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Christina Ager im Skiweltcup.TV-Interview: „Erfolg ist eine Reise und kein Ziel“.

Christina Ager im Skiweltcup.TV-Interview: Erfolg ist eine Reise und kein Ziel“. (© Foto Christina Ager / privat)

Christina Ager im Skiweltcup.TV-Interview: „Erfolg ist eine Reise und kein Ziel“. (© Foto Christina Ager / privat)

Söll – Erinnern Sie sich noch an den ersten Slalom im Weltcupwinter 2013/14? Mit der hohen Startnummer 53 preschte die junge Tirolerin Christina Ager bei ihrem allerersten Rennen nach vorne und belegte den sehr guten vierten Rang. Mittlerweile hat sie die Slalomskier nur zu Trainingszwecken ausgegraben und wenn es darauf ankommt, bei den Super-Kombinationen zum Teil angeschnallt. Die charismatische Skirennläuferin, die im November 24 Jahre alt wird, stand uns Rede und Antwort und sprach mit uns über einen Satz auf ihrer Homepage, das besagte Rennen in Finnland, den Wandel zur Speedspezialistin, Idole, die Lust am Skifahren und vieles mehr.

Christina, wer auf deiner Homepage surft, stößt gleich auf den Satz „Erfolg ist eine Reise und kein Ziel“. Ist dieser Satz so etwas wie dein Lebensmotto? Aus welchem Grund kann man diesen etwas philosophisch angehauchten Sinnspruch auch 1:1 auf das Leben abseits der Skipiste ummünzen?

Ich finde, dass dieser Satz sehr gut zu mir passt. So setze ich mir gerne Ziele und auch Ziele, die in kurzer Zeit erreichbar sind. Es geht mir nicht nur um das Ziel, denn das ist nur ein Teilstück. Es freut mich immer, wenn ich etwas erreicht habe und ich habe dabei ein gutes Gefühl. Am nächsten Tag geht es aber weiter, auch abseits der Piste. Auch nach der Karriere als aktive Skirennläuferin ist es wichtig, wenn man sich Ziele setzt, die man erreicht. Und ich freue mich darauf, wenn ich alle erreichen kann.

Vielen von uns ist dein sensationeller vierter Platz bei deinem ersten Weltcuprennen (Slalom in Levi, November 2013, Anm. d. Red.) in Erinnerung. Mittlerweile möchtest du in den Speeddisziplinen Abfahrt und Super-G über kurz oder lang für Furore sorgen. Welche Faktoren sind bei dir eingetroffen, um dich von einer technisch versierten zu einer schnellen Athletin zu verwandeln?

Natürlich ist mir der vierte Platz in Levi in Erinnerung geblieben. Es war mein Weltcupdebüt und es war wahnsinnig cool, dass ich da schon Vierte geworden bin. Warum ich dann vom Slalom auf die Abfahrt gewechselt bin, kann ich sagen: ich war einfach nicht mehr schnell genug. Ich habe dann auch den Super-G für mich entdeckt, es ist viel Spaß dabei. Ich habe nun den Weg oder meine Richtung gefunden, die ich einschlagen will. Ich will die Zeit im Slalom nicht missen, denn ich habe viel gelernt und es war cool.

In der Super-Kombination gibt es heuer vier Rennen und diese Disziplin gibt es auch bei Großereignissen. So kann ich weiterhin im Torlauf trainieren und meine ehemalige Leidenschaft ist nicht ganz abhanden gekommen. Aufgrund meiner Körpergröße (181 cm, Anm. d. Red.) sehe ich größere Vorteile in der Abfahrt und es macht Spaß und jedes Rennen ist vom Speed her lässig und eine neue Herausforderung. Ich freue mich schon auf den nächsten Winter.

Christina Ager: Ich freue mich schon auf den nächsten Winter. (© Foto Christina Ager / privat)

Christina Ager: Ich freue mich schon auf den nächsten Winter. (© Foto Christina Ager / privat)

Als Idole werden in der Psychologie Menschen bezeichnet, an denen sich andere orientieren und dessen Verhaltensweisen und Ansichten sie in der Sozialisation übernehmen. Ist das im Skirennsport auch so oder bist du eher eine Athletin, die von Tag zu Tag denkt, sowohl in den Rennen als auch in den Trainings stets das Optimalste aus sich herausholt und versucht, mit sich im Reinen zu sein und sich immer treu zu bleiben?

Ja, sicher gibt es Idole. Und es gibt coole Menschen, die einen inspirieren. Die gibt es in unserem Sport, aber auch in anderen Sportarten zu finden. Es gibt auch andere, die mich beflügeln. Doch im Prinzip ist jeder sein eigener Mensch, der seinen eigenen Weg gehen muss.

Bei den Rennen und bei den Trainings schaue ich von Tag zu Tag, da sich viel von einem auf den anderen Tag ändern kann. Wie gesagt, ist es wichtig, Ziele zu setzen und zu wissen, wo man hin will. Des Weiteren ist es ganz bedeutsam, sich treu zu bleiben. Sowohl Sportler als auch andere Menschen punkten durch ihre Individualität und ich finde es gut, dass man sich das beibehalten muss.

Wie würdest du einem Desinteressierten die Lust am Sport im Allgemeinen und am Skifahren allgemein vermitteln? Wie würdest du deine Sportart beschreiben, die durch den Gemeinsinn und das Miteinander in den Trainingseinheiten ein Mannschaftssport und durch die Einsamkeit im Starthaus und auf der Strecke binnen kurzer Zeit zu einem Einzelsport avanciert?

Ich bin mit zwei Jahren das erste Mal auf den Skiern gestanden und so kann ich sagen, dass das eine Leidenschaft ist, die mich von klein auf begleitet. Wenn ich in meinem Umfeld, also am Wilden Kaiser mit den Brettern unterwegs bin, kommen viele Erinnerungen von früher hoch. Die Bergwelt ist schon cool und somit ist die Lust am Skifahren schon extrem groß bei mir. Jeder hat andere Interessen und Leidenschaften und das ist gut so. Jeder, der Ski fährt und in den Bergen und der freien Natur ist, hat viel Spaß an der Sache. So würde ich jedem empfehlen, Ski fahren zu lernen, wenn er es noch nie ausprobiert hat.

Für mich ist es wichtig, dass innerhalb der Mannschaft ein gutes Klima herrscht und wir eine gute Gruppe sind. Wir sind fünf, sechs Mädels, die alle gleich alt sind, die gleichen Ziele haben und sich gegenseitig pushen. Im Training haben wir gute Vergleiche und es ist wichtig, dass man sich immer weiterentwickelt und einen Schritt nach dem anderen setzt. Natürlich kommt auch der Spaß dazu. Man muss miteinander gut auskommen, wenn man mit einer Kollegin beispielsweise auf dem Zimmer ist.

Natürlich ist man allein, wenn man im Starthaus steht und nur noch gegen die Uhr fährt. Dass wir ein Team sind, macht das Ganze um ein Vielfaches einfacher. Wir verstehen uns super gut, der Zusammenhalt ist wichtig und ich freue mich für jede Einzelne, wenn ich sehe, wie viel Herzblut sie in das Ganze hineinsteckt und erfolgreich ist. Gemeinsam ist man stark

Die sommerlichen Trainingseinheiten sind voll im Gange. Und bald stehen schon der Herbst und einhergehend die letzten Übungen inklusive Feinschliff auf dem Programm. Was können wir über deinen Etappenfahrplan bis zu deinem ersten Start im Ski Weltcup Erfahrung bringen?

Im Sommer trainiere ich im Sportresort Hohe Salve in Hopfgarten. Dort kann ich mich perfekt auf den kommenden Winter vorbereiten. Da ich mir heuer im März das Kreuzband im linken Knie gerissen habe, muss ich mit dem Schneetraining noch etwas warten. Voraussichtlich werde ich Im September wieder auf meine zwei geliebten Brettl‘n zurückkehren. Aber bis dahin wird noch fleißig in der Kraftkammer trainiert.

Christina Ager riss sich im März das Kreuzband des linken Knies (Foto: Christina Ager / Facebook)

Christina Ager riss sich im März das Kreuzband des linken Knies (Foto: Christina Ager / Facebook)

Bericht und Interview für Skiweltcup.TV: Andreas Raffeiner

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