7 Mai 2020

Skiweltcup.TV kurz nachgefragt: Heute mit Anton „Toni“ Tremmel

Skiweltcup.TV kurz nachgefragt: Heute mit Anton „Toni“ Tremmel (Foto: Deutscher Skiverband)
Skiweltcup.TV kurz nachgefragt: Heute mit Anton „Toni“ Tremmel (Foto: Deutscher Skiverband)

Rottach-Egern – Der 25-jährige DSV-Athlet Anton „Toni“ Tremmel hat im letzten Winter gute Leistungen zeigen können. Im Januar gewann er in Frankreich sein erstes Europacup-Rennen. Und auch im Ski Weltcup auf dem legendären Ganslernhang in Kitzbühel konnte der 190 cm große Hüne im ersten Durchgang mit Platz sieben seine ganze fahrerische Klasse unter Beweis stellen. Wir sprachen im Interview mit dem Slalomspezialisten unter anderem über die abgelaufene Saison, die Corona-Pandemie, Felix Neureuther und Fritz Dopfer.

Toni, vor Kurzem ging die alpine Ski Weltcup Saison 2019/20 aufgrund der Corona-Pandemie vorzeitig zu Ende. Die Kristallkugeln wurden vergeben, obwohl der eine oder andere Athlet – rein von der Form her – noch einige Rennen hätte bestreiten können. Und wer weiß, vielleicht wäre so manche Entscheidung anders ausgefallen. Wie benotest du im Allgemeinen deinen Winter, und was kannst du in der nächsten Saison daraus lernen?

Grundsätzlich kann ich ein positives Fazit aus dem letzten Winter ziehen. Ich bin, und das ist sehr wichtig, verletzungsfrei durch die ganze Saison gekommen. Ich habe auch einige Ziele, die ich mir vor der Saison gesetzt habe, erreicht, denn ich wollte im Europacup um Siege mitkämpfen und im Weltcup die zweiten Durchgänge erreichen, um einige Punkte zu erzielen. Das ist mir gelungen. Es war ein Schritt in die richtige Richtung. Mitnehmen in den neuen Winter kann ich die Situationen, bei einem zweiten Durchgang bei einem Weltcuprennen dabei zu sein. Dadurch hoffe ich die Ausgangslagen, die man im ersten Lauf erreicht hat, besser zu nutzen.

Daniel Yule hat sich zurückgezogen und kann in einer Gemeindehalle nach bestem Wissen und Gewissen trainieren. Somit stehen ihm in Zeiten der Coronakrise sämtliche Trainingsgeräte zur Verfügung. Wie verbringst du diese etwas außergewöhnliche Zeit, und folgst du beispielsweise via Skype den Anweisungen deiner Trainer, wenn es um Trockeneinheiten geht? Welche Lehren ziehst du aus dieser ungünstigen Epoche, die wir gerade durchstehen müssen?

Wie bei allen Athleten sind die obligatorischen Materialtests und Schneetrainings, die im April stattgefunden hätten, ins Wasser gefallen. Somit ging die Saison quasi einen Monat früher zu Ende. Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich alles zuhause habe, um meine Einheiten durchziehen zu können. Es hat schon Trainingseinheiten mit dem Team gegeben, die auf Skype stattgefunden und die wir dann gemeinsam virtuell in der Mannschaft zusammen durchgeführt haben. Das war auch eine schöne Abwechslung. Aus dieser ungünstigen Situation lerne ich, dass ich es wieder mehr zu schätzen weiß, wie gut es mir eigentlich geht, sowohl im Trainingsalltag als auch  mit den alltäglichen Dingen des Lebens.

In Kitzbühel konnte Anton Tremmel im ersten Durchgang mit Platz sieben seine ganze fahrerische Klasse unter Beweis stellen.
In Kitzbühel konnte Anton Tremmel im ersten Durchgang mit Platz sieben seine ganze fahrerische Klasse unter Beweis stellen.

Du bist im Slalom erfolgreich und möchtest über kurz oder lang in die Fußstapfen von Felix Neureuther und Fritz Dopfer treten. Sind diese noch etwas zu groß oder ist es wichtig, die beiden langjährigen DSV-Leistungsträger als Vorbilder zu sehen? Oder bist du ein Skirennläufer, der sich hundertprozentig nur auf sich konzentriert und Schritt für Schritt an seinem eigenen Stil arbeitet und so an seinen Zielen festhält, die er eines Tages erreichen wird?

Ich habe das große Glück gehabt, dass ich mit beiden Athleten noch unterwegs sein durfte. Natürlich kann man sich von diesen beiden erfahrenen und erfolgreichen Athleten vieles abschauen und auch von ihnen lernen. Es ist aber auch wichtig, dass man nicht einfach versucht, Dinge zu kopieren oder nachzumachen, sondern versucht die Impulse für sich zu nutzen, um sich dann zu verbessern.

Bei der Ski-WM 2019 im schwedischen Åre wurdest du seitens der Verbandsführung überraschenderweise für die Welttitelkämpfe  nominiert. Im Teambewerb belegtest du gemeinsam mit Lena Dürr, Christina Geiger, Linus Straßer und den Ersatzathleten Marlene  Schmotz und Dominik Stehle den vierten Rang. Was muss alles passen, damit die ranghohen Sportfunktionäre innerhalb des DSV deine Nominierung nicht als Überraschung, sondern als Bestätigung deiner sehr guten Leistungen ausweisen müssen?

Zunächst einmal war es für mich eine wirklich tolle Erfahrung, bei den Weltmeisterschaften in Åre dabei gewesen zu sein. Man kann als junger Athlet bei einem solchen Großereignis richtig viel lernen. Schade, dass wir trotz guter Leistung im Team nur knapp an der Medaille vorbeigeschrammt sind. Und mein 25. Platz im Slalom war für meinen ersten WM-Auftritt auch in Ordnung.

Im Vorfeld der WM konnte ich mich mit guten Europacup-Rennen für eine Nominierung empfehlen. Das System im DSV ist hier über alle Lehrgangsgruppen sehr durchlässig. Gerade junge Aktive können sich mit guten Leistungen für die Teilnahme an Großereignissen qualifizieren, wenn Startplätze zur Verfügung stehen und die Leistungen im Vorfeld stimmen. Das wird auch bei Junioren-Weltmeisterschaften oder den Olympischen Spielen der Jugend so gehandhabt.

Anton Tremmel gewann Anfang Januar den Europacup-Torlauf in Vaujany (Foto: © DSV)
Anton Tremmel gewann Anfang Januar den Europacup-Torlauf in Vaujany (Foto: © DSV)

Bericht und Interview für skiweltcup.tv: Andreas Raffeiner

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