Freude, beiden schwarz-rot-goldenen Frauen beim Fahren zuzuschauen.

Bericht für skiweltcup.tv. Andreas Raffeiner

Quelle: www.sportnews.bz

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