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Setzt Lucas „Pinheiro“ Braathen in Schladming zum Sprung auf das Podest an?

Setzt Lucas "Pinheiro" Braathen in Schladming zum Sprung auf das Podest an?

Setzt Lucas „Pinheiro“ Braathen in Schladming zum Sprung auf das Podest an?

Schladming – Zugegeben, nicht jeder weiß, wie Lucas Braathen, der Sensationsmann von Kitzbühel, mit zweitem Vornamen heißt. Der 19-jährige hört auf den südländisch klingenden Namen Pinheiro. Und was der Wikinger in der Gamsstadt gezeigt hat, war fast schon ein Sambatanz. Aus der Hüfte heraus carvte er um die Tore, als ob es nichts einfacheres auf der Welt geben würde. Am Ende wurde er zeitgleich mit seinem erfahrenen Teamkollegen Henrik Kristoffersen Vierter. Man kann gespannt sein, was Braathen auf der Planai leisten wird.

Am 14. April wird der Sohn einer Brasilianerin und eines Norwegers 20 Jahre jung. Ursprünglich wollte der Noch-Teenager dem runden Leder nachlaufen und Fußballer werden. Wie fast jeder Nordeuropäer stand er mit drei, vier Jahren auf den beiden Brettern und betrieb das Ganze als Hobby. Erst mit neun Jahren nahm er eine Skikarriere in Angriff. Vor zehn Jahren wurde ein Zehn-Jahres-Plan aufgestellt und dieser besagte, dass er innerhalb eines Jahrzehntes an der Weltspitze steht. Man ist voll im Soll, grinst der Skirennläufer, der das bekannte Osloer Skigymnasium besuchte.

Die Karriere im Zeitraffer: Mit 16 bestritt er sein erstes FIS-Rennen; aufgrund guter Platzierungen und Resultate debütierte er ein Jahr später im Europacup und im Dezember 2018 war er das erste Mal im Weltcup im Einsatz. Das war beim Riesentorlauf im französischen Val d’Isère der Fall. Er katapultierte sich mit der sehr hohen Startnummer 60 gleich in die Punkteränge und schwang auf Position 26 ab. Angespornt von dieser großen Leistung feierte er kurze Zeit später seinen ersten Sieg auf kontinentaler Ebene in einem Europacuprennen.

Vor einem Jahr gastierten die weltbesten Juniorinnen und Junioren im Fassatal. Dort fand die Ski-Weltmeisterschaft statt. Der Norweger gewann die Silbermedaille im Super-G, und in der Kombination freute er sich über den Gewinn der Bronzemedaille. Braathen hat mit total drei Triumphen und drei weiteren Sprüngen auf das Treppchen im letzten Winter die Europacupwertung im Riesenslalom für sich entschieden. Vier Ausfälle in fünf Rennen in der Ski Weltcup Saison 2019/20 zeigten, dass er noch etwas Lehrgeld bezahlen musste.

In dieser Saison ging der sprichwörtliche Knopf auf. Beim Riesenslalom auf dem Rettenbachferner glänzte er im Finale und klassierte sch dank der Laufbestzeit auf Rang sechs. Auf der Gran Risa war er sowohl im normalen, als auch im Parallel-Riesentorlauf erfolgreich und freute sich über die Plätze acht und fünf. Beim Torlauf in Zagreb wurde er Sechster. In Kitzbühel konnte er sich nach der sensationellen Halbzeitführung trotzdem über den vierten Endrang, gleichbedeutend mit seinem bisher besten Resultat im Weltcup, freuen. Auch wenn er die Jagd auf die Gams anderen überlassen musste, wird er sicher bald auch die Jagd auf seine erste Podestplatzierung in Angriff nehmen. Vielleicht ist das heute schon auf der Planai der Fall.

Ohne Zweifel ist der 19-Jährige ein riesengroßes Talent. Insider sehen in Lucas Pinheiro Braathen einen Hoffnungsträger und einen potenziellen Anwärter auf die große Kristallkugel. Er denkt nicht resultatbezogen, sondern konzentriert sich lediglich auf das Skifahren. Das macht in der Summe die Leichtigkeit des Seins und den fantastischen Zugang zum Sport aus. Norwegens Alpinchef Claus Ryste ist überzeugt von dem Jungspund. Und Cheftrainer Steve Skavik sagt ihm eine große Karriere voraus, und unterstreicht dabei auch die Allrounder Fähigkeiten seines Schützlings. Zurzeit wird er jedoch eher zu den technischen Disziplinen Slalom und Riesentorlauf tendieren.

Konkurrent Marco Schwarz lobt den norwegischen Brasilianer und weiß, dass Letzterer schon den ganzen Winter brutal stark unterwegs ist. Denn wer Sechster in Sölden und Zagreb wird, muss schon etwas können. Nicht nur der Kärntner weiß, dass wir in Zukunft mit dem coolen Athleten aus dem hohen Norden und Samba im Blut rechnen müssen. Und der ORF kann sich nicht mehr leisten, mutmaßliche Halbzeitführende zu interviewen und den Fans zuhause den Athleten mit der schnellsten Zeit zeitversetzt zu präsentieren.

Bericht für skiweltcup.tv: Andreas Raffeiner

Quellen: nrk.no, laola1.at

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