18 Oktober 2021

Blick auf die Ski Weltcup Saison 2021/22 der Herren: Alle jagen Alexis Pinturault

Blick auf die Ski Weltcup Saison 2021/22 der Herren: Alle jagen Alexis Pinturault
Blick auf die Ski Weltcup Saison 2021/22 der Herren: Alle jagen Alexis Pinturault

Sölden – Am kommenden Sonntag startet der Ski Weltcup Winter 2021/22 der Herren. Der Franzose Alexis Pinturault hat den zweiten Gesamtweltcupsieg in Folge im Fokus, doch er muss im Super-G und im Slalom konstanter werden. Denn die Speed-Asse wollen aufgrund des ausgeglichenen Kalenders sehr früh dem Athleten der Bleus Paroli bitten. Mit Marco Schwarz aus Österreich und Loic Meillard aus der Schweiz können zwei Konkurrenten Pinturault gefährlich nahe kommen. Damit sie von der großen Kristallkugel träumen können, müssen sie zum letzten Qualitätssprung ansetzen.

Aber es gibt mehrere Skirennläufer, die das Zeug haben, am Ende der langen und kräftezehrenden Olympiasaison ganz oben zu stehen. Der Eidgenosse Marco Odermatt zählt dazu, der Norweger Aleksander Aamodt Kilde, sobald er sich auf einem hohen Niveau befindet, ebenso. Der ÖSV-Athlet Matthias Mayer, 2014 in Sotschi Abfahrts- und vier Jahre später in Pyeongchang Super-G-Olympiasieger, darf sicher nicht außer Acht gelassen werden. Dominik Paris aus Südtirol und Doppelweltmeister Vincent Kriechmayer aus Österreich sind auch zu nennen. Swiss-Ski-Athlet Beat Feuz träumt von seiner ersten olympischen Goldmedaille und der fünften kleinen Abfahrtskristallkugel in Serie.

Kildes Landsmann Henrik Kristoffersen wird sich wohl eher stark auf den Torlauf konzentrieren, nachdem er den Olympiasieg in Südkorea verpasste und in China erreichen möchte. Im Alter von nicht einmal 20 Jahren gewann er in Russland die Bronzemedaille. Der Nordeuropäer hat in der warmen Jahreszeit hart gearbeitet. 23 bisher erzielte Weltcupsiege und eine Riesentorlauf-WM-Goldene sind nicht schlecht.

Abfahrt

In der schnellsten Disziplin sind die Favoriten schnell auszumachen. Beat Feuz, der viermal in Folge bereits die Disziplinenwertung für sich entscheiden konnte, hat die fünfte kleine Kugel im Visier. Dominik Paris hätte gerne so eine Auszeichnung und will gleich von Beginn an seinem eidgenössischen Konkurrenten um die Ohren fahren. Wenn wir die einzelnen Standorte anschauen, ist das fast überall denkbar. Auf der Saslong fühlt sich der Ultner nicht so wohl, aber die Fans werden ihn, sofern sie in Scharen kommen können, gewiss anfeuern. Matthias Mayer und Vincent Kriechmayr stellen eine ständige Gefahr dar. Auf den technisch versierten Pisten fühlt sich der Franzose Johan Clarey wohl. Er möchte auch bei den Klassikern überzeugen und eindrucksvoll unter Beweis stellen, dass er mit 41 (!) Lenzen extrem konkurrenzfähig und gefährlich ist. Ein Top-5-Ergebnnis in der Disziplinenwertung wäre für den Angehörigen der Equipe ein sehr gutes Resultat. Der Österreicher Max Franz will es wieder wissen, und die Norweger hoffen auf Kjetil Jansrud und Aleksander Aamodt Kilde. Für den erstgenannten Wikinger ist es die letzte Saison seiner Karriere. Wenn er, 2019 Weltmeister in Åre, noch einmal eine Schippe Selbstbewusstsein drauflegt, kann man mit ihm rechnen. Paris’ Landsmann Christof Innerhofer und das ausgezeichnete DSV-Team um Vizeweltmeister Andreas Sander können immer überraschen. Der Pusterer scheint die Materialprobleme in den Griff bekommen zu haben, und die Deutschen wissen nur nicht, wann Thomas Dreßen wieder einsatzbereit sein wird. Die tollen Ergebnisse bei der Ski-WM in Cortina d’Ampezzo sollten eine tolle Motivationsspritze für Romed Baumann und Co. sein.

Super-G

Fünf Athleten, die um die kleine Super-G-Kristallkugel kämpfen können, kommen einem sofort in den Sinn. Neben Vincent Kriechmayr und Matthias Mayer sind dies Mauro Caviezel, Marco Odermatt und Aleksander Aamodt Kilde. Es kann zu einem inneralpinen Vierkampf werden, bei dem der Norweger, der 2016 in dieser Disziplin die Gesamtwertung gewann, der lachende Fünfte sein kann. Auf alle Fälle werden es spannende Rennen, und alles deutet auf einen sehr offenen Ausgang hin. Der US-Amerikaner Ryan Cochran-Siegle, der vor seiner Verletzung in Kitzbühel sehr gut fuhr und in Bormio durch seine Dominanz auffiel, kann wieder gefährlich werden. Kjetil Jansrud, einer der besten Super-G-Spezialisten des letzten Jahrzehnts, will gute Ergebnisse erzielen und nicht in seiner letzten Saison in der Bodenlosigkeit versinken. Neben Dominik Paris und Christof Innerhofer setzt die Squadra Azzurra auf Mattia Casse, der ein Tohuwabohu mit einem glücklichen Happyend, seinen Verletztenstatus betreffend, erlebt hat und der endlich einmal aufs Podest klettern möchte. Aus deutscher Sicht können Pepi Ferstl, Andreas Sander und Romed Baumann für sehr gute Resultate sorgen, während Frankreich auf Geniestreiche von Alexis Pinturault und Mathieu Bailet hofft. Der zuletzt angeführte Skirennläufer kletterte im vergangenen Winter in Saalbach-Hinterglemm hinter Sieger Odermatt als Zweiter erstmals aufs Treppchen eines Weltcuprennens.

Riesentorlauf

Es wird wirklich interessant sein, wie sich die Riesentorlaufspezialisten schlagen werden. Marco Odermatt, der bei fast allen Rennen unter die besten Fünf fuhr und just beim Saisonkehraus auf heimischen Boden die kleine Kristallkugel seinem Widersacher Alexis Pinturault überreichen musste, will kein Dja-Vu erleben. Loic Meillard will auch mitmischen. Der Österreicher Marco Schwarz, der Italiener Luca De Aliprandini oder auch der Franzose Mathieu Faivre haben im letzten Winter gute Leistungen erzielt und möchten den positiven Schwung der vergangenen Saison auch auf den Olympiawinter 2021/22 übertragen. Der Slowene Zan Kranjec muss sich komplett wieder selbst finden. Rückenprobleme und der unerwartete Tod seines Vaters sorgten für eine schwierige Phase, die der Athlet hoffentlich einigermaßen überwunden hat. Henrik Kristoffersen aus Norwegen will mit seinen Landsleuten Leif Kristian Nestvold-Haugen und den jungen Lucas Braathen und Atle Lie McGrath für kompakte und herausragende Mannschaftsresultate sorgen, auch wenn die beiden zuletzt genannten Athleten ihm den Rang ablaufen möchten. Die Eidgenossen Gino Caviezel und Justin Murisier können genauso gut fahren wie die beiden Deutschen Alexander Schmid und Stefan Luitz. Letztere haben vor, die deutschen Farben zum Leuchten zu bringen.

Slalom

Auch wenn Marco Schwarz relativ deutlich die Disziplinenwertung für sich entschieden hat, gab es sieben Sieger in den ersten acht Rennen. Beim saisonalen Höhepunkt in den bellunesischen Dolomiten sorgten der Norweger Sebastian Foss-Solevag bzw. der Österreicher Adrian Pertl mit dem Gewinn der WM-Gold- bzw. der WM-Silbermedaille für zwei faustdicke Überraschungen. Trotzdem wies Schwarz konstant gute Ergebnisse auf seiner Habenseite auf, sodass er sich seine erste Kristallkugel mehr als nur verdient hat. Clement Noël aus Frankreich kann dem Kärntner auf die Pelle rücken und auch die begehrte Trophäe gewinnen. In den letzten drei Saisonen landete er immer auf Platz zwei. Wehmütig musste er beim letzten Rennen immer nach oben schauen und dem besser Klassierten die Hand schütteln. Doch auch der Tiroler Manuel Feller oder der Südtiroler Jungspund Alex Vinatzer haben teilweise gute Resultate erzielt. Beide möchten konstant gut fahren und auf allen Pisten ihre Wettbewerbsfähigkeit beweisen. Die ÖSV-Delegation möchte neben Pertl auch Michael Matt und Fabio Gstrein zu guten Leistungen gratulieren. Die Schweizer wollen die eher komplexe Saison 2020/21 vergessen. Ramon Zenhäusern, Daniel Yule können sicher mehr, als sie im letzten Winter zeigten. Henrik Kristoffersen hat sich zum Ziel gesetzt, immer ums Podium mitzukämpfen. Von der Equipe Tricolore dürfen wir neben Pinturault auch auf Victor Muffat-Jeandet gespannt sein. Die deutschen Referenzen sind jene von Linus Straßer und der Schwede Kristoffersen Jakobsen hat einige Male aufgezeigt und demonstriert, dass mit ihm zu rechnen sein kann. Aus azurblauer Sicht wollen die Veteranen Stefano Gross, Manfred Mölgg und Giuliano Razzoli kaum Vorsicht walten lassen und bestätigen, dass sie nicht zum alten Eisen gehören. Der wiedergenesene Simon Maurberger will rasch den Anschluss finden und mit einigen Top-10-Resultaten dafür Sorge tragen, dass seine Comebacksaison als gelungen zu bezeichnen ist.

Was sonst noch wichtig ist

Einige Namen werden immer für Überraschungen sorgen. Das ist ja das Schöne am Skirennsport, aber auch das Unberechenbare. Man muss abwarten, wie sich der US-Amerikaner Ryan Cochran-Siegle oder der Schweizer Urs Kryenbühl, ihres Zeichens zwei heiße Speed-Aktien, nach schweren Stürzen wieder herantasten und ob sie gleich bereit sein werden, das volle Risiko auf sich zu nehmen. Das kann man auch vom Norweger Adrian Smiseth Sejersted, der schon ans Aufhören dachte, behaupten.

Im Riesentorlauf wollen die jungen Atle Lie McGrath und Lucas Braathen wieder aus dem Vollen schöpfen. Besonders auf den zuerst angeführten Jungspund müssen wir Acht geben; er startet ja sozusagen als Titelverteidiger am Rettenbachferner. Der US-Athlet Tommy Ford, der noch am Rettenbachferner fehlt und noch eine Erholungspause vor sich hat, will es behutsam angehen. Dessen ungeachtet hat er die Olympischen Winterspiele in Peking und eine Teilnahme daran fest im Visier. Im Slalom werden wir sehen, wie sich Timon Haugan, Luca Aerni, Stefan Hadalin, Sandro Simonet und Tanguy Nef schlagen werden. Die Nationen, für die sie starten, sind Ski-Insidern mehr als nur bekannt und müssen jetzt nicht explizit angeführt werden. Der Brite Dave Ryding will selbstredend wieder überraschen.

Die Italiener haben mit Giovanni Franzoni und Filippo Della Vite zwei junge Athleten in ihren Reihen, die mehr als nur heiße Zukunftsaktien sind und die im Riesentorlauf und im Super-G sorgsam an die Spitze herangeführt werden sollen. Riccardo Tonetti aus Südtirol träumt von einer Olympiamedaille in „seiner“ Kombination. Diese Disziplin wird eines Tages Skirennsportgeschichte sein. In China kann er auf den Spuren seines Landsmannes Josef Polig wandern, der 1992 wohl vom Ausfall seines direkten Widersachers Hubert Strolz aus Österreich profitierte, und im französischen Albertville Kombi-Gold gewann. Es gibt aber auch viele junge Skirennläufer, die nach vorne preschen wollen und auch um einige Veteranen, die den Anschluss nicht verlieren möchten. Die Südtiroler Alexander Prast und Florian Schieder haben eine schwere Phase hinter und vor sich, und alle hoffen, dass jene Ski-Asse, die im Winter 2021/22 an den Start gehen, erfolgreich und verletzungsfrei durch den Winter gehen. Die Olympiasaison ist lange, und wir werden sehen, wie sich zunächst einmal die Riesenslalomspezialisten im Ötztal schlagen werden.

Der Herren Ski Weltcup Kalender der Saison 2021/22  

Der Damen Ski Weltcup Kalender der Saison 2021/22  

Bericht für skiweltcup.tv: Andreas Raffeiner

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