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Rohdiamant oder Ski-Juwel: Lara Colturi im Skiweltcup.TV-Interview

Lara Colturi möchte in Levi „endlich“ ihr Weltcupdebüt feiern (Foto: © Lara Colturi / Privat)

Lara Colturi möchte in Levi „endlich“ ihr Weltcupdebüt feiern (Foto: © Lara Colturi / Privat)

Ushuaia – Wie viele andere Skirennläuferinnen und -läufer auch bereitet sich die italienische Teenagerin Lara Colturi, die seit einigen Monaten für Albanien an den Start geht, auf den neuen Winter vor. Überdies wusste sie mit gar einigen Siegen bei FIS-Rennen zu überzeugen. Ohne Zweifel kann die junge Athletin als Rohdiamant oder Ski-Juwel bezeichnet werden. Wir von Skiweltcup.TV baten sie nach einer Trainingseinheit in Südargentinien zu einem Kurzinterview.

Lara, du bist sehr jung und sehr erfolgreich. Was ist für dich das Schöne am Sport im Allgemeinen und am Skirennsport im Besonderen? Hättest du dich auch für eine andere Sportart erwärmen können, wenn deine Mutter Daniela, immerhin vor zwei Jahrzehnten Super-G-Olympiasiegerin, keine Skirennläuferin gewesen wäre?

Es stimmt, dass ich jung bin und dass ich noch viel experimentieren und lernen muss. Erfolg und Niederlage sind Teil des Spiels, aber ich ziehe es vor, zu spüren, wenn man zuschlägt, wie man mit der Umgebung harmoniert und wie man den Schlüssel zu einer Strecke findet. Das ist der Kurs, auf den ich mich konzentrieren möchte. Manchmal lohnt sich das Ergebnis, manchmal nicht.

Sport ist ein Mittel, um mich auszudrücken, Orte kennen zu lernen, Erfahrungen mit meinen Freunden zu teilen und Menschen zu treffen. Skifahren war schon immer ein Teil meines Lebens. Man sagte mir, dass ich im Alter von gerade einmal elf Monaten auf Skiern gestanden bin, mit dem Schnuller im Mund und einem Schnuller unter dem Arm. Natürlich habe ich keine Erinnerung daran.

Beim Skifahren wechsle ich immer gerne die Umgebung und die Situation, aber ich könnte keine Klassifizierung der Sportarten vornehmen, die ich mag. Ich mag sie alle und zu verschiedenen Zeiten. Ich habe bis vor zwei Jahren auf hohem Niveau Eiskunstlauf betrieben. Ich liebe den künstlerischen Teil, den interpretativen Aspekt, die Kleidung, die Musik … Es mag wie das genaue Gegenteil vom Skifahren erscheinen, aber für mich ist es nicht so. Die Sorgfalt der Geste, die Technik … jeder einzelnen Bewegung wird Bedeutung beigemessen.

Dann war der Stress zu groß, Eiskunstlaufen dauert Stunden um Stunden, um einen neuen Sprung zu lernen, muss man tagelang, wochenlang fallen. Es ist ein schöner Sport, aber gleichzeitig auch sehr anstrengend. Jetzt möchte ich nur noch den guten Teil genießen. Vor einem Monat bin ich bei einer öffentlichen Veranstaltung in Vaujany Schlittschuh gelaufen, und ich habe es geschafft, ein paar Doppelsprünge zu machen, nachdem ich monatelang keinen Fuß auf das Eis gesetzt hatte. Das war wichtig. Es bedeutete, dass das Verlassen von Wettbewerben nicht bedeutet, meinen Lieblingssport aufzugeben. Andererseits mag ich Beachvolleyball und Tennis. Sagen wir, ich leide ein bisschen mehr unter Ausdauersportarten … sie langweilen mich.

Vor einigen Monaten hast du mit dem Verbandswechsel für jede Menge Schlagzeilen gesorgt. Wie bist du genau auf Albanien gestoßen? Gab es auch andere Staaten in der engeren Auswahl und hätte ein Privatteam á la Marcel Hirscher oder Lara Gut-Behrami der italienische Verband im Fortlauf deiner hoffentlich langen und erfolgreichen Karriere abgelehnt?

Ganz kurz geantwortet: Ich bin Italienerin, habe die doppelte Staatsbürgerschaft, sowohl die italienische als auch die albanische, und ich trete für den albanischen Verband an.

Bei den FIS-Rennen bist du sehr erfolgreich. Bald werden wir dich im Europacup sehen. Wie schauen deine weiteren Pläne aus, wenn wir beispielsweise deine nächsten fünf Jahre anschauen. Besuchst du auch eine Sportoberschule oder ordnest du all deine Zielsetzungen dem Skirennsport unter?

Wir haben ein Programm, und wir aktualisieren unsere Ziele nach jedem Rennen und am Ende eines jeden Trainingszyklus. Auch die Entscheidung, welche Wettkämpfe ich wann bestreite, hängt davon ab, wie ich mich fühle, wie fit und wie motiviert ich in diesem Moment bin.

Ich besuche das Ski College Frejus. Das Hauptfach ist Finanz- und Wirtschaftsmarketing. Sie haben ein System, das es mir ermöglicht, ohne allzu viel Stress mit meinem Studium Schritt zu halten. Mein Lieblingsfach ist Mathematik, und meine Lehrerin ist super, und vor allem hat sie zwei Söhne, die Trainer sind, also ist sie bei den Rennen immer am Ball. Sie ist nach meiner Großmutter mein größter Fan.

Gibt es abseits des Sports auch noch die eine oder andere Leidenschaft, die in dir steckt, aber nicht so viel Platz in deinem Leben hat? Was möchtest du unseren Lesern noch über dich erzählen, was erzählenswert ist und beispielsweise in ehrlicher Selbstkritik deine Stärken und Schwächen beinhaltet?

Eigentlich liebe ich es zu reisen und zu fotografieren, also ist Sport in diesem Sinne eine Gelegenheit, und ja, ich spiele seit ein paar Jahren Klavier und würde gerne mehr Zeit dafür aufwenden können. Und dann ist da natürlich noch das Eiskunstlaufen. Ich habe meine Tage auf dem Eis verbracht, aber jetzt schaffe ich es einfach nicht mehr, auch weil früher das Eiskunstlaufen mein Training für das Skifahren war und jetzt das Fitnessstudio dazukommt.

Mmmmh, es ist schwierig, mich einer Selbstanalyse zu unterziehen. Vor allem ist es schwer, weil ich jeden Tag etwas Neues lerne, und oft lerne ich es, indem ich Fehler mache. Sagen wir also, die Schwächen von heute geben mir die Möglichkeit, morgen stärker zu werden.

Ich fühle mich normal, wie jedes andere Mädchen in meinem Alter, und abgesehen vom Sport habe ich Momente der absoluten Faulheit, ich kann eine ganze Serie von Netflix an einem einzigen Nachmittag anschauen, wenn ich mich entscheide abzuschalten! Aber ich glaube nicht, dass es sich lohnt, das zu erzählen. (lacht)

Bericht und Interview für Skiweltcup.tv: Andreas Raffeiner

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