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Raphaela Suter im Skiweltcup.TV-Interview: „Wenn ich gesund den Berg hinunterflitzen kann, bin ich glücklich!“

Raphaela Suter im Skiweltcup.TV-Interview: „Wenn ich gesund den Berg hinunterflitzen kann, bin ich glücklich!“

Raphaela Suter im Skiweltcup.TV-Interview: „Wenn ich gesund den Berg hinunterflitzen kann, bin ich glücklich!“

Stoos – Die Schweizer Skirennläuferin Raphaela Suter ist erst 21 Jahre jung. Sie ist sehr talentiert und möchte hoch hinaus. Nach einer schweren Verletzung hat sie sich wieder zurückgekämpft. Im Skiweltcup-TV-Interview berichtet die sympathische Eidgenossin über ihren letzten Ski-Winter, ihr Talent und über einen möglichen Talisman, der ihr Glück bringt. Einen solchen hat bekannterweise Kira Weidle im Stofftier „Zauchi“ gefunden.

Skiweltcup.TV: Raphaela, du bist eine junge und dynamische Skirennläuferin im Swiss-Ski-Team. Wie würdest du mit eigenen Worten den letzten Ski-Winter beschreiben? Was hat dir gut gefallen, und welche Erlebnisse und Ereignisse würdest du im Nachhinein am liebsten aus deinem Gedächtnis streichen?

Raphaela Suter:  Da ich im März 2015 einen schweren Unfall hatte, war dies meine erste Saison, die ich wieder bestreiten durfte. Durch das schlechte Wetter hatten wir viele Skitage verpasst, und ich hätte mir ein bisschen mehr Schneetraining gewünscht, so dass ich optimaler auf die ersten Rennen vorbereitet gewesen wäre. Nichtsdestotrotz konnte ich endlich nach so langer Zeit zurück im Starthaus stehen und durfte wieder spüren, wie es ist, nervös zu sein.

Ich hatte für mich persönlich viele kleine Highlights, über die ich sehr dankbar bin. Einer meiner grössten Highlights war aber der Sieg auf der Strecke, auf der ich mich damals verletzt habe. Es war für mich die schönste Saison, die ich jemals bestreiten durfte, denn ich hatte so viele tolle Erlebnisse und ich konnte nach so langer Zeit endlich wieder dieser Leidenschaft nachgehen, von der ich so viel Erfüllung erhalte. Das Beste am Ganzen ist aber noch, dass ich komplett schmerzfrei meine Skitage genießen kann!

Inwiefern reicht es nicht, nur eine talentierte Athletin zu sein? Warum muss man auch ehrgeizig, vielleicht etwas egoistisch, aber vor allem selbstbewusst und hart im Nehmen sein, um kurz- bis langfristig erfolgreich zu sein?

Talent allein reicht lange nicht mehr. Mit Talent kann man sich vielleicht durch die JO-Zeit „schmuggeln“, aber danach merkt jeder Athlet, ob er mit all diesem Druck und dem vielen Reisen umgehen kann. Im Skifahren will jeder gewinnen, aber es kann nur einen Sieger geben. Somit erlebt man sehr viele Niederlagen, mit welchen nur die wahren Sieger umgehen können. Gelingt dies nicht, kann man schnell daran zerbrechen. Für mich braucht es eine gute Mischung aus all diesen Punkten. So ist der Egoismus gleichwohl ein wichtiger Aspekt. Zur rechten Zeit sich nur auf sich selber zu konzentrieren ist eine wahre Gabe und bringt schlussendlich die erkämpften Siege auf das eigene Konto.

Raphaela Suter: "Im Skifahren will jeder gewinnen, aber es kann nur einen Sieger geben."

Raphaela Suter: „Im Skifahren will jeder gewinnen, aber es kann nur einen Sieger geben.“

Wenn man gute Resultate einfährt, kann man zufrieden und glücklich sein. Was bedeutet für dich „Glück“, und wann warst du persönlich am glücklichsten, privat wie sportlich gesehen?

In den letzten Jahren habe ich durch meinen Unfall vor allem meinen Körper besser kennengelernt. So erlitt ich im rechten Bein einen Schien- und Wadenbeintrümmerbruch und im linken Knie riss ich mir gleichzeitig das Kreuzband. Ich hatte sehr viele Schmerzen und erlebte immer wieder kleine Tiefschläge. Als ich nach etlichen Operationen endlich schmerzfrei den Berg runterflitzen konnte, erlebte ich einen Moment voller Glücksgefühle. Für mich bedeutet „Glück“, wenn ich gesund bin und mich in dem verwirklichen kann, in dem ich mich frei fühle.

Die DSV-Athletin Kira Weidle hat mit dem Stofftier „Zauchi“ einen persönlichen Talisman, der wohl bei jedem Rennen mit von der Partie ist und darüber hinaus ihr die Daumen drückt. Hast du auch einen persönlichen Glücksbringer, und warum ist es niemals verkehrt, etwas abergläubisch zu sein?

Ich muss gestehen, dass ich einen Teddy habe, der mir nie von der Seite rückt. Ich habe ihn von jemandem bekommen, der mir sehr viel bedeutet. Durch meinen Teddy habe ich immer etwas dabei, das mich an Zuhause erinnert und mir ein wenig Trost spendet, wenn es mal nicht so lief, wie ich es gern gewollt hätte. Ein bisschen Aberglaube gibt mir in solchen Situation ein wenig die Tagesordnung zurück. So hat mein Teddy eine heilende Wirkung und hilft mir, meine Ziele zu erreichen. Manchmal ist er einfach auch nur mein stiller Zuhörer, der mit mir meine Gedanken teilt.

Blicken wir auf die Trainingseinheiten in der warmen Jahreszeit. Weshalb ist es immer gut, ein abwechslungsreiches Training abzuspulen, um dann im Winter, wenn es ernst wird, auf die Sekunde fit zu sein?

Im Winter gibt es nicht viele Möglichkeiten, Änderungen im Training einzubringen. Wir haben ein striktes Rennprogramm und versuchen bestmöglich dafür fit zu sein. Deshalb ist es umso besser für den Kopf und den Körper, wenn man im Sommer etwas anders und vielseitiger trainieren kann. Dadurch kriegt man Abwechslung im Alltag und trainiert Muskeln, die sonst nicht beansprucht werden.

Auch ich liebe den Sommer und genieße die Zeit neben dem Skifahren, und der Temperatur- und Standortwechsel im für uns sehr kurzen Sommer gibt mir Zeit zum Abschalten und den Rennsport ein wenig zu vergessen. Aber durch diese schneefreie Zeit kommt auch wieder das Kribbeln in mir auf, die Lust auf Schneetage und auf Rennatmosphäre. Die Begeisterung steigert sich durch den Sommer wieder um ein Vielfaches und zeigt mir, wie sehr ich solche Rennsituationen überhaupt vermissen kann.

Bericht und Interview für Skiweltcup.TV: Andreas Raffeiner

Raphaela Suter: " Es ist gut für den Kopf und den Körper, wenn man im Sommer etwas anders und vielseitiger trainieren kann."

Raphaela Suter: “ Es ist gut für den Kopf und den Körper, wenn man im Sommer etwas anders und vielseitiger trainieren kann.“

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